Die teuersten Wohnungen Zürichs warten seit Monaten auf Käufer. Das «Juwel am Zürichberg», welches sich derzeit an der Krönleinstrasse im Bau befindet, besteht aus sechs Wohnungen, die bis zu 7,6 Millionen Franken kosten (so sieht die Wohnung aus). Da sich in diesen Breitengraden niemand für die 248 Quadratmeter Nutzfläche grossen Wohnungen interessiert, wurden Prospekte bis nach Russland versandt.
«Die Zeiten irrationaler Preise sind auch in der Stadt Zürich vorbei — der Markt akzeptiert nicht mehr jeden Preis», sagt Claude Ginesta von Ginesta Immobilien. Gewisse Bauherren hätten ihre Preise zu hoch angesetzt und müssten diese nun zurücknehmen.
Die Immobilienspezialisten von Wüest & Parnter bestätigen den Trend: «Preise für Wohneigentum in der obersten Preisklasse fallen schweizweit um 5 Prozent», sagt Urs Hausmann von Wüest & Parnter. «Speziell Objekte ab 2 Millionen Franken sind heute schwieriger zu verkaufen», weiss Hausmann.
Oberste 10 Prozent werden günstiger
Noch deutlicher zeigt sich der Preiszerfall in der Luxusklasse in den Statistiken der IAZI, einem Beratungsunternehmen im Schweizer Immobiliensektor. Gemäss diesen Zahlen vermindert sich das Preisniveau bei den 10 Prozent der teuersten gehandelten Objekte.
Dies gilt sowohl für Eigentumswohnungen als auch für Einfamilienhäuser, wo die Preise pro Quadratmeter sogar sinken (siehe Grafiken). «Die extrem hohen Preise sind insbesondere im letzten Jahr unter Druck gekommen», sagt Reto Müller von IAZI.
Ein Grund dafür: Sehr teure Liegenschaften werden im Moment weniger häufig gehandelt, so Müller. Oder es geht einfach länger, bis Objekte verkauft sind. Für Verkäufer, die zuwarten können, ist das unproblematisch. Aber solche, die kurzfristig verkaufen müssen, seien durchaus zu Konzessionen bereit, so Hausmann.
Sinkende Zuwanderung und Verunsicherung
Auch seitens der möglichen Kundschaft hat sich das Denken gewandelt und ist hauptverantwortlich für den Angebotsüberhang. «Käufer von Wohneigentum sind auch in der oberen Preisklasse bescheidener geworden», stellt Ginesta fest. Hinzu kommt die schwindende Zuwanderung — insbesondere von jenen Ausländern, welche im Raum Zürich zu den gut bis sehr gut Verdienenden zählten und sich Liegenschaften im höheren Preissegment leisten könnten, weiss Müller.
Hinzu kommen konjunkturelle Gründe: «Verantwortlich für die Zurückhaltung und die sinkenden Preise ist die Verunsicherung der potenziellen Käufer», ist Hausmann überzeugt. Denn von der Subprime-Krise schlitterte man direkt in die Finanzkrise und kurz darauf gerieten die europäischen Staatshaushalte in Schieflage. «Diese Unsicherheiten hemmen die Investitionsentscheide derjenigen, die Wohneigentum zur Kapitalanlage kaufen».
Trotz allem ist Ginesta guter Dinge, da sich durch die Bereinigung in der Luxusimmobilienszene Auswüchse wieder zurückbilden würden. Mit Auswüchsen spricht er insbesondere Objekte an, die zwar im teuersten Baustil gebaut sind, jedoch an einer «1B-Lage» ständen (hier gehts zum Video).
Hochpreisinsel Zürich: Aktuelles Preisniveau von Einfamilienhäusern in der Schweiz
Quelle: IAZI AG, Zürich