Seit 2 Uhr morgens gibt der Franken die Gewinne gegen den Euro teilweise wieder ab. Das Währungspaar befindet sich am Morgen bei 1.4140 Franken pro Euro. Am Donnerstagabend kurz vor 21 Uhr hatte der Franken ein neues Allzeithoch bei 1.4006 pro Euro erreicht und schloss den Tag mit einem Zuwachs von 1.9 Prozent gegen die Einheitswährung.
Dermassen hoch stand der Franken noch nie seit der Einführung des Euros 1999. Das bisherige Allzeithoch war am 1. April 2010 mit einer Marke von 1.4145.
«Sogar die SNB hat den Euro aufgegeben, zumindest temporär», sagt Dean Popplewell, Analyst bei Oanda in Toronto.
Nachfrage nach Franken stieg drastisch an
Über Wochen hielt sich der Kurs bei der vermuteten Interventionsgrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 1.4320 Franken pro Euro - dies, um den Franken gegenüber der europäischen Einheitswährung nicht noch stärker werden zu lassen. Die Nachfrage nach Franken stieg in den letzten Tagen aber drastisch an, am Donnerstag kam es zum Dammbruch.
«Der Support bei 1.43 ist weggefallen. Es hatte sich enorm viel angestaut bei dieser Schwelle. Es war wie ein Ballon, der sich aufgeblasen hatte und jetzt zerplatzt ist», sagt Jürg Nessier, Leiter Sales Devisen bei der Zürcher Kantonalbank, auf Anfrage von cash.
Kurzzeitig unter 1.40 Franken
Offenbar hat die SNB die Taktik geändert. Sie gab dem Druck nach und liess den Franken ansteigen, um dann später wohl mit grösseren Einzelinterventionen zurückzukommen, sagt Nessier. Wo die neue Schmerzgrenze liegt und ob sich die SNB überhaupt noch eine solche setzt, wird sich in den nächsten Handelsstunden und -tagen zeigen.
Ähnlich grosse Eintagsaufwertungen gegen den Euro hatte der Franken Ende 2008, also mitten in der Finanzkrise. Am 17. Dezember 2008 stieg er um 1.8 Prozent gegen die Einheitswährung an.
Am Mittwoch hatten Händler noch davon gesprochen, dass die Notenbank praktisch jeden auf dem Markt gegen Franken angebotenen Euro kaufe. «Die SNB kauft Euro fast à discrétion», sagte ein Händler zu Reuters. Am Donnerstag habe die SNB bei Kursen um 1,4210 Franken dann noch einmal Kaufbereitschaft signalisiert, danach ging es weiter runter.
SNB kaufte in diesem Jahr 40 Milliarden Euro
Die Sorge um ein Überspringen der griechischen Schuldenkrise auf andere Euroländer drückt den Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung seit Wochen. Seit über einem Jahr kauft die SNB Euro für Franken, um den Wechselkurs nicht überborden zu lassen.
Allein von Januar bis April hat die SNB für rund 40 Milliarden Franken Euros gekauft, um die EU-Währung zu stützen und den Franken nicht allzu stark werden zu lassen. Ein aufgewerteter Franken schadet vor allem der Exportindustrie und dem Tourismus in der Schweiz.
