Mit ihrer Rolle als Whistleblower haben sich die Schweizer gegenüber Konkurrenten wie der Deutsche Bank und Bank of America Vorteile verschafft, sagen Experten. Für die verbliebenen Kreditinstitute steigt hingegen das Risiko hoher Strafzahlungen. Immerhin dient der Londoner Interbankensatz Libor als Benchmark für Finanzinstrumente in aller Welt im geschätzten Volumen von 360 Billionen Dollar.
Durch ihre Kooperation mit den Aufsichtsbehörden hofft die UBS, zumindest nicht die Maximal-Strafen zahlen zu müssen, sagen Anwälte. Kunden der Bank können sie allerdings dessen ungeachtet in dem Fall verklagen.
“Es ist eine vernünftige Taktik, und sie wird häufig angewandt”, sagt Steven Francis, Anwalt für Aufsichtsrecht bei der Kanzlei Reynolds Porter Chamberlain in London. “Im Wettbewerbsrecht gibt es ein sehr anerkanntes System, wonach der erste Whistleblower einen Vorteil gegenüber alle anderen Kartell-Mitglieder erhält.” Francis geht davon aus, dass sich UBS-Wettbewerber wie JPMorgan Chase und Citigroup auf höhere Strafzahlungen einstellen müssen.
Gute Chancen auch bei der kanadischen Wettbewerbsbehörde
Vom US-Justizministerium hat die Schweizer Bank bereits im Juli vergangenen Jahres bedingte Immunität bei seinen Libor- Untersuchungen erhalten. Eine vergleichbare Einigung wurde auch mit der Schweizer Wettbewerbskommission (WEKO) im Februar erzielt, erklärte die UBS.
Gute Chancen auf Immunität hat die Bank auch bei der kanadischen Wettbewerbsbehörde. Wie aus den Unterlagen des Gerichts in Ontario hervorgeht, sollen sich die Deutsche Bank, HSBC Holdings Plc, Royal Bank of Scotland Group Plc, JPMorgan, Citigroup und die Brokerhäuser ICAP Plc und RP Martin Holdings Ltd. für die Manipulation des Yen-Libor-Satzes abgesprochen haben.
Für die britische Financial Services Authority (FSA) gab Tracey McDermott, die Chefin der Ermittlungsbehörden, am Dienstag erstmals öffentlich bekannt, dass Untersuchungen der Libor-Manipulation laufen. Die UBS kooperiert auch mit den Briten und wird voraussichtlich eine Ermäßigung von 30 Prozent auf ihre Strafzahlung erhalten, erfuhr Bloomberg News aus informierten Kreisen.
“Wer zuerst kommt, hat eine gute Chance, von der FSA eine niedrigere Strafe aufgedrückt zu bekommen”, sagt Francis. “Der Libor-Fall ist allerdings von so großer Bedeutung, dass es keine Möglichkeit gibt, einer Strafe komplett zu entkommen.”
Strafen könnten "enorm ausfallen"
Die Europäische Union, die die Büros der UBS im Oktober hat durchsuchen lassen, äußerte sich bislang nicht zu einer möglichen Immunität. Dies geschieht gewöhnlich erst, wenn das Strafmaß für alle Beteiligten festgesetzt worden ist. Seit 2002 wurden allerdings für Whistleblower in Fällen von Preisabsprachen die Zahlungen stets erlassen. Diese Strafe können nach EU-Recht bis zu zehn Prozent der Einnahmen betragen.
Sollte bei den Untersuchungen eine Schuld festgestellt werden, könnten Strafen “enorm ausfallen, je nachdem, wie sie definiert werden”, sagt Peter Henning, Jura-Professor an der Wayne State University in Detroit. Eine angemessene Summe festzustellen, werde sehr schwer sein, da so viele Derivate und Swaps an den Libor gebunden seien, fügt er hinzu.
“Der Libor war immer schon eine Lüge, da er repräsentiert, was Banken für Mittel zahlen würden, jedoch nicht, was sie tatsächlich dafür zahlen”, erklärt Peter Hahn, Professor für Finanzen an der Cass Business School in London. “Leute, die einen Vorteil dadurch erlangen, Gewinne an falsch gepreisten Märkten zu erzielen, können eben diese Märkte manipulieren - das ist ein ernsthaftes Kontrollproblem.”
(Bloomberg)

