Geht es nach dem Willen der UBS, ist die Transaktion der Anfang eines ganzen Emissionsprogramms. Unklar ist allerdings, wie aufnahmefähig der Markt ist, wenn auch andere Banken auf solche Instrumente setzen.

Die nun emittierte zehnjährige Eigenkapital-Anleihe wird mit 7,25 Prozent verzinst. Eine herkömmliche Dollar-Anleihe der grössten Schweizer Bank mit einer ähnlichen Laufzeit wirft nur gut 5 Prozent ab. Allerdings handeln sich die Anleger mit dem höheren Coupon auch ein grösseres Risiko ein. Denn wenn die Eigenkapitalquote der Bank unter 5 Prozent sinkt, müssen die Inhaber der Papiere bluten: Dann werden diese UBS-Notes im Gegensatz zu herkömmlichen Anleihen direkt zur Deckung von Verlusten herangezogen.

Ähnlich wie Coco-Bonds, aber ohne Aktienumwandlung

Die Anleihe ähnelt einer Pflichtwandelanleihe (CoCo), kann aber im Gegensatz zu dieser nicht in Aktien gewandelt werden. Bei normalen Coco-Bonds, wie etwa Credit Suisse sie emittiert hat, werden die Obligationen in Aktien gewandelt, wenn das Eigenkapital unter eine bestimmte Grenze fällt oder eine Bank anderweitig in Schieflage gerät. UBS lehnt diese Variante ab, da sie einen Verwässerungseffekt auf ihre Aktien vermeiden will.

Die beiden Schweizer Grossbanken müssen bis 2019 eine Eigenkapitalquote von rund 19 Prozent erreichen. Sechs Prozentpunkte davon können aus Coco-Bonds oder ähnlichen Instrumenten bestehen. Gemessen an den Eigenkapitalregeln nach "Basel 2.5" kommt UBS auf eine Eigenkapitalquote von 16 Prozent. Würden die für 2019 vorgesehene "Basel 3"-Regeln heute schon angewendet, hätte UBS Ende 2011 eine Quote von knapp 7 Prozent erreicht.

Früheren Angaben zufolge peilt die UBS im Rahmen der Stärkung der Bilanz die Aufnahme von Eigenkapital-Anleihen im Umfang von insgesamt rund 16 Milliarden Franken (rund 17,5 Milliarden Dollar) an und will damit deutlich vor der Frist soweit sein. Finanzchef Tom Naratil sagte im Gespräch mit Reuters, UBS prüfe Emissionen mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde Dollar in anderen Währungen und Regionen. Spruchreif sei aber noch nichts.

Die Schweizer Banken spielen europaweit eine Vorreiterrolle bei solchen Spezialanleihen. Nach der Pflichtwandelanleihe der Credit Suisse im Vorjahr hat kürzlich die Zürcher Kantonalbank eine Eigenkapital-Anleihe auf den Markt gebracht. Während der Schweizer Regulator, die Finma, seine verschärften Eigenkapital-Anforderungen bereits ausgegeben hat, warten die europäischen Banken noch auf einen solchen Schritt.

Vor allem Kleinanleger und Privatbankkunden greifen zu

Standard & Poor's hatte Ende 2010 geschätzt, dass die Banken in den nächsten fünf bis zehn Jahren Hybridkapital von einer Billion Dollar benötigen könnten. Die Rating-Agentur hatte dabei Zweifel geäussert, ob genügend Nachfrage bestehe, denn die Banken seien möglicherweise nicht in der Lage sein, genügend hohe Zinsen zu bezahlen.

Genau hier setzt nun auch die Kritik von Fondsmanagern an, die die UBS-Anleihen nicht gekauft haben. Philippe Kellerhals von Cairn Capital erklärte, der Coupon der UBS-Bonds hätte eher bei 9 oder 10 Prozent liegen sollen. Die Anleihe fand denn auch vor allem bei Privatanlegern Anklang. Insidern zufolge wurden gut 70 Prozent der Anleihen an Kleinanleger und Privatbankkunden verkauft. Um einen Bedarf von hunderten von Milliarden Dollar stillen zu können, müssten aber wohl auch viele Profianleger anbeissen. Für die eigenen Kapitalaufnahmepläne äusserte sich UBS-Finanzchef Naratil optimistisch, weil die Bank bereits heute gut kapitalisiert sei.

(Reuters)