Der Gas-Krieg zwischen Russland, der Ukraine und neuerdings auch Ungarn, wird in Zug gefochten. Die Rohstoff-Kapitale zieht die intransparenten Gas-Zwischenhändler an, die seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mit Transit-Geschäften Milliarden verdient haben. Im letzten Winter geriet damit Rosukrenergo in die Schlagzeilen.
Operativ soll die Gesellschaft zwar aus dem Geschäft sein, ihren Firmensitz hat sie aber nach wie vor in Zug. Wie ein weiterer Zwischenhändler namens Rosgas, von dem kaum mehr als seine Zeichnungsberechtigten bekannt sind: Ein Zürcher Anwalt sowie ein ungarischer Staatsangehöriger.
Beide Firmen wetzen seit Wochen die Messer: Kürzlich hat Rosukrenergo vor einem Schiedsgericht in Stockholm 500 Millionen Dollar eingeklagt. Das Geld will die Firma, die seit Januar 2009 offiziell nicht mehr aktiv ist, wegen offener Rechnungen vom ungarischen Gashändler und langjährigen Kunden Emfesz. Dieser war im Mai in einer undurchsichtigen Aktion für 1 Dollar von Rosgas gekauft worden.
Emfesz-Manager in Budapest verhaftet
Die Ungarn haben ihrerseits eine Forderung über 1,8 Milliarden Dollar platziert. Grund ist der Liefervertrag, den Rosukrenergo seit Januar nicht mehr erfüllen kann. Eine Anfrage von cash bei Rosukrenergo-Verwaltungsrat Hans Baumgartner zu diesen Vorgängen blieb unbeantwortet.
Dem Streit ums Geld eine besondere Würze verleiht die vergangene Woche erfolgte Verhaftung von Istvan Goczi in Budapest: Der Emfesz-Manager hatte im Mai sämtliche Aktien des Unternehmens an Rosgas übertragen. Gegen ihn wird nun wegen schwerer Veruntreuung und Unterschlagung ermittelt.
Den Schaden hat bislang der ukrainische Tycoon Dmytro Firtash: Emfesz gehörte bis zum «Diebstahl» zu seiner Mabofi Holding. Firtash strengte in der Folge Verfahren in Zug und in Budapest an, um seine Firma zurückzubekommen. Goczis Verhaftung kommentierte Mabofi diese Woche in einer Mitteilung: Diese bedeutende und positive Entwicklung in der Aufklärung des Diebstahls von Emfesz sei ermutigend.
Rosukrenergo hat Preise der Mitbesitzerin Gazprom unterboten
Bereits im Mai hatte Firtash in Zug eine einstweilige Verfügung erwirkt, welche Rosgas Kapital- und Aktientransaktionen im Zusammenhang mit Emfesz untersagt. Der Ukrainer ist auf dem Papier auch zu 40 Prozent an Rosukrenergo beteiligt, 50 Prozent gehören dem Monopolisten Gazprom. Der liefert sein Gas auf Vladimir Putins Geheiss nun offiziell über seine Export-Gesellschaft in die EU-Länder.
Firtash wird nachgesagt, er habe nach dem Aus von Rosukrenergo Emfesz ebenfalls verkaufen wollen - für 10 Dollar an Gazprom. Emfesz hatte rätselhafterweise das Gas von Rosukrenergo jeweils zu einem deutlichen tieferen Preis erhalten als andere ungarische Gesellschaften, die direkt von Gazprom beziehen.
Sogar der KGB soll seine Finger im Spiel haben
Noch immer ist unklar, wer die Hintermänner von Rosgas sind. In russischen Medien wird sogar vermutet, der KGB habe seine Finger beim illegalen Emfesz-Verkauf im Spiel gehabt. Die Zeitung «Vedemosti» will einen pensionierten Geheimdienstler als Rosgas-Besitzer ausgemacht haben.
Andere Beobachter spekulieren, Gazprom inszeniere das Ganze als Scharade, um Firtash als unliebsamen Partner endgültig loszuwerden. Die Zuger Behörden schweigen dazu, wie auch der Zürcher Anwalt, der Rosgas vor knapp einem Jahr gegründet hat.
Wie die EU-Kommission cash am Donnerstag bestätigt, hat sie sich in den Fall eingeschalten. Beamte haben die Büros von Emfesz unangekündigt durchsucht. Offenbar geht es bei der Untersuchung auch um wettbewerbsrechtliche Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit den Gaspreisen in Ungarn.

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