Für Peabody Energy Corp., den grössten Kohleproduzenten der USA, haben 79 Prozent der Experten eine Kaufempfehlung ausgesprochen. Lediglich 44 Prozent jedoch raten, die Aktie von First Solar Inc., dem weltgrößten Anbieter von Dünnschichtsolarzellen, zu kaufen.

An den Aktienmärkten spiegelt sich diese Skepsis gegenüber den erneuerbaren Energien ebenfalls wider: Während die 38 Kohleproduzenten im Stowe Global Coal Index in diesem Jahr 6,5 Prozent zugelegt haben, ging es für den Bloomberg Global Leaders Solar Index mit seinen ebenfalls 38 Mitgliedern 17 Prozent abwärts.

Selbst Investments von Star-Investoren wie Warren Buffett und T. Boone Pickens in die grünen Energien konnten an der zurückhaltenden Einstellung gegenüber Solarwerten nichts ändern.

«Kohle dürfte da kurzfristig die Nase vorn haben»

Die Spanne zwischen den Analystenempfehlungen für Peabody und First Solar war seit zwei Jahren nicht mehr so gross. Das liege nicht zuletzt auch an dem Eindruck einiger Investoren, dass die Regierungen ihre Unterstützung für den Umweltschutz etwas zurückfahren würden, sagt Fondsverwalter Kevin Landis. Sein Firsthand Alternative Energy Fund weist in diesem Jahr eine bessere Performance als der Solar-Index auf.

«Solange nicht Gesetze die erneuerbaren Energien stärker gegenüber der schmutzigen Kohle fördern, wird die Solarkraft einigen Investoren weiterhin als zu riskant erscheinen», sagt Landis. «Kohle dürfte da kurzfristig die Nase vorn haben.»

Anbieter in Deutschland ausgeblutet

Den Solarkonzernen weht derzeit ein kräftiger Wind ins Gesicht. Zum einen kommen chinesische Konkurrenten mit günstigeren Produkten auf den Markt. Zum anderen wurde die staatliche Förderung in Deutschland und Spanien zurückgefahren. Auf diese beiden Länder entfielen 2008 etwa 72 Prozent aller weltweit installierten Solarkollektoren.

Die Preise für Solarmodule werden in diesem Jahr bis zu zehn Prozent fallen, nachdem sie 2009 bereits um 30 Prozent eingebrochen sind, erwartet Andreas Hänel, der Vorstandschef der Phoenix Solar AG im bayerischen Sulzemoos. Alle Anbieter in Deutschland seien völlig ausgeblutet und hätten im vergangenen Jahr Riesenverluste eingefahren, sagte Hänel im Interview mit Bloomberg News.

Kohle-Anteil steigt bis 2030

Einer der Gründe, warum die Solarbranche nicht erfolgreicher ist, dürfte das Scheitern des Klimagipfels im Dezember in Kopenhagen sein. Die teilnehmenden Staaten konnten sich nicht darauf einigen, den in den 37 regulierten Ländern verbindlichen Kauf von CO2-Emissionsrechten über das Jahr 2012 hinaus zu verlängern. Wenn Grossproduzenten von CO2, wie beispielsweise Kohlekraftwerke, in Zukunft keine Emissionsrechte mehr kaufen müssen, senkt das ihre Kosten.

Etwa 41 Prozent der Stroms weltweit wird durch die Verbrennung von Kohle erzeugt, schätzt die Internationale Energieagentur. Dieser Anteil wird demnach bis 2030 sogar auf 44 Prozent zulegen.

Hoffnungsschimmer für die Solarbranche

Einen Hoffnungsschimmer für die Solarbranche gibt es allerdings: Weltweit dürften die Investitionen in erneuerbare Energien in diesem Jahr auf 175 Milliarden Dollar bis 200 Milliarden Dollar steigen, erwartet Michael Liebreich, der Konzernchef von Bloomberg New Energy Finance. Er sprach auf einer Konferenz in London, die von Mittwoch bis Freitag andauert. Und auch der Umsatz mit Solarmodulen wird zunehmen, fügte Analyst Martin Simonek von New Energy hinzu.

Dabei dürften in Deutschland Solaranlagen mit einer Kapazität von 3000 Megawatt installiert werden - das entspricht einem Drittel der weltweiten Anlagen. In der Tschechischen Republik kommen 900 Megawatt hinzu. Zum Vergleich: Das entspricht beinahe den gesamten existierenden Installationen in den USA.

(Bloomberg)