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sgrauso
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Was mich ärgert ist der grosse Balken! Habe einfach ein ungutes Gefühl wenn die SNB so grosse Devisenreserven hat die ja zum grössten teil in EURO sind....

 


 


 


Geld macht nicht glücklich, besonders wenn es wenig ist....


WWW.Venganza.org


 

MarcusFabian
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Darin enthalten sind auch nocht die Giftmüllpapiere, die die SNB freundlicher Weise der UBS abgenommen hat.

Subprimes, ABS, CDS und solcher Schrott.

Ob man damit eine stabile Währung absichern kann?

CrashGuru
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weico wrote:

CrashGuru wrote:

Selbst als Amateur erkenne ich:

Nur eine stabile Aktiva: Gold. Der Rest ist "Papier".... Kein Land, kein Haus, nicht einmal die Rütliwiese... Lol

Ein Amateur erkennt es eben auch (noch) nicht ganz.. 8)

weico

Nun ja, aber was ich erkenne ist, dass alles auf Vertrauen aufgebaut ist. Und das ist ja in hohem Mass vorhanden. Besonders unter den Banken, welche mit den gleichen Mitteln Vertrauen bilden LolLol

MarcusFabian
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Ramschpapierhaendler wrote:

Sozusagen eine "stabile" Amateurwährung. Wink

Wer hat was gegen Amateure?

15'000 Profis haben die Titanic gebaut.

4 Amateure die Arche Noah! Wink

sgrauso
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Kein gutes beispiel da es nur die Titanic wirklich gab Wink

 


 


 


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CrashGuru
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sgrauso wrote:

Kein gutes beispiel da es nur die Titanic wirklich gab Wink

und in der Gegend keine Eisberge :oops: Wink

scaphilo
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CrashGuru wrote:

weico wrote:

Ein moderne Zentralbank hat zum Glueck noch weitere Aktiven zur Hand um zu "decken"..... Lol

http://www.snb.ch/de/iabout/assets/id/assets_structure

weico

Selbst als Amateur erkenne ich:

Nur eine stabile Aktiva: Gold. Der Rest ist "Papier".... Kein Land, kein Haus, nicht einmal die Rütliwiese... Lol

Eine Bemerkung neben bei: Hier fehlen offesichtlich noch die 250mia eur bei den Devisenreserven welche die SNB dieses Jahr noch zusätzlich angehäuft hat.

CrashGuru
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scaphilo wrote:

CrashGuru wrote:
weico wrote:

Ein moderne Zentralbank hat zum Glueck noch weitere Aktiven zur Hand um zu "decken"..... Lol

http://www.snb.ch/de/iabout/assets/id/assets_structure

weico

Selbst als Amateur erkenne ich:

Nur eine stabile Aktiva: Gold. Der Rest ist "Papier".... Kein Land, kein Haus, nicht einmal die Rütliwiese... Lol

Eine Bemerkung neben bei: Hier fehlen offesichtlich noch die 250mia eur bei den Devisenreserven welche die SNB dieses Jahr noch zusätzlich angehäuft hat.

Nein fehlen nicht, habe sie schon auf 0 abegeschrieben LolLolLol

weico
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scaphilo wrote:

CrashGuru wrote:
weico wrote:

Ein moderne Zentralbank hat zum Glueck noch weitere Aktiven zur Hand um zu "decken"..... Lol

http://www.snb.ch/de/iabout/assets/id/assets_structure

weico

Selbst als Amateur erkenne ich:

Nur eine stabile Aktiva: Gold. Der Rest ist "Papier".... Kein Land, kein Haus, nicht einmal die Rütliwiese... Lol

Eine Bemerkung neben bei: Hier fehlen offesichtlich noch die 250mia eur bei den Devisenreserven welche die SNB dieses Jahr noch zusätzlich angehäuft hat.

steht doch absolut klar dort:

Stand Ende Dezember 2009..

P.S..: fuer weiter Fragen steht euch UNSERE SNB problemlos Rede und Antwort.(selber ausprobiert..!) 8)

weico

MarcusFabian
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Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt

Von: Stephan Schulmeister

http://www.weissgarnix.de/2010/08/01/depression-als-europaisches-gemeins...

Im November 1996 erschien in der ZEIT ein Artikel von mir, der den „langen Zyklus“ seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahren nachzeichnete und die weiteren Etappen auf dem Weg in eine neue Systemkrise skizzierte („Zehn Etappen zum Abgrund“). Zunächst fasse ich die Entwicklung bis 1996 zusammen.

Aus den Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise und gefördert durch den „Kalten Krieg“ wurde nach 1945 das Modell der Sozialen Marktwirtschaft entwickelt. Es ermöglichte gemeinsam mit dem Weltwährungssystem von Bretton Woods und der Liberalisierung des Welthandels ein anhaltend hohes Wachstum. Die wichtigsten Komponenten dieses „Prosperitätsmodells“ waren:

* Eine neue ökonomische Theorie, welche den systemischen Charakter des Wirtschaftens ins Zentrum rückte, der Keynesianismus.

* Dieser bildete die Basis für die Vollbeschäftigungspolitik, den Ausbau des Sozialstaats und die enge Kooperation zwischen Unternehmern und Gewerkschaften.

* Das Zinsniveau wurde von den Notenbanken unter der Wachstumsrate gehalten, auch die Wechselkurse blieben stabil, insbesondere jener des Dollars als „Ankerwährung“, und (deshalb) auch die in Dollar notierenden Rohstoffpreise.

Das Gewinnstreben – die „Kernenergie“ im Kapitalismus – wurde so systematisch auf die Realwirtschaft gelenkt. Gleichzeitig wollten die Menschen permanent über ihren Verhältnissen leben, also jedes Jahr mehr kaufen als im letzten. Der stete Anstieg der Nachfrage machte wiederum das Produzieren für die Unternehmer (höchst) profitabel.

Makroökonomisch bedeutete dies: Der Unternehmenssektor übernahm das Sparen der Haushalte (Überschüsse) in Form von Investitionskrediten (Defizit) und verwandelte es in Realkapital und Arbeitsplätze. So konnte der Staat einen ausgeglichenen Haushalt aufweisen oder sogar Überschüsse, nicht zuletzt, weil sich auch die Leistungsbilanz verbesserte (die Summe aller vier Finanzierungssalden einer Wirtschaft ist Null): Die Staatsschuldenquote ging 20 Jahre lang zurück, obwohl (weil?) der Sozialstaat stetig ausgebaut wurde.

Das realkapitalistische Modell war so erfolgreich, dass in Europa schon Anfang der 1960er Jahre Vollbeschäftigung herrschte. Nun stellten die Gewerkschaften neue Forderungen: Umverteilung zugunsten der Löhne sowie mehr Mitbestimmung. Beides wurde großteils durchgesetzt, insbesondere durch die Verdreifachung der Streiks. Dazu kamen der Aufstieg der Sozialdemokratie, das Jahr 1968, die drohende “Abwanderung” der Intellektuellen ins linke Lager und schließlich die Ökologiebewegung. All dies machte die Unternehmer wieder empfänglich für die neoliberale Verheißung, Gewerkschaften und Sozialstaat zurückzudrängen.

Zum wichtigsten Mittel zu diesem Zweck wurde die Ent-Fesselung der Finanzmärkte. Für diese hatten die neoliberalen „master minds“ Friedman und Hayek schon lange gekämpft. Sie prägte die einzelnen Etappen auf dem langen Marsch in die große Krise (nun ein paar Zitate aus dem ZEIT-Artikel): „Der Übergang des wirtschaftswissenschaftlichen und -politischen ‚mainstream’ vom Keynesianismus zum Neo-Liberalismus markiert die erste ‚Etappe’“.

„Die zweite ‚Etappe’ bestand in der Aufgabe des Systems fester Wechselkurse (1971/73) (…) Die zwei ausgeprägten Entwertungen des Dollar 1971/73 und 1977/78 waren der wichtigste Grund für die beiden Ölpreisverteuerungen 1973 und 1979, die nachfolgenden Rezessionen und den dadurch verursachten Anstieg der Arbeitslosigkeit.“

„Der Übergang zu einer monetaristisch motivierten Hochzinspolitik (1979/81) markiert die dritte ‚Etappe’: Steigende Dollarzinsen zogen eine enorme Dollaraufwertung nach sich, wodurch auch die Dollarschulden der Entwicklungsländer ‚aufgewertet’ wurden; die internationale Schuldenkrise (1982) dämpfte das Welthandelswachstum nachhaltig, Arbeitslosigkeit und Budgetdefizit in den Industrieländern nahmen auch deshalb weiter zu.“

„Die vierte ‚Etappe’ besteht im Anwachsen des Problems ‚Staatsverschuldung’: Als Folge der Hochzinspolitik der Notenbanken liegt der Zinssatz seit Ende der 1970er Jahre permanent über der Wachstumsrate, während er davor darunter gelegen war. Unter diesen Umständen haben die Unternehmen – verständlicherweise – ihr Finanzierungsdefizit gesenkt, um zu verhindern, dass ihre Schulden rascher wachsen als ihre Umsätze. Sie haben also ihre Investitionen von Real- zu Finanzanlagen verlagert (auch deshalb, weil letztere relativ profitabler geworden waren). Dies dämpfte Produktion und Beschäftigung, die Zahlungen an Arbeitslose stiegen, die Steuereinnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück, die Budgetdefizite nahmen zu und damit auch die Staatsverschuldung.“

„Die fünfte ‚Etappe’ wurde durch die Hochzinspolitik der deutschen Bundesbank geprägt (1989/93): diese war nicht nur der wichtigste Grund für das Ausmaß der Rezession 1993, sondern auch für den Zusammenbruch fester Wechselkurse in Europa.“

Diese Entwicklung „spaltete die EU in einen zentralen Hartwährungsblock und die Weichwährungsländer (sechste ‚Etappe’) und verschärfte so die Konkurrenz der einzelnen Länder gegeneinander im Kampf um immer knappere Arbeitsplätze.“

„Die siebente ‚Etappe’ bestand in der durch den Maastricht-Vertrag ‚gleichgeschalteten’ Sparpolitik der EU-Regierungen, also dem Versuch, Budgetdefizit und Staatsverschuldung bei einem anhaltend positiven Zins-Wachstums-Differential zu reduzieren. Da die Unternehmer unter dieser Finanzierungsschranke nicht bereit sind, ihr Defizit auszuweiten, kann der Staat sein Defizit nur dann ‚wachstumsschonend’ senken, wenn er gleichzeitig die Überschüsse der privaten Haushalte reduziert, also die Einkommen der besser Verdienenden zu seinen Gunsten umverteilt (diese senken bei Einkommenseinbußen eher ihr Sparen als ihren Konsum). Dies erfordert eine primär einnahmenseitige Konsolidierungsstrategie…….Wegen des ‚Spardogmas’ versuchten die EU-Regierungen aber, ihre Budgets primär ausgabenseitig zu konsolidieren, insbesondere durch Kürzung von Sozialausgaben: Da diese überwiegend einkommensschwächeren Schichten zufließen, wurden so der Konsum und damit die Umsätze der Unternehmen gesenkt.“

Es folgt mein 1996er-Ausblick in die (damalige) Zukunft.

„In der (kommenden) achten ‚Etappe’ werden manche Regierungen die Symptomkur intensivieren und insbesondere die Unterstützungszahlungen an Arbeitslose massiv kürzen (…) Da Arbeitslosengelder zur Gänze in den Konsum fließen, wird sich die Wirtschafts- und Budgetlage dadurch weiter verschlechtern.“

„In der (wahrscheinlich kommenden) neunten ‚Etappe’ wird versucht werden, die Nominallöhne zu senken; gefördert wird diese Tendenz durch Standortverlagerungen im Zuge der Globalisierung (…) sowie durch das neo-liberale Dogma, dass letztlich nur so die Arbeitslosigkeit verringert werden kann (…) Im Zuge dieses Prozesses werden sich die Konflikte zwischen Unternehmern (‚Realkapitalisten’) und Arbeitnehmern weiter verschärfen, (…) Hauptgewinner dieser Entwicklung werden (…) die Rentiers (‚Finanzkapitalisten’) sein, also die Besitzer großer Finanzvermögen.“

„Bis die Unternehmer begriffen haben, dass die Rentiers zwar nützliche Verbündete im politischen Kampf gegen Gewerkschaften und Sozialstaat sind, gleichzeitig aber die genuin unternehmerischen Tätigkeiten wie Investition und Außenhandel durch hohe Zinssätze und schwankende Wechselkurse beeinträchtigen, werden einige Krisenjahre vergehen.“

„In der zehnten ‚Etappe’ werden die neo-liberalen Experimente so gründlich gescheitert sein, dass ihre Theoretiker in eine ‚Sinnkrise’ und ihre Praktiker in eine politische Krise stürzen. Erst dann werden eine neue, ‚systemisch’ orientierte Wirtschaftstheorie und eine darauf basierende wirtschaftspolitische Gesamtstrategie entwickelt werden können. Gemeinsam mit einer wieder engeren Kooperation zwischen Unternehmern und Gewerkschaften werden sie das Fundament für den Beginn eines neuen Wachstumszyklus bilden.“

Im Frühjahr 2010 stehen wir unmittelbar vor der Etappe 10. Mit dem Ausbruch der großen Krise sind wir zwar am Ende der finanzkapitalistischen Sackgasse angekommen und damit am Anfang einer neuen Talsohle im „langen Zyklus“ (etwa analog zu 1930/31). Für das finale Scheitern des Neoliberalismus braucht es aber noch ein „Großexperiment“: Das gemeinsame Sparen aller EU-Länder.

Dieses wird schon vorbereitet, ja der Stabilitäts- und Wachstumspakt soll sogar noch verschärft werden: Nach 35 Jahren der Ausbreitung des neoliberalen Smogs in den Köpfen der Eliten, können sie den systemischen Charakter des Problems Staatsverschuldung und seine Verknüpfung mit anderen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Umweltverschlechterung nicht begreifen. Vielmehr halten sie sich an ihrer symptomorientierten Sicht fest. Erstens: „Wo ein Problem in Erscheinung tritt, dort liegen auch seine Ursachen“. Die Staatsverschuldung soll daher durch einen Sparkurs bekämpft werden, die Arbeitslosigkeit durch Lohnzurückhaltung, etc. Zweitens: Jedes Problem bedarf einer „Spezialtherapie”.

Konkret lautet die Symptomdiagnose hoher Staatsschulden: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt und müssen nun den Gürtel enger schnallen (wer ist „wir“?). Tatsächlich lebt die deutsche Wirtschaft seit 35 Jahren unter ihren Verhältnissen: Es wird viel weniger nachgefragt als produziert werden könnte, ersichtlich an Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und unausgelastetem Realkapital.

In systemischer Sicht liegt der Hauptgrund für die Lage der Staatsfinanzen in den finanzkapitalistischen Rahmenbedingungen auf Grund neoliberaler Empfehlung („Haltet den Dieb!“): Bei instabilen Wechselkursen, Rohstoffpreisen, Aktienkursen und Zinssätzen senkten die Unternehmen ihre Realinvestitionen und damit ihr Finanzierungsdefizit. Die privaten Haushalte sparten aber fleißig weiter, ihr Überschuss blieb hoch. Damit musste der Staat langfristig ein höheres Defizit „erleiden“ (durch höhere Arbeitslosigkeit und geringere Steuereinnahmen). Einzelnen Ländern wie Deutschland mag es gelingen, einen Teil des Problems ins Ausland (den vierten Sektor) zu verschieben, indem man selbst einen (Leistungsbilanz)Überschuss erzielt, aber dann haben eben die anderen Länder ein höheres Defizit.

Überdies liegt der Zinssatz seit 30 Jahren über der Wachstumsrate. Bei dieser Konstellation dürfen die Schuldnersektoren „Unternehmen“ und „Staat“ nur weniger Kredite aufnehmen als sie an Zinsen für die Altschulden zu bezahlen haben – sie müssen also Primärüberschüsse erzielen. Die Unternehmen „drehten“ daher schon vor 30 Jahren ihren Primärsaldo in einen Überschuss, und zwar durch Senkung der Realinvestitionen. Aber auch die Hauhalte erziel(t)en weiterhin Primärüberschüsse: Sie sparen (viel) mehr als ihre Zinserträge. So konnte es dem Staat nicht gelingen, selbst langfristige Primärüberschüsse zu erzielen. Also musste die Staatsschuldenquote steigen.

Fazit: Der Staat hat es allein nicht in der Hand, seinen Haushaltssaldo und seine Schuldenquote zu bestimmen, diese sind Resultat der Interaktion aller Sektoren, konkret der finanzkapitalistischen „Spielanordnung“. Die neoliberalen Geistesgrößen aber denken schlicht: „Der Schuldner ist schuld“. Dieser – gut gemeinte – Unsinn wurde im Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU „verewigt“ und soll nun ausgeweitet werden.

Also müssen jetzt alle EU-Staaten sparen und gemeinsam die Krise vertiefen: Die Unternehmer sind ja noch keinesfalls bereit, ihre Investitionen stark auszuweiten, die Haushalte sparen eher mehr als weniger (auch aus Angst vor Sozialabbau), und die Leistungsbilanzüberschüsse gehen zurück. Konkret: Die den „CubMed-Ländern“ verordneten „Super-Sparpakete“ werden besonders die deutschen Exporte in diese Region einbrechen lassen (der gestrenge „Weltmeister“ hat am meisten zu verlieren). Gleichzeitig schwächen sich auch die Importe der USA und von China ab (dort bricht gerade der Immobilien- und Aktienboom zusammen). Im Klartext: Alle Sektoren versuchen nun zu sparen. Wenn dann der Stabilitätspakt noch verschärft wird, werden wir uns gegenseitig in eine Depression geißeln („sparst du an mir, spar ich an dir“ – in der Makroökonomie kann man immer nur krank schrumpfen, nie gesund).

Die Alternative: Das Problem der Staatsverschuldung wird durch eine expansive Strategie bekämpft, gemeinsam mit den anderen systemisch bedingten Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Umweltverschlechterung, also durch einen „New Deal“ für Europa (mehr dazu in einem Buch, das Ende Juni erscheinen wird):

* Zusätzliche Aufträge an die Unternehmen mit hohen Multiplikatoreffekten, insbesondere zur Bekämpfung des Klimawandels (thermische Gebäudesanierung, Verkehrsinfrastruktur, Energie- und Umwelttechnik, alternative Antriebstechnik für Individualverkehr): Dies stärkt die Investitions-, Kredit- und Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen.

* Massive Investitionen ins Bildungswesen, insbesondere auch im Hinblick auf Integration und Qualifikation der (jungen) Menschen mit Migrationshintergrund.

* Bessere Absicherung der Hauptopfer der Krise wie Arbeitslose und (sonstige) Menschen an/unter der Armutsgrenze: Dies stärkt den Konsum, aber auch den sozialen Zusammenhalt.

* (Anschub)Finanzierung durch Beiträge der sozial best Gestellten, insbesondere der Besitzer großer Finanzvermögen (Finanztransaktionssteuer, Abgabe auf Wertpapierdepots, Erhöhung der Kapitalertrags/Abgeltungssteuer auf 35%, temporäre Erhöhung des Spitzensteuersatzes): Dies verteilt Sparen zum Staat um, der Konsum wird kaum gedämpft.

* In Deutschland ließen sich so ohne soziale Härten die Staatseinnahmen um 100 bis 150 Mrd. € erhöhen (jawohl). Auch möge man bedenken: Die Mageren können den Gürtel kaum enger schnallen, den „Leistungsträgern“ täte eine Verschlankung gar nicht schlecht, sie brauchten dann weniger zu schleppen.

Wenn die „Reichen an Geld“ hingegen darauf bestehen, dass der Staat seine Schulden an sie durch Verringerung seiner Ausgaben abzahlt, dann verlangen sie eine logische Unmöglichkeit: Die Deckung der Staatsschuld besteht ja im künftigen Wirtschaftswachstum – eine kollektive Sparpolitik führt aber in die Krise.

Endstation: Umschuldung aller EU-Staaten. Das wird die „Reichen an Geld“ viel teurer zu stehen kommen als jetzt zu einem „New Deal“ beizusteuern. Dieser gäbe den Arbeitnehmern die Chance, gemeinsam mit den Unternehmern die Schulden des Staates gegenüber den „Reichen an Geld“ abzutragen.

Genau so bekämpfte Roosevelt die große Krise: Zwischen 1933 und 1936 stieg das US-BIP um fast 40%, finanziert wurde der „New Deal“ durch massive Erhöhung der Steuern der Spitzenverdiener und Vermögenden. Reichskanzler Brüning aber hatte versucht, Deutschland und seine Finanzen durch eine Sparpolitik zu kurieren.

Heute stehen wir vor einem ähnlichen Scheideweg: Obama plant Steuererhöhungen für Personen mit mehr als 250.000 $ Jahreseinkommen im Ausmaß von 6% des BIP (für Deutschland wären dies etwa 150 Mrd. €). Damit möchte er eine expansive Strategie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, des Klimawandels und der Schwächen des Gesundheitssystems finanzieren. In Europa aber fordern die Eliten unter deutscher Führung das kollektive Sparen ein, also, sich wechselseitig das Wasser abzugraben wie anno dazumal (…).

Während ich dies schreibe, befinde ich mich auf der Insel Patmos. In meinem Weltempfänger höre ich die Stimme von Frau Merkel: Deutschland müsse bis 2015 den Gürtel enger schnallen, das Land hätte zu lange über seine Verhältnisse gelebt. Und mir kommt Hölderlin’s Patmos-Gedicht in den Sinn: ” (…) wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch (…)” Diesmal wohl zu spät für sehr viele.

Und dann höre ich Merkel’s Trost: An Bildung, Forschung und Kinderbetreuung werde nicht gespart, das seien Ausgaben für die Zukunft. Für welche Zukunft? Wenn wir den Kindern eine miese Umwelt hinterlassen, die Infrastruktur in Städten und Gemeinden verkommen lassen, und das Sozialsystem immer löchriger wird, wenn wir also den Kindern die Bedingungen für ein „gut Leben“ verschlechtern, nur weil wir zu furchtsam sind, auch den Vermögenden höhere Beiträge abzuverlangen, mit denen man die Lebensbedingungen verbessern und Arbeit schaffen könnte, ja dann, finde ich, sollte man auch an den Kindern sparen. Damit es eine runde Sache wird.

Was Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung betrifft, denkt Merkel wie Reichskanzler Brüning. Der war ein anständiger Zentrumspolitiker, Frau Merkel ist es auch. Doch ihr gemeinsamer Berater war und ist der gleiche, der unbeirrbare deutsche Einheitsökonom: Aus neoliberalen Luftschlössern leitet er Empfehlungen ab für die Menschen am Boden der Realität, was seine Empfehlungen anrichten, verdrängt er, und ökonomische „Wahrheiten“ verzapft er mit großer Selbstgefälligkeit.

Dieser Einheitsökonom sollte in Etappe 11 zur Rechenschaft gezogen werden: Wegen erwiesener Denkfaulheit gepaart mit mangelnder Anteilnahme. Denn als Ökonom wird man Neues und Nützliches nur finden, wenn man konkret denkt und dazu gehört auch eine „emotionale Resonanz“. Nachzulesen bei Adam Smith oder auch – und gerade – bei John M. Keynes.

Stephan Schulmeister ist Wirtschaftsforscher in Wien.

Merced
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Re: Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt

MarcusFabian wrote:

Von: Stephan Schulmeister

http://www.weissgarnix.de/2010/08/01/depression-als-europaisches-gemeins...

Die Alternative: Das Problem der Staatsverschuldung wird durch eine expansive Strategie bekämpft, gemeinsam mit den anderen systemisch bedingten Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Umweltverschlechterung, also durch einen „New Deal“ für Europa (mehr dazu in einem Buch, das Ende Juni erscheinen wird):

* Zusätzliche Aufträge an die Unternehmen mit hohen Multiplikatoreffekten, insbesondere zur Bekämpfung des Klimawandels (thermische Gebäudesanierung, Verkehrsinfrastruktur, Energie- und Umwelttechnik, alternative Antriebstechnik für Individualverkehr): Dies stärkt die Investitions-, Kredit- und Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen.

* Massive Investitionen ins Bildungswesen, insbesondere auch im Hinblick auf Integration und Qualifikation der (jungen) Menschen mit Migrationshintergrund.

* Bessere Absicherung der Hauptopfer der Krise wie Arbeitslose und (sonstige) Menschen an/unter der Armutsgrenze: Dies stärkt den Konsum, aber auch den sozialen Zusammenhalt.

* (Anschub)Finanzierung durch Beiträge der sozial best Gestellten, insbesondere der Besitzer großer Finanzvermögen (Finanztransaktionssteuer, Abgabe auf Wertpapierdepots, Erhöhung der Kapitalertrags/Abgeltungssteuer auf 35%, temporäre Erhöhung des Spitzensteuersatzes): Dies verteilt Sparen zum Staat um, der Konsum wird kaum gedämpft.

* In Deutschland ließen sich so ohne soziale Härten die Staatseinnahmen um 100 bis 150 Mrd. € erhöhen (jawohl). Auch möge man bedenken: Die Mageren können den Gürtel kaum enger schnallen, den „Leistungsträgern“ täte eine Verschlankung gar nicht schlecht, sie brauchten dann weniger zu schleppen.

Stephan Schulmeister ist Wirtschaftsforscher in Wien.

Wenn ich diesen langen Text richtig verstehe, so empfiehlt Herr Schulmeister also, eine Reichensteuer einzuführen, und durch den Staat gelenkte Investitionen vorzunehmen und die Sozial- und Bildungsausgaben zu erhöhen, damit wird alles gut.

So. Ein paar wenige Fragen:

Wer soll diesen Staat, der ja offensichtlich am besten weiss, was gut für uns alle ist, verkörpern? Noch mehr EU-Bürokraten, die uns genau sagen können, wie krumm eine Banane sein darf, damit sie in der EU dem Konsumenten noch zum Verzehr zugemutet werden kann? Wir wissen doch alle, dass dort wo der Staat eingreift, meist nur suboptimale Ergebnisse erzielt werden.

Investitionen in die Bildung. Sounds good. Und wem soll welche Bildung angedeihen? Freie Wahl würde bedeuten noch mehr arbeitslose Literaturwissenschaftler, Theaterkritiker, Psychologen, Medienwissenschaftler etc. Müsste da wieder der allwissende Staat lenkend eingreifen? Der weiss ja am allerbesten, wann in der Zukunft wo welche Fachkräfte benötigt werden. (/sarcasm off)

Die Armen sollen also mehr konsumieren können, gleichzeitig soll was für die Umwelt getan werden. Mehrkonsum und Umwelt vertragen sich aber nicht so gut, wie soll dieser Zielkonflikt gelöst werden? Ah ja, der allmächtige Staat schaut ja dann schon…

Steuern erhöhen. Ist gut, es trifft ja die Reichen, zu denen ich nicht gehöre.

Eh halt, Transaktionssteuer, Depotsteuer, Kapitalertragssteuer? Meine AHV, meine PK ja selbst ich als privater Aktiensparer werden damit ja auch getroffen. Wie also soll man Vermögen bilden, wenn das Sparen bestraft wird?

Wohl nur durch Erbschaft, so wie das heute der Fall ist? Vive l’aristocratie.

Zu guter Letzt: In keinem Land der Welt verteilt der Staat pro Kopf mehr Geld für Umweltinvestitionen, Bildung, soziale Wohlfahrt etc. wie in Deutschland. Einfach ein bisschen mehr davon, und alles kommt gut? Was ist denn das für ein Ansatz?

Also ich werde dieses Buch von Herrn Schulmeister nicht kaufen.

Ein persönliche Bemerkung zum Weissgarnixblog: Es fällt mir unheimlich schwer, den Diskussionen dort zu folgen. Einerseits weil vieles ideologisch verbrämt ist, andererseits weil viele Diskussionsteilnehmer unglaublich bildungsschwangere Sätze von sich geben, deren Sinn für mein einfaches Gemüt unverständlich ist.

Schönen Tag noch.

MarcusFabian
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Re: Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt

Merced wrote:

Wenn ich diesen langen Text richtig verstehe, so empfiehlt Herr Schulmeister also, eine Reichensteuer einzuführen, und durch den Staat gelenkte Investitionen vorzunehmen und die Sozial- und Bildungsausgaben zu erhöhen, damit wird alles gut.

Ja - nein und Ja.

Reichensteuer, ja, Investition in Bildung, ja

aber sicher keine staatlich gelenkten Investitionen.

Merced wrote:

Investitionen in die Bildung. Sounds good. Und wem soll welche Bildung angedeihen?

Grundschule, Hauptschule. Kleinere Klassen, Computer in der Schule etc. Teilweise sind in Deutschland Schulen und Kindergärten in einem baufälligen Zustand und einige Politiker sprechen dennoch davon, noch weiter Geld einzusparen.

Die Kernaussage, so wie ich Schulmeister verstehe, lautet: Die Kinder sind unsere Zukunft. Bei denen dürfen wir nicht sparen.

Merced wrote:

Die Armen sollen also mehr konsumieren können, gleichzeitig soll was für die Umwelt getan werden. Mehrkonsum und Umwelt vertragen sich aber nicht so gut, wie soll dieser Zielkonflikt gelöst werden?

Dass sich Mehrkonsum und Umweltschutz nicht vertragen, würde ich so nicht unterschreiben: In der Schweiz wird mehr konsumiert als in der Ukraine und dennoch geben wir weit besser auf unsere Umwelt acht.

Ein Unternehmen, das gut verdient wird auch weniger motiviert sein, Umweltschutz zu vernachlässigen, um Geld zu sparen.

Rein volkswirtschaftlich ist es schon richtig, was er schreibt: Die Rentiers würde nicht weniger konsumieren, wenn ihnen ein Teil abgezwackt wird. Die Arbeitslosen aber schon.

Merced wrote:

Steuern erhöhen. Ist gut, es trifft ja die Reichen, zu denen ich nicht gehöre.

Eh halt, Transaktionssteuer, Depotsteuer, Kapitalertragssteuer?

Das wären dann Details, die für den Politiker, nicht aber für den Volkswirtschaftler interessant sind.

Der VW gibt das Ziel vor. Die Politik entscheidet, wie dieses Ziel zu erreichen ist und umgesetzt, kontrolliert ... werden kann.

Merced wrote:

Zu guter Letzt: In keinem Land der Welt verteilt der Staat pro Kopf mehr Geld für Umweltinvestitionen, Bildung, soziale Wohlfahrt etc. wie in Deutschland. Einfach ein bisschen mehr davon, und alles kommt gut? Was ist denn das für ein Ansatz?

Nochmals zusammengefasst:

Wenn jemand beim Fall von Arbeiter zu Arbeitslos 20% seines Einkommens einbüsst, dann wird er entsprechend weniger konsumieren. Vielleicht hat er zuvor 10% gespart. Dann wird er halt nicht mehr sparen und 10% weniger konsumieren. Auf alle Fälle fallen Arbeitslose aber zum Teil als Konsumenten weg. Die Folge: Steigt die Arbeitslosigkeit, sinkt der Konsum und somit macht die Wirtschaft weniger Umsatz und Gewinn. Evtl. muss die Wirtschaft sogar weitere Leute entlassen.

Ist das soziale Netz schlechter und ein Arbeiter verliert 40% seines Einkommens, wenn er arbeitslos wird, dann verstärkt sich dieser Kreislauf nach unten.

Die Reichen verlangen von der Wirtschaft, dass diese ihre Schulden zurückzahlen kann. Das kann die Wirtschaft aber nur, wenn die Gewinnsteigerungen höher sind als die Schuldzinsen. Wird nun durch Sparmassnamen am falschen Ort dieser Kreislauf nach unten in Bewegung gesetzt, gehen auch die Reichen schlussendlich leer aus, weil die Wirtschaft die Schuldenlast nicht mehr tragen kann und Firmen in Konkurs gehen. Das bedeutet dann für die Reichen einen Verlust, der höher ist als wenn sie freiwillig einen Teil ihres Vermögens abgeben und damit Konsum und Wirtschaft ankurbeln.

CrashGuru
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Re: Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt

MarcusFabian wrote:

Von: Stephan Schulmeister

http://www.weissgarnix.de/2010/08/01/depression-als-europaisches-gemeins...

Stephan Schulmeister ist Wirtschaftsforscher in Wien.

Danke MF für den Artikel.

Es werden viele wieder rufen "rettet und vor diesem Sozialismus" und nicht merken (wollen) dass sie den Eisberg voraus nicht sehen, während sie den Champus öffnen.

Der Artikel vermeldet als Lösung "Umverteilung" und zwar nicht von Oben nach Unten, sondern vom (zu) grossen Haufen in den Wirtschaftskreislauf zurück. Es hat etwas mit Natur zu tun. Alle Energie welche vorhanden ist, drängt auf einen Ausgleich.

Auch das werden die "Reichen" unter uns nicht sehen wollen und als Steigbügelhalter alles dagegen unternehmen, dass die "wirklich Reichen" von ihren Dukatenhaufen endlich wieder etwas in den Kreislauf abgeben. Zum Wohle aller und auch von sich selbst.

Ich werde wohl noch etwas Gold kaufen..... Wink

weico
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Re: Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt

Merced wrote:

Investitionen in die Bildung. Sounds good. Und wem soll welche Bildung angedeihen?

..vielleicht der bildungsschwachen Jugend mit Migrationshintergrund oder den sonstigen "Armen" oder gar Allen..?

Die Leute brauchen doch einen gewissen Bildungsstand um den Inszenierungen in einem subventionierten Kulturbetrieb zu folgen. :oops: Lol

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Mehr-Subventionen-fuer-Schausp...

http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/klassik/Der-Meister-der-Subventionsja...

P.S..natuerlich sind all diese "kleineren Steuerausgabe" fuer das Wohl Unserer (spaeter mal erwachsenen) Kinder . :roll:

weico

MarcusFabian
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Geldsysteme

Na ja, die meisten Menschen sind mit Bier, Pommes und Fussball durchaus zufrieden Wink

Merced
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Schulmeister-Diskussion

Messieurs, lasst uns ein paar Dinge ausdiskutieren:

MarcusFabian wrote:

Von: Stephan Schulmeister

* Zusätzliche Aufträge an die Unternehmen mit hohen Multiplikatoreffekten, insbesondere zur Bekämpfung des Klimawandels (thermische Gebäudesanierung, Verkehrsinfrastruktur, Energie- und Umwelttechnik, alternative Antriebstechnik für Individualverkehr): Dies stärkt die Investitions-, Kredit- und Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen.

MarcusFabian wrote:

…. aber sicher keine staatlich gelenkten Investitionen.

Doch, ich verstehe den Herrn Schulmeister genau so. Wer bitte soll diese Aufträge geben, wenn nicht der Staat?

Merced wrote:

Investitionen in die Bildung. Sounds good. Und wem soll welche Bildung angedeihen?

MarcusFabian wrote:

Grundschule, Hauptschule. Kleinere Klassen, Computer in der Schule etc. Teilweise sind in Deutschland Schulen und Kindergärten in einem baufälligen Zustand und einige Politiker sprechen dennoch davon, noch weiter Geld einzusparen.

Die Kernaussage, so wie ich Schulmeister verstehe, lautet: Die Kinder sind unsere Zukunft. Bei denen dürfen wir nicht sparen.

weico wrote:

..vielleicht der bildungsschwachen Jugend mit Migrationshintergrund oder den sonstigen "Armen" oder gar Allen..?

(Bin mir nicht ganz sicher, ob weico dies ernst oder sarkastisch gemeint hat).

Es ist schnell so dahin gesagt, dass wir in die Bildung investieren sollen. Tönt gut. Nur: Wer soll wie gebildet werden und was tun wir, wenn dem das nicht gefällt? Habt Ihr euch schon mal überlegt, wie so was umgesetzt werden soll? Lasst hören.

Merced wrote:

Steuern erhöhen. Ist gut, es trifft ja die Reichen, zu denen ich nicht gehöre.

Eh halt, Transaktionssteuer, Depotsteuer, Kapitalertragssteuer?

MarcusFabian wrote:

Das wären dann Details, die für den Politiker, nicht aber für den Volkswirtschaftler interessant sind.

Der VW gibt das Ziel vor. Die Politik entscheidet, wie dieses Ziel zu erreichen ist und umgesetzt, kontrolliert ... werden kann.

Den lass ich mir gerne auf der Zunge zergehen. Der Lieblingssatz von Christian Levrat „Das Primat der Politik über die Wirtschaft“ feiert Urständ. Ich geh mal davon aus, dass Du diese Aussage sarkastisch gemeint hast.

MarcusFabian wrote:

… Auf alle Fälle fallen Arbeitslose aber zum Teil als Konsumenten weg. Die Folge: Steigt die Arbeitslosigkeit, sinkt der Konsum und somit macht die Wirtschaft weniger Umsatz und Gewinn. Evtl. muss die Wirtschaft sogar weitere Leute entlassen….

Interessant. Den Wachstumszwang, welchen Du (so glaube ich mich zu erinnern) an anderer Stelle im Zusammenhang mit Geld ablehnst, verteidigst Du hier? Das führt uns zur Diskussion: Muss die Wirtschaft wachsen? Und wenn ja, muss das mit Mehrkonsum enden?

Da tut sich eine völlig neue Diskussion auf.

Keep it coming.

Mit freundlichen Grüßen

MarcusFabian
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Re: Schulmeister-Diskussion

Merced wrote:

MarcusFabian wrote:

Von: Stephan Schulmeister

* Zusätzliche Aufträge an die Unternehmen mit hohen Multiplikatoreffekten, insbesondere zur Bekämpfung des Klimawandels (thermische Gebäudesanierung, Verkehrsinfrastruktur, Energie- und Umwelttechnik, alternative Antriebstechnik für Individualverkehr):

Doch, ich verstehe den Herrn Schulmeister genau so. Wer bitte soll diese Aufträge geben, wenn nicht der Staat?

Na ja, je nach dem. Der Staat bei der Verkehrsinfrastruktur, der Immo-Besitzer bei der thermischen Gebäudesanierung, der Konsument bei neuen Autos etc.

Klar spielt der Staat eine Rolle bei der Initialzündung, indem er z.B. an Unis gewisse Erfindungen unterstützt.

Merced wrote:

Es ist schnell so dahin gesagt, dass wir in die Bildung investieren sollen. Tönt gut. Nur: Wer soll wie gebildet werden und was tun wir, wenn dem das nicht gefällt? Habt Ihr euch schon mal überlegt, wie so was umgesetzt werden soll? Lasst hören.

Umsetzung ist wie gesagt eine Aufgabe der Politik.

Aber anders ausgedrückt: Die Schweiz hat keine nennenswerten natürliche Ressourcen und unsere Landwirtschaftsfläche reicht nicht einmal für die Selbstversorgung.

Das einzige Kapital, das wir haben sind unsere Intelligenz, unser Erfindungsreichtum und unsere Arbeitsmoral.

Der Schweiz geht es nur gut, solange wir etwas besser können als andere. Entsprechend ist unsere Ausbildung und die unserer Kinder das wichtigste überhaupt für unser Land.

Merced wrote:

MarcusFabian wrote:

Das wären dann Details, die für den Politiker, nicht aber für den Volkswirtschaftler interessant sind.

Der VW gibt das Ziel vor. Die Politik entscheidet, wie dieses Ziel zu erreichen ist und umgesetzt, kontrolliert ... werden kann.

Den lass ich mir gerne auf der Zunge zergehen. Der Lieblingssatz von Christian Levrat „Das Primat der Politik über die Wirtschaft“ feiert Urständ. Ich geh mal davon aus, dass Du diese Aussage sarkastisch gemeint hast.

Nein, habe ich nicht. Der Volkswirtschaftler sagt: Es ist besser, das Geld von den Reichen zu nehmen als bei den Armen zu sparen, und zwar mit folgender Begründung: "...."

Es ist nun an der Politik, das aufzugreifen oder nicht und das auf die eine oder andere Art umzusetzen.

Merced wrote:

Interessant. Den Wachstumszwang, welchen Du (so glaube ich mich zu erinnern) an anderer Stelle im Zusammenhang mit Geld ablehnst, verteidigst Du hier? Das führt uns zur Diskussion: Muss die Wirtschaft wachsen? Und wenn ja, muss das mit Mehrkonsum enden?

Teils teils.

Einerseits haben wir ein System, bei dem Geld von unten nach oben verteilt wird und das uns zum Wachstum zwingt. Dieses System gilt es zu verändern. (Meine Meinung, nicht Schulmeisters).

Schulmeister äussert sich gar nicht über das System. Er nimmt es als gegeben, so wie es jetzt ist, inklusive dem Wachstumszwang und zieht die einzig logische Schlussfolgerung, dass das Wachstum beim Konsumenten beginnen muss und nicht beim Reichen. Oder anders ausgedrückt: Mit Steuern für die Reichen möchte er den Reichen, das wieder wegnehmen, das ihnen das System automatisch als Gratiseinkommen beschert.

Also keine Änderung des Systems selbst sondern eine Korrektur der Systemfehler.

weico
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Re: Schulmeister-Diskussion

Merced wrote:

weico wrote:

..vielleicht der bildungsschwachen Jugend mit Migrationshintergrund oder den sonstigen "Armen" oder gar Allen..?

(Bin mir nicht ganz sicher, ob weico dies ernst oder sarkastisch gemeint hat).

Es ist schnell so dahin gesagt, dass wir in die Bildung investieren sollen. Tönt gut. Nur: Wer soll wie gebildet werden und was tun wir, wenn dem das nicht gefällt? Habt Ihr euch schon mal überlegt, wie so was umgesetzt werden soll? Lasst hören.

Ich hab dies sehr sarkastisch gemeint. :!:

Wuerde der Staat dafuer sorgen,dass Er kein Haushaltsdefizit hat und nicht in die Verschuldung geraet bzw. ein allfaelliges Defizit/Verschuldung im Folgejahr dann wieder abbaut,dann muessten Politiker nicht ueber solche "Glanzideen" von ("Sparen in der Krise") bzw. ("Steuererhoehungen/Schuldenabbau" in der Krise) diskutieren.

Bekanntlich sollte man doch (so hat's mir die Oma schon erklaert..) in GUTEN ZEITEN ans sparen bzw. Schuldenabzahlen denken bzw. dies auch tun ...

weico

Merced
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Schulmeister-Diskussion ctd

Guten Morgen!

MarcusFabian wrote:

Es ist nun an der Politik, das aufzugreifen oder nicht und das auf die eine oder andere Art umzusetzen.

Hier liegt wohl der Hase im Pfeffer. Optimisten glauben, Politiker würden für das Wohl des Volkes schon das Richtige tun. So gibt der Etatist der Politik die Vorgabe, mehr Geld in Bildung und Umweltschutz zu investieren, und voilà, zwanzig Jahre später prosperiert die Volkswirtschaft.

Nochmals, kein Staatswesen der Welt hat so viele finanzielle Mittel zur Verfügung, wie das deutsche, und was ist bisher dabei herausgekommen?

Der Staat (Also Politik und Bürokratie) kann Mittel genau so wenig effizient allozieren, wie das der Private tun kann. Darum soll der Staat nur Grundaufgaben erfüllen, und Privaten möglichst viel Freiraum überlassen. Diese sollen für ihr eigenes Leben Verantwortung übernehmen, nicht der Staat.

Mit Weico bin ich da auf der gleichen Linie:

weico wrote:

Wuerde der Staat dafuer sorgen,dass Er kein Haushaltsdefizit hat und nicht in die Verschuldung geraet bzw. ein allfaelliges Defizit/Verschuldung im Folgejahr dann wieder abbaut,dann muessten Politiker nicht ueber solche "Glanzideen" von ("Sparen in der Krise") bzw. ("Steuererhoehungen/Schuldenabbau" in der Krise) diskutieren.

Bekanntlich sollte man doch (so hat's mir die Oma schon erklaert..) in GUTEN ZEITEN ans sparen bzw. Schuldenabzahlen denken bzw. dies auch tun ...

weico

Drum kann man über die etatistischen Schlussfolgerung des Herrn Schulmeister nur müde lächeln. Natürlich sind Investitionen in Umweltschutz und Bildung toll, natürlich ist sozialer Schutz sinnvoll. Aber wenn’s in die Niederungen der Umsetzung geht, schweigt sich Herr Schulmeister aus. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Heute fehlt’s am „gut gemacht“, nicht am „gut gemeint“. Es reicht nicht aus, zu sagen was getan werden soll, sondern gute Lösungsvorschläge erklären vor Allem das „wie“.

Comments welcome.

Mit freundlichen Grüßen

CrashGuru
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

Merced wrote:

Der Staat (Also Politik und Bürokratie) kann Mittel genau so wenig effizient allozieren, wie das der Private tun kann. Darum soll der Staat nur Grundaufgaben erfüllen, und Privaten möglichst viel Freiraum überlassen.

Unlogische Schlussfolgerung.

Wenn der Private es genauso wenig kann, weshalb nur dem Privaten überlassen wollen...

Und betreffend Schulmeister: ich kopiere meine Aussage von weiter vorn nochmals hier rein und bemerke dazu, dass (wie erwartet) auf diesen Kern der Sache geflissentlich nicht eingegangen wird. Es werden die Hablichen (verständlicherweise, aber kurzsichtig) versuchen möglichst wenig von den Haufen die sie angespart haben abzugeben....

Also: Der Artikel vermeldet als Lösung "Umverteilung" und zwar nicht von Oben nach Unten, sondern vom (zu) grossen Haufen in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Ist doch einfach zu verstehen. Dass der Staat das steuern muss ist klar, da diejenigen welche auf den Geldsäcken hocken dazu nicht in der Lage sind. WAS der Staat dazu unternehmen wird, ist allerdings wiederum den Herren in die Hand gegeben, welche die Macht haben.... UND SO SCHLIESST SICH DER KREIS bis zum Kollaps.

Merced
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

CrashGuru wrote:

Unlogische Schlussfolgerung.

Wenn der Private es genauso wenig kann, weshalb nur dem Privaten überlassen wollen...

Der Private bezahlt letztendlich immer (z.B. Steuern). Die Frage ist doch nun, wenn der Bürger das Geld schon selbst verdient, soll er es nicht auch selbst ausgeben dürfen? Warum muss der Staat bestimmen, wofür Geld ausgegeben wird? Er kann es ja auch nicht besser, als der Private. Die gleiche Diskussion kreist um die Aktien von Konglomeraten. Soll ein Unternehmen diversifizieren? Oder soll es überschüssige Mittel nicht dem Aktionär zurückgeben, damit dieser selber diversifizieren kann? Wofür delegieren, was ich genau so gut kann?

CrashGuru wrote:

Und betreffend Schulmeister: ich kopiere meine Aussage von weiter vorn nochmals hier rein und bemerke dazu, dass (wie erwartet) auf diesen Kern der Sache geflissentlich nicht eingegangen wird. Es werden die Hablichen (verständlicherweise, aber kurzsichtig) versuchen möglichst wenig von den Haufen die sie angespart haben abzugeben....

Also: Der Artikel vermeldet als Lösung "Umverteilung" und zwar nicht von Oben nach Unten, sondern vom (zu) grossen Haufen in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Ist doch einfach zu verstehen. Dass der Staat das steuern muss ist klar, da diejenigen welche auf den Geldsäcken hocken dazu nicht in der Lage sind. WAS der Staat dazu unternehmen wird, ist allerdings wiederum den Herren in die Hand gegeben, welche die Macht haben.... UND SO SCHLIESST SICH DER KREIS bis zum Kollaps.

Da sind wir wieder beim Thema „Tönt gut, was tun wir nun damit?“ Also konkrete Frage: Wer sind diese Geldsäcke die nicht steuern können? Und überhaupt, was soll wohin gesteuert werden? Wem soll was wie weggenommen werden, und wie soll das eingesetzt werden?

Plakative Aussagen wie sie der liebe Herr Schulmeister von sich gibt, kann jeder machen (siehe Politik), aber so was in einer Weise umzusetzen, dass dabei eine Gesellschaft entsteht, in welcher es vielen nachher besser geht, dass soll uns mal einer erst aufzeigen.

Discuss!

Mit freundlichen Grüßen

weico
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

CrashGuru wrote:

Also: Der Artikel vermeldet als Lösung "Umverteilung" und zwar nicht von Oben nach Unten, sondern vom (zu) grossen Haufen in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Schoen waere es ja, wenn der Staat die Gelder in den Wirtschaftskreislauf lenken wuerde bzw. die Gelder dorthin fliessen laesst.

Bis jetzt lenkt der Staat aber nur die Gelder in ein "Fass-ohne-Boden".Besonders toll sieht man es ja an den hierzulande vermehrt anzutreffenden "Wirtschaftsfluechlingen" aus Deutschland.Dort ist die Umverteilungs-und Sparwut ja besonders gross...!Da lohnt sich arbeiten ja kaum noch...

Lol

Der (Sozial)Staat braucht dann das eingesparte/umverteilte Geld fuer...:

http://www.welt.de/debatte/article6305249/Der-Sozialstaat-pumpt-Geld-und...

P.S..dann wundert sich der Staat, dass seine (Steuer)buerger ihre Kohle am Fiskus vorbeimogeln,die Schwarzarbeit zunimmt und die Polit-und Staatsverdrossenheit weiter anwaechst.

weico

CrashGuru
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

weico wrote:

CrashGuru wrote:
Also: Der Artikel vermeldet als Lösung "Umverteilung" und zwar nicht von Oben nach Unten, sondern vom (zu) grossen Haufen in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Schoen waere es ja, wenn der Staat die Gelder in den Wirtschaftskreislauf lenken wuerde bzw. die Gelder dorthin fliessen laesst.

weico

Dazu fällt mir nur ein:

Der Staat kann Gelder NUR in den Wirtschaftskreislauf fliessen lassen. Wohin denn wohl sonst ? In irgendwelche Sparkässeli...

Dabei sind die erwähnten "Asozialen und Hilfeempfänger" (die scheinen bei Dir immer irgendwie zusammen zu gehören) ebenfalls im Wirtschaftskreislauf. Und auch die Kokainschnupfer der Bankenwelt, auch die (Hilfe-)Empfänger von Exportgarantie-Geldern und auch Bauern als (Hilfe-)Empfänger von Subventionen, und und und DAS IST DER WIRTSCHAFTSKREISLAUF.

Wir sind der Staat und der besteht aus nur gaaanz wenigen Superreichen und gaaaaaaaaaanz vielen Normalbürgern. Willst Du den Staat also abschaffen? Dann musst Du einen Krieg anfangen mit dem Ziel, alle Normalbürger auszurotten und nur die Superreichen am Leben zu lassen (gleichzeitig natürlich alles Privatunternehmer die wissen wie es richtig gemacht werden muss). Allerdings, WER von diesen leert dann den Mistkübel und putzt ihnen den A..... wenn sie senil sind?

CrashGuru
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

Merced wrote:

CrashGuru wrote:

Unlogische Schlussfolgerung.

Wenn der Private es genauso wenig kann, weshalb nur dem Privaten überlassen wollen...

Der Private bezahlt letztendlich immer (z.B. Steuern). Die Frage ist doch nun, wenn der Bürger das Geld schon selbst verdient, soll er es nicht auch selbst ausgeben dürfen? Warum muss der Staat bestimmen, wofür Geld ausgegeben wird? Er kann es ja auch nicht besser, als der Private.

Du sagst der Private kann es zwar nicht besser als der Staat. Und schlägst also vor, dass derjenige der das Geld verdient es dann wenigstens selbst (wohl also auch sinnlos) ausgeben können soll.

Gut, ist Ansichtssache. Entsprechend der Einstellung ob man der Meinung ist, dass es einen Staat braucht oder nicht.

Ich meine: Einen Staat hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ich sehe das als logisch an, selbst die Familie ist "Staat". Also wäre es sinnvoll einen starken (guten) Staat zu haben und alles dazu zu tun. Wird aber nicht getan, sondern im Gegenteil wird möglichst alles getan, dass er schlecht dasteht.

CrashGuru wrote:

Also: Der Artikel vermeldet als Lösung "Umverteilung" und zwar nicht von Oben nach Unten, sondern vom (zu) grossen Haufen in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Ist doch einfach zu verstehen. Dass der Staat das steuern muss ist klar, da diejenigen welche auf den Geldsäcken hocken dazu nicht in der Lage sind. WAS der Staat dazu unternehmen wird, ist allerdings wiederum den Herren in die Hand gegeben, welche die Macht haben.... UND SO SCHLIESST SICH DER KREIS bis zum Kollaps.

Merced wrote:

Da sind wir wieder beim Thema „Tönt gut, was tun wir nun damit?“ Also konkrete Frage: Wer sind diese Geldsäcke die nicht steuern können? Und überhaupt, was soll wohin gesteuert werden? Wem soll was wie weggenommen werden, und wie soll das eingesetzt werden?

Antwort auf die konkrete Frage: Es sind die Geldsäcke, welche nicht "nicht steuern können" (können würden sie schon) sondern "nicht in der Lage sind" das Geld in den Wirtschaftskreislauf zurück zu geben, da sie nichts vom Kuchen zurück geben WOLLEN, es sei denn es schaut ein noch grösseres Stück als Resultat heraus. Was ja wohl dazu führt, dass die Schere immer mehr aufgeht.

Ist legitim, aber darum muss eben der Staat Regeln erlassen, dass das Mass nicht überschritten wird. Sonst führt es irgendwann zum Kollaps.

Merced wrote:

Plakative Aussagen wie sie der liebe Herr Schulmeister von sich gibt, kann jeder machen (siehe Politik), aber so was in einer Weise umzusetzen, dass dabei eine Gesellschaft entsteht, in welcher es vielen nachher besser geht, dass soll uns mal einer erst aufzeigen.

Wir haben doch wohl eine Gesellschaft, in der es vielen besser geht als vor Jahrhunderten. Es gibt ja auch viel mehr Menschen auf der Welt. Ist also alles realtiv.... Die Zunahme derer denen es viel besser geht dürfte weit hinter der Zunahme derer liegen, welchen es nur wenig oder gar nicht besser geht.

http://home.arcor.de/alimente1/home.arcor.de/html/wider_studie.html wrote:

Vermögensverteilung in der Welt

Das World Institute for Development Economics Research (WIDER) der UN-Universität in Helsinki hat eine neue Studie veröffentlicht, die für mehr als 94 Prozent der Weltbe- völkerung die Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie deren Entwicklung bis zum Jahr 2000 detailliert untersucht. Untersucht wurde die globale Verteilung des Reichtums für die erwachsene Weltbevölkerung im Blick auf Haushaltsvermögen (netto, nach Abzug der Schulden) Die Studie reicht bis 2000, aktuellere Daten sind weltweit nicht verfügbar.

90 Prozent des weltweiten Reichtums (Netto-Haushaltsvermögens) befinden sich in Nordamerika, Europa und im asiatisch -pazifischen Raum (Japan, Australien). Auf Nord- amerika, mit sechs Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung entfällt allein ein Drittel des Weltvermögens - auf Indien mit mehr als 15 Prozent der Erwachsenen weltweit hingegen nur ein knappes Prozent. In China halten die obersten zehn Prozent gerade 40 Prozent.

Wer zur Topliga der Reichen dieser Welt gehören will, muss über ein Vermögen von mehr als 500.000 Dollar verfügten. Diese Spitzengruppe umfasst immerhin 37 Millionen Erwachsene. Seit dem Jahr 2000 dürfte sich die Mindestsumme an Vermögen, die man braucht, um in diese Kategorie aufzurücken, jedoch erhöht haben - um geschätzte 32%.

Daraus folgt, dass den obersten zehn Prozent gut 85 Prozent des Weltvermögens gehören. Wer sich zu dieser Gruppe rechnen darf, besitzt im Durchschnitt 40 mal mehr als der Welt- durchschnittsbürger. In der unteren Hälfte dieser Pyramide muss sich die Hälfte der erwachsenen Weltbevölkerung hingegen mit gerade einmal einem Prozent des Welt- vermögens begnügen. Übertragen wir die Struktur der weltweiten Vermögensverteilung auf eine Gruppe von zehn Menschen, die sich den bewussten Kuchen teilen, dann müssen wir uns einen Herrn vorstellen, der 99 Prozent des Kuchens für sich allein beansprucht, während sich die übrigen neun das verbleibende eine Prozent teilen.

Und das ist sicher nicht das Resultat von schlechter Staatsführung, es sei denn, man ist der Meinung der Staat habe eben bei der "Verteiler- und Steurungs-Funktion" versagt. Es ist ganz einfach das Resultat der Gier des Menschen.

Ich meine, dass die Schlösser der Herrscher der letzten Jahrhunderte nicht mithalten können, mit den Schlössern der wirklich Reichen der Neuzeit. Und dass die Weltbevölkerung zunimmt hat nichts mit einer "besseren Welt" zu tun.....

weico
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

CrashGuru wrote:

Dazu fällt mir nur ein:

Der Staat kann Gelder NUR in den Wirtschaftskreislauf fliessen lassen. Wohin denn wohl sonst ? In irgendwelche Sparkässeli...

Wie gut der Staat dies macht,kann man ja am Haushaltsdefizit und an der wachsenden Staatsverschuldung wunderbar sehen.... :roll: :oops:

weico

Merced
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

Erstmal Danke für die gute Diskussion, wollen wir sie doch gleich weiterführen!

CrashGuru wrote:

Du sagst der Private kann es zwar nicht besser als der Staat. Und schlägst also vor, dass derjenige der das Geld verdient es dann wenigstens selbst (wohl also auch sinnlos) ausgeben können soll.

Gut, ist Ansichtssache. Entsprechend der Einstellung ob man der Meinung ist, dass es einen Staat braucht oder nicht.

Wir haben doch wohl eine Gesellschaft, in der es vielen besser geht als vor Jahrhunderten.

Völlig mit Dir einverstanden, noch nie ging es so vielen materiell so gut wie heute. Unbestreitbar. Auch einverstanden, dass es einen Staat braucht, Menschen sind soziale Wesen.

Die Frage ist nun, welche Rolle der Staat übernehmen soll, was man mit der Staatsquote messen könnte. Auf einer Skala von „sehr tiefe“ bis „sehr hohe“ Staatsquote befürworte ich eben die eher tiefe Staatsquote. Der Private soll einen möglichst hohen Teil des durch ihn selbst erwirtschafteten Einkommens nach eigenem Gutdünken verwenden dürfen.

http://home.arcor.de/alimente1/home.arcor.de/html/wider_studie.html wrote:

Vermögensverteilung in der Welt

Das World Institute for Development Economics Research (WIDER) der UN-Universität in Helsinki hat eine neue Studie veröffentlicht, …

90 Prozent des weltweiten Reichtums (Netto-Haushaltsvermögens) befinden sich in Nordamerika, Europa und im asiatisch -pazifischen Raum (Japan, Australien). Auf Nord- amerika, mit sechs Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung entfällt allein ein Drittel des Weltvermögens - auf Indien mit mehr als 15 Prozent der Erwachsenen weltweit hingegen nur ein knappes Prozent. In China halten die obersten zehn Prozent gerade 40 Prozent.

Schaut man sich die Wirtschaftshistorie an, fällt auf, dass viele der reichsten Länder protestantisch geprägt sind (USA, GB, AUS, NZ, CDN, CH, NL, D) und in ihren besten Zeiten die staatliche Macht durch liberales Bürgertum beschränkt war. Die philosophische Grundlage des erfolgreichen Modelles westlicher Prägung ist das protestantische Arbeitsethos gepaart mit dem aus der Aufklärung entwickelten Liberalismus.

Durch die Anspruchshaltung an den Versorgerstaat wird dieses Arbeitsethos immer mehr untergraben, und der Liberalismus ist schon seit 50 Jahren tot. An seine Stelle tritt der Etatismus, welcher in seiner extremsten Ausprägung, dem Realsozialismus, 1989 in Flammen untergegangen ist. Trotzdem hat sich der Etatismus gehalten und führt zu einer zunehmenden Staatsquote. Ob das eines Tages gleich enden wird, wie der Realsozialismus, dem man sich immer mehr annähert, bleibt offen.

CrashGuru wrote:

Antwort auf die konkrete Frage: Es sind die Geldsäcke, welche nicht "nicht steuern können" (können würden sie schon) sondern "nicht in der Lage sind" das Geld in den Wirtschaftskreislauf zurück zu geben, da sie nichts vom Kuchen zurück geben WOLLEN, es sei denn es schaut ein noch grösseres Stück als Resultat heraus. Was ja wohl dazu führt, dass die Schere immer mehr aufgeht.

Ist legitim, aber darum muss eben der Staat Regeln erlassen, dass das Mass nicht überschritten wird. Sonst führt es irgendwann zum Kollaps.

Mir ist immer noch unklar, wie „Geldsäcke“ definiert werden soll. Wem soll man was wegnehmen und wie in den „Wirtschaftskreislauf“ zurückführen? Und was heisst „in den Wirtschaftskreislauf“ zurückführen überhaupt?

Ich bin mit dem Gedanken einverstanden, die Verteilung des Reichtums auch innerhalb unserer Gesellschaften als ungerecht zu empfinden. Auch hat der Staat eine gewisse Ausgleichsfunktion, die er nicht gut wahrnimmt. Aber ich bin mir noch unschlüssig, wie die Lösung aussehen soll, und ich bezweifle, dass man diese Aufgabe an die Politiker delegieren soll. Auch von Seiten derjenigen, von denen man gute Lösungen erwarten darf (z.B. Herr Schulmeister) kommen nur Allgemeinplätze. Keine brauchbaren Lösungen. Das ist die wahre Tragödie.

Das Steuergesetzt sagt, dass jeder nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert werden soll. Trotzdem kennt man in der Schweiz kaum mehr die Erbschaftssteuer. Dafür wird jeder mietende Lohnausweisbezüger mit der vollen Härte des Steuergesetzes so besteuert, dass ihm keine Möglichkeit bleibt, Vermögen anzusparen und somit sozial aufzusteigen. Dies ist ein Resultat einer Politik der normativen Gesetztgebung, die glaubt, ein komplexes System mit regulatorischer Wut mikroskopisch steuern zu können. Das, meine Herren, ist unser Staat heute. Davon soll es künftig noch mehr geben?

weico wrote:

Bis jetzt lenkt der Staat aber nur die Gelder in ein "Fass-ohne-Boden"…

http://www.welt.de/debatte/article6305249/Der-Sozialstaat-pumpt-Geld-und...

weico

treffendes Schlusswort von Weico.

Discuss

mfG

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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

weico wrote:

CrashGuru wrote:

Dazu fällt mir nur ein:

Der Staat kann Gelder NUR in den Wirtschaftskreislauf fliessen lassen. Wohin denn wohl sonst ? In irgendwelche Sparkässeli...

Wie gut der Staat dies macht,kann man ja am Haushaltsdefizit und an der wachsenden Staatsverschuldung wunderbar sehen.... :roll: :oops:

Wie sieht es denn mit der Verschuldung der Privatfirmen aus (Eigenkapitalquote), was ist mit der steigenden Anzahl von Konkursen, was ist mit den Privatkonkursen. Da schreit kein Hahn danach, da diese in der Masse untergehen und meist "den anderen Gläubiger" treffen. Beim "Staat" trifft es halt alle und meistens auch die Reichen, deshalb auch das Geschrei. Und vor allem, "der Staat" (sind wir) kann sich nicht wehren gegen die Vorwürfe. Würden diejenigen welche die Verschuldung wirklich zu verantworten hätten hinter Gitter wandern, würden einige Privatunternehmen ihre "Verteidiger des richtigen Wegs" verlieren..... man vergesse nicht, WER das Sagen hat im Staate.

Noch etwas zum "Staat": würden wir den obersten Chefs des Staates ebenfalls Millionenboni bezahlen wie in der hocheffizienten Privatwirtschaft (natürlich meine ich nicht die Konkursiten), dann bekämen wir vielleicht auch einen guten Staat. Dies ist ja das Credo derer die wissen wie es gehen sollte, oder liege ich da (auch wieder) falsch?

:roll: :oops:

Entschuldigung die etwas heftige Reaktion, aber ich kann das Gejammer über "den Staat", den wir ja alle darstellen, nicht mehr hören. Besonders was die Schweiz anbetrifft. Fehler wurden schon immer gemacht. Die gibt es auch in der "Firma Staat" unvermeidlich, aber ich meine wir sind da noch ganz gut bedient. Auch wenn es die Rechte ist, die das sagen hatte so lange ich denken kann.

CrashGuru
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

Merced wrote:

Unbestreitbar. Auch einverstanden, dass es einen Staat braucht, Menschen sind soziale Wesen. Die Frage ist nun, welche Rolle der Staat übernehmen soll, was man mit der Staatsquote messen könnte. Auf einer Skala von „sehr tiefe“ bis „sehr hohe“ Staatsquote befürworte ich eben die eher tiefe Staatsquote.

Hm, dann wird es schwierig. Auf der einen Seite wollen viele "weniger Staat", am liebsten gar keinen... auf der anderen Seite braucht es "den Staat": Feuerwehr, Gebäudeversicherung (!), Polizei (?).

Aber bloss kein Strassenplaner, Landschaftsschützer, Sozialarbeiter (puh), Richter (könnte man privatisieren, wäre er unabhängiger da kein Parteibuch :lol:)

Krankenversicherung privatisieren (wer braucht sowas, siehe USA), Universitäten privatisieren (die welche da rein wollen sollen gefälligst bezahlen), Schule überhaupt, Hallenbad, Freibad, Bahn, Strom (alles wird effizienter und viel billiger...) usw.

Oder noch besser: Der Staat bezahlt (schon wieder) und die völlig unabhängig (hi hi) geführten Unis, Spitäler (gehören dann der Chemie), die Schulen (gehören den Verlagen), die Schwimmbäder, Strassen, Tunnels (gehören den Bauunternehmen) bestimmen wohin das Geld geht.

Ich garantiere, die Schere ginge so schnell noch soviel weiter auf wie es gar nicht geht. Und ich wiederhole: der Mensch wird an seiner Gier zugrunde gehen.

Merced wrote:

Der Private soll einen möglichst hohen Teil des durch ihn selbst erwirtschafteten Einkommens nach eigenem Gutdünken verwenden dürfen.

Ich bin damit einverstanden, meine aber, dass wir diesen Zustand nur insoweit nicht haben, als dass die Bürger mit "Normalo-Einkommen" da recht neutral gehalten sind. Die Sparquote steigt ohne, dass die Ferien gestrichen werden usw.

Diejenigen mit wenig Einkommen (z.B. alle Hilfeempfänger, z.B. auch AHV-Zusatzrente, Wohnbeihilfen u.ä) sind in den letzen Jahren immer schlechter weggekommen. Sie haben sowieso nichts zu verteilen.

Die Reichen und Superreichen haben schon heute einen fast idealen Zustand in diesem Sinne. Denn da muss man einmal genauer hinsehen. Was sie dem Staat wirklich abgeben müssen und das was gegen aussen aufscheint ist nicht leicht ersichtlich.... Schon nur die Spesenregelung, der Chauffeur, das Dienstfahrzeug, der "betrieblich notwendige Aufwand", Repräsentation usw. usw. Alles Dinge, die gegen Aussen als "Arbeit" dargestellt werden (wir arbeiten hart, 60-80 Std. die Woche ist normal, wobei auch der Besuch einer Gala oder einer Uraufführung halt "Arbeit" ist), werden nicht als "Lohn" betrachtet, aber bei den Steuern oder Betriebsintern geltend gemacht und fliessen damit nicht in das Steuersubstrat ein. Oder bestenfalls teilweise über indirekte Steuern.

(nebenbei, ein Gespräch mit der einen oder anderen Privatsekretärin unter vier Augen betreffend: "Was für Quittungen bekommst Du so vom Chef als Spesen vorgelegt" dürfte da einiges Staunen auslösen. Da ist auch mal eine Kioskquittung über den Kauf eines Kaugummis dabei. Und die ist nicht zufälligerweise rein gerutscht :lol:)

So gesehen ist die Staatsquote wohl wesentlich tiefer als behauptet.

Merced wrote:

und der Liberalismus ist schon seit 50 Jahren tot. An seine Stelle tritt der Etatismus, welcher in seiner extremsten Ausprägung, dem Realsozialismus, 1989 in Flammen untergegangen ist. Trotzdem hat sich der Etatismus gehalten

:?:

Ersetzt durch den Turbo-Kapitalismus, der wohl genauso turbomässig in den Abgrund führen könnte...

Merced wrote:

Mir ist immer noch unklar, wie „Geldsäcke“ definiert werden soll. Wem soll man was wegnehmen und wie in den „Wirtschaftskreislauf“ zurückführen? Und was heisst „in den Wirtschaftskreislauf“ zurückführen überhaupt?

Meine persönliche Definition von Geldsäcken also:

Geldsäcke sind Menschen, welche soviel Vermögen zusammen getragen haben, dass Sie gezwungen sind, Möglichkeiten zu finden, wie sie das Vermögen das sie nicht mehr verstecken können vor der Öffentlichkeit, "in Umlauf" bringen können OHNE, dass diese Öffentlichkeit darauf zugreifen kann.

Z.B. indem sie eine Stiftung gründen, der sie vorstehen, die steuerbefreit ist und bei der niemand wirklich weiss, wie die Gelder fliessen.

Merced wrote:

Ich bin mit dem Gedanken einverstanden, die Verteilung des Reichtums auch innerhalb unserer Gesellschaften als ungerecht zu empfinden. Auch hat der Staat eine gewisse Ausgleichsfunktion, die er nicht gut wahrnimmt.

Einverstanden. Aber eine "Private Verteil-Institution" ohne Macht würde wohl auch nicht an das "überflüssige" Geld heran kommen.

Merced wrote:

Das Steuergesetzt sagt, dass jeder nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert werden soll. Trotzdem kennt man in der Schweiz kaum mehr die Erbschaftssteuer. Dafür wird jeder mietende Lohnausweisbezüger mit der vollen Härte des Steuergesetzes so besteuert, dass ihm keine Möglichkeit bleibt, Vermögen anzusparen und somit sozial aufzusteigen. Dies ist ein Resultat einer Politik der normativen Gesetztgebung, die glaubt, ein komplexes System mit regulatorischer Wut mikroskopisch steuern zu können. Das, meine Herren, ist unser Staat heute. Davon soll es künftig noch mehr geben?

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mfG

:?: :?:

Nun ja, auch einverstanden, aber dann wäre ich doch mal an einem Vorschlag von DIR interessiert WER das richten soll? Und vor allem WIE. Ich bereite schon mal den Nobel-Preis vor.

Merced
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

CrashGuru wrote:

Nun ja, auch einverstanden, aber dann wäre ich doch mal an einem Vorschlag von DIR interessiert WER das richten soll? Und vor allem WIE. Ich bereite schon mal den Nobel-Preis vor.

Wie gesagt, ich bin selbst unschlüssig, wie wir eine bessere Gesellschaftsordnung herbeiführen könnten. Insofern scheide ich als Nobelpreis-Kandidat leider schon mal aus.

Ich gehe heute den Weg zu sagen: „Man kann nicht alle Probleme lösen, darum bleiben wir beim Altbewährten und nehmen hin, dass nicht alles optimal läuft, statt ein paar Politikern und Bürokraten noch mehr Machtbefugnisse zu geben, unser Leben noch mehr bis ins kleinste Detail zu regeln.“

Unter Altbewährtem stelle ich mir eine Prinzipienbasierte Politik und einen Staat mit klar umrissenen Aufgaben und Pflichten vor.

Beispiel gefällig? Prinzip: Die Steuersubjekte sind nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu besteuern. Prinzip: Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich und sollen gleiche Chancen haben. Ausführung: Flat tax, und zwar unbesehen ob Arbeits- oder Kapitaleinkommen. Auch Erbschaften werden besteuert (ist schliesslich ein Einmaleinkommen). Es gibt keine sozialpolitisch motivierten Komponenten mehr im Steuergesetz, keine Abzüge für Eigenheime, keine Kinderabzüge, keine Betreuungskostenabzüge, kein Baukindergeld (kein Witz, das gibt’s in D). Mit den Steuern finanziert der Staat die ihm verfassungsmässig zugewiesenen Aufgaben (z.B. öffentliche Sicherheit, oder auch die Sicherung eines Mindestlebensstandards, der so festgelegt ist, dass sich einerseits Arbeit lohnt aber andererseits keiner völlig verwahrlost). Darüber hinaus übernimmt der Staat keine Aufgaben. Sollten Politiker oder Bürokraten auf die Idee kommen, trotzdem neue Aufgaben zuzuweisen, ist dafür eine Verfassungsänderung notwendig (obligatorisches Referendum).

Wer das umsetzen soll? Leider sehe ich in unserer Politik wenige Leute, welche so denken. Man kann nur als besorgter Bürger für diese Gedanken einstehen und versuchen, seine Position zu erläutern, z.B. in dieser Diskussion auf diesem Forum und Denkanstösse geben. Jeder in seinem Umfeld, nur so verändert sich vielleicht langsam die Gesellschaft.

Mit freundlichen Grüßen

weico
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Re: Schulmeister-Diskussion ctd

CrashGuru wrote:

[

Nun ja, auch einverstanden, aber dann wäre ich doch mal an einem Vorschlag von DIR interessiert WER das richten soll? Und vor allem WIE. Ich bereite schon mal den Nobel-Preis vor.

Kein Problem! :oops:

Der Staat soll einfach WENIGER AUSGEBEN als er EINNIMMT !

P.S..

Danke fuer den Nobel-Preis Lol

weico

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