Brexit: Ende einer Fehlkonstruktion?

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Britische Fischer: Johnson

Britische Fischer: Johnson hat uns betrogen

(Ausführliche Fassung) - Britische Fischer fühlen sich durch den Brexit-Deal von Premierminister Boris Johnson betrogen. "Boris Johnson hat uns die Rechte an allen Fischen versprochen, die in unserer exklusiven Wirtschaftszone schwimmen, aber wir haben nur einen Bruchteil davon erhalten", sagte der Chef des nationalen Verbunds der Fischereiorganisationen (NFFO), Andrew Locker, dem Sender BBC Radio 4 am Montag. "Ich bin wütend, enttäuscht und fühle mich betrogen." Johnson habe versprochen, dass es keinem Fischer schlechter gehen werde. Aber nun gebe es "eine beträchtliche Anzahl", denen es deutlich schlechter gehe als vor dem Deal.

28.12.2020 10:58

Als Grossbritannien noch EU-Mitglied war, hätten die Fischer mit der Gemeinschaft handeln können. "Wir haben Dinge, die wir nicht gebraucht haben, gegen Fisch getauscht, den sie nicht gebraucht haben. Und das hat uns ermöglicht, einen Jahresplan aufzustellen", sagte Locker. Nun müssten die britischen Fischer schwer kämpfen, um ihre Existenz zu erhalten. Staatsminister Michael Gove widersprach.

Grossbritannien werde vielmehr in einer viel stärkeren Position als in der EU sein, sagte Gove dem Sender. Unter der gemeinsamen Fischereipolitik der EU hätten britische Fischer nur Zugang zu 50 Prozent der Fische in britischen Gewässern gehabt. Diese Zahl steige nun bis 2026 auf zwei Drittel, sagte Gove. Das Land werde in Flotte und Infastruktur investieren und könne seinen Anteil weiter steigern.

Die Fischerei spielt wirtschaftlich gesehen nur eine geringe Rolle, war aber von Grossbritannien sowie von Frankreich auf der EU-Seite symbolisch stark aufgeladen worden und einer der schwierigsten Punkte bei den Verhandlungen über den Brexit-Handelspakt. Letztlich hat London grosse Zugeständnisse gemacht. Europäische Fischer müssen zunächst nur auf ein Viertel ihrer Fangquoten verzichten - gestaffelt auf fünfeinhalb Jahre. Sollte London ihren Zugang später weiter beschneiden, könnte Brüssel das mit Zöllen beantworten./bvi/DP/nas

(AWP)

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Weniger als 200 Lastwagen

Weniger als 200 Lastwagen warten noch in England auf Ausreise

Trotz Corona-Schnelltests für Lastwagenfahrer ist der Lkw-Stau in Südostengland noch immer nicht abgebaut. Mit Stand Sonntagabend würden weniger als 200 Fahrzeuge auf die Ausreise nach Frankreich warten, sagte eine Sprecherin des britischen Verkehrsministeriums in London am Montag auf Anfrage. Am Abend des ersten Weihnachtstages waren es noch etwa 3000.

28.12.2020 10:17

Nun standen noch rund 180 Lastwagen auf der Autobahn M20 Schlange vor dem Eurotunnel . Etwa 15 weitere parkten auf dem still gelegten Flughafen Manston gut 30 Kilometer nördlich des Hafens Dover. Dort sollen die Fahrer auf das Coronavirus getestet werden - ein negatives Ergebnis ist Voraussetzung für die Einreise nach Frankreich. Das Land hatte die Grenze am vierten Advent wegen der raschen Ausbreitung der in Grossbritannien entdeckten Corona-Variante geschlossen und erst nach zwei Tagen wieder geöffnet.

Verkehrsminister Grant Shapps ermahnte Fahrer via Twitter, sich in Manston testen zu lassen. Mit Stand Samstagmittag hatten die Behörden rund 15 000 Tests an Lkw-Fahrern durchgeführt, 36 seien positiv ausgefallen./bvi/DP/nas

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EU-Chefunterhändler Barnier:

EU-Chefunterhändler Barnier: Brexit-Handelspakt bringt Stabilität

Für EU-Chefunterhändler Michel Barnier ist der Brexit-Handelspakt zwischen der Europäischen Union und Grossbritannien ein Zeichen für Stabilität. "Am Heiligabend war es eine Art Erleichterung, so vielen Unternehmen, so vielen Bürgern, die sich Sorgen machten, ein bisschen Ruhe oder Stabilität zu bringen", sagte Barnier am Dienstag dem Sender Franceinfo über die Einigung vor knapp einer Woche. Der Brexit sei dennoch schmerzhaft - aber eine demokratische Entscheidung der Briten.

29.12.2020 11:00

Künftig würden sich zahlreiche Dinge ändern, so Barnier. Das gelte etwa für die Kontrollen von Waren aus Grossbritannien, den Ausstieg aus dem Erasmus-Programm der Briten oder notwendige Visa bei mehr als 90 Tagen Aufenthalt. Barnier betonte, dass Grossbritannien in der globalen Welt nun auf sich allein gestellt sei, während die Europäische Union weiterhin zusammenbleibe. "Ich glaube definitiv, dass es besser ist, mit unseren Nachbarn zusammen zu sein, in einer Union, in einem gemeinsamen Markt, als dass jeder für sich ist", sagte Barnier.

Das mühsam ausgehandelte Handels- und Partnerschaftsabkommen soll die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Insel und dem Kontinent ab Januar 2021 regeln. Wichtigster Punkt ist, Zölle zu vermeiden und möglichst reibungslosen Handel zu sichern. Der Vertrag umfasst aber auch den Fischfang sowie die Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei und vielen anderen Themen./nau/DP/jha

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Im Eiltempo: Britisches

Im Eiltempo: Britisches Parlament stimmt am Mittwoch über Brexit-Deal ab

Im Eiltempo stimmt das britische Parlament am Mittwoch über den Brexit-Handelspakt mit der Europäischen Union ab. Beide Kammern sollen die Vereinbarung innerhalb weniger Stunden abnicken. Spät am Abend soll dann Königin Elizabeth II. als Staatsoberhaupt das Brexit-Gesetz mit ihrer Unterschrift in Kraft setzen.

30.12.2020 06:33

Wie aus vorab veröffentlichten Auszügen seiner Rede vor dem Parlament hervorgeht, will Premierminister Boris Johnson den Deal als historische Chance und nationale Erfüllung bewerben. Zentraler Zweck sei, "etwas zu erreichen, von dem das britische Volk in seinem Herzen immer wusste, dass es getan werden kann", wird Johnson demnach sagen. Es gehe darum, mit den europäischen Nachbarn freundschaftlich zusammenzuarbeiten und Handel zu treiben, aber zugleich die souveräne Kontrolle über Gesetze und "unser nationales Schicksal" zu behalten.

Der Premierminister will dabei die enge Freundschaft zu Europa betonen - eine komplette Loslösung sei nie in Frage gekommen. "Was wir suchten, war kein Bruch, sondern eine Lösung - eine Lösung der alten und ärgerlichen Frage der politischen Beziehungen Grossbritanniens zu Europa, die unsere Nachkriegsgeschichte belastete", steht im Manuskript. Grossbritannien werde der beste Freund und Verbündete sein, den die EU haben könnte. Gleichzeitig werde der Wunsch des britischen Volkes erfüllt, unter eigenen Gesetzen zu leben.

Die Zustimmung der beiden Parlamentskammern gilt als sicher. Dennoch wird es ein langer Tag in London: Nachdem am Vormittag (9.30 Uhr) in Brüssel EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel das knapp 1250 Seiten dicke Dokument signiert haben, wird es mit einer Maschine der britischen Luftwaffe (RAF) in die britische Hauptstadt geflogen. Dort soll dann Premierminister Johnson den Vertrag unterzeichnen. Die 27 EU-Staaten haben dem Start des Brexit-Handelspakts zum 1. Januar bereits offiziell zugestimmt.

Bereits um 10.30 Uhr deutscher Zeit beginnt im britischen Unterhaus - dem House of Commons - die Diskussion über das Gesetz. Mit dem Ende der Abstimmung wird gegen 15.30 Uhr gerechnet. Johnsons konservative Partei verfügt hier über eine deutliche Mehrheit. Mit Gegenwind aus den eigenen Reihen muss der Premierminister nicht rechnen: Am Dienstag hatten sich innerparteiliche Brexit-Hardliner hinter den Pakt gestellt. Auch die grösste Oppositionsfraktion Labour hat grundsätzlich ihre Zustimmung signalisiert, allerdings widersprechen einige Abgeordnete dem Kurs von Parteichef Keir Starmer.

Danach muss auch das Oberhaus - das House of Lords - dem Vertrag zustimmen. Nicht ausgeschlossen wird, dass dort kleinere Änderungen beschlossen werden, über die dann erneut die erste Kammer entscheiden muss. Schliesslich folgt die Zustimmung der Königin, der "Royal Assent". Dieser formelle Akt wird erst für den späten Abend erwartet.

Grossbritannien und die EU hatten sich erst an Heiligabend auf den Vertrag geeinigt. Das mühsam ausgehandelte Handels- und Partnerschaftsabkommen soll die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Insel und dem Kontinent von Januar 2021 an regeln. Wichtigster Punkt ist, Zölle zu vermeiden und möglichst reibungslosen Handel zu sichern. Der Vertrag umfasst aber auch den Fischfang sowie die Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei und vielen anderen Themen. Grossbritannien war bereits Ende Januar 2020 aus der EU ausgetreten, nun endet auch die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion.

Der walisische Regierungschef Mark Drakeford nannte den Vertrag "enttäuschend". "Für unsere Bürger bedeutet er längere Schlangen an Flughäfen, Visa für längere Reisen, teurere Mobilfunkkosten. Weniger Menschen aus der EU, die in unserem Gesundheits- und Sozialhilfewesen arbeiten und sich um Leute in Not kümmern", sagte Drakeford. Wie zuvor bereits seine schottische Kollegin Nicola Sturgeon warf er Johnsons Regierung "Kulturvandalismus" vor, weil sie aus dem EU-Studentenaustauschprogramm Erasmus aussteigt.

Ein deutscher Experte rechnet trotz der Einigung zwischen London und Brüssel mit Nachverhandlungen. "Das Abkommen ist rudimentär", sagte York-Alexander von Massenbach von der Britischen Handelskammer in Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist das Beste, das man im Rahmen der Umstände und in konfliktbelasteten Gesprächen hinbekommen konnte." Aber gerade aus britischer Sicht sei es "fast schon erstaunlich", dass ein Deal vereinbart wurde.

"Es zeigt, wie emotional und eben nicht unbedingt wirtschaftlichen Interessen folgend verhandelt wurde, wenn der Fischerei mehr Bedeutung zukam als Finanzdienstleistungen", sagte der Leiter des Londoner Büros der Rechtsanwaltsgesellschaft Luther. Daher könne die Konsequenz nur sein, dass dieser Punkt nachgeholt werde./bvi/DP/stk

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Diese Themen belasten London

Diese Themen belasten London nach dem Brexit-Deal

Das lang erwartete Handelsabkommen zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union lässt noch viele Fragen für das Finanzsystem offen. Eine Übersicht.

29.12.2020 19:10

Seit Grossbritannien 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hat, fiebern sie dem Tag der Trennung entgegen. Jedoch wurden seitdem kaum Fortschritte bei der Gestaltung der zukünftigen Beziehungen zwischen den jeweiligen Finanzsektoren erzielt, obwohl die City of London, das dominante Finanzzentrum, innerhalb weniger Tage ausserhalb der EU sein wird.

Der britische Schatzkanzler Rishi Sunak sagte am Sonntag, dass die Gespräche mit Brüssel über den Zugang zu Finanzdienstleistungen fortgesetzt würden. Beide Seiten haben angekündigt, dass sie bis März eine Absichtserklärung über die aufsichtsrechtliche Zusammenarbeit erreichen wollen.

Nachdem ein Brexit-Handelsabkommen erzielt wurde, wird sich die Finanzbranche nun mit den nachfolgenden Themen befassen müssen

Zukunft der Äquivalenz

Neben den Handelsgesprächen waren die Führungskräfte im Finanzsektor über das separate Verfahren der “Äquivalenz-”Sicherung besorgt. Das Vereinigte Königreich hat seine “Passport”-Rechte für grenzüberschreitende Bankgeschäfte aufgegeben.

Daher müssen sich Londoner Finanzinstitute, die in der EU Geschäfte tätigen möchten, im Allgemeinen darauf verlassen, dass Brüssel erklärt, dass die britischen Vorschriften in jedem Finanzbereich robust genug sind.

Bisher hat die EU den Zugang zu Londons dominanten Clearinghäusern bis Juni 2022 erlaubt, um die Multi-Billionen-Dollar-Derivatemärkte stabil zu halten. Sie zögerte jedoch, die gleichen Rechte auf Investmentbanking- und Aktienhandel auszuweiten.

Auf britischer Seite gewährte Sunak im November den EU-Unternehmen einseitig die Gleichwertigkeit in Bezug auf Kapital-, Prüfungs- und Versicherungsstandards. Das Vereinigte Königreich hat zuvor erklärt, dass britische Unternehmen weiterhin alle Aktien über EU-Plattformen handeln können, selbst wenn keine gegenseitige Äquivalenz erreicht werden kann.

Es gab jedoch nur wenige Zugeständnisse seitens der EU, und an den Aktienmärkten droht ohne Äquivalenz immer noch ein Bruch, wenn der Block europäische Investoren zwingt, EU-Aktien innerhalb seiner Grenzen zu handeln.

Branchen-Lobbygruppen erhöhen den Druck, um in letzter Minute eine Fristverlängerung beim Derivatehandel zu erwirken, um sicherzustellen, dass Geschäfte in ganz Europa effizient abgewickelt werden können. Ohne eine Lösung könnten gewisse Teile vom Derivategeschäft Europa verlassen und in die USA abwandern, die bereits Äquivalenz mit der EU haben.

Unkontrollierbare Märkte

Die Aufsichtsbehörden in Grossbritannien und Europa haben davor gewarnt, dass die Märkte volatil und unkontrollierbar werden könnten. Die Aufseher haben in den letzten Wochen betont, dass die Branche sich wieder auf die Brexit-Planung konzentrieren sollte, beispielsweise um sicherzustellen, dass die EU-Büros funktionsfähig sind, um kurzfristige Überraschungen für Kunden und Märkte nach dem 31. Dezember zu vermeiden.

Die Londoner Niederlassungen grosser europäischer Banken könnten aufgrund der widersprüchlichen britischen und EU-Bestimmungen beim Handel mit Derivaten im Wert von Billionen Euro vor einer besonderen Herausforderungen stehen.

Die Aufsichtsbehörden erwarten jedoch nicht, dass der Austritt Grossbritanniens die Stabilität des Finanzsystems gefährdet.

Arbeitsplätze werden verlagert 

Banken wie JPMorgan Chase. und Goldman Sachs haben Hunderte von Mitarbeitern angewiesen, bis Ende des Jahres in EU-Städte einschliesslich Frankfurt umzuziehen.

Die Aufseher der Europäischen Zentralbank haben davor gewarnt, „Briefkasten“-Büros zu betreiben. Daher müssen Unternehmen innerhalb der EU Mitarbeiter für Vertrieb, Compliance und Governance haben. Laut dem Beratungsunternehmen EY werden bislang rund 7500 Banker in die neuen EU-Niederlassungen der Kreditinstitute umziehen.

Firmen, die eine Banklizenz in Deutschland erhalten haben, werden voraussichtlich bis zu 2500 Arbeitsplätze dorthin verlagern, erwartet die Bundesbank.

Londons Vorsprung schwindet

Die fünf grössten Banken der Wall Street - JPMorganGoldman SachsBank of AmericaCitigroup und Morgan Stanley - bevorzugen seit langem London als Basis.

Per Ende letzten Jahres hielten sie das Dreifache des Eigenkapitals und mehr als das Vierfache der risikogewichteten Aktiva in ihren britischen Tochtergesellschaften im Vergleich zu ihren EU-Töchtern. Londons Vorsprung wird wahrscheinlich in den kommenden Monaten schwinden.

JPMorgan verlagert Vermögenswerte von 200 Milliarden Euro in die EU. Die EZB drängt darauf, dass mehr EU-Geschäft lokal verwaltet wird, anstatt einfach über „Back-to-Back“-Transaktionen zwischen Bankbüros nach London transferiert zu werden.

Frankfurt wird zu den grossen Gewinnern der Verlagerung gehören. Nicht-deutsche Geldinstitute sind dabei, weitere Positionen in Höhe von 397 Milliarden Euro in das Land zu verlagern und ihre Bilanz dort zum Jahresende auf 675 Milliarden Euro zu erhöhen, sagte die Bundesbank Anfang November.

Handel nach neuen Datenschutzbestimmungen

Für Banken und Brokerhäuser besteht eine grosse Aufgabe darin, sicherzustellen, dass ihre Kunden über die erforderlichen Unterlagen für den Handel mit den neuen EU-Abteilungen verfügen.

Nach Angaben des Financial Policy Committee der Bank of England hatten zwei Drittel der Derivatekunden diese Arbeit tatsächlich bis Oktober erledigt. Kleinere Kunden waren langsamer. Die Aufsichtsbehörden möchten auch sichergestellt haben, dass Unternehmen personenbezogene Daten gemäss den Datenschutzbestimmungen über den Ärmelkanal übertragen können.

Eine temporäre Lösung für den Datenaustausch wurde vereinbart, um den Unternehmen für einige Monate zu helfen. Und die britischen Behörden sagen, dass die Kreditinstitute nach der Brexit-Übergangszeit den Kunden rechtzeitig Bescheid geben sollten, wenn sie ihren Service einstellen oder reduzieren.

(Bloomberg)

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Brexit-Gesetz in

Brexit-Gesetz in Grossbritannien in Kraft - Auch Königin Elizabeth stimmt zu

Der Weg für den Brexit-Handelspakt zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union ist frei. Königin Elizabeth II. als britisches Staatsoberhaupt setzte das Ratifizierungsgesetz in der Nacht zum Donnerstag in Kraft, wie der Sprecher des Unterhauses, Lindsay Hoyle, sagte. Zuvor hatten beide Kammern des Parlaments in London dem Dokument zugestimmt. Mit dem Abkommen wird ein harter wirtschaftlicher Bruch vermieden, wenn Grossbritannien in der Nacht zum Freitag auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion austritt. Die EU selbst hatte das Land bereits Ende Januar 2020 verlassen.

31.12.2020 06:36

"Das Schicksal dieses grossartigen Landes liegt jetzt fest in unseren Händen", sagte Premierminister Boris Johnson. "Am 31. Dezember um 23.00 Uhr (Ortszeit) beginnt ein neuer Anfang in der Geschichte unseres Landes und eine neue Beziehung mit der EU als deren engster Verbündeter. Endlich ist dieser Moment gekommen, und jetzt ist die Zeit, ihn zu nutzen", sagte Johnson.

Das knapp 1250 Seiten starke Handels- und Partnerschaftsabkommen regelt die wirtschaftlichen Beziehungen nach der Brexit-Übergangsphase vom 1. Januar 2021 an. Damit werden Zölle vermieden und Reibungsverluste im Handel möglichst gering gehalten. Zugleich werden viele andere Themen geregelt, darunter Fischfang und Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei.

Dennoch gibt es grosse Änderungen. So werden an den Grenzen künftig Kontrollen nötig, weil Standards überprüft werden müssen, unter anderem bei Agrarprodukten. Für Bürger ist die Möglichkeit des einfachen Umzugs vorbei. Auch die Visafreiheit bei Reisen ist künftig zeitlich begrenzt.

Die EU-Spitze hatte den Brexit-Handelspakt bereits am Morgen unterzeichnet. Nachdem EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel das Dokument signiert hatten, wurde es mit einer Maschine der britischen Luftwaffe nach London geflogen. Dort setzte dann auch Premierminister Johnson seine Unterschrift unter das Abkommen. Grossbritannien war bereits Ende Januar 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten. Nun endet auch die damals vereinbarte Brexit-Übergangsphase.

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Grossbritannien:

Grossbritannien: Unternehmensstimmung hellt sich schwächer als erwartet auf

Die Stimmung in der britischen Wirtschaft hat sich Ende des vergangenen Jahres nicht so stark aufgehellt wie bisher gedacht. Der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit stieg im Dezember um 1,4 Punkte auf 50,4 Zähler, wie das Forschungsunternehmen am Mittwoch in London nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Analysten hatten im Schnitt eine Bestätigung der Erstschätzung von 50,7 Punkten erwartet.

06.01.2021 10:59

Die Stimmungsdaten aus dem Bereich Dienstleistungen, die Markit ebenfalls veröffentlichte, fielen enttäuschend aus. Der Indexwert für Dezember stieg zwar um 1,8 Punkte auf 49,4 Zähler. Analysten hatten aber mit einer Bestätigung der Erstschätzung von 49,9 Punkten gerechnet.

Mit mehr als 50 Punkten liegt das Stimmungsbarometer für die gesamte britische Wirtschaft über der Grenze, die Wachstum von Schrumpfung trennt. Durch die neuen Beschränkungen in der Corona-Krise wurde vor allem der Dienstleistungssektor getroffen.

Markit verweist auch auf Sonderfaktoren vor dem Austritt von Grossbritannien aus dem europäischen Binnenmarkt. So hätten viele Unternehmen noch Vorprodukte eingekauft und die Lagerbestände erhöht. Auch Kunden aus der Europäischen Union hätten Bestellungen vorgezogen. Erst Ende Dezember hatte sich die EU mit Grossbritannien auf ein Brexit-Handelsabkommen geeinigt und damit einen harten Bruch in den Handelsbeziehungen abgewendet./jkr/bgf/jha/

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Britische Unternehmen

Britische Unternehmen bekommen Brexit-Folgen zu spüren

Gut eine Woche nach dem endgültigen Austritt Grossbritanniens aus dem Binnenmarkt und der Zollunion zum Jahreswechsel machen sich die Folgen beim Warenverkehr bemerkbar.

08.01.2021 12:14

Probleme gibt es vor allem für Exporteure von Fisch- und Meeresfrüchten, die für ihre Waren nun aufwendige Erklärungen für Bestimmungen über Zölle und Lebensmittelsicherheit ausfüllen müssen. Befürchtet wird, dass Verzögerungen bei der Lieferung der verderblichen Ware, die grösstenteils für den Kontinent bestimmt ist, das Geschäft ruinieren. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte nach dem Abschluss des nach seinen Worten "fantastischen" Handelspakts mit der EU versprochen, es werde keinerlei Handelshemmnisse geben.

Das Exportunternehmen SB Fish meldete am Donnerstag, sein Betrieb sei zum Erliegen gekommen. Die Chefin des Verbands Seafood Scotland, Donna Fordyce, sprach von einem "perfekten Sturm" aus Folgen der Corona-Pandemie und dem Brexit für die Branche. Viele Unternehmen seien nicht in der Lage, die erforderlichen Unterlagen auszufüllen. Hinzu kämen Probleme bei den IT-Systemen und Verwirrung über die neuen Regelungen. "Wir könnten innerhalb sehr kurzer Zeit die Zerstörung eines jahrhundertealten Branche sehen, die einen erheblichen Teil der schottischen Wirtschaft ausmacht", so Fordyce der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge.

Auch der Paket-Dienstleister DPD zog am Freitag Konsequenzen und stellte Lieferungen von Grossbritannien auf den europäischen Kontinent und nach Irland vorübergehend ein. Grund sei die erhöhte Belastung durch die erforderliche Zollbürokratie, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. 20 Prozent der Pakete wurden demnach ohne ausreichende Zollerklärung abgesendet und müssten an die Absender zurückgeschickt werden.

Schwierigkeiten gibt es auch für die Textileinzelhändler, deren Waren häufig in Asien hergestellt werden. Dem an Heiligabend vereinbarten Handelspakt zufolge fallen für Kleider und Accessoires, die beispielsweise aus Bangladesch oder Kambodscha stammen, nun Zölle an, sollten sie von Grossbritannien aus auf die irische Insel oder den Kontinent geliefert werden. Die neuen Regeln betreffen ausser dem EU-Mitglied Irland auch das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland.

Neue Regeln sind komplex

Nur Waren, die in Grossbritannien weiterverarbeitet oder veredelt wurden, dürfen zollfrei ins EU-Zollgebiet eingeführt werden. Die Regeln dazu sind komplex und von Warengruppe zu Warengruppe unterschiedlich.

Die Unternehmen John Lewis und TKMaxx stellten Lieferungen nach Nordirland vorübergehend ein. Das Warenhaus Debenhams nahm seinen Online-Shop für Irland vom Netz. "Es tut uns leid, aber wir sind derzeit nicht in der Lage, Bestellungen von der Republik Irland auszuliefern wegen Unsicherheit über die Handelsbestimmungen nach dem Brexit", hiess es zur Begründung.

Auch der Lebensmittelhandel in Nordirland mit den Änderungen zu kämpfen. "Die Menschen hier beschweren sich über leere Regale in den Supermärkten", sagte die nordirische Konfliktforscherin und Brexit-Expertin Katy Hayward von der Queen's University Belfast der Deutschen Presse-Agentur. Insbesondere bei frischen Produkten komme es zu Störungen der Lieferketten. Unternehmen seien unsicher, welche Formulare bei der Einfuhr notwendig sind. "Viele merken, dass sie nicht vorbereitet sind", so Hayward. Das sei nicht überraschend - normalerweise brauche es Jahre, um solche aufwendigen Veränderungen umzusetzen. Viele Firmen verschieben daher ihre Fahrten, was sich bei frischen Produkten als erstes bemerkbar macht.

Nach dem Brexit gelten für Nordirland spezielle Regeln, die im sogenannten Nordirland-Protokoll festgehalten sind. Damit wird eine harte EU-Aussengrenze zwischen Irland und Nordirland vermieden, da durch eine solche das Aufflammen alter Konflikte in Nordirland befürchtet wird. Die Provinz ist damit enger an die EU gebunden als der Rest des Königreichs und folgt weiter den Regeln des EU-Binnenmarkts. Bei der Einfuhr von Waren aus Grossbritannien nach Nordirland sind daher seit dem 1. Januar Zoll- und Zertifikatskontrollen fällig. Die entsprechenden Vorgaben sind jedoch erst knapp vor dem Jahreswechsel veröffentlicht worden.

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Brexit-Folgen: Britische

Brexit-Folgen: Britische Verbände fordern Nachverhandlungen mit EU

Rund eineinhalb Wochen nach dem endgültigen Austritt Grossbritanniens aus der Zollunion und dem Binnenmarkt der EU werden Forderungen nach Nachverhandlungen mit Brüssel über den Handelspakt laut. Für Schwierigkeiten sorgen besonders Vorschriften zu Zöllen und zur Lebensmittelsicherheit sowie zur Mehrwertsteuer bei grenzüberschreitendem Handel.

10.01.2021 17:04

Teilweise stellten Unternehmen den Handel zwischen Grossbritannien und der EU aus Unsicherheit über die Bestimmungen oder wegen des Mehraufwands schlicht ein - darunter Exporteure von Fisch, ein Paketdienstleister und Modeketten. Besonders Nordirland ist stark betroffen. Dort gab es Klagen über leere Supermarktregale. Die Provinz ist zwar Teil des Vereinigten Königreichs, wird aber laut Austrittsabkommen nach den Regeln der EU-Zollunion und des Binnenmarkts behandelt. Damit soll eine harte Grenze zum EU-Mitglied Republik Irland und ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts verhindert werden.

Britische Unternehmensverbände hoffen nun auf weitere Verhandlungen zwischen Brüssel und London, um den Schwierigkeiten Herr zu werden. "Wo es Probleme gibt, wird es weitere Gespräche geben müssen", sagte der Chef des britischen Lebensmittelhandelsverbands Food and Drink Federation dem "Observer" am Sonntag. Der Geschäftsführer des Industrieverbands Make UK sagte dem Blatt, selbst Zollexperten mit 30 Jahren Erfahrung seien "verblüfft" darüber, was die neuen Bestimmungen bedeuteten. Er sieht schlimmstenfalls jahrelange Verhandlungen anstehen.

London und Brüssel hatten sich erst an Heiligabend auf ein Freihandelsabkommen geeinigt, das an Neujahr in Kraft trat. Premierminister Boris Johnson hatte von einem "fantastischen" Deal geschwärmt, der keinerlei Handelshemmnisse mit sich bringen werde. Doch von Zöllen befreit sind nur Waren, die in Grossbritannien hergestellt oder dort veredelt wurden. Viele Produkte wie Kleider britischer Modeketten, die in Asien genäht werden, fallen nicht darunter. Auch nicht Lebensmittel, die in der EU produziert wurden und in Grossbritannien abgepackt werden. Dazu kommt, dass für alle Waren nun aufwendige Zollerklärungen und teilweise Zertifikate über die Produktsicherheit notwendig sind.

Der britische Staatsminister Michael Gove warnte deshalb bereits vor "erheblichen zusätzlichen Behinderungen" im Warenverkehr zwischen Grossbritannien und der EU in den kommenden Wochen. Das werde vor allem den Hafen von Dover betreffen, wo täglich Tausende Lastwagen von Fähren ins französische Calais und andersherum befördert werden, so Gove. Bislang war das Verkehrsaufkommen im neuen Jahr an der wichtigsten Handelsroute des Landes erheblich geringer als üblich. Viele Unternehmen hatten bereits vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase zum Jahreswechsel ihre Lagerbestände erhöht. Doch nun wird erwartet, dass der Handel wieder anzieht und damit die Probleme wachsen.

Der Hafen von Dover teilte mit, der Verkehr über den Ärmelkanal laufe derzeit reibungslos. Das Aufkommen sei im Januar stets geringer als sonst. Doch viele Unternehmen halten ihre Lastwagen wohl schlicht zurück, weil die notwendigen Papiere nicht vorliegen. Hinzu kommt, dass europäische Logistikfirmen damit zögern, ihre Lkw auf die Insel zu schicken, nachdem es kurz vor Weihnachten zu langen Staus gekommen war, als Frankreich wegen einer neuen Virusvariante in England seine Grenzen komplett zumachte./cmy/DP/edh

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Verband: Rund 250 000

Verband: Rund 250 000 britische Unternehmen von Pleite bedroht

Der britische Unternehmensverband Federation of Small Businesses hat vor massenhaften Schliessungen kleiner Unternehmen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Mindestens 250 000 dieser Firmen in Grossbritannien seien von Schliessungen bedroht, hiess es in einer Mitteilung des Verbands von Montag. Dies ist eine Hochrechnung auf der Grundlage einer Umfrage von 1400 Unternehmen. Von diesen gaben rund fünf Prozent an, voraussichtlich in den kommenden zwölf Monaten schliessen zu müssen - nach Angaben des Verbandes ein Negativrekord.

11.01.2021 09:57

Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen haben im vergangenen Quartal, in dem das Land in einen erneuten Lockdown gehen musste, die Zahl ihrer Mitarbeiter reduziert. 14 Prozent erwarten, dies in den nächsten drei Monaten tun zu müssen. Die Umfrage fand statt, bevor England Anfang Januar erneut in einen dritten Lockdown ging.

Mike Cherry, der Vorsitzende der Federation of Small Businesses forderte die Regierung zu weiterer Unterstützung auf: "Die Unterstützung von Unternehmen hat nicht mit der Intensivierung der Beschränkungen Schritt gehalten", so Cherry. "Als Konsequenz daraus riskieren wir in diesem Jahr, Hunderttausende grossartige, wertvolle kleine Unternehmen zu verlieren, die mit grossen Verlusten für Gemeinden und individuelle Lebenswelten einhergehen."/swe/DP/men

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EU-Parlamentier schliessen

EU-Parlamentier schliessen Korrekturen am Brexit-Pakt nicht aus

Brexit-Experten im Europaparlament schliessen Korrekturen am Handelspakt mit Grossbritannien nicht aus. Die Ratifizierung des Vertrags sei kein Selbstläufer, schrieb der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD), am Montag auf Twitter. Das EU-Parlament bestehe auf klaren Antworten und Erläuterungen und gegebenenfalls auf "nachschärfenden Ergänzungen".

11.01.2021 14:50

Parlamentsausschüsse begannen am Montag mit den Beratungen zur Ratifizierung des vor Weihnachten vereinbarten Abkommens. Dieses wird seit dem Ausscheiden Grossbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion zum 1. Januar bereits vorläufig angewendet, um einen harten wirtschaftlichen Bruch zu vermeiden. Auf EU-Seite steht die parlamentarische Bestätigung aber noch aus.

Der SPD-Abgeordnete Lange sagte der Deutschen Presse-Agentur, Fragen hätten die Parlamentarier unter anderem dazu, ob die vereinbarten Klauseln gegen britisches Steuer-Dumping ausreichten. "Ich könnte mir vorstellen, dass das Europaparlament da Nachschärfungen einfordert", sagte Lange. Vorige Woche hatten bereits die Grünen vor einem "Singapur an der Themse" gewarnt.

Am Wochenende waren britische Forderungen nach Nachverhandlungen mit der EU laut geworden. Hintergrund sind Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung bestimmter Vorschriften etwa zu Zöllen, zur Lebensmittelsicherheit und zur Mehrwertsteuer bei grenzüberschreitendem Handel.

Lange räumte ein, dass die Hürden zur Änderung des Vertragstexts hoch seien. Zuständig wäre ein von beiden Seiten besetzter Ausschuss, das Trade Partnership Committee. Denkbar als Klarstellung zu fairem Wettbewerb in Steuerfragen wären nach Langes Worten eine Zusatzerklärung oder ergänzende Anwendungsbestimmungen.

Der Brexit-Beauftragte des Parlaments, David McAllister (CDU), schrieb auf Twitter, das EU-Parlament werde seine Position zum Abkommen in einer begleitenden Entschliessung deutlich machen. Den Vertrag selbst werde man gründlich studieren und politisch bewerten./vsr/DP/men

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Brexit und Corona treiben

Brexit und Corona treiben Hoffnungen auf schottische Unabhängigkeit

Brexit und Corona-Krise lassen Befürworter der schottischen Unabhängigkeit mehr denn je auf die Loslösung von Grossbritannien hoffen. "Die nationalistische Bewegung steht der Realisierung ihres Vorhabens so nahe wie nie", sagte Politikprofessor John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow der Deutschen Presse-Agentur. Seit Monaten spricht sich in Umfragen eine Mehrheit der Schotten für die Unabhängigkeit aus.

13.01.2021 06:31

Treiber ist zuvorderst der Brexit. Beim Referendum 2016 hatte eine klare Mehrheit der Schotten gegen den Austritt aus der EU gestimmt. "Jetzt kann nur die Unabhängigkeit die Möglichkeit zur EU-Mitgliedschaft schaffen, die von der überwältigenden Mehrheit der Schotten gewünscht wird", betont Fabian Zuleeg, Chef des European Policy Centre in Brüssel. Kirsty Hughes, Direktorin des Thinktanks Scottish Council on European Relations in Edinburgh, weist darauf hin, dass die Befürworter die Demographie auf ihrer Seite hätten. "Bei den Menschen unter 35 Jahren sind 70 oder 80 Prozent für die Unabhängigkeit und für die EU", sagte sie der dpa.

Angetrieben wird diese Zustimmung auch vom Krisenmanagement in der Corona-Pandemie. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon werde hier als viel kompetenter eingestuft als der britische Ministerpräsident Boris Johnson, sagte Curtice. "Der Premierminister ist bekannt dafür, dass er sich nicht so sehr um die Details kümmert. Sturgeon hingegen klingt wie die oberste Amtsärztin, wie eine Top-Wissenschaftlerin", sagte der Experte. "Es besteht kein Zweifel, dass Boris Johnson unwillentlich zum besten Rekrutierer der nationalen Bewegung in Schottland geworden ist", sagte Curtice.

In einer Volksabstimmung 2014 hatte sich eine knappe Mehrheit noch gegen die Unabhängigkeit ausgesprochen. Johnson lehnt ein neues Referendum ab und betont, die Frage sei für diese Generation geklärt. Doch Befürworter weisen darauf hin, die Bedingungen hätten sich durch den EU-Austritt verändert. Am 6. Mai soll Schottland ein neues Parlament wählen, die regierende Schottische Nationalpartei (SNP) von Ministerpräsidentin Sturgeon hofft auf eine absolute Mehrheit.

Der frühere SNP-Vize Angus Robertson kündigte an, Ziel sei eine neue Volksbefragung innerhalb der nächsten Legislaturperiode. Er warnte Johnson davor, die Abstimmung zu verhindern. Dessen Haltung sei anti-demokratisch, sagte Robertson der dpa. Auf die Frage, ob die Staatsform des Vereinigten Königreichs passend ist für das 21. Jahrhundert, laute die richtige Antwort nicht, eine Abstimmung zu verbieten. "Das entspricht nicht dem Gedankengut des 21. Jahrhunderts, das widerspiegelt eher das 18. oder 19. Jahrhundert."

Die schottische Wirtschaft profitierte zuletzt von der Freizügigkeit in der EU. "Das ist der grösste Binnenmarkt der Welt, und wir wollen dabei sein", sagte Robertson, der jahrelang SNP-Fraktionschef im britischen Parlament war und nun einen Pro-Unabhängigkeits-Thinktank leitet. Experten sehen durchaus Chancen, dass ein selbstständiges Schottland mit seinen etwa 5,5 Millionen Einwohnern wirtschaftlich überleben kann, verweisen auf Öl aus der Nordsee und reiche Fischbestände sowie den Tourismus. "Die Grenze mit England ist sicher ein grosser Nachteil", sagte Hughes. "Andererseits gilt wieder die Freizügigkeit, und man könnte mehr Privatinvestitionen anlocken."

Volksabstimmung, Unabhängigkeit, EU-Beitritt - diesen Ablauf kündigt Regierungschefin Sturgeon immer wieder an. Ein Wiedereintritt in die EU sei durchaus vorstellbar, sagte Experte Zuleeg in Brüssel. Beim Unabhängigkeitsreferendum 2014 hatte die EU ihre Ablehnung ziemlich deutlich gemacht. Und auch nun gebe es Mitglieder wie Spanien, die wegen Unabhängigkeitsbestrebungen im eigenen Land kritisch seien. "Aber der Grundtenor hat sich verändert, auch weil Grossbritannien mit seiner Brexit-Politik viel Vertrauen zerstört hat", sagte Zuleeg.

Klar ist: Eine Unabhängigkeit des nördlichen Landesteils hätte schwere Folgen, sind sich die Experten sicher. Das Vereinigte Königreich werde auseinanderbrechen, sagte der Verfassungsrechtler Robert Hazell vom University College London der dpa. "Es gibt bereits starke Signale einer steigenden Unterstützung für ein Referendum in Nordirland über die Wiedervereinigung mit Irland." Und auch in Wales erhielten Forderungen nach einer Unabhängigkeit Zulauf. "Johnsons Versprechen eines "Global Britain", stark und frei wegen des Brexits, würde sich als falsch erweisen", sagte Hazell.

Der deutsche Historiker Holger Nehring lehrt seit Jahren an der schottischen Universität Stirling. "Der Unabhängigkeitsgedanke ist nicht mehr wegzubekommen", sagte Nehring. Das Vereinigte Königreich befinde sich in einer Staatskrise - "und zwar einer ganz gewaltigen"./bvi/DP/zb

(AWP)

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Londons Hoffnung auf

Londons Hoffnung auf Marktdominanz schwindet

Die ersten Tage des Brexit haben gezeigt, was auf dem Spiel steht: London verlor am ersten Geschäftstag nach der Übergangszeit 6,3 Milliarden Euro an täglichem Aktienhandel.

12.01.2021 19:08

Mehr als eine Woche nach dem Ende der Übergangszeit verfestigt sich in der Londoner City eine Erkenntnis über die Zukunft nach Brexit: Ein Finanzdienstleistungsabkommen mit der Europäischen Union könnte zu mager ausfallen und zu spät kommen, um ihre führende Stellung in der Branche zu behalten.

Die Verhandlungen sollen bald beginnen, um den Rahmen der regulatorischen Zusammenarbeit zwischen Grossbritannien und der EU festzulegen.

In dem Handelsabkommen, das die Trennung Grossbritanniens von der EU am 31. Dezember markierte, wurde die Branche weitgehend ausser Acht gelassen. Eine Frist bis März wurde festgelegt, aber bis jetzt gibt es wenig Details - einschliesslich der Frage, wer die Verhandlungen führen wird.

Was auf dem Spiel steht

Die ersten Tage des Brexit haben gezeigt, was auf dem Spiel steht: London verlor am 4. Januar, dem ersten Geschäftstag nach der Übergangszeit, 6,3 Milliarden Euro an täglichem Aktienhandel an EU-Handelsplätze.

Der Verlust über Nacht gab den Forderungen von Finanzunternehmen und der Londoner Börse an die Politik Auftrieb, die Regeln zu lockern und der City zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber den europäischen Rivalen zu verhelfen.

Ein solcher Schritt wurde am Wochenende bekannt, als das britische Finanzministerium erklärte, dass es den Handel mit Schweizer Aktien zulassen will. Ein entsprechendes EU-Verbot würde damit aufgehoben.

Der Handel mit Aktien von Unternehmen wie Nestle SA und Roche Holding AG in London könnte einen Teil des Verlustes an EU-Aktien ausgleichen. Gleichzeitig würde mit dem Vorstoss aber die Spaltung Grossbritanniens mit der EU vertieft und Marktzugang für die City unwahrscheinlicher.

Europäische Finanzzentren profitieren

Für Europas Verhandlungführer besteht kaum ein Anreiz, eine Vereinbarung zu treffen, da Finanzzentren von Frankfurt und Paris bis Amsterdam auf Kosten Londons Geschäfte gewinnen.

“Der Handel mit EU-Aktien ist weg, er wird nicht zurückkehren”, sagte David Howson, Präsident von Cboe Europe, dem grössten Handelsplatz für EU-Aktien in London. Das Unternehmen hat zusehen müssen, wie fast 95 Prozent ihres Geschäftsvolumens abgewandert ist, sagte Howson am Donnerstag gegenüber Bloomberg Television.

“Ich denke nicht, dass dies der Todesstoss für Londons Bedeutung auf den globalen Kapitalmärkten ist”, sagte Philip Hampton, ehemaliger Vorsitzender der NatWest Group. "Einige der Vorteile Londons - Geschichte, Recht, Sprache - lassen sich nicht leicht von anderen Zentren replizieren.“

(Bloomberg)

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Supermärkte warnen vor

Supermärkte warnen vor Lebensmittel-Engpässen in Nordirland

Die grossen Supermarkt-Konzerne in Grossbritannien warnen vor Engpässen bei der Lebensmittelversorgung in Nordirland im Zuge der neuen Brexit-Bürokratie.

13.01.2021 11:17

Die Regierung in London müsse dringend eingreifen, um eine erhebliche Lieferunterbrechung in den kommenden Monaten zu verhindern, erklärten die Chefs von Handelsketten wie TescoSainsbury's, Asda und Marks & Spencer in einem Brief an Kabinettsminister Michael Gove, den Reuters einsehen konnte.

Angesichts der am 31. März endenden Schonfrist für vereinfachte Kontrollen bei der Lebensmittel-Lieferung nach Nordirland fordern sie eine frühzeitige Einigung auf eine Langfrist-Lösung mit der EU, mehr Zeit bei dem Aufbau des neuen Systems und Hilfe bei der Bewältigung der neuen bürokratischen Hürden bei den Zoll- und Lebensmittelkontrollen. Andernfalls seien Lieferengpässe unvermeidlich.

Grossbritannien hat nach dem Ausstieg aus der Europäischen Union Ende Januar 2019 zum Jahreswechsel auch den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen. Seitdem gelten für die britische Provinz Nordirland Übergangsregeln, um eine harte Grenze mit dem EU-Mitglied Irland zu vermeiden.

Dennoch sind bereits die Regale einiger Supermärkte in Nordirland leer, da es wegen der neuen bürokratischen Hürden Schwierigkeiten bei dem Import frischer Waren aus Grossbritannien gibt.

(Reuters/cash)

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Brexit belastet laut Studie

Brexit belastet laut Studie britische Exportwirtschaft

Der Brexit wird die britische Exportwirtschaft laut einer Studie in diesem Jahr belasten. Durch den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union (EU) seien bei den Exporteuren im Königreich Einbussen in einem Volumen von 12 bis 25 Milliarden Pfund (13,5 bis 28,1 Mrd Euro) zu erwarten, hiess es in einer am Donnerstag in Hamburg veröffentlichten Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Das Volumen der Exporte in die EU im Jahr 2020 wird von den Experten auf 165 Milliarden Pfund geschätzt. Als Gründe für den erwarteten Rückgang wurden in der Studie die schwache Nachfrage, zunehmende Bürokratie und die Abwertung des britischen Pfund genannt.

14.01.2021 10:49

Wie es weiter hiess, dürften die Sektoren Mineral- und Metallprodukte, Maschinen und Elektrogeräte, Transportausrüstung, Chemikalien und Textilien am stärksten vom Brexit betroffen sein. "Für britische Exporteure hat die anhaltende Ungewissheit seit Anfang des Jahres zu einigen Störungen an den Grenzen geführt, weshalb viele kleinere Unternehmen den Handel vorerst aussetzen", sagte Ana Boata, Leiterin Makroökonomie bei der Euler Hermes Gruppe.

Trotz der Umsatzeinbussen sei aber die Sorge vor einer Unterbrechung der Lieferketten weniger begründet als bisher angenommen, hiess es weiter. So habe eine kürzlich von Euler Hermes durchgeführte Umfrage zur Lieferkette ergeben, dass britische Unternehmen bereits versuchen, ihre Lieferkette näher an das Heimatland zu verlagern./jkr/la/jha/

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Britische Wirtschaft

Britische Wirtschaft schrumpft im November - Industrieproduktion sinkt

Die Wirtschaft Grossbritanniens ist im November vor dem Hintergrund des erneuten Lockdowns zur Eindämmung Corona-Pandmie geschrumpft. Im Monatsvergleich sei die Wirtschaftsleistung um 2,6 Prozent gesunken, teilte das Statistikamt ONS am Freitag in London mit. Analysten waren von einem noch stärkeren Rückschlag ausgegangen. Sie hatten für November im Schnitt mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 4,6 Prozent gerechnet.

15.01.2021 08:38

Im Oktober war die britische Wirtschaft indes besser in das Schlussquartal 2020 gestartet als zunächst gedacht. Das Statistikamt meldete im Monatsvergleich einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um revidiert 0,6 Prozent (zuvor 0,4 Prozent). In Grossbritannien werden auch monatliche Daten zur Wirtschaftsleistung veröffentlicht. Im internationalen Vergleich ist das eher unüblich. In Deutschland beispielsweise werden diese Daten nur quartalsweise vorgelegt.

Ausserdem meldete das britische Statistikamt einen leichten Rückgang der Industrieproduktion im November. Diese sei im Monatsvergleich um 0,1 Prozent gesunken. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten im Schnitt einen Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet. Damit ist die britische Industrieproduktion erstmals seit dem Corona-Einbruch im Frühjahr wieder geschrumpft.

Wir stark der Corona-Einbruch im Frühjahr noch nachwirkt zeigt der Jahresvergleich. Im Oktober lag das Volumen der Industrieproduktion um 4,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Im zweiten Quartal war die britische Wirtschaftsleistung wegen der harten Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie um 18,8 Prozent im Quartalsvergleich eingebrochen. Im dritten Quartal hatte es eine starke Erholung mit einem Wachstum um 16,0 Prozent gegeben./jkr/mis

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Brexit: Fischer protestieren

Brexit: Fischer protestieren mit Lastwagen nahe der Downing Street

Aus Protest gegen Probleme beim Export von Fisch nach Europa im Zuge des Brexit haben mehrere Fischer ihre Lastwagen am Montag in der Nähe der Londoner Downing Street geparkt. "Inkompetente Regierung zerstört die Meeresfrüchte-Industrie" stand auf Englisch auf einem der Laster zu lesen, die sich gut sichtbar in der Nähe des britischen Regierungssitzes positioniert hatten. "Brexit Carriage" (deutsch: "Brexit-Fracht") auf einem anderen, wie unter anderem auf Twitter-Fotos der Organisation "Best for Britain" zu lesen ist. Dem Sender "Sky News" zufolge waren mindestens zehn Lastwagen an dem Protest beteiligt.

18.01.2021 13:01

Wegen tagelanger Verzögerungen an den Häfen beklagen etliche Fischerei-Betriebe grosse Verluste. Durch den Brexit sind seit Anfang des Jahres bei der Einfuhr von Lebensmitteln in die EU aufwendige Gesundheits- und Zollkontrollen notwendig. Dem Hafenverband British Ports Association zufolge dauert die Reise auf den Kontinent für britische Fischereiunternehmen derzeit oft vier Tage anstatt nur einen.

Premier Boris Johnson tat die Probleme an den Häfen bislang als "Kinderkrankheiten" ab, die sich bald erledigt haben dürften. Experten zufolge sind viele Änderungen jedoch permanent, so dass sich beide Seiten darauf einstellen müssten, dass Prozesse länger dauerten./swe/DP/jha

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Experten rechnen nach Brexit

Experten rechnen nach Brexit mit deutlich weniger britischen Exporten

Experten rechnen nach dem Brexit mittelfristig mit deutlich weniger Exporten aus Grossbritannien in die EU.

19.01.2021 06:34

"Der Brexit führt zu neuen Handelshürden zwischen Grossbritannien und der EU, was zu einem geringeren Handelsvolumen und damit zu Einkommensverlusten durch höhere Preise und weniger effizienter Produktion führen wird", schreibt Thomas Sampson von der London School of Economics in dem "Beyond Brexit"-Bericht, den die Denkfabrik "UK in a Changing Europe" am Dienstag in London veröffentlichte. "Der Brexit wird das Vereinigte Königreich voraussichtlich langfristig ärmer machen, als wenn es EU-Mitglied geblieben wäre", so Sampson.

Zehn Jahre nach dem Brexit wird es einer Prognose der Denkfabrik zufolge trotz des mit der EU geschlossenen Handelspakts voraussichtlich mehr als ein Drittel weniger britische Exporte in EU-Länder geben. Immerhin dürften die erwarteten Exporte zu diesem Zeitpunkt aber mehr als 10 Prozent über dem Volumen liegen, das für einen Brexit ohne Handelspakt mit der EU - einen sogenannte No-Deal-Brexit - errechnet worden war.

Insgesamt erwarten die Experten zehn Jahre nach dem Brexit rund 13 Prozent weniger Handelsvolumen zwischen Grossbritannien und der EU als zuvor - allerdings vier Prozent mehr als im No-Deal-Szenario.

Solche Prognosen seien allerdings mit Vorbehalt zu betrachten, da vieles noch unklar sei. Die Zeit müsse etwa zeigen, welche Branchen besonders hart vom Brexit getroffen sein werden, wie sich der EU-Austritt auf die Produktivität im Land auswirken werde und wie die Erholung und der Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie verlaufe.

Im Jahr 2019, also kurz vor dem Brexit, gingen 43 Prozent der britischen Exporte in die EU, während 51 Prozent der Importe nach Grossbritannien ebenfalls aus der EU stammten. Der in letzter Minute geschlossene Handelspakt zwischen London und Brüssel ermöglicht beiden Seiten zwar den zollfreien Zugang zu den gegenseitigen Märkten, bringt aber dennoch Handelshürden mit sich - etwa aufwendige Kontrollen an den Grenzen und andere Formalitäten.

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Wdh Brexit-Folgen: Britische

Wdh Brexit-Folgen: Britische Regierung zahlt Fischhändlern Schadenersatz

(Lieferproblemen im 1. Satz des 2. Absatzes) - Als Ausgleich für den Verlust ihrer Exporte in die EU zahlt die britische Regierung Fischereiunternehmen insgesamt 23 Millionen Pfund Schadenersatz. Exporteure, die von Lieferschwierigkeiten betroffen sind, können bis zu 100 000 Pfund beantragen, wie die Regierung in der Nacht zum Mittwoch mitteilte.

20.01.2021 10:28

Wegen neuer Zollhürden nach dem Brexit waren viele Händler von Lieferproblemen betroffen. Zahlreiche Lastwagen standen tagelang an der Grenze im Stau - die Ware verdarb. Einige britische Fischer landeten ihren Fang in Dänemark an, damit die Ware innerhalb des EU-Binnenmarkts bleibt, den Grossbritannien am 1. Januar verlassen hat. Am Montag hatten schottische Unternehmen mit ihren Lastwagen im Regierungsviertel in London für Hilfen demonstriert.

Mit dem Geld werde die Fischerei- und Aquakulturbranche unterstützt und zugleich die Wirtschaft der Küstengemeinden gestärkt, sagte Umweltminister George Eustice der Mitteilung zufolge. Für den Export von Fisch und Meeresfrüchten in die EU sind unter anderem neuerdings Zollerklärungen, Fangbescheinigungen und Exportgesundheitsbescheinigungen erforderlich.

Von Verzögerungen betroffen sind vor allem schottische Unternehmen, da sie den Grossteil der Branche ausmachen. Die Regierung in Edinburgh begrüsste die Ankündigung aus London. Allerdings könnten nicht alle betroffenen Betriebe von der Finanzhilfe profitieren, kritisierte Fischereiminister Fergus Ewing. Er forderte Nachbesserungen.

Probleme gibt es auch in anderen Bereichen. So klagt die britische Schweinebranche, dass Tonnen von Schweineköpfen für die Produktion von Würsten und Pasteten in niederländischen Häfen feststeckten. Die Behörden fordern, dass sie auf Krankheiten getestet werden, wie das Online-Portal "Politics Home" berichtete. "Diese Lebensmittel sind bereits verkauft worden, aber können aufgrund der Bürokratie und des Missverständnisses der Regeln (...) ihr Ziel nicht erreichen", sagte David Lindars vom Verband der britischen Fleischproduzenten./bvi/DP/jha

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Grossbritannien:

Grossbritannien: Verbraucherpreise steigen etwas stärker

In Grossbritannien sind die Verbraucherpreise im Dezember wieder etwas stärker gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat seien sie um 0,6 Prozent geklettert, teilte das Statistikamt ONS am Mittwoch in London mit. Im November hatte die gesamtwirtschaftliche Teuerung 0,3 Prozent betragen. Im Monatsvergleich stiegen die Lebenshaltungskosten im Dezember um 0,3 Prozent.

20.01.2021 08:47

Ausschlaggebend für den etwas stärkeren Preisanstieg seien der Freizeit- und Kulturbereich gewesen, erklärte das ONS. Im Dezember wurden einige Corona-Beschränkungen übergangsweise etwas gelockert. Davon dürften die genannten Bereiche besonders profitiert haben. Mittlerweile sind die Beschränkungen aber wieder verschärft worden./bgf/jsl/mis

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Britischer Einzelhandel 2020

Britischer Einzelhandel 2020 mit Rekordrückgang

Der britische Einzelhandel hat im vergangenen Jahr massiv unter der Corona-Pandemie gelitten. Verglichen mit dem Vorjahr seien die Verkäufe der Branche um 1,9 Prozent gefallen, teilte das Statistikamt ONS am Freitag in London mit. Das ist ein Rekordrückgang. Bekleidungsgeschäfte, Kaufhäuser und Tankstellen mussten jeweils massive Einbrüche hinnehmen. Dagegen verzeichnete der nichtstationäre Einzelhandel einen Rekordanstieg um fast ein Drittel. Der Internethandel legte sogar um gut 46 Prozent zu.

22.01.2021 08:36

Zum Jahresende profitierte der Einzelhandel laut ONS von zwischenzeitlichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Die Umsätze erhöhten sich gegenüber November um 0,3 Prozent, zum Vorjahresmonat stiegen sie um 2,9 Prozent. Das Vorkrisenniveau vom Februar wurde im Dezember um 2,7 Prozent überschritten./bgf/jha/

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Unternehmensstimmung in

Unternehmensstimmung in Grossbritannien bricht ein

Die Unternehmen in Grossbritannien sind angesichts neuer Corona-Beschränkungen und anhaltender Brexit-Probleme wesentlich pessimistischer gestimmt. Der Einkaufsmanagerindex brach im Januar um 9,8 Punkte auf 40,6 Zähler ein, wie das Forschungsunternehmen IHS Markit am Freitag in London mitteilte. Es ist der niedrigste Stand des Indikators seit Mai. Der Tiefstand während der ersten Corona-Welle im vergangenen Frühjahr von 13,8 Punkten wird jedoch bei weitem nicht erreicht.

22.01.2021 11:04

Sowohl in der Industrie als auch unter den Dienstleistern trübte sich die Stimmung ein, im Dienstleistungssektor jedoch wesentlich stärker. Die Corona-Beschränkungen liessen eine schrumpfende Wirtschaft im ersten Quartal erwarten, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Nicht nur die Pandemie, auch der Brexit laste auf der Stimmung und führe zu Angebotsengpässen, höheren Kosten und fallenden Ausfuhren./bgf/jsl/jha/

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Brexit-Zollgebühren:

Brexit-Zollgebühren: Britische Textilhändler lehnen Retouren ab

Wegen deutlich erhöhter Versandkosten aufgrund des Brexits nehmen viele britische Textilhändler Retouren aus der EU nicht mehr an. "Für Einzelhändler ist es billiger, die Kosten abzuschreiben, als sich zu kümmern", sagte der Chef des Branchenverbandes UK Fashion & Textile Association, Adam Mansell, der BBC. Es sei günstiger für die Unternehmen, die Ware entweder aufzugeben "oder potenziell zu verbrennen", als sie zurückzunehmen. Die BBC berichtete, fast ein Drittel aller online von EU-Kunden in Grossbritannien gekauften Waren würden zurückgeschickt. Beim Rückversand ins Vereinigte Königreich müssen dann die britischen Unternehmen Zollformulare ausfüllen und Einfuhrzölle begleichen.

22.01.2021 09:29

"Das ist Teil des Kleingedruckten des Deals", sagte Mansell. Kunden etwa in Deutschland, die Waren aus Grossbritannien kaufen, gelten als Importeure. "Dann klopft der Lieferdienst an ihre Tür und übergibt ihnen eine Zollabrechnung, die sie bezahlen müssen, um ihre Waren zu erhalten." Zahlreiche EU-Kunden hätten deshalb Lieferungen aus Grossbritannien abgelehnt, berichtete die BBC am Freitag. Mehrere britische Textilunternehmen hätten Lager in Belgien, Irland und Deutschland eingerichtet, wo die Retouren gesammelt würden.

Die britische Regierung teilte der BBC mit: "Wir haben Unternehmen, die bisher nicht mit Zollanmeldungen zu tun hatten, ermutigt, Spezialisten mit Einfuhr- und Ausfuhrerklärungen zu betrauen." Dafür seien 80 Millionen Pfund an Hilfen bereitgestellt worden./bvi/DP/jha

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