Türkei

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Türkische Notenbank lässt

Türkische Notenbank lässt trotz Währungsverfall Leitzins unverändert

Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins wie erwartet nicht angetastet. Der Leitzins verharre bei 8,25 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Ankara mit. Volkswirte hatten diese Entscheidung erwartet. Bereits auf ihrer Sitzung am 25. Juni hatte die Notenbank die Zinsen nicht mehr gesenkt.

20.08.2020 13:36

Angesichts des Verfalls der türkischen Lira und der hohen Inflation müsste die Notenbank ihre Zinsen laut Beobachtern eigentlich anheben. So lag die Jahresinflationsrate im Juli bei 12 Prozent. Die türkische Lira fiel zuletzt auf Rekordtiefs zu Dollar und Euro.

Die Notenbank steht jedoch laut Beobachter unter erheblichen Druck des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der niedrige Zinsen zur Stützung der Konjunktur verlangt. Die Zentralbank hat aber zuletzt die tatsächlichen Refinanzierungskosten für die Banken erhöht, in dem sie die Liquiditätsversorgung über günstigere Fazilitäten einschränkte. Damit wollte man offenbar eine offizielle Zinserhöhung umgehen.

Im September 2019 hatte die Notenbank mit Zinssenkungen begonnen. Zuvor hatte der Leitzins noch bei 19,75 Prozent gelegen. Dann hatte Murat Uysal die Führung der Notenbank übernommen und die Notenbank auf Zinssenkungskurs gebracht. Sein Vorgänger war von Präsident Erdogan gefeuert worden, da er nicht wie von Erdogan gewünscht die Zinsen gesenkt hatte.

Die türkische Lira geriet nach der Entscheidung zu Euro und US-Dollar unter Druck./jsl/bgf/fba

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Türkei hält Militärübung vor

Türkei hält Militärübung vor Zypern ab

(Ausführliche Fassung) - Inmitten des Streits um die Erdgassuche im östlichen Mittelmeer hat die Türkei eine Militärübung vor Zypern gestartet. "Die Übung "Mittelmeersturm", die unter Beteiligung unserer türkischen Streitkräfte und den Streitkräften der Türkischen Republik Nordzypern durchgeführt wird, hat heute in der Republik Nordzypern begonnen", twitterte der türkische Vizepräsident Fuat Oktay am Sonntag.

06.09.2020 20:10

Die Übung soll bis Donnerstag andauern, wie das türkische Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte. Ziel der Übung mit Einheiten aus dem türkisch kontrollierten Nordzypern sei es, "wechselseitiges Training, Kooperation und Interoperabilität" zwischen dem türkischen Festland und dem Truppenkommando auf der geteilten Mittelmeerinsel zu verbessern, hiess es. Gemeinsame Übungen werden regelmässig abgehalten.

Im östlichen Mittelmeer eskaliert seit Wochen der Streit zwischen den Nato-Mitgliedern Griechenland und der Türkei sowie zwischen der Türkei und dem EU-Mitglied Zypern. Griechenland bezichtigt die Türkei, vor griechischen Inseln illegal Vorkommen zu erkunden. Die Regierung in Ankara weist die Vorwürfe zurück und vertritt den Standpunkt, dass die Gewässer, in denen nach Erdgas gesucht wird, zum türkischen Festlandsockel gehören. Im Zuge von Militärmanövern war es zuletzt sogar zu einer Kollision zwischen einem griechischen und einem türkischen Kriegsschiff gekommen.

EU-Ratspräsident Charles Michel telefonierte am Sonntag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen des Streits. Michel rief Ankara auf, "Aktivitäten zu unterlassen, die die Spannungen anheizen", wie es von EU-Seite hiess. Dialog sei der einzige Weg zur Lösung des Konfliktes. Michel hatte zuletzt "multilaterale Konferenz" ins Gespräch gebracht, die nicht nur im Streit über Erdgasvorkommen, sondern auch über Migration und Sicherheitsfragen vermitteln könnte.

Die Insel Zypern ist seit einer türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Im Norden wurde mit türkischer Hilfe eine Türkische Republik Nordzypern eingerichtet, die jedoch nur von Ankara anerkannt wird. Dort sind auch türkische Truppen stationiert. Die Gesamtinsel wird als Republik Zypern international anerkannt und ist seit 2004 EU-Mitglied./apo/DP/fba

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Türkische Notenbank hebt

Türkische Notenbank hebt Leitzinsen deutlich an

Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins überraschend und deutlich angehoben. Der Leitzins stieg um 2,0 Prozentpunkte auf 10,25 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Ankara mit. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Niveau von 8,25 Prozent gerechnet.

24.09.2020 13:23

Die türkische Lira stand zuletzt unter starkem Abwärtsdruck und war auf Rekordtiefstände zu Dollar und Euro gefallen. Die Jahresinflationsrate lag im August dagegen bei fast 12 Prozent. Eine Zinserhöhung war also eigentlich überfällig.

Die Notenbank steht jedoch laut Beobachtern unter erheblichen Druck des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der niedrige Zinsen zur Stützung der Konjunktur verlangt. Die aktuelle Entscheidung der Notenbank kommt daher für Beobachter überraschend.

Die türkische Lira legte nach der Leitzinsanhebung zu US-Dollar und Euro merklich zu./jsl/bgf/stk

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EU-Gipfel streitet über Linie

EU-Gipfel streitet über Linie zur Türkei - Erdogan reagiert mit Häme

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich beim EU-Gipfel für ein konstruktives Verhältnis zur Türkei stark gemacht - trotz des Gasstreits im östlichen Mittelmeer. Das Land sei Partner in der Nato und der Flüchtlingsfrage, betonte die CDU-Politikerin am Donnerstag in Brüssel. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz gab indes Kontra: Er forderte neue Sanktionen gegen Ankara. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äusserte sich verächtlich und nannte die EU ein "einflussloses und oberflächliches Gebilde".

01.10.2020 19:32

Hintergrund ist, dass die Türkei im östlichen Mittelmeer Erdgasfelder erforschen lässt, was Griechenland und Zypern für illegal halten. Die EU hatte der Türkei deshalb Ende August ein Ultimatum gesetzt und mit zusätzlichen Sanktionen gedroht. Merkel hatte versucht zu vermitteln.

Pünktlich zum Gipfel wurde bekannt, dass sich Griechenland und die Türkei unter dem Dach der Nato - der beide Staaten angehören - angenähert haben: Sie hätten sich auf einen Mechanismus zur Vermeidung militärischer Zwischenfälle im östlichen Mittelmeer geeinigt, teilte das Bündnis mit. Unter anderem solle eine neue "Hotline" Konflikte auf See und in der Luft vermeiden.

Im Konflikt der Türkei mit Zypern zeigt sich allerdings nach EU-Angaben keine ähnliche Bewegung. Und das blockiert die Gemeinschaft in einer weiteren wichtigen aussenpolitischen Frage: bei den geplanten Sanktionen gegen Politiker in Belarus wegen Wahlfälschung und Gewalt gegen die Opposition.

Die 27 Länder sind sich eigentlich einig, Strafmassnahmen zu verhängen. Zypern blockierte bisher jedoch, weil es gleichzeitig Sanktionen gegen die Türkei durchsetzen will. Ein Entwurf der Gipfelerklärung geht nun davon aus, dass sich die Staats- und Regierungschefs einigen können, Zypern den Widerstand aufgibt und die "restriktiven Massnahmen" rasch verhängt werden. Darüber wurde aber nach Gipfelstart am Nachmittag noch diskutiert.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sagte, sie sei sicher, dass sich der Gipfel hinter Griechenland und Zypern stelle. An die Türkei richtete sie einen Appell: "Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder steigen die Spannungen weiter, das wollen wir nicht. Oder es gibt eine Deeskalation und wir bewegen uns hin zu einer konstruktiven Beziehung. Das wollen wir." Für beide Fälle habe die EU die nötigen Instrumente zur Hand. Ähnlich äusserte sich der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis.

Erste Einreiseverbote und Vermögenssperren wegen der türkischen Bohrungen vor Zypern hatte die EU schon im Februar verhängt. Bereits 2019 wurde beschlossen, die Vergabe von EU-Mitteln an Ankara einzuschränken und Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen auszusetzen.

Österreichs Kanzler Kurz forderte neue Strafmassnahmen und begründete dies nicht nur mit dem Streit über die Erdgas-Erkundung, sondern auch mit Drohungen in der Flüchtlingspolitik. Ankara habe versucht, "die Europäische Union zu erpressen" und das sei nicht akzeptabel. Auch für den Abbruch der Beitrittsgespräche werde er sich erneut stark machen, sagte Kurz.

Etwa zeitgleich meldete sich Präsident Erdogan aus der Türkei zu Wort und sagte: "Die Europäische Union ist als Geisel der Frechheiten Griechenlands und der griechischen Zyprer zu einem einflusslosen und oberflächlichen Gebilde ohne Weitblick verkommen." Es gebe kein einziges Problem in der Region, das auf Initiative der EU gelöst worden sei.

EU-Ratschef Charles Michel hatte den zweitägigen Sondergipfel einberufen, um Geschlossenheit und Entschlossenheit der EU in der Aussenpolitik zu demonstrieren. Mit der Türkei und Belarus standen auch die Beziehungen zu China, die Vergiftung des Oppositionellen Alexej Nawalny in Russland und der Konflikt in Berg-Karabach auf der Tagesordnung. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, nach seinen Informationen seien in Berg-Karabach auch Kämpfer dschihadistischer Gruppen aus Syrien aktiv, die über die Türkei in die Region gekommen seien. Das sei eine "sehr ernste Sache".

Thema ist zudem die "Strategische Autonomie" der EU bei wichtigen Gütern wie Medikamenten, aber auch bei digitaler Infrastruktur. Ziel sind dem Entwurf der Gipfelerklärung zufolge zum Beispiel eigene europäische Computer-Clouds sowie ein einheitliches europäisches System zur elektronischen Identifizierung - genannt e-ID./vsr/DP/fba

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Elias
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Lira nach Erdogan-Drohung im Ausverkauf

Der Wertverfall der türkischen Lira geht ungebremst weiter. Am Montag erreichte die Lira nach Drohungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an die Adresse Frankreichs im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro jeweils neue Rekordtiefs. Erstmals mussten für einen Dollar mehr als acht Lira gezahlt werden. Seit mittlerweile neun Wochen befindet sich die türkische Währung zum Dollar auf Talfahrt. Dies ist die längste Phase mit Kursverlusten seit 1999. Experten warnen vor den Folgen des Wertverfalls.

Zuletzt hat sich das Verhältnis der Türkei zu wichtigen Handelspartnern in der Europäischen Union (EU) zugespitzt, nachdem Erdogan seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron scharf angegriffen hatte. Erdogan hatte Macron im Streit über Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed Islamfeindlichkeit vorgeworfen und den französischen Präsidenten als mentalen Krankheitsfall bezeichnet, der sich untersuchen lassen müsse. Seit Beginn des Jahres verlor die Lira im Handel mit dem Euro mehr als 40 Prozent an Wert und im Handel mit dem Dollar 35 Prozent.

https://www.cash.ch/news/top-news/boersen-ticker-lockdown-aengste-werden...

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Türkei kommt nicht zur Ruhe:

Türkei kommt nicht zur Ruhe: Auch Finanzminister Albayrak ist weg

Nach dem Rauswurf des Notenbankpräsidenten durch Präsident Erdogan hat Finanzminister Berat Albayrak überraschend seinen Rücktritt erklärt.

08.11.2020 21:37

Er könne aus "Gesundheitsgründen" das Amt nicht mehr ausüben, teilte der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag auf Instagram mit. Auch in Kreisen des Ministeriums hieß es, der 42-Jährige werde zurücktreten. Die türkische Lira legte nach der Ankündigung zunächst um mehr als zwei Prozent zum Dollar zu.

Es war die zweite finanzpolitische Überraschung am Wochenende: Am Samstag hatte Erdogan Notenbank-Chef Murat Uysal ersetzt. Die Lira hat in diesem Jahr 30 Prozent zum Dollar nachgegeben. Am Freitag fiel sie auf ein neues Rekordtief.

Albayrak diente die vergangenen zwei Jahre als Finanzminister und war zuvor drei Jahre Energieminister. Sein Rücktritt kam für Experten und Abgeordnete überraschend. Der Vize-Vorsitzende der regierenden AK-Partei, Mehmet Mus, äußerte auf Twitter in einer ersten Reaktion die Hoffnung, dass Erdogan den Rücktrittsgesuch ablehnen werde. Albayrak habe wichtige Schritte zur Stärkung der Wirtschaft unternommen. Vize-Verkehrsminister Ömer Fatih Sayan sprach sich ebenfalls gegen einen Rücktritt aus. "Unser Land, unser Volk und unsere Gemeinschaft brauchen Sie", schrieb er an Albayrak gerichtet.

Erdogan hatte am Samstag Notenbank-Chef Uysal per Erlass durch Ex-Finanzminister Naci Agbal ersetzt. Während Analysten diesen Schritt begrüßten, kritisierte ihn die Opposition: Dadurch erhöhe sich der Einfluss Erdogans auf die Geldpolitik des Landes. "Was noch fehlte, war eine an die Partei angeschlossene Zentralbank, jetzt ist es soweit", sagte ein Abgeordneter der Republikanischen Volkspartei (CHP). Erdogan hatte Uysal Juli 2019 an die Spitze der Notenbank befördert, nachdem er dessen Vorgänger Murat Cetinkaya im Streit über aus seiner Sicht zu hohe Zinsen gefeuert hatte. Die nächste Zinsentscheidung steht am 19. November an.

Erdogan ist ein erklärter Zinsgegner. Er sieht sein Land in einem Wirtschaftskrieg gegen ein "Teufelsdreieck" aus Zinssätzen, Wechselkursen und Inflation. Der Präsident hatte sich von den von ihm maßgeblich mit angestoßen jüngsten Zinssenkungen mehr Anschubhilfe für die Wirtschaft erhofft. Die Krise der Lira wird durch eine hohe Inflation getrieben. Diese betrug zuletzt zwölf Prozent, während die Notenbank fünf Prozent anstrebt. Auch die stark geschmolzenen Währungsreserven der Türkei haben die Talfahrt beschleunigt. Zudem lasten Spannungen im Verhältnis zur EU und den USA sowie die Sorge über mögliche Sanktionen auf der Währung des Schwellenlandes. 

(Reuters)

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Neuer türkischer

Neuer türkischer Notenbankchef will Lira-Fall aufhalten

Die türkische Notenbank will sich unter ihrer neuen Führung gegen den Verfall der türkischen Lira stemmen. «Notwendige geldpolitische Entscheidungen werden unternommen».

10.11.2020 06:45

Das teilte der neue Notenbankgouverneur Naci Agbal in einer am frühen Montagmorgen in Ankara veröffentlichten Stellungnahme mit. Die Notenbank werde alle politischen Instrumente entschlossen einsetzen, um das Ziel der Preisstabilität zu erreichen, versicherte der Währungshüter kurz nach seiner Amtsübernahme.

In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ohne Begründung Zentralbank-Chef Murat Uysal entlassen. Sein Nachfolger Agbal war von 2015 bis 2018 Finanzminister des Landes. Am Sonntag war ausserdem der türkische Finanzminister zurückgetreten. Inmitten der Währungskrise begründete Berat Albayrak (42), der Schwiegersohn Erdogans, den Rücktritt mit gesundheitlichen Gründen.

Erdogan liess mehr als 24 Stunden lang offen, ob er den Rücktritt annimmt. Erst am Montagabend akzeptierte er ihn schliesslich, wie sein Büro mitteilte. Neuer Finanzminister wird Lüfti Elvan, der früher bereits das Verkehrsressort leitete.

Erdogan hatte Albayrak im Juli 2018 als Finanzminister ins Kabinett geholt, nachdem die Türkei von einem parlamentarischen in ein Präsidialsystem gewechselt war. Zuvor war Albayrak Energieminister. Seit 2004 ist er mit Erdogans Tochter Esra verheiratet.

Der neue Notenbankchef machte in seiner kurzen Stellungnahme deutlich, dass die angekündigten Massnahmen wohl auf der kommenden Zinssitzung am 19. November beschlossen werden. Bis zur Zinssitzung würden die aktuelle Lage und die künftigen Erwartungen bewertet, hiess es. Ausserdem werde die aktuelle Entwicklung genau beobachtet.

Nach der Stellungnahme des neuen Notenbankchefs und Albayraks Rücktritt konnte die türkische Währung ihre lange Talfahrt vorerst stoppen und zu einer deutlichen Erholung ansetzen. Am Freitag hatte die Lira im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro erneut Rekordtiefs erreicht. Zeitweise wurde ein Euro für mehr als zehn Lira gehandelt.

Trotz des Wechsels an der Notenbank-Spitze rechnen Devisen-Experten der Commerzbank nicht mit einer grundlegenden Änderung der Lage. Analyst Tatha Ghose erwartet in den kommenden Monaten eher eine Fortsetzung der Lira-Schwäche. In der Türkei sei der Leitzins von derzeit 10,25 Prozent zu niedrig vor dem Hintergrund einer Inflationsrate von knapp 12 Prozent. Nach Einschätzung von Ghose liegt die Ursache für den Kursverfall der Lira vor allem in der fehlenden Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank. Die jüngste Personalentscheidung habe dies einmal mehr unterstrichen.

(AWP)

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Die Türkei im Strudel der Währungskrise

Das Land am Bosporus schlittert immer tiefer in die Misere. Nach dem Köpferollen vom Wochenende liegt die Hoffnung bei einer Wende in der Geldpolitik.

Während die Welt die Augen auf die USA gerichtet hatte, spielten sich deutlich näher an Westeuropa ebenfalls politische Dramen ab. Ausserdem gab ein Familienzwist auf höchster Ebene Rätsel auf. Der Präsident der Türkei, Recep Erdogan, entliess am Samstag überraschend den Chef der Notenbank, Murat Uysal, welcher erst im Juli 2019 das Amt angetreten hatte. Auch Uysals Vorgänger wurde von Erdogan bereits nach drei Jahren gefeuert, nachdem er sich dessen Wünschen hinsichtlich Geldpolitik nicht beugen wollte.

Und am Sonntag verkündete dann der Finanzminister, Berat Albayrak, aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt. Albayrak ist seit dem Jahr 2004 auch Erdogans Schwiegersohn. Seine Demission verkündete er via Instagram. Kurz darauf war Albayraks Twitter-Account gelöscht. Erdogan zögerte erst, akzeptierte dann aber am Montagabend den Rücktritt seines Schwiegersohns. Daraufhin wurde Lutfi Elvan, ehemaliger stellvertretender Premierminister und altgedienter Politiker, zum Nachfolger Albayraks erklärt.

https://www.fuw.ch/article/die-tuerkei-im-strudel-der-waehrungskrise/

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Türkischer Notenbankchef

Türkischer Notenbankchef verspricht straffe Geldpolitik

Die türkische Notenbank will ihren strafferen geldpolitischen Kurs offenbar fortführen. Das Land leidet unter steigender Inflation.

16.12.2020 14:06

Die Zentralbank werde ihre Geldpolitik zusätzlich straffen, falls dies erforderlich sein sollte, sagte Notenbankchef Naci Agbal am Mittwoch während einer im Internet übertragenen Videokonferenz. Preisstabilität sei eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum. Die Notenbank sei daher entschlossen, die hohe Inflation zu verringern. Derart deutliche Worte aus den Reihen der türkischen Zentralbank sind relativ neu. Agbal ist auch noch nicht lange Notenbankchef. Er wurde vor wenigen Wochen ernannt, als sich die Währungskrise in der Türkei immer weiter zuspitzte. Seine erste Amtshandlung war eine deutliche Anhebung der Leitzinsen. Davor war die Notenbank des Landes dafür bekannt, eine straffere Geldpolitik, insbesondere in Form höherer Zinsen, so weit es geht zu vermeiden. Als Hauptgrund galt die Ablehnung einer solchen Politik durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Mit dem Wechsel an der Notenbankspitze scheint aber eine neue geldpolitische Haltung eingekehrt zu sein. Agbal sagte, die Notenbank werde die Geldpolitik einfach und verständlich halten. Die Türkei benötige eine straffe Geldpolitik auch im kommenden Jahr. Die türkische Lira profitierte von den Äusserungen des Notenbankchefs und legte gegenüber dem US-Dollar zu.

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Türkische Inflation steigt

Türkische Inflation steigt auf höchsten Stand seit über einem Jahr

In der Türkei hat sich die Inflation Ende 2020 trotz drastischer Zinserhöhungen der Notenbank weiter verstärkt und den höchsten Stand seit über einem Jahr erreicht. Im Dezember stieg die Inflationsrate auf 14,6 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde am Montag in Ankara mitteilte. Dies ist die höchste Rate seit August 2019. Im November hatte die Inflation bei 14,0 Prozent und im Oktober bei 11,9 Prozent gelegen.

04.01.2021 12:07

Im Dezember hatte die türkische Notenbank mit einer deutlichen Zinserhöhung auf den Anstieg der Inflation reagiert. Sie hob den Leitzins unter dem neuen Notenbankpräsidenten Naci Agbal von 15 Prozent auf 17 Prozent an, nachdem der Zins bereits im November drastisch erhöht worden war. Zuvor hatte sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan immer wieder gegen Zinserhöhungen ausgesprochen. Erst nach einem massiven Anstieg der Inflation und einem Kursverfall der türkischen Lira hatte Erdogan offenbar eingelenkt./jkr/bgf/stw

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Türkische Notenbank lässt

Türkische Notenbank lässt Leitzins unverändert

Die türkische Notenbank hat die jüngsten Zinserhöhungen vorerst nicht fortgesetzt. Der Leitzins bleibe bei 17,0 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Ankara mit. An den Finanzmärkten hatten die meisten Analysten die Zinsentscheidung erwartet. Nur vereinzelt war auf eine weitere Zinserhöhung spekuliert worden.

21.01.2021 12:17

Zuletzt hatte die Notenbank im Dezember die Zinsen zur Eindämmung der starken Inflation in der Türkei erhöht. Der Zinsschritt war Ende des vergangenen Jahres überraschend deutlich ausgefallen, der Leitzins wurde damals um 2,0 Prozentpunkte angehoben. Seit dem vergangenen Sommer hat sich der Leitzins in der Türkei mehr als verdoppelt, nachdem die Inflationsrate auf fast 15 Prozent im November gestiegen war.

Im vergangenen November hatte es einen Wechsel an der Spitze der türkischen Zentralbank gegeben. Der neue Notenbankchef Naci Agbal gilt als Verfechter einer strafferen Geldpolitik im Kampf gegen die hohe Inflation. Davor war die Notenbank des Landes dafür bekannt, eine straffere Geldpolitik, insbesondere in Form höherer Zinsen, so weit es geht zu vermeiden. Vor allem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich mehrfach für niedrige Zinsen ausgesprochen.

Am Devisenmarkt hat sich die Lage für die türkische Lira bereits seit den starken Zinserhöhungen im November und Dezember spürbar entspannt. Nach Rekordtiefs im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro konnte sich die Lira in den vergangenen Wochen ein Stück weit erholen. Nach der aktuellen Zinsentscheidung legte der Kurs der Lira zu allen wichtigen Währungen zu, ein Dollar wurde gegen Mittag für 7,38 Lira gehandelt./jkr/jsl/jha/

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Türkei: Weiter hohe Inflation

Türkei: Weiter hohe Inflation

In der Türkei bleibt die Inflation trotz zuletzt zum Teil starker Leitzinserhöhungen der Notenbank auf hohem Niveau. Im Januar habe die Inflationsrate bei knapp 15 Prozent gelegen, teilte das nationale Statistikbüro am Mittwoch in Ankara mit. Damit hat sich die Preisentwicklung kaum verändert. Im Dezember waren die Verbraucherpreise in der Türkei um 14,6 Prozent im Jahresvergleich gestiegen.

03.02.2021 09:26

Zu Beginn des Jahres ist die türkische Inflationsrate damit so hoch wie seit August 2019 nicht mehr. In den vergangenen Monaten hat die Notenbank des Landes durch mehrfache und zum Teil sehr starke Zinserhöhungen versucht, die Teuerung in den Griff zu bekommen. Analyst Tatha Ghose von der Commerzbank verwies aber auf jüngste Aussagen der Zentralbank. Diese habe nämlich davor gewarnt, dass sich die Inflationsdynamik in den kommenden Monaten zunächst verschlechtern dürfte, bevor sich die Lage wieder beruhigen kann.

Aktuell liegt der Leitzins in der Türkei bei 17,0 Prozent. Zum Vergleich: Im vergangenen Sommer hatte er bei 8,25 Prozent gelegen. Seitdem hat sich die Geldpolitik grundlegend verändert. Der Wandel wurde auch durch einen Wechsel an der Spitze der Notenbank im November untermauert. Der neue Notenbankchef Naci Agbal gilt als Verfechter einer strafferen Geldpolitik im Kampf gegen die hohe Inflation. In den Jahren zuvor war die Notenbank des Landes dafür bekannt, höhere Zinsen so weit es geht zu vermeiden. Vor allem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich mehrfach für niedrige Zinsen ausgesprochen.

Am Devisenmarkt reagierte die türkische Lira mit Kursgewinnen auf die Veröffentlichung der Preisdaten. Die Währung konnte am Morgen sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro zulegen. Zuletzt wurde ein Dollar für 7,13 Lira und ein Euro für 8,58 Lira gehandelt./jkr/jsl/jha/

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Türkischer Notenbankchef

Türkischer Notenbankchef schliesst Zinssenkungen für lange Zeit aus

Angesichts der relativ hohen Inflation in der Türkei ist laut Notenbankchef Naci Agbal auf längere Zeit nicht an ein Lockern der Zinszügel zu denken. "Es scheint dieses Jahr für eine lange Zeit nicht möglich zu sein, Zinssenkungen auf die Agenda zu setzen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters im ersten Interview seit der Amtsübernahme vor drei Monaten.

05.02.2021 10:35

Es sei vielmehr angezeigt, die Geldpolitik weiter zu straffen, falls sich abzeichne, dass sich die Inflation von derzeit 15 Prozent künftig höher als erwartet entwickle. Dabei werde die Notenbank nicht abwarten, sondern "im voraus" handeln.

Agbal geht davon aus, dass die Verbraucherpreise noch einige Monate steigen dürften, bevor sie sich gegen Ende des Jahres langsam dem von der Notenbank prognostizierten Wert von 9,4 Prozent annähern werden.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den einstigen Finanzminister Agbal Anfang November auf den Stuhl des Notenbankchefs gehievt - kurz nachdem die Landeswährung auf ein Rekordtief gefallen war. Laut Insidern wurde der geschasste Zentralbankchef Murat Uysal für den Niedergang der Lira mitverantwortlich gemacht. Erdogan verband den Personalwechsel mit dem Versprechen, ein investorenfreundliches Umfeld zu schaffen.

Unter Agbals Leitung hat die Notenbank den Leitzins von 10,25 Prozent auf 17 Prozent erhöht. Sie hat damit versucht, die ausufernde Inflation in Schach zu halten, die sich seit drei Jahren zumeist im zweistelligen Prozentbereich bewegt. Der straffe geldpolitische Kurs wird von den Investoren goutiert: Nachdem sie über Jahre eher einen Bogen um türkische Vermögenswerte machten, strömt nun wieder vermehrt ausländisches Kapital in das Schwellenland.

Und auch die lange Zeit taumelnde Lira hat sich wieder stabilisiert. Sie legte nach Veröffentlichung des Reuters-Interviews zum Dollar zu.

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EU will die Türkei nicht als

EU will die Türkei nicht als Steueroase brandmarken

(Ausführliche Fassung) - Die Türkei soll vorerst nicht auf die europäische Schwarze Liste für Steueroasen kommen. Darauf einigten sich Experten der EU-Staaten nach Angaben von Diplomaten am Montag. Das Land bleibt somit auf der sogenannten Grauen Liste der Länder, bei denen die EU eine bessere Zusammenarbeit in Steuerfragen in absehbarer Zeit für möglich hält.

15.02.2021 19:50

Auf der Schwarzen Liste sind zwölf Staaten mit sehr geringen oder gar keinen Unternehmenssteuern oder solche, die mit der EU nicht gegen Steuerflucht zusammenarbeiten. Darunter sind zum Beispiel Panama oder die Seychellen. Einige EU-Staaten wollten die Türkei auf die Schwarze Liste setzen, weil sie den türkischen Behörden mangelnden Informationsaustausch vorwerfen.

Die nötige einstimmige Entscheidung aller 27 EU-Staaten kam nach Angaben von Diplomaten jedoch nicht zustande. Die Türkei behält damit mindestens bis Oktober ihren jetzigen Status. Die ursprünglich geplante inhaltliche Debatte der EU-Wirtschafts- und Finanzminister bei ihrer Tagung am Dienstag soll es nicht geben.

Kritiker halten den Kampf der EU gegen Steuerflucht für weitgehend wirkungslos. Die Entwicklungsorganisation Oxfam fordert, bei einer Reform der Schwarzen Liste Länder ohne und mit sehr geringen Unternehmenssteuern automatisch aufzunehmen. Hohe Quoten von Direktinvestitionen und passiven Einkommen bestimmter Länder sollten als Warnkriterien ausgewiesen werden. Darüber hinaus sollten auch EU-Mitgliedsstaaten dieselben Standards erfüllen müssen, die an Drittstaaten angelegt werden, forderte Oxfam.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plant derzeit ein sogenanntes Steueroasen-Abwehrgesetz. Dieses soll Personen und Unternehmen von Geschäften mit Staaten abhalten, die sich nicht an internationale Steuerstandards halten. Massstab ist für Scholz die Schwarze Liste der EU zu Steueroasen.

Der Grünen-Finanzexperte Sven Giegold hielt Scholz eine "wachsweiche Ankündigungspolitik" vor, da sein neues Gesetz auf Basis der bisherigen EU-Liste wirkungslos bleibe. Nötig seien schärfere Kriterien. Auch Steueroasen in der EU könne man sich nicht länger leisten./vsr/DP/fba

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Türkische Notenbank lässt

Türkische Notenbank lässt Leitzins unverändert

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins erneut nicht angetastet. Der Leitzins bleibe bei 17,0 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Ankara mit. An den Finanzmärkten hatten die meisten Analysten diese Entscheidung erwartet. Bereits im Januar hatte sie die Zinsen bestätigt.

18.02.2021 12:27

Im Dezember hatte die Notenbank zuletzt die Zinsen im Kampf gegen die Inflation erhöht. Im vergangenen Sommer hatte die Notenbank den Leitzins von 8,25 Prozent auf das jetzige Niveau angehoben. An der restriktiven Geldpolitik solle festgehalten werden, heisst es in einer Mitteilung. Falls nötig könnte sie auch weiter verschärft werden.

Im vergangenen November hatte es einen Wechsel an der Spitze der türkischen Zentralbank gegeben. Der neue Notenbankchef Naci Agbal gilt als Verfechter einer strafferen Geldpolitik im Kampf gegen die hohe Inflation. Davor hatte die Notenbank sich gegen eine straffere Geldpolitik ausgesprochen und die Zinsen trotz hoher Inflation gesenkt. Vor allem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich damals mehrfach für niedrige Zinsen ausgesprochen.

Am Devisenmarkt hat sich die Lage für die türkische Lira bereits seit den starken Zinserhöhungen im November und Dezember spürbar entspannt. Nach Rekordtiefs gegenüber dem US-Dollar und dem Euro hat sich die Lira seitdem immer weiter erholt. Auf die aktuelle Entscheidung reagierte die Lira mit leichten Kursgewinnen./jsl/bgf/fba

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Erdoğans politischer Nuklearschlag

Verbotsverfahren gegen HDP

Die prokurdische HDP ist die drittgrößte Partei im türkischen Parlament. Nun will Präsident Erdoğan sie wegen angeblicher Terrorverbindungen verbieten. Sein Vorstoß zeigt, wie sehr seine Regierung wackelt.

Es soll so aussehen, als hätte es ihn nie gegeben: Ömer Faruk Gergerlioğlu hat sein Abgeordnetenmandat am Mittwoch gerade erst verloren, da hat die türkische Verwaltung seinen Namen und seine Kontaktdaten bereits aus dem Parlamentsregister gelöscht.

Im Plenarsaal in Ankara demonstrieren zu diesem Zeitpunkt noch Gergerlioğlus Parteifreundinnen von der linken, pro-kurdischen HDP gegen den Beschluss, den sie als Putsch der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan betrachten. Gergerlioğlu selbst ruft zu einem Sitzstreik auf. »Ich werde Widerstand leisten und nicht zulassen, dass der nationale Wille mit Füßen getreten wird«, sagte er.

Gergerlioğlu, ein gelernter Arzt, 55 Jahre alt, ist ein engagierter Kämpfer für Menschenrechte in der Türkei. Die Erdoğan-Regierung sieht in ihm hingegen einen Terrorhelfer. Die Justiz legt ihm einen Tweet aus dem Jahr 2016 zur Last, in dem er zu einer friedlichen Lösung des Kurden-Konflikts aufgerufen hatte. Nachdem eine Mehrheit der Abgeordneten für die Aufhebung von Gergerlioğlus Immunität gestimmt hat, soll der HDP-Politiker nun für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

»Dieses Verfahren markiert einen neuen Tiefpunkt«

Der Ausschluss Gergerlioğlus aus dem Parlament war am Mittwoch nur der Auftakt für einen sehr viel umfassenderen Angriff der Regierung auf die HDP. Unmittelbar nach der Abstimmung gab der türkische Oberstaatsanwalt Bekir Sahin bekannt, beim Verfassungsgericht einen Verbotsantrag gegen die Partei eingereicht zu haben.

Die HDP soll aufgelöst werden. 687 ihrer Mitglieder, darunter die beiden Co-Vorsitzenden Pervin Buldan und Mithat Sancar, sowie der ehemalige Parteichef Selahattin Demirtaş, sollen aus der Politik verbannt, sämtliche Gelder der Partei beschlagnahmt werden. Es ist der bislang schwerste Schlag der Erdoğan-Regierung gegen die pro-kurdische Demokratiebewegung.

Die HDP ist die drittgrößte Partei im türkischen Parlament. Sie holte bei der Wahl 2018 elf Prozent der Stimmen. Sahin, der erst vergangenen Juni von Erdoğan als Oberstaatsanwalt eingesetzt wurde, wirft ihr vor, der politische Arm der Terrororganisation PKK zu sein. »Die HDP-Mitglieder haben mit der PKK zusammengearbeitet, um die Einheit der Nation zu zerstören«, teilte er schriftlich mit.

Die HDP gibt sich kämpferisch. Der Verbotsantrag zeige, wie schwach die Regierung ist, heißt es in einem ersten Statement der Partei. »Sie will uns eliminieren, weil sie uns an der Wahlurne nicht schlagen kann.« Der HDP-Führung dürfte jedoch klar sein, dass sich ein Verbot nur noch schwer verhindern lässt. Erdoğan übt beinahe vollständig Kontrolle über die Justiz aus. Er würde ein Verfahren wie dieses kaum tolerieren, wenn er annehmen würde, dass es vor Gericht scheitern könnte.

Ein Bann der HDP ist eine Art politischer Nuklearschlag. Die Empörung über den Vorstoß der Regierung reicht quer durch die politischen Lager. »Eine politische Partei, die sechs Millionen Stimmen geholt hat, zu verbieten, bedeutet, den Willen der Wähler zu verachten«, kritisiert der Vorsitzende der muslimisch-konservativen Deva-Partei, Ali Babacan, der einst unter Erdoğan Wirtschaftsminister war. »Diese Regierung hat der Demokratie bereits in jeder erdenklichen Weise geschadet«, sagt der sozialdemokratische Abgeordnete Sezgin Tanrikulu. »Doch dieses Verfahren markiert einen neuen Tiefpunkt.«

Erdoğans Umfragewerte befinden sich auf einem Tiefpunkt *clapping*

Parteiverbote haben eine lange, unselige Tradition in der Türkei. Seit 1961 wurden mindestens 20 Parteien geschlossen, darunter in den Neunzigerjahren auch die Refah, die Vorgängerpartei der Erdoğan-Partei AKP. Erdoğan selbst hat Parteiverbote wiederholt als undemokratisch gebrandmarkt. AKP-Vizechef Numan Kurtulmus hat sich noch im vergangenen Jahr gegen einen Bann der HDP ausgesprochen. »In der Türkei ist aus Parteiverboten nie irgendetwas Positives hervorgegangen«, sagte er.

Die Kehrtwende zeigt, wie groß die Verunsicherung in der Regierung mittlerweile ganz offensichtlich ist. Die türkische Wirtschaft steckt seit Jahren in der Krise, die Corona-Pandemie hat die Not vieler Menschen nur verschärft. Erdoğans Umfragewerte befinden sich auf einem Tiefpunkt. Er hätte derzeit schlechte Chancen, als Präsident wiedergewählt zu werden. »Die Regierung hat Autoritarismus mit Wahlen versucht«, sagt die Historikerin Ayse Hür. »Doch die Probleme sind so groß, dass sie nun die zweite Phase eingeläutet hat, Autoritarismus ohne Wahlen. Was in der dritten Phase kommt, kann ich nicht vorhersagen.«

Erdoğan wirkt zudem getrieben von seinem rechtsextremen Koalitionspartner, der MHP. Zwar kommt die MHP bei Umfragen auf nur rund sieben Prozent der Stimmen. Doch ihr Einfluss auf die türkische Politik ist zuletzt stetig gewachsen. Es war MHP-Chef Devlet Bahceli, der – anders als Erdoğan – lautstark für ein Verbot der HDP geworben hat.

»Erdoğan hat die absolute Macht über die Institutionen des Staates, aber er hat nicht die absolute politische Macht«, sagt Sinem Adar, Türkei-Expertin der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP). Der Präsident sei auf das Wohlwollen der MHP angewiesen. »Erdoğan hat sich der MHP ergeben«, sagt der HDP-Parlamentarier Garo Paylan.

Die Regierung hat die HDP in den vergangenen Jahren konsequent kriminalisiert. Tausende Mitglieder wurden als vermeintliche Terrorhelfer verhaftet, darunter auch die Ex-Vorsitzenden Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtaş. Bürgermeister im mehrheitlich kurdischen Südosten der Türkei wurden ihrer Ämter enthoben. Mit dem Verbotsverfahren gegen die HDP geht Erdoğan dennoch ein großes Risiko ein.

Parteien gingen in der Vergangenheit oft gestärkt aus solchen Prozessen hervor. Die AKP selbst gewann 2008 durch ein überstandenes Verbotsverfahren an Stimmen hinzu. »Es ist unsere ehrenhafte Pflicht für künftige Generation die HDP zu schließen, sodass sie nie wieder unter einem neuen Namen zurückkehrt«, forderte MHP-Chef Bahceli am Donnerstag.

Ein Bann der HDP dürfte Millionen Menschen in der Türkei weiter von der Politik entfremden. Schon jetzt fühlen sich vor allem viele Kurden von der Regierung ausgegrenzt und schikaniert, ein HDP-Verbot würde dieses Gefühl nur verstärken. Manche könnten sich als Konsequenz dann tatsächlich radikalen Gruppen wie der PKK anschließen.

Auch die Beziehungen der Türkei zu Europa und den USA dürften durch das Verfahren gegen die HDP weiter belastet werden. Das US-Außenministerium warnte, ein Verbot der Partei würde die türkische Demokratie »weiter untergraben«. Die EU hat sich zu dem Vorgang bislang nicht geäußert.

Erdoğan hat in den vergangenen Wochen demonstrativ die Nähe zu den Europäern gesucht. Erst Anfang März hat er einen neuen Menschenrechtsplan vorgestellt. Nun zeigt sich, wie wenig seine Worte wert sind.

 

Türkei - Verbotsverfahren gegen HDP: Recep Tayyip Erdoğans politischer Nuklearschlag (msn.com)

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Türkische Notenbank hebt

Türkische Notenbank hebt Leitzins überraschend deutlich an

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins überraschend deutlich angehoben. Der Leitzins steige um 2,0 Prozentpunkte auf 19,0 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Ankara mit.

18.03.2021 12:37

An den Finanzmärkten war im Schnitt nur mit einer Leitzinsanhebung auf 18,0 Prozent gerechnet worden. Im Dezember hatte die Notenbank den Leitzins auf 17,0 Prozent erhöht und ihn dann zwei Mal bestätigt.

An der restriktiven Geldpolitik solle festgehalten werden, heisst es in einer Mitteilung der Notenbank. Falls nötig könnte sie auch weiter verschärft werden. Die wirtschaftliche Entwicklung sei robust.

Die Notenbank verwies auf Aufwärtsrisiken bei der Entwicklung der Verbraucherpreise. Zuletzt hatte die Inflation in der Türkei wieder angezogen. Im Februar war die Jahresrate auf über 15 Prozent gestiegen. Auch die türkische Lira war angesichts der Stärke des US-Dollar unter Druck geraten.

Im vergangenen Sommer hatte der Leitzins noch bei 8,25 Prozent gelegen und wurde dann in der zweiten Jahreshälfte auf das höhere Niveau angehoben. Dies war eine Kehrtwende in der Politik der Notenbank. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich lange für niedrige Zinsen ausgesprochen.

Nach der Veröffentlichung der Zinsentscheidung legte die türkische Lira zu US-Dollar und Euro deutlich zu. Die Kurse von in Dollar gehandelten türkischen Staatsanleihen stiegen ebenfalls.

(AWP)

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Experten erwarten Zinssenkung

Experten erwarten Zinssenkung in Türkei nicht vor Jahresende

Nach der überraschend kräftigen Zinserhöhung in der Türkei rechnen Experten frühestens am Jahresende wieder mit einer leichten Senkung.

19.03.2021 10:34

Nicht vor dem vierten Quartal dürfte ein Schritt nach unten folgen, sagten etwa die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs am Freitag voraus. Sie rechnen am Jahresende mit einem Leitzins von 18,0 Prozent.

Die Notenbank hatte ihn am Donnerstag unerwartet von 17,0 auf 19,0 Prozent erhöht. Dieser Schritt könnte dem erst seit November 2020 im Amt befindlichen Zentralbankchef Naci Agbal - der die Inflation bekämpfen will - mehr Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten verleihen. Höhere Zinsen stärken die Landeswährung Lira, was Importe verbilligt und damit den Preisauftrieb dämpft. Wegen steigender Inflationserwartungen habe er die Straffung der Geldpolitik "vorgezogen", erklärte Agbal seinen Kurs.

Die Teuerungsrate lag zuletzt bei fast 16 Prozent. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat vorige Woche angekündigt, die notorisch hohe Inflation zu bekämpfen. "Das Ziel ist eine einstellige Inflation", sagte er.

(Reuters)

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Devisen: Türkische Lira

Devisen: Türkische Lira stürzt ab nach Entlassung des Notenbankchefs

Die türkische Lira ist nach der Entlassung des Notenbankchefs des Landes auf Talfahrt gegangen. Am Montagmorgen wurde ein US-Dollar für 7,78 Lira gehandelt. Damit ist der Kurs im Vergleich zum Freitag um knapp acht Prozent abgerutscht. In der vergangenen Nacht war der Kurseinbruch zeitweise noch heftiger ausgefallen: bis auf 8,47 Lira mussten für einen Dollar gezahlt werden. Damit lag die türkische Währung nur knapp unter dem Rekordtief, das im vergangenen November bei 8,57 Lira für einen Dollar erreicht worden war.

22.03.2021 07:40

Der drastische Kurseinbruch zu Wochenbeginn zeigte sich auch im Handel mit dem Euro. Am Morgen wurden für einen Euro 9,25 Lira gezahlt, was einem Kurseinbruch von knapp acht Prozent entsprach. Hier wurde das Rekordtief ebenfalls im vergangenen November bei 10,20 Lira für einen Euro erreicht.

Auslöser für die rasante Talfahrt ist ein Wechsel an der Spitze der türkischen Notenbank. In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Zentralbankchef Naci Agbal entlassen. Die Entscheidung erfolgte nur wenige Tage nachdem die türkische Notenbank den Leitzins überraschend deutlich um 2,0 Prozentpunkte auf 19,0 Prozent angehoben hatte. Neuer Notenbankchef wird der staatliche Nachrichtenagentur Anadolu zufolge Sahap Kavcioglu, ehemaliger Abgeordneter von Erdogans Regierungspartei AKP.

Agbal hatte in seiner kurzen Amtszeit versucht, mit den Zinserhöhungen die drastische Inflation in der Türkei unter Kontrolle zu bekommen. Erdogan hatte sich hingegen immer wieder für niedrige Zinsen ausgesprochen. Agbal war erst Anfang November als Zentralbankchef eingesetzt worden.

/jkr/mis

(AWP)

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Erdogan löst „Lira-Blutbad“ aus

Kurssturz in der Türkei

Erdogan löst „Lira-Blutbad“ aus - und ruft jetzt Türken zu Investitionen auf

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen Zentralbankchef gefeuert - den dritten in nur zwei Jahren. Er löste damit ein Beben an der Börse aus. Experten sprechen von einem "Blutbad für die türkische Lira". Als Reaktion ruft der Präsident seine Landsleute auf, ihre angehäuften Devisen- oder Goldbestände zur Ankurbelung der Wirtschaft zu investieren.

Sein Appell richte sich an Bürger, „die zu Hause ausländische Währung und Gold aufbewahren, nur um sich sicher zu fühlen“. Beim Parteikongress seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara: „Von diesen, meinen Bürgern möchte ich, dass sie die Devisen und das Gold in ihren Häusern, was unser nationales Vermögen ist, in verschiedene Finanzmittel investieren und es damit in die Wirtschaft und Produktion einbringen.“ Er rief Investoren zudem dazu auf, in die Türkei zu vertrauen.

Erdogan entlässt Notenbankchef - „Blutbad für die türkische Lira“

Die türkische Landeswährung Lira und die Börsenkurse in Istanbul waren zu Wochenbeginn drastisch eingebrochen. Auslöser war die Entlassung von Notenbankchef Naci Agbal durch Erdogan am Wochenende.

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Türkei: Im freien Fall

In der Türkei schwindet wegen der desaströsen Wirtschaftslage die Unterstützung für den Präsidenten.

Zwei Seiten von Istanbul: hier das vornehme Şişli im Zentrum, und da Sultangazi, ein Rand-bezirk, vorwiegend konservativ, eher arm, viele syrische Flüchtlinge. In Şişli stehen die gut gebildeten Menschen Schlange vor einer Galerie, in Sultangazi stehen sie Schlange vor den Buden der "Volksbrot"-Bäckerei, wo das von der Stadtverwaltung subventionierte Brot nur die Hälfte des Supermarktpreises kostet. Die zweite Schlange sieht man derzeit deutlich häufiger. "Es gab viele Krisen in diesem Land", sagte der Chef von Volksbrot kürzlich, ein Mitglied der oppositionellen CHP-Partei, "aber solche Schlangen wie heute haben wir in den vergangenen 40 Jahren nicht gesehen."

Vielen Türken geht es schlecht, sie haben ihre Jobs verloren, das Geld reicht nicht mehr, um über die Runden zu kommen. Wegen der Corona-Pandemie stockt der Konsum, der Wert der Lira stürzt ab. Wie schlimm steht es in Corona-Zeiten um die türkische Wirtschaft, für deren Blühen sich Präsident Erdoğan immer rühmte? Sein Versprechen "Wohlstand für alle" war für viele Türken der Hauptgrund, ihn zu wählen.

Ahmet Saymadı hatte eigentlich einen guten Plan: Der 41-Jährige schmiss seinen alten Job als Zöllner, um im Istanbuler Ausgehviertel von Beyoğlu eine meyhane zu eröffnen. Meyhanes sind traditionelle Tavernen, in denen Alkohol, meist Rakı oder Bier, ausgeschenkt und dazu kleine Speisen serviert werden. Eine gut laufende meyhane ist für ihren Besitzer eigentlich eine sichere Geldquelle, denn wer seinen Abend dort als Gast verbringt, der sitzt da bis tief in die Nacht – und konsumiert. Im Oktober 2019, so erzählt es Saymadı, habe er die Speisewirtschaft übernommen. Wer rechnete damals schon damit, dass nur wenige Monate später die Pandemie ausbrechen würde?

"Nun stehen wir bereits vor unserer dritten Schließung", berichtet er am Telefon. Von März bis Juni 2020, von November bis zum März 2021. Nun herrscht eine Ausgangsbeschränkung ab 21 Uhr – eine Zeit, zu der man frühestens mit der Vorspeise zugange ist.

ZEIT ONLINE

Die Behörden reagieren auf den Corona-Anstieg im Land, mehr als 42.308 Neuinfektionen an einem Tag zählten sie am 2. April. Saymadı kann angesichts der Pandemie nur noch halb so viele Gäste in sein Restaurant lassen wie zuvor. Die Einnahmen sind gering. "Die Leute achten sehr aufs Geld, sie trinken weniger", sagt er. Und trinken ist ohnehin teuer in der Türkei, auch in normalen Zeiten, weil die konservative Regierung laufend die Konsumsteuer auf Alkohol erhöht – nicht so sehr wegen des Glaubens, sondern wegen der Jagd nach Einnahmen. Es ist eine pragmatische Entscheidung: Jene, die trinken, kann die Regierung sowieso nicht als Wähler gewinnen, also veranschlagt sie große Summen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 15/2021. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

Nun hat die Regierung neue Maßnahmen für den Ramadan-Monat veröffentlicht, der dieses Jahr am 13. April beginnt, traditionell eine Zeit, in der die Straßen und Geschäfte nach dem Iftar, dem abendlichen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, voll sind. Aber die Restaurants und Cafés dürfen höchstens einen Mitnehmservice anbieten.

Eine meyhane funktioniert so nicht. Da geht man hin, um zu sitzen und mit anderen zu trinken. Für Ahmet Saymadı und seine Mitarbeiter heißt das: Wieder für mindestens vier Wochen schließen. Wieder muss er nachdenken, wie und ob er weitermachen kann. Da sind die Miete, die Stromrechnung, der Internetanschluss, alles Kosten, die er weiterhin bezahlen muss. Auch das Gehalt der Mitarbeiter, zwar gekürzt, aber man muss die Leute ja trotzdem bezahlen, findet Saymadı. Er nehme ständig Kredite auf, um seine Kosten zu decken.

 

https://www.zeit.de/2021/15/tuerkei-recep-tayyip-erdogan-wirtschaftskris...

 

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