Viel los an den Rohstoffmärkten

15.07.2021 16:08
Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse), Carsten Fritsch (Commerzbank AG, Rohstoffanalyse)

Energie: Vermeintlicher Kompromiss zwischen VAE und Saudi-Arabien setzt Ölpreise unter Druck

Die Ölpreise fielen gestern deutlich und geben heute weiter nach. Brent handelt nur noch bei 73,5 USD je Barrel, WTI unter 72 USD je Barrel. Die Preise reagierten damit auf die Meldung, wonach sich die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien auf einen Kompromiss in ihrem Streit über die Ölproduktion verständigt hätten. Dieser hatte Anfang des Monats eine Einigung der OPEC+ zur Anhebung der Ölproduktion verhindert (siehe auch unser gestern veröffentlichtes “Rohstoffe kompakt Energie – Unsicherheit nach gescheiterter Produktionserhöhung der OPEC+”). Demnach wird den VAE ein gut 500 Tsd. Barrel pro Tag höheres Ausgangsniveau zugestanden, von dem die Produktionskürzung erfolgen soll. Dafür sollen sich die VAE bereiterklärt haben, das Kürzungsabkommen bis Ende 2022 zu verlängern. Doch es bleiben noch einige Fragen offen. So haben die VAE eine Einigung dementiert. Die Gespräche würden noch anhalten. Zudem bleibt zu klären, ob die höhere Ölproduktion der VAE auf die geplante Erhöhung der OPEC+-Produktion angerechnet wird, was den anderen Ländern eine geringere Produktionserhöhung erlauben und von diesen kaum toleriert würde. Ansonsten würde die höhere Ölproduktion der VAE zu der beabsichtigten Produktionsausweitung der OPEC+ dazukommen, was am Ende zuviel Öl an den Markt bringen könnte. Zudem könnten andere Länder wie der Irak nun ebenfalls eine höhere Produktion für sich beanspruchen. Schließlich hat auch der Irak seine Produktionskapazität in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Energie: “Fit for 55” bislang ohne Preiseffekt bei CO2

Mit der Konkretisierung ihrer ambitionierten Klimaziele für das EU-ETS wich die EU-Kommission etwas von den Erwartungen ab: Die bis 2030 angestrebte Reduzierung der Emissionen im künftig um den Schiffsverkehr erweiterten EU ETS um “nur” 61% gegenüber 2005 (bislang: 43%) durch eine Anhebung des LRF von 2,2% auf 4,2% und einen einmaligen Schnitt von 110 Mio. EUAs “enttäuschte” leicht; Klima-Kommissar Timmermans kommentierte dies in der Pressekonferenz mit dem Hinweis, die Industrie brauche Zeit sich anzupassen und verwies auf stark gestiegene Preise. Mit dem Ziel eines Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) für die erfassten Sektoren Stahl, Zement, Aluminium, Elektrizität und Düngemittel bei Ausschleichen der freien Zuteilung ab 2026 in 10 Jahren ging die Kommission dagegen etwas über die Erwartungen hinaus. Stärkere Preisreaktionen im EU-Emissionshandel blieben bislang aus: Der erste Anstieg nach Bekanntgabe wurde schnell wieder einkassiert. Aber noch ist nicht aller Tage Abend: Es zeichnen sich schwierige Verhandlungen mit dem EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten ab. Der Grenzausgleichsmechanismus ist auch international umstritten. Fakt ist aber auch, dass der CO2-Preis als Instrument hin zu einem klimaneutralen Europa gestärkt wird, was die Ausweitung der CO2-Bepreisung auf weiteren Sektoren Gebäude und Straßenverkehr nochmal unterstreicht. Mittelfristig sehen wir die Preise weiter steigen.