"Aktives Management zahlt sich bei High Yield aus"

Obligationen-ETFs und damit auch börsengehandelte Indexfonds auf Hochzinsanleihen stossen bei Anlegern zunehmend auf Interesse. Laut Marc Leemans von Degroof Petercam AM fahren Investoren mit Hochzinsanleihen allerdings besser im aktiven Bereich als mit passsiven High-Yield-ETFs.
02.12.2019 22:33

Marc Leemans, Fondsmanager Hochzinsstrategien bei Degroof Petercam Asset Management

Marc Leemans, Fondsmanager Hochzinsstrategien bei Degroof Petercam Asset Management

Die Aktiv-Passiv-Debatte hat sich mittlerweile in den Bereich festverzinslicher Anlagen ausgedehnt, und dabei auch auf das Segment der Hochzinsobligationen. Die Anlageklasse konnte seit Jahresbeginn bedeutende Geldbeträge auf sich ziehen, wovon ein Grossteil in passive, High Yield-Indizes nachbildende Exchange Traded Funds (ETFs) floss.

"Anleger sollten sich nicht darauf verlassen, dass bei passiven Instrumenten im festverzinslichen Universum im Hinblick auf die Nachbildung von Benchmarks dieselben Regeln gelten wie bei Aktien", sagt Marc Leemans, Fondsmanager Hochzinsstrategien bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). "Die den ETFs zugrunde liegenden Indizes, wie etwa der Bloomberg Barclays Liquidity Screened Euro HY Index, berücksichtigen nur den liquidesten Teil des Gesamtmarktes für High-Yield-Obligationen. Denn Liquidität ist für ETFs wichtig, um die Spreads niedrig zu halten. Der liquideste Teil des Marktes ist aber oft auch der teuerste und potenziell stark frequentiert."

Anleger sollten sich nach Meinung Leemans also darüber im Klaren sein, dass sie mit dem Kauf eines High Yield-ETF nicht dasselbe Exposure eingehen wie bei einem aktiv verwalteten Fonds und eher nur in den Premiumteil des Marktes investieren, dabei aber viele interessante Branchen bzw. innerhalb von Branchen einzelne interessante Titel komplett vernachlässigen. "Hochzins-ETFs schneiden tendenziell mit durchschnittlich rund 60 Basispunkten schlechter ab als ihr jeweiliger Index. Dies lässt sich auf die Tatsache zurückführen, dass auch sie mit Gebühren belastet sind. Ausserdem muss ein ETF Mittelzu- und -abflüsse sofort verarbeiten und ist dadurch mit Geld-Brief-Spannen konfrontiert, die einen starken Einfluss auf die Performance haben können", meint Leemans.

"Aktiv" in fast drei Viertel aller Fälle besser

Das High Yield-Team bei DPAM, dem mehrfachen Gewinner der Scope Investment Awards, hat eine Stichprobe von breit vermarkteten europäischen Hochzinsfonds mit den drei grössten europäischen High-Yield-ETFs über die vergangenen sechs Jahre verglichen. Dabei zeigte sich, dass mindestens die Hälfte der aktiv verwalteten Fonds ihre Pendants aus dem ETF-Universum übertrafen. Betrachtet man die kumulativen Wertentwicklungen über verschiedene Zeiträume seit 2013, erzielten mindestens 70% der aktiv verwalteten Fonds eine bessere Performance als die ETFs.

Ein Grund dafür ist, dass aktive Fondsmanager nach taktischen Gesichtspunkten abwarten können, wenn der Markt teuer ist, und zudem von Prämien auf Neuemissionen auf dem Primärmarkt profitieren. Da aktiv gemanagte Fonds nicht an Indizes gebunden sind und den Markt auch nicht wie ETFs in seiner ganzen Tiefe abbilden, können sie die gesamte Vielfalt des Marktsegments nutzen und damit einen Mehrwert über die reine Indexperformance hinaus generieren. In dieser Hinsicht besonders viel Potenzial bieten derzeit der Telekommunikations- und Automobilsektor.

Einzelwerte mit attraktiven Rendite-Risiko-Profilen

"Dank unseres fundamentalen Researchs finden wir auch abseits des Index-Mainstreams kleinere Emittenten oder solche mit schwächerem Rating bei dennoch guter Qualität und attraktiven Risikoprämien", erklärt Marc Leemans. Dazu zählt der Experte zum Beispiel Altice Holding, ein niederländischer Emittent aus dem Telekomsektor. Das Unternehmen ist qualitativ gut aufgestellt, bedient solide die Kupons seiner Obligationen und hat sein Refinanzierungsrisiko im Griff.

Ebenso gefallen Leemans der belgische Kabelnetzwerkbetreiber Telenet NV und der in den Balkanländern aktive Anbieter United Group BV sowie aus der Automobilbranche die Zulieferer Schaeffler (Deutschland) und Faurecia (Frankreich). Die aktuelle Bewertung der von ihnen begebenen Hochzinspapiere bieten aktiven, Risikomanagement orientierten Managern eine attraktive Entlohnung für das eingegangene Risiko, das reine Indexinvestoren nicht für sich erschliessen können.

Dieser Artikel wurde cash von Investrends.ch zur Verfügung gestellt.
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