2016 wird wohl kein guter Jahrgang für IPOs

Die Zahl der weltweiten Börsengänge ist im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 % zurückgegangen, das Emissionsvolumen gar um 61 %. Trotz schwierigen Quartals gingen drei Schweizer Firmen im zweiten Quartal an die Börse, zwei davon im Ausland.
29.06.2016 17:35

Nach einem schwachen Jahresauftakt mit weltweit gerade einmal 191 Börsengängen im ersten Quartal stieg die Zahl der IPOs im zweiten Quartal auf immerhin 246. Damit blieb das gesamte erste Halbjahr allerdings deutlich hinter dem Vorjahreszeitraum zurück. Die erste Jahreshälfte war die schwächste seit 2009. Dies zeigt der EY Global IPO Trends Report des zweiten Quartals (Download, PDF in Englisch).

China und USA im Abwärtstrend
Besonders stark schrumpfte der chinesische IPO-Markt: Nachdem im Vorjahresquartal noch 139 Unternehmen in China und Hongkong den Schritt aufs Parkett gewagt hatten, verzeichneten die dortigen Börsenplätze in den vergangenen drei Monaten nur noch 58 IPOs – ein Rückgang um 58 %. Das Emissionsvolumen sank sogar um 84 % von 30 auf 4,8 Milliarden US-Dollar. Ebenfalls stark rückläufig waren die IPO-Aktivitäten in den Vereinigten Staaten, wo die Zahl der Börsengänge von 72 auf 37 sank. Dabei erlösten die Neulinge an den US-Börsen nur noch 6,2 Milliarden US-Dollar – weniger als halb so viel wie im Vorjahresquartal, als 14,3 Milliarden US-Dollar erlöst wurden.

Europa erwies sich wie schon im ersten Quartal als aktivste IPO-Region der Welt – wenngleich auch hier Einbussen zu verzeichnen waren: Die Zahl der Börsengänge sank um 32 % von 95 auf 65, das Emissionsvolumen ging um 32 % von 16,2 auf 12,9 Milliarden US-Dollar zurück.

Drei Schweizer Börsengänge
In der Schweiz schafften im ersten Halbjahr 2016 drei Unternehmen den Sprung aufs Parkett: Der Rheintaler Vakuumventilhersteller VAT, dessen Ausgabepreis im April 2016 bei 45 Schweizer Franken pro Aktie lag, legte einen furiosen Start hin. Der aktuelle Aktienpreis liegt bei rund 57 CHF. Die Genfer GeNeuro, die Therapien gegen Autoimmunerkrankungen entwickelt, feierte das Börsendebüt an der Euronext Paris. Das Unternehmen gab im April 2016 mehr als 2,5 Millionen Aktien für 13 Euro aus und löste damit rund 33 Millionen Euro. Der Churer Netzwerkdienstleister Talkpool wurde im Mai 2016 an der Nasdaq First North in Stockholm gelistet. Die Aktie wird heute leicht tiefer gehandelt als noch beim Börsengang.

"Viele Börsenkandidaten bleiben trotz der Suche nach rentablen Anlagemöglichkeiten zurückhaltend und warten vorerst mit einem IPO", kommentiert Alessandro Miolo, Partner bei EY, die aktuelle Marktsituation. Auch die eingetrübten weltweiten Konjunkturaussichten liessen die Börsenkandidaten vorsichtiger werden. "Die Sommermonate waren hinsichtlich IPOs bisher eher ruhig. Mit dem Brexit sind die Unsicherheiten noch gestiegen. Die verschiedenen Szenarien müssen von den Investoren und Unternehmen analysiert werden. Ich gehe nicht davon aus, dass die Analysen den IPO-Markt beflügeln werden. Wenn die Politik die künftigen Rahmenbedingungen rasch klären kann und die Phase der Unsicherheit sich nicht in die Länge zieht, ist eine grössere Dynamik zu Jahresende hin aber durchaus denkbar", so Miolo.

Rekord-IPO aus der Energiebranche
Nachdem es im ersten Quartal gerade einmal eine einzige Milliarden-Transaktion gegeben hatte, wurden im zweiten Quartal immerhin sechs Börsengänge mit einem Emissionsvolumen über einer Milliarde US-Dollar gezählt. Der grösste Börsengang war das Börsendebüt des dänischen Windparkbetreibers Dong Energy, das 2,6 Milliarden US-Dollar einbrachte. Der Börsengang des US-Investmentfonds MGM Growth Properties und der IPO des Lebensmittellieferanten US Foods Holding brachten je rund 1,2 Milliarden US-Dollar ein. Von den zehn grössten Börsengängen weltweit fanden sechs in Europa statt.

Attraktivität von Verkäufen bremst IPO-Aktivitäten
Die anhaltend lebhafte Entwicklung auf dem M&A-Markt bremst zudem die IPO-Aktivitäten. Ein geordneter Verkauf lässt sich bedeutend besser steuern als ein Börsengang, der von sehr vielen externen Faktoren abhängt. "Private-Equity-Unternehmen und Firmen, die Teilbereiche abstossen wollen, entscheiden sich häufiger für einen Verkauf statt für einen Börsengang. Dies hat vor allem mit der hohen Kaufbereitschaft strategischer Investoren zu tun. Es lassen sich hohe Preise erzielen", erläutert Miolo.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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