Alle Register ziehen

«Im gegenwärtigen Umfeld mit tiefem Wachstum, tiefen Zinsen und hoch bewerteten Anlageklassen müssen wir alle Register ziehen, um positive Renditen zu erzielen», betont John Stopford von Investec Asset Management. Als Head Multi-Asset Income ist er in der richtigen Position, um dies zu tun, kann er doch sämtliche Anlagemöglichkeiten in allen Anlageklassen nutzen.
30.05.2017 23:33

Früher konnte das Rendite-Risiko-Profil von Portfolios mit Fixed Income relativ einfach gesteuert werden. Die Tiefzinspolitik der Notenbanken hat diese Funktion von Fixed Income jedoch ausser Kraft gesetzt. «Im Unterschied zu herkömmlichen Portfoliofonds allokieren wir unsere Gelder deshalb nicht mehr nach Anlageklassen, sondern nach Anlagezielen bzw. Outcome», erklärt er. Dabei werden in erster Linie Growth-, Income- und Absolute Return-Strategien verfolgt.

Die Growth-Strategie visiert eine aktienähnliche Rendite an mit etwas geringerem Risiko als Aktien. Sie eignet sich zum Beispiel für jüngere Leute mit sehr langem Zeithorizont zum Vermögensaufbau. Income-Strategien sind einkommensorientiert, mit deutlich geringerem Risiko als Aktien. Absolute Return-Strategien wiederum sind gemäss Stopford als Cash-Ersatz gedacht. Sie streben eine positive Rendite als Alternative zu Negativzinsanlagen an.

Für Pensionskassen und Vorsorgesparer geeignet
Der Global Multi-Asset Income Fund, der von Stopford uns einem Team gemanagt wird, will Einkommen erzielen. Ziele sind eine attraktive und nachhaltige Bruttorendite in Dollar von 4 bis 6% pro Jahr und eine Volatilität, welche um mehr als 50% tiefer liegt als bei Aktienfonds. Damit eignet er sich vor allem für institutionelle Anleger oder Private, welche sich vor der Pensionierung oder im Ruhestand befinden. «Die Vorgaben haben wir erreicht. Seit Lancierung beträgt die annualisierte Rendite 4.4% im letzten Jahr sogar 5.1%», freut sich Stopford. (in USD, per Ende April 2017, institutional share class).

Diese Ziele können nicht einfach mit einer breiten Diversifikation erreicht werden. Dazu benötigt man eine gezielte Selektion von einzelnen Titeln über alle Anlageklassen hinweg. Jeder gewählte Titel muss dabei die Kriterien der vom Team definierten Einkommensstrategie erfüllen. «Ausserdem diversifizieren wir auch über Faktoren bzw. Stile hinweg und mischen gezielt Titel ins Portfolio, welche wachstumsorientiert sind, defensiv oder nicht-korreliert», ergänzt Stopford. Da diese drei Faktoren unterschiedlich auf Wirtschafts- und Bewertungszyklen reagieren, werde ein zusätzlicher Diversifikationseffekt erzielt.

Attraktive Titel trotz hohen Indexständen
Die Titelselektion erfolgt Bottom-up, was eine klare Meinung zu den Titeln in allen Anlageklassen bedingt. «Deshalb beschäftigen wir allein im Multi-Asset-Bereich 33 Spezialisten», meint der Fondsmanager. Natürlich wird darüber hinaus laufend auf das Knowhow der übrigen 160 Anlageexperten und Analysten von Investec Asset Management zurückgegriffen. So profitiere der Fonds zusätzlich von den besten Ideen der Aktienspezialisten, sofern diese in das Gesamtkonzept passen. 

In Bezug auf Aktien ist Stopford trotz relativ hohen Indexständen weiterhin zuversichtlich: «Zurzeit finden wir nach wie vor attraktive Titel, auch in Branchen, welche auf den ersten Blick unattraktiv erscheinen». Auch eine erhöhte Volatilität sollte nicht unbedingt abschrecken, da nicht nur die Verlust-, sondern auch die Gewinnrisiken erhöht sind. «Auf das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereitet sein, ist eine unserer Devisen», unterstreicht er.

Wachstums- und Dividendenwerte favorisiert
Der Anlageexperte favorisiert momentan wachstumskräftige, zyklische Marktsegemente wie Technologie- oder Industrieunternehmen. So zählen Microsoft, Siemens und Dow Chemical zu den grössten Aktienpositionen. Zudem bleiben Unternehmen mit soliden Dividendenzahlungen attraktiv. Gegenüber defensiven, zinssensitiven Konsumgütertiteln ist er jedoch zurückhaltend. Ausserdem sieht er gute Chancen in Japan sowie in einigen Schwellenländern. In der Schweiz besteht zurzeit kein Exposure, da der Franken unter Druck geraten könnte. «Doch Qualitätstitel wie Nestlé und Roche sind natürlich für langfristige Anleger nach wie vor eine Überlegung wert», meint er.

Die Aktienquote des Fonds beträgt zurzeit rund ein Viertel. 20% entfallen auf Emerging Market Debt, 30% auf Staats- und Unternehmensanleihen mit hoher Qualität und 14% auf High Yield Corporate Bonds. Der Rest verteilt sich auf Immobilien, Infrastruktur, Private Equity sowie Cash.

Keine Rezessionsgefahr in den USA
Gefahren sind natürlich vorhanden und Korrekturen jederzeit möglich. Der Multi-Asset-Experte weist vor allem auf fünf Risiken hin: In Europa sind die Wahlen in Frankreich zwar wie erwartet ausgegangen. Doch verunsichert nach wie vor die politisch heikle Situation in Italien. In den USA ist es Präsident Trump, welcher für wachsende Unsicherheit sorgt. Zudem könnte ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China die Marktstimmung eintrüben. Der Ölpreis könnte auf 80 bis 100 $ pro Barrel ansteigen, falls nicht genügend Investitionen in den Sektor getätigt werden. Last but not least würde ein rascheres nominales Wirtschaftswachstum in den Industrieländern zu stärkeren Zinsanspannungen führen als erwartet.

Eine Rezession in den USA, welche auch andere Märkte in ihren Sog ziehen könnte, sieht Stopford frühestens in einem Jahr oder später. US-Aktien seien zwar hoch bewertet, aber steigende Unternehmensgewinne gleichen das aus. Historisch gesehen, erreichen Aktienmärkte rund 6 Monate vor einer Rezession ihren Zenit. «Der Bullenmarkt dürfte also noch eine Weile anhalten», konstatiert Stopford. 

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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