Anhaltende Dynamik trotz Spätzyklus in den USA

In den USA sind die Produktionskapazitäten ausgelastet, es herrscht Vollbeschäftigung und die Fed treibt die Normalisierung der Geldpolitik voran. Die Bewertungen an den Aktienmärkten sind hoch während die tiefen Obligationenrenditen auf Wachstumsskepsis hindeuten. In diesem konjunkturellen Spätzyklus der USA stellt das CIO-Office der Zürcher Kantonalbank bisher keine Überhitzungserscheinungen fest und gibt einen Ausblick auf 2018.
29.11.2017 22:37

Das CIO-Office der Zürcher Kantonalbank schätzt das Marktumfeld 2018 nach wie vor positiv ein und sieht weiteres Potenzial in den Aktienmärkten. Auch im nächsten Jahr dürfte sich der konjunkturelle Aufschwung auf globaler Ebene fortsetzen, allerdings vor dem Hintergrund höherer Inflationsraten. Die US-Notenbank Fed wird die Normalisierung der Geldpolitik im reifen Konjunkturzyklus der USA behutsam vorantreiben, während die Europäische Zentralbank ihre ultra-expansive Geldpolitik nur langsam zurückfahren und den Leitzins 2019 erstmals erhöhen wird. Die positive Stimmung an den Märkten dürfte ab der zweiten Jahreshälfte aufgrund anziehender Inflations- und Zinserwartungen herausgefordert werden. Christoph Schenk, CIO der Zürcher Kantonalbank, kommentiert: "Der globale Konjunkturaufschwung wird 2018 den Höhepunkt erreichen, bevor 2019 eine merkliche Verlangsamung einsetzt. Aktien bleiben vorderhand unsere favorisierte Anlageklasse." 

Volatilität kehrt zurück
2017 ist die Volatilität an den Aktienmärkten weiter zurückgegangen. Sie befindet sich auf einem aussergewöhnlich tiefen Niveau. Angesichts hoher Bewertungen der Aktienmärkte, geopolitischer Unsicherheiten und geldpolitischer Straffung erachten wir 2018 einen Anstieg der Volatilität als unvermeidlich. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse dürften sich dagegen etwas entspannen, da die Aktienmärkte 2018 voraussichtlich weniger stark zulegen werden als die Unternehmensgewinne.

Normalisierung der US-Geldpolitik
In den USA ist die Stimmung bei Konsumenten und Unternehmen ausgezeichnet. Die Vorlaufindikatoren für die US Wirtschaft kletterten jüngst auf den höchsten Stand seit 2004, die Verbraucherzuversicht ist so hoch wie zuletzt 2001. Obwohl die US-Wirtschaft in der Spätphase des Aufschwungs angelangt ist, bleiben die Wachstumsaussichten für 2018 intakt. Die Produktionskapazitäten sind ausgelastet und der Arbeitsmarkt zeigt Anzeichen von Knappheit. Vor diesem Hintergrund ist mit einer weiteren Normalisierung der US-Geldpolitik zu rechnen, die Fed dürfte den Leitzins im nächsten Jahr um insgesamt 0.75% erhöhen.

Eurozone mit anhaltender Wachstumsdynamik
In der Eurozone vermochte die konjunkturelle Entwicklung 2017 positiv zu überraschen. 2018 dürfte sich das robuste Wirtschaftswachstum fortsetzen, wenn auch etwas weniger dynamisch als 2017. Hauptgrund für den Rückgang der Wachstumsdynamik ist der erstarkte Euro-Wechselkurs, der die Exportindustrie belastet. Politische Entwicklungen wie die Koalitionsverhandlungen in Deutschland, die Parlamentswahlen in Italien und die EU-Austrittsverhandlungen mit Grossbritannien werden das Auf und Ab der Finanzmärkte entscheidend mitbestimmen.

Schwellenländer weniger abhängig von Kapitalimporten
Die Vorlaufindikatoren der Schwellenländer zeigen ein aufgehelltes Bild. Brasilien und Russland haben die tiefe Rezession überwunden, China und Indien zeichnen sich durch stabile Wachstumsraten aus. Der anziehende Welthandel sorgt für bessere Handelsbilanzen und macht die Schwellenländer weniger abhängig von Kapitalimporten. China hingegen wird qualitatives vor quantitatives Wachstum stellen und 2018 eine Wachstumsverlangsamung erfahren.

Schweizer Wirtschaft nimmt Fahrt auf
Vor dem Hintergrund des Aufschwungs der Weltwirtschaft zeigen die Vorlaufindikatoren ein optimistisches Bild der Schweizer Konjunkturlage. Derweil deutet die jüngste Abwertung des Schweizer Frankens darauf hin, dass die Schweizerische Nationalbank das Zinsniveau langfristig anheben kann. Dies dürfte frühestens im 1. Halbjahr 2019 der Fall sein, im Jahr 2018 rechnen die Experten der ZKB mit einem unveränderten Leitzins. Manuel Ferreira, Head Investment Strategy & Economic Research, ergänzt: "Die positive Konjunkturentwicklung schafft Raum für steigende Zinserwartungen, die eine Hauptquelle für die Volatilität an den Märkten sein dürften."

US-Inflation als möglicher Spielverderber
Eine rasch anziehende Inflation stellt das aus unserer Sicht grösste Risiko für die Finanzmärkte dar, zumal diese von einer moderaten Inflationsentwicklung ausgehen. Trotz der expansiven Geldpolitik der letzten Jahre wurden die Inflationsziele der Notenbanken nicht erreicht. Selbst in den USA, wo der Konjunkturzyklus am weitesten fortgeschritten ist, ist bislang kein erhöhter Preisdruck feststellbar. Globalisierung, technologischer Fortschritt sowie die demografische Entwicklung sorgen für eine strukturell tiefe Inflation. Vor diesem Hintergrund besteht die Gefahr, dass die Marktteilnehmer das Inflationsrisiko unterschätzen. Aus der Sicht des CIO-Office der ZKB sind die Ingredienzen für eine steigende Inflation jedoch vorhanden, denn die hohe Nachfrage am US-Arbeitsmarkt dürfte für steigende Löhne sorgen. In Europa und in Japan erachten wir die Inflationsrisiken hingegen als gering.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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