Asien: Sonnenstrahlen in der Dunkelheit des Winters

Samir Mehta, Fondsmanager des JOHCM Asia ex Japan Fund, sieht im Schuldenüberhang den Hemmer für das Wachstum in Asiens Märkten.
01.02.2016 09:06

Das neue Jahr hat beinahe so begonnen wie das vergangene Jahr endete. Investoren bleiben besorgt über die stockende Chinesische Wirtschaft und eine mögliche weitere Abwertung des Renminbi. Die Volatilität an den Aktienmärkten auf dem chinesischen Festland hat sich in der ersten vollen Woche des Jahres 2016 auf die globalen Aktienmärkte ausgeweitet und somit einen düsteren Start in den Januar beschert.

Als ein in Singapur ansässiger Asia-Ex-Japan Fondsmanager verbringt Samir Mehta viel Zeit damit, über die asiatische Wirtschaft nachzudenken und Unternehmen in China und der weiteren Region zu analysieren. Seit einiger Zeit hatte er bereits Bedenken über China und die Wirtschaft anderer asiatischer Länder. Der Schuldenüberhang vieler Länder hemmt das Wachstum. Wie viele westliche Wirtschaftsregionen hat Asien effektiv ‘aus der Zukunft geliehen’ für den Konsum, was gleichermassen Auswirkungen auf die Bewertungen der Aktienmärkte hatte. Steigende Schulden in einem disinflationären Umfeld mit geringem Wachstum stellt ein grosses Problem dar. Einige Kommentatoren gehen sogar davon aus, dass mit dem Ende der Geduld der Zentralbanken eine schwerwiegende Krise bevorstehen könnte. Das ist in der Tat ein reales Szenario.

Sicherlich kämpfen China und die anderen asiatischen Wirtschaftsregionen aktuell mit vielen Herausforderungen. Mehta glaubt aber dennoch, zu einem gewissen Masse irrationalerweise, dass gegenwärtig einige notwendige Voraussetzungen geschaffen werden, um positive Aussichten für Asien haben zu können.

Mentalität, Kreditgeschäfte, Bewertungen
Die erste von drei und eine der wichtigsten Voraussetzungen, die er beobachtet, ist der Wandel der Mentalität Asiatischer Unternehmer. Nachdem sie über viele Jahre hinweg an scheinbar unvermeidbares Wachstum gewöhnt waren, reden Unternehmen nun zunehmend von Zurückhaltung. Pläne für Kapitalaufwendungen werden gedämpft und Kostenkontrollen rücken in den Fokus. Unternehmen sind bemüht, Gewinnmargen zu verteidigen, Barmittel zu bewahren und sich auf ein geringes Wachstum einzustellen. Das bedeutet, dass Unternehmen anfangen sich wieder auf Kapitalerträge zu konzentrieren und nicht lediglich auf Wachstum.

Der zweite beobachtete Trend ist das Nachlassen von Kreditgeschäften. Die meisten Banken (zumindest ausserhalb von China) akzeptieren mittlerweile, dass man sich in Asien in einem wirtschaftlichen Abschwung und in einigen Fällen sogar in einer Krise befindet. Asiatische Banken sind nicht mehr bestrebt zu wachsen, sondern konzentrieren sich darauf, notleidende Kredite zu vermeiden oder schlechte Anleihen zu retten. Aus Sicht von Mehta geschieht dies vielleicht bereits zu spät. Mit der Zunahme dieses Trends sollten theoretisch als erste Konsequenz unrentable und ertragslose Unternehmen in Erscheinung treten. Eine Abnahme von Kreditvergaben wird sicherlich geringere Nachfrage für ein Wachstum widerspiegeln. Langfristig gesehen wird jedoch das Fehlen von Krediten die Anzahl irrationaler Wettbewerber verringern.

Schlussendlich lassen sich niedrige Bewertungen (wenn auch verzerrt durch moderate Bewertungen für chinesische Banken, andere Finanztitel und zyklische Rohstoffaktien) in Kombination mit zunehmender Abneigung gegen asiatische Aktien von Seiten der Investoren beobachten. Die Volatilität der Märkte und insbesondere die Währungsabwertung ist nach Meinung von Samir Mehta das beste, was langfristig ausgerichteten Investoren passieren kann. Nachdem die Aktienmärkte der Schwellenländer (und kürzlich asiatische Aktien) innerhalb der vergangenen fünf Jahre schwache Performance gezeigt haben, könnte 2016 ein Jahr mit weitverbreiteter Abneigung gegenüber diesen Märkten werden. Sollte dies geschehen, würde Mehta wagen zu vermuten, dass somit die Grundlage für eine sehr gute langfristig ausgelegte Investment Gelegenheit geschaffen wird.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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