Ausblick 2019: Von der Inflation hängt alles ab

Shamik Dhar von BNY Mellon IM erwartet 2019 eine relativ freundliche Entwicklung der Weltwirtschaft. Als Störfaktoren macht er insbesondere die Inflation, aber auch Handelskonflikte und die Verschuldung der Euroländer aus.
18.12.2018 22:34

"Die entwickelten Volkswirtschaften werden sich weiter positiv entwickeln, auch wenn diese im Vergleich zu 2017 oder 2018 langsamer wachsen werden", prognostiziert Shamik Dhar, Chefökonom von BNY Mellon IM. Während sich das Tempo in China und Europa weiter reduziere, würden die Verbraucher in den USA letztendlich die globale Wirtschaft vorantreiben. Er erwarte 2019 ein gutes Investitionsumfeld. Doch das positive Zukunftsbild sei gefährdet durch zahlreiche Risiken, wovon eine steigende Inflation in den Augen Dhars das beunruhigendste Szenario ist. 

Inflation vorerst unter Kontrolle
Die Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften scheine unter Kontrolle zu sein, was hohe Ausschläge unwahrscheinlicher mache, so Dhar. "Die US-amerikanische Zentralbank wird die Leitzinsen 2019 voraussichtlich zweimal anheben", denkt er. Er gehe nicht von einer dritten Zinsanhebung im nächsten Jahr aus. Auch würde das im Schnitt niedrigere Beschäftigungsniveau in den G7-Staaten nicht zu entsprechenden Gehaltserhöhungen und steigender Inflation führen. Daher erwarte er auch keinen Anstieg der Zinsen am langen Ende.

Zudem glaubt der Chefökonom, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren ersten Zinsschritt seit der Finanzkrise auf Ende 2019 oder sogar Anfang 2020 hinausschieben wird. Einer Steigung des US-Dollars 2019 könne allerdings nur ein Aussetzen des erwarteten Zinsanstiegs oder Klarheit über den Brexit Einhalt gebieten. "Aus unserer Sicht bietet der weltweite Aktien-Abverkauf 2018 eine gute Gelegenheit für Anleger, ihre Risikopositionen 2019 zu erhöhen", empfiehlt der Experte. In einem solchen Szenario würden Anleihen weiterhin negativ mit Aktien korrelieren, so dass sich Standard-Multi-Asset-Portfolios positiv entwickeln können.

Höhere Volatilität als Folge des Handelsstreits
Trotz diesen positiven Punkten rechnet Dhar mit einer höheren Volatiliät im nächsten Jahr. Verantwortlich dafür macht er gewisse Risiken, die ein positives Szenario beeinträchtigen könnten. Ein solcher Faktor sei die zunehmende Verschärfung des US-Handelskonflikts mit China. "Während die Trump-Administration ihren Fokus ursprünglich auf das Handelsdefizit gegenüber China legte, verlagert er sich inzwischen auf den von China forcierten Technologietransfer, die Überwachung ausländischer Unternehmen und die Pläne von Präsident Xi für China bis 2025, die die technologische Vorherrschaft der USA direkt bedrohen", erklärt Dhar.

Diese Probleme dürften in seinen Augen nicht schnell gelöst werden. Im Zuge dessen würde die USA Anfang nächsten Jahres auf alle chinesischen Einfuhren in die USA Zölle von 25% erheben. Zwar könne die USA einem solchen Druck als relativ geschlossene Volkswirtschaft standhalten, insbesondere da auch ihre Wirtschaft weiterhin stark sei, doch Chinas Wirtschaft werde die Auswirkungen der Zollerhöhungen zu spüren bekommen. Als Folge dessen würden auch Europa und die Schwellenländer davon betroffen sein, weil deren Wachstum stärker von der globalen Nachfrage abhänge.

Straffere Geldpolitik setzt Schwellenländer unter Druck
"2019 wird den Beginn einer strafferen Geldpolitik der Zentralbanken in den entwickelten Märkten markieren", schätzt Dhar. So haben die USA bereits bis Ende November 2018 rund 400 Mrd. USD an Treasuries und Mortgage-Backed-Securities verkauft und die Verkäufe liegen derzeit bei 50 Mrd. USD pro Monat. Japan werde seine unkonventionelle Geldpolitik fortführen, während die Europäische Zentralbank voraussichtlich Ende 2018 ihr Wertpapierkaufprogramm beende. Vor diesem Hintergrund sei die Fed entschlossen, die Zinsen vor der nächsten Rezession anzuheben. Letztlich würde die Folge dieser Entwicklungen gemäss Dhar ein erhöhter Druck auf diejenigen Schwellenländer sein, die einen hohen Fremdfinanzierungsbedarf und eine hohe Verschuldungsquote haben.

Banken weiterhin ein Systemrisiko im Finanzsektor
Die Wirtschaft der Eurozone sei weiterhin anfällig für Risiken im Finanzsektor, befürchtet der Chefökonom. Europäische Banken hielten nach wie vor die Staatsschulden ihrer Heimatländer. Davon seien die italienischen Banken am stärksten betroffen, aber auch für spanische und portugiesische Banken sei das Risiko hoch. "Dazu kommt, dass europäische Banken auch die Schulden anderer Staaten tragen, was die flächendeckende Ansteckungsgefahr im Finanzsektor zusätzlich erhöht", sagt der Chefökonom.

Inflation schwebt als Damoklesschwert über 2019
"Die grösste Gefahr liegt allerdings in der Inflation", mahnt Dhar. Solange die Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften nur leicht ansteige, sei dies für die Zentralbanken gut zu steuern und für die Weltwirtschaft eher unbedeutend. Sollte sich das Tempo jedoch beschleunigen, dann würde das positiv gezeichnete Szenario für 2019 schnell zusammenbrechen. Die Fed könnte dann die Zinsen schneller erhöhen als derzeit eingepreist, was zu einem Ausverkauf risikoreicher Wertpapiere führe.

Hingegen würde der US-Dollar stärker, was die weltweite Wirtschaft stützen würde. Damit verbunden wäre ein Anstieg der langfristigen Realzinsen, die im Moment beispiellos niedrig und in Europa und Japan sogar negativ sind. "Ein solches Szenario hätte grosse Auswirkungen auf die Anlagestrategien vieler Investoren, da die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen positiv werden würde. Investoren wären dann mit ganz anderen Herausforderungen als während der Finanzkrise konfrontiert", sagt Dhar abschliessend.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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