AXA-Studie: Kürzung der Renten tabu

Die zum siebten Mal durchgeführte Studie zur Einstellung der Schweizer PK-Versicherten zur 2. Säule der AXA zeigt, dass die Akzeptanz für einschneidende Korrekturmassnahmen unterschiedlich ist. 85 Prozent aller Befragten lehnen dabei Rentenkürzungen ab und ist somit die unbeliebteste Massnahme.
06.09.2017 22:34

Trotz der im Vorfeld der Abstimmung zur "Reform Altersvorsorge 2020" sehr hohen Medienpräsenz des Themas ist das Interesse der Bevölkerung an Fragen rund um die Vorsorge gesunken. Nicht alle zur Diskussion stehenden Korrekturmassnahmen zur Sicherung des Rentenniveaus werden akzeptiert, und die Form, in der BVG-Versicherte ihr Kapital beziehen möchten, verändert sich rasant.

Interesse sinkt trotz Aktualität auf Tiefstand
Werner E. Rutsch, Head Institutional Business bei AXA Investment Managers Schweiz, erklärt: "Trotz der sich in Zukunft verschärfenden Probleme der 2. Säule und der hohen Medienpräsenz des Themas Vorsorge ist das ohnehin eher geringe Interesse der Bevölkerung noch weiter gesunken." Nur zwei Drittel aller Versicherten geben an, sich grundsätzlich für das Thema Vorsorge zu interessieren, 2016 waren es noch mehr als drei Viertel. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Studienerhebung 2011.

Der Anteil der Personen, die ihre Pensionskasse kennen, ist von 73 Prozent im Vorjahr auf 80 Prozent gestiegen. Jeder fünfte PK-Versicherte weiss also nicht, wo sein Geld liegt, bei den passiv Versicherten liegt dieser Anteil bei 15 Prozent. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) ist der Meinung, zumindest ungefähr zu wissen, wie viel Pensionskassenvermögen sie angespart haben. Am schlechtesten wissen die 25- bis 41-Jährigen Bescheid, aber auch fast ein Drittel der Pensionierten (31 Prozent) gibt an, nicht zu wissen, wie hoch ihr Vorsorgekapital in der Pensionskasse ist. Und mit wie viel Geld rechnen die Befragten zum Zeitpunkt ihrer Pensionierung? Im Durchschnitt erwarten sie, dass ihre Rente von AHV und PK insgesamt 61 Prozent ihres letzten Lohnes entsprechen wird. Die Kenntnis des aktuell korrekten Frauenrentenalters steigt stetig, besonders bei den Frauen selber. Konnten vor zwei Jahren nur gut 60 Prozent der Frauen ihr korrektes Pensionierungsalter nennen, sind es heute 74 Prozent.

Um die Probleme der 2. Säule zu lösen, sind auch "schmerzhafte" Korrekturmassnahmen notwendig. Die Akzeptanz dieser Massnahmen zur Rentensicherung ist dabei unterschiedlich hoch. Am beliebtesten ist das freiwillige Sparen durch Steuervergünstigungen (85 Prozent), gefolgt vom Einzahlen vor dem 25. Lebensjahr (75 Prozent). Auch könnten sich 67 Prozent der Befragten vorstellen, freiwillig nach dem 65. Geburtstag Teilzeit zu arbeiten. Mehr als die Hälfte der Versicherten könnte sich die Erhöhung der Beitragszahlungen von Arbeitstätigen vorstellen. Die Akzeptanz für ein höheres Rentenalter ist gestiegen, aber insgesamt befürworten lediglich 30 Prozent der aktiv Versicherten und 51 Prozent der passiv Versicherten eine Anhebung. Die "Weigerung", das Rentenalter zu erhöhen, wird nur noch übertroffen von der "Weigerung", die aktuellen Renten zu kürzen: Nur gerade 15 Prozent der Befragten sind damit "sicher" oder "eher" einverstanden.

Kapitalbezug statt Rente
Der Wunsch nach mehr Flexibilität bei der Auszahlung des Vorsorgevermögens wird immer grösser. Werner E. Rutsch erläutert: "Der Trend in Richtung Kapitalbezug, der sich 2016 erstmals zeigte, verstärkt sich. Nur noch 45 Prozent der Befragten möchten ihr Altersguthaben bei Pensionierung ausschliesslich in Form einer Rente beziehen, vor einem Jahr waren es noch 50 Prozent." Verantwortlich für dieses Resultat sind die aktiv versicherten Männer im Alter von 25 bis 41 Jahren – bei ihnen fand der grösste Meinungswandel hin zu Kapitalbezug statt. Bei den anderen Altersgruppen sowie bei den Frauen ist hingegen keine Veränderung der Präferenzen festzustellen. Neu würden sich insgesamt 30 Prozent der BVG-Versicherten für einen Mix von Rentenzahlung und Kapitalbezug und 19 Prozent für den Bezug des ganzen Geldes entscheiden. Während nach wie vor mehr als die Hälfte der Frauen die Auszahlungsvariante Rente wählen würde, sind es unter den Männern nur noch 38 Prozent. Grosse Unterschiede gibt es auch in Bezug auf die politische Ausrichtung, die Wohnregion der Befragten und das Einkommen. In der Westschweiz wählten 54 Prozent die Rentenvariante, im Tessin nur 31 Prozent. Mit einem tieferen Haushaltseinkommen nimmt die Akzeptanz der Rente ab, und der Anteil der Befragten, die das ganze Geld beziehen würden, steigt – eine Tatsache, die Fragen aufwirft, die zurzeit auch auf politischer Ebene diskutiert werden.

Sicher, zufrieden und digital
Angesprochen auf die wichtigsten Kriterien, die eine Pensionskasse erfüllen muss, nennen die Befragten die Sicherheit des Kapitals vor einer hohen Rendite, aber die Ansprüche an Rendite und auch an überobligatorische Leistungen steigen dennoch. Die Versicherten sind mit ihren Pensionskassen sehr zufrieden und sie haben ein hohes Vertrauen in ihre Vorsorgeeinrichtung. Sie sind der Meinung, ihr Sparkapital werde sicher und so gewinnbringend wie möglich angelegt, und sie fühlen sich gut behandelt und gut informiert. 45 Prozent hatten schon persönlichen Kontakt mit ihrer Pensionskasse, und der Anteil der Personen, die bei Fragen direkt die Pensionskasse kontaktieren, ist zwischen 2011 und 2017 von 25 auf 55 Prozent angestiegen.

Die BVG-Versicherten treten mit ihrer Pensionskasse unter anderem in Kontakt, um den aktuellen Stand und die zu erwartende Rendite des Vorsorgevermögens zu erfahren, bei Fragen zum Vorbezug für ein Eigenheim, der Planung der Pensionierung oder bei einem Stellenwechsel. 82 Prozent der passiv und 93 Prozent der aktiv Versicherten geben an, einen jährlichen Versicherungs- oder Rentenausweis zu erhalten. 36 Prozent studieren ihn ausführlich, 49 Prozent schauen kurz darauf und 15 Prozent schauen ihn gar nicht an. Auch hier gibt es unterschiedliche Antworten in Bezug auf Region, Alter und Einkommen. Beim Ausweis interessieren sie sich besonders für die Kapital- und Rentenhöhe und dafür, wie viel sie einmal bekommen werden, sie kontrollieren die Angaben und vergleichen die Zahlen mit dem Vorjahresausweis. Nur 37 Prozent der Befragten haben schon einmal eine Schulung oder einen Informationsanlass zum Thema finanzielle Altersvorsorge besucht, wobei diese meist vom Arbeitgeber durchgeführt wurden.

Neue, digitale Dienstleistungen von Pensionskassen werden erwartet und generell begrüsst, wie zum Beispiel das jederzeitige Abrufen von Vorsorgeinformationen oder das Berechnen des Einflusses der Frühpensionierung auf die Kapitalleistungen. Dabei betrachten Personen mit höheren Einkommen solche Neuerungen als sinnvoller als Personen mit tiefem Einkommen, und Westschweizer sind affiner gegenüber digitalen Neuerungen als Deutschschweizer und Tessiner.

Werner E. Rutsch fasst zusammen: "Es ist erfreulich, dass die Schweizer Pensionskassen ein anhaltend hohes Vertrauen der BVG-Versicherten geniessen. Dennoch müssen die Vorsorgeeinrichtungen weitere Aufklärungs- und Schulungsarbeit leisten, um den Wissensstand und das Interesse an der beruflichen Vorsorge zu erhöhen."

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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