Bitcoin: Feuerwerk mit ungewissem Ausgang

Der Wert der Kryptowährung Bitcoin hat in diesem Jahr um fast 700% zugelegt und geniesst deshalb derzeit grosse mediale Aufmerksamkeit. Während der zugrunde liegenden Technologie, die sogenannte Blockchain, durchaus grosses Potenzial attestiert wird, ist Bitcoin als Anlageinstrument nicht geeignet. Die jüngste Kursexplosion ist ein Feuerwerk mit ungewissem Ausgang, sagt Thomas Heller, Chief Investment Officer der Schwyzer Kantonalbank (SZKB).
22.11.2017 22:35

Kryptowährungen sind laut dem Gabler Wirtschaftslexikon digitale (Quasi-)Währungen mit einem meist dezentralen,stets verteilten und kryptografisch abgesicherten Zahlungssystem.Zu den bekanntesten gehört Bitcoin. Hinter den Kryptowährungen stehen heute weder Staaten noch Zentralbanken. Sie sind dezentral in einem Netzwerk von Rechnern organisiert. Die Technologie, auf der die verschlüsselten, digitalen Währungen aufgebaut sind, wird Blockchain genannt. Die zentrale Idee der Blockchain istdas sichere Übertragen von digitalen Werten zwischen Parteien, im Falle von Bitcoin in Form einer Währung.

Blockchains und ihre Generierung
Transaktionen mit einer digitalen Währung werden im gesamten Netzwerk publiziert, zu "Blöcken" zusammengefasst und von den Teilnehmern des Netzwerkes verifiziert.Die Teilnehmer bestätigen dem Netzwerk die Transaktion und berechnen einen sogenannten "Hash". Diese komplexe mathematische Sequenz, welche als einzigartige Abfolge von Zeichen und Nummern dargestellt wird, schützt den neu erstellten Block vor Veränderung. Der aktuelle Block wird dann mit dem vorherigen chronologisch zu einer Kette (Chain) verbunden. Die Blockchain kann man sich somit wie ein kollektives Buchführungssystem vorstellen,welche sämtliche Transaktionen der Vergangenheit anonymisiert enthält und infolgedessen als fälschungssicher gilt. Das Kopieren von digitalen Werten und damit die mehrfache Nutzung wird durch diese Methode verhindert.Das Neuartige an dem Verfahren ist, dass die blockweise Prüfung, Absicherung und Verkettung nicht mehr von einer zentralen, korrumpierbaren Vertrauensstelle abhängt,sondern kollektiv verwaltet wird.

Stetig steigender Rechenaufwand
Die Generierung der Kryptowährungen ist sehr rechenintensiv und wird als Mining bezeichnet, die daran beteiligten Teilnehmer als Miner. Derjenige Miner, der diesen Prozess als erstes abschliesst, wird für seinen Rechenaufwand anteilig mittels der jeweilig erschaffenen Kryptowährung entschädigt. Je mehr Bitcoins generiert werden, desto mehr Rechenleistung und somit Strom wird für ihre Schaffung benötigt. Die immer intensiveren Rechenleistungen zur Verifizierung von Blöcken und den Zuwachs an alternativen Blockchains darf man nicht ausser Acht lassen. Immerhin verbraucht das grösste Blockchain-Netzwerk, gemäss dem Bundesverband Bitkom, durch ihre Rechenleistung in etwa halb so viel Energie wie Irland.

Durch den zugrunde liegenden Programmcode ist die maximale Anzahl an Bitcoins, welche generiert werden kann, auf 21 Mio. begrenzt. Aktuell sind rund 16 Mio. im Umlauf. Durch die fixierte Obergrenze wirkt der Bitcoin deflationär.

Markt der Kryptowährungen
Zurzeit gib es laut dem Portal coinmarketcap.com über 900 verschiedene Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von rund USD 221 Mrd., wobei alleine auf Bitcoin USD 124 Mrd. fallen. Momentan werden nahezu täglich neue Kryptowährungen lanciert, aber zum Teil auch wieder vom Markt genommen. Obwohl die EZB und SNB durch das derzeit relativ geringe Volumen kein relevantes Systemrisiko sehen, ist es eine Frage der Zeit, bis die Regulierung von Kryptowährungen durch Notenbanken und Regierungen erfolgt.

Fehlendes regulatorisches Umfeld
Der Wert einer Kryptowährung basiert ausschliesslich auf den Erwartungen der Nutzer, dass sie diese Einheiten zu einem späteren Zeitpunkt gegen andere werthaltige Güter und Dienstleistungen oder Papierwährungen eintauschen können. Es besteht zudem keinerlei Haftung irgendeiner Person oder Institution. Die hohe Volatilität birgt grosse Risiken, selbst ein Totalverlust ist möglich. Die im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlose Natur von Kryptowährungen ermöglicht durch ihre Anonymität und Mobilität Steuerhinterziehung und Geldwäscherei. Anbieter von Diensten mit virtuellen Währungen wie Tauschbörsen und Wallets (digitale Portemonnaies) werden zukünftig vermehrt unter anderem auf gesetzliche Geldwäscherei-Vorschriften über-prüft werden. Sobald die Blockchain und damit auch die Herstellung von Kryptowährungen reguliert werden, verlieren die derzeitig nicht-regulierten digitalen Währungen an At-traktivität, was durchaus auch deren Ende bedeuten könnte.

Kryptowährungen - Ungeeignet als Investment
Der enorme Kursanstieg des Bitcoins weist momentan alle Anzeichen einer Spekulationsblase auf. Ausserdem ist das zukünftige Bestehen der existierenden Währungen ungewiss. Aus diesen Gründen und wegen des kurzfristigen, spekulativen Charakters sind Investitionen in Kryptowährungen nicht zu empfehlen. Zudem ist Bitcoin bisher als Zahlungsmittel nicht praktikabel. Derzeit gibt es in der Schweiz nur wenige Stellen, welche die Zahlung mit Bitcoins akzeptieren. Ausserdem kostet eine Transaktion dieser Tage im Durchschnitt fünf Franken und deren Bestätigung dauert mit ca. 10 Minuten relativ lang.

Fazit
Unabhängig von den Kryptowährungen wird die Technologie der Blockchain weiterbestehen und weiterentwickelt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Trends sich in Zukunft umkehren werden und die Technologie verstärkt in den Mittelpunkt rücken wird . Dadurch gilt es, die Entwicklung der Blockchain-Technologie langfristig zu betrachten und der Versuchung zu widerstehen, kurzfristig an Kryptowährungs-Spekulationen teilzunehmen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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