Collardi: «Kickbacks werden durch Gebühr ersetzt»

Neben der UBS will auch die Bank Julius Bär künftig auf Kickback-Zahlungen verzichten, sagt CEO Boris Collardi im cash-Video-Interview. Der Kunde dürfte von dieser Politikänderung allerdings kaum profitieren.
04.02.2013 14:45
Von Frédéric Papp
Boris Collardi, CEO Julius Bär, im cash-Video Interview.
Bild: cash

Die Bank  Julius Bär will bei ihren Vermögensverwaltungsmandaten in der Schweiz künftig auf Retrozessionen verzichten. Damit folgt die Privatbank anderen Instituten, die bereits früher bekanntgegeben hatten, sich aus dieser Kick-Back-Zahlungspolitik zurückzuziehen. Am letzten Mittwoch hatte UBS informiert, dass ihre Kunden künftig nur noch retrozessionsfreie Produkte erhalten würden. 

"Der Verzicht auf der UBS weist in die richtige Richtung. Wir werden uns auch in diese Richtung bewegen", sagt Julius-Bär-CEO Boris Collardi im cash-Video-Interview am Rande der Bilanzmedienkonferenz. 

Das Bundesgericht hat am 30. Oktober 2012 entschieden, dass Retrozessionen auch bei Banken mit Vermögensverwaltungsmandat zurückgegeben werden müssen. Finanzinstitute, die Fonds oder strukturierte Produkte von Drittanbietern verkaufen und dafür einmalige oder auch regelmässige Retrozessionen entgegennehmen, müssen diese an die Kunden weitergeben.

Für Kunden ein «Nullsummenspiel»

Dennoch wird für den Endkunden  der Kauf eines Fonds dadurch nicht billiger: "Es ist unrealistisch, dass der Wegfall der Retrozession als Rabatt an die Endkunden weitergegeben wird", sagt Collardi. Die Retrozession sei, so der Julius-Bär-Chef, ein Teil des Beratungsansatzes gewesen und werde durch eine andere Gebühr ersetzt. Für den Kunden sei es somit ein Nullsummenspiel, so Collardi.

Der Verzicht beziehungsweise die Rückzahlung von Retrozessionen könnte Einbussen in Milliardenhöhe verursachen, fürchtet die Branche. Bei Julius Bär hingegen gibt man sich gelassen. "Unsere Mandatskunden machen etwa 15 Prozent des gesamthaft verwalteten Vermögens aus", sagt Collardi. Dies sei eine überschaubare Grösse und für die Bank verschmerzbar.

Im cash-Video-Interview nimmt Collardi Stellung zur Entwicklung des Aktienkurses von Julius Bär und sagt, ob die Rally an den Börsen noch anhält.