Das Freihandelsabkommen JEFTA und die japanische Wirtschaft

Im Vorfeld des G20-Gipfels haben die EU und Japan das Freihandelsabkommen JEFTA beschlossen. Eine Einschätzung von Kei Okamura, Investment Manager bei Aberdeen Asset Management, darüber, wie es zurzeit um die japanische Wirtschaft steht.
13.07.2017 23:33

Während der schwächere Yen und eine globale Erholung bei den Investitionen die Exporte beflügelten, gibt die Binnenwirtschaft ein gemischtes Bild ab. Niedrige Preise unterminieren die Anzeichen eines sich erholenden Konsums. Die Massnahmen zur Liberalisierung der Märkte und zur Förderung des Wettbewerbs waren zu zaghaft. Nach wie vor sind alte Gewohnheiten tief verwurzelt – und die Zahl der Arbeitskräfte nimmt insgesamt weiter ab.

Die annualisierten Kennziffern zum realen Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März wurden im Vergleich zum Vorquartal auf -1,0 % nach unten korrigiert, um das reale BIP den schwankenden Lagerbeständen anzupassen. Vernachlässigt man jedoch diese Kennzahl, zeigt sich, dass Japans Wirtschaft weiterhin robust ist – trotz abnehmender Bevölkerung. Japans Wachstum wurde von steigenden Exporterlösen unterstützt, die einer globalen Erholung bei Investitionen geschuldet sind. Zudem gibt es Anzeichen für steigende Konsumausgaben. Dennoch bleiben die Verbraucherpreise aller Voraussicht nach auch zukünftig eine Herausforderung. Damit bleibt der Bank of Japan keine andere Möglichkeit, als ihre aussergewöhnlichen geldpolitischen Stimulus-Massnahmen mittelfristig weiterzuführen.

Vor diesem Hintergrund und dem noch frischen Scheitern des pazifischen Handelsabkommens TPP, nutzte Abe das Vorfeld des G20-Gipfels, um ein richtungsweisendes Handelsabkommen zwischen der EU und Japan bekannt zu geben. Dies soll Europa den Weg zu einem höheren Export von Agrarerzeugnissen nach Japan und – genauso umstritten – Japan den zu einem höheren Absatz von Fahrzeugen nach Europa ebnen. Während das auf dem Papier gute Nachrichten sind, bleiben wichtige Aspekte des Abkommens ungeklärt – nicht zuletzt wie mögliche Konflikte beigelegt werden sollen. In Japan haben die Neuigkeiten wenig Eindruck gemacht.

Und dies in einer Zeit, in der sich Ministerpräsident Abe ohnehin mit den niedrigsten Zustimmungswerten seit 5 Jahren konfrontiert sieht. So wird Abe voraussichtlich im nächsten Monat sein Kabinett umbilden. Zudem könnte er aufgrund der jüngsten deutlichen Wahlniederlage seiner LDP-Partei bei den Wahlen in Tokyo auch versucht sein, noch etwas mehr für die Wirtschaft zu tun, um Wählerstimmen zu gewinnen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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