Der Markt als Wille und Vorstellung

Drei Dinge beschäftigen, laut Stefan Kreuzkamp von der Deutschen AM, die Anleger derzeit. Weiss der Markt mehr? Schafft der Markt sich seine eigene Realität? Sind dies Kaufkurse?
26.02.2016 09:45

Ist sie das, die grosse Wende? Stefan Kreuzkamp beantwortet dies mit einer Gegenfrage. Wäre jemand überrascht, wenn es nach vielen Sonnentagen plötzlich orkanartig stürmt? Einerseits ja, denn verblüffend häufig ist das Wetter so wie am Vortag. Andererseits weiss jeder Meteorologe, dass es nach längeren stabilen Phasen zu einem plötzlichen Kippen kommen kann, oft scheinbar ohne „guten“ Grund. Das ist der berühmte Schmetterlings-Effekt.

An den Märkten geht es manchmal ähnlich zu. Der Konjunkturzyklus ist aus Sicht der Deutschen AM längst im Herbst angekommen. Da nehmen die Risiken zu. Auch die Deutsche AM hatte diese Art von Marktverwerfungen gleich zu Jahresbeginn nicht im Sinn, als sie im letzten November für 2016 ein volatiles Aktienjahr mit moderaten Renditen ausriefen. Wer aber glaubt, dass hier „nur“ ein unerfahrenes chinesisches Währungsregime, ein schwacher Ölpreis und politische Spannungen zur falschen Zeit kumuliert auf Illiquidität im Markt trafen, der greift zu kurz. Die Kurseinbrüche sind keine alberne Laune der Anleger, sondern zwingen einen, Annahmen neu zu überdenken sowie positive und negative Szenarien anders zu gewichten.

Auch die Deutschen AM hat seit Jahresbeginn einige Prognosekorrekturen vornehmen müssen. Seien es Rohstoffpreise, Wechselkurse, Gewinndynamiken, Inflations- und Zinsentwicklung oder eben die Annahmen für das Wirtschaftswachstum. Die Marktstürme selbst reichen aus, um über schlechtere Stimmungsindikatoren und Finanzierungskonditionen die Realwirtschaft negativ zu beeinflussen. Die Konjunktursorgen machen sich an zwei Regionen fest: dem
undurchschaubaren China, das womöglich ein noch grösseres Schulden- und Wachstumsproblem mit sich rumschleppt als angenommen.

Und den USA, wo die Dynamik im verarbeitenden Gewerbe ja längst gelitten hat, nicht zuletzt wegen des absehbaren Rückgangs der energienahen Investitionen. Der Konsum sollte eigentlich vom niedrigeren Ölpreis profitieren, doch die Zweifel mehren sich, angesichts der zuletzt bröckelnden Frühindikatoren auch im US-Dienstleistungssektor. Gleichzeitig scheinen die Zentralbanken an Zauber, vielleicht sogar an Gestaltungsspielraum, zu verlieren. Was also, wenn US-Firmen aufgrund steigender Lohnkosten und der für 2016 erwarteten Gewinnstagnation anfangen, im grossen Stil zu entlassen? Derzeit spielen viele Anleger solche Negativszenarien durch. Das gibt auch Hoffnung. Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt zurzeit nach unten übertreibt und den Börsenstürmen bald bessere Zeiten folgen. Stefan Kreuzkamp warnt zwar davor, in einige noch fallende Messer zu greifen, etwa bestimmte Schwellenländer. Aber bei sorgfältiger Titelauswahl sieht er gute Chancen innerhalb des Aktien- und Unternehmensanleihensektors in der Eurozone, Japan und den USA.

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Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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