Die "alternative" ausgewogene Ernährung für Investoren

So wie eine gute Kombination von Obst und Gemüse ein ausgewogeneres Spektrum an Nährstoffen sichert, kann die Diversifikation auf unterschiedliche Renditequellen dazu beitragen, ein nachhaltigeres Wachstum für das Portfolio zu gewährleisten, erklärt Andrew McCaffery, Global Head of Alternatives bei Aberdeen Asset Management.
30.06.2016 10:45

Als Andrew McCaffery, Global Head of Alternatives bei Aberdeen Asset Management, klein war, sagte ihm seine Mutter immer, er solle doch "sein Grünzeug essen". Gemüse war neben Fleisch und Kartoffeln die Ergänzung für eine ausgewogene Ernährung. Sicher war das besser als gar kein Gemüse, aber heute weiss man, dass der Verzehr von grünen Gemüsesorten noch lange keine Garantie für ein langes Leben ist. Die britische Regierung empfiehlt "Fünf pro Tag", die Australier hingegen eine Mischung von acht verschiedenen Obst- und Gemüsesorten.

Genauso wie eine ausgewogene Ernährung für einen langes Leben sorgen kann, erhöht der Aufbau eines ausgewogenen Anlageportfolios die Chancen für die Erzielung langfristiger und nachhaltiger Wachstums.

Für Investoren gibt es viele Möglichkeiten, um Renditen zu erzielen. So bieten Staatsanleihen eine regelmässige Rendite, die – nach Berücksichtigung der Inflation – jedoch häufig ziemlich mager ist, sofern überhaupt eine positive Realrendite übrig bleibt. Die meisten Investoren müssen sich nach nährstoffreicherem Futter umsehen. Unternehmensanleihen werfen eine etwas höhere Rendite ab – als Ausgleich für das Risiko, dass das Unternehmen in Konkurs geht, bevor es seinen Schuldendienst geleistet hat. Investoren richten ihr Augenmerk in der Regel auf die risikoärmsten Unternehmen – was vielleicht der Bevorzugung von Brat- gegenüber Salzkartoffeln gleich kommt.

Aktien sind das "Fleisch"
Aktien stellen eine andere gängige Anlageform dar – das Fleisch in den meisten Portfolios. Sie können zwar Kursschwankungen ausgesetzt sein, verfügen andererseits aber über eine lange Erfolgsgeschichte und sind sehr einfach zu handeln. Noch immer bilden sie das Fundament in den Portfolios vieler Investoren. Da sie vom Wirtschaftswachstum abhängen, müssten Aktien eine langfristige Rendite erzielen, die auf den Unternehmensgewinnen beruht, d.h. dem Ertrag, der von den Unternehmen erwirtschaftet wird. Da die Risiken höher sind als bei Anleihen, müsste auch der Ausgleich dafür grösser sein als bei Staatsanleihen und deutlich über der Inflation liegen.

Allerdings ist an "Fleisch mit Kartoffeln" nichts auszusetzen, schliesslich hat diese Mahlzeit uns in der Vergangenheit immer satt gemacht – und das wird auch so bleiben. Doch heute wissen wir, dass es eine gesündere Ernährungsweise gibt. Wenn wir durch den Supermarkt gehen, sehen wir eine überwältigende Auswahl an Obst und Gemüse. Noch vor zehn oder zwanzig Jahren wäre uns einiges davon als exotischer Luxus vorgekommen, den wir uns vielleicht einmal im Jahr geleistet haben. In den letzten Jahren hat das Angebot für institutionelle Investoren explosionsartig zugenommen: die
Institutionalisierung der Fondsmanager ist ein Fakt, die Regulierung hat einen stabilen Rahmen geschaffen und exotische Anlagen haben in die Portfolios Einzug gehalten. Alternative Investments sind schon fast Mainstream.

Doch sollte man diese neuen Anlageformen nicht als Beilage oder Dressing betrachten. Sie können dafür sorgen, dass Portfolios ausgewogener sind, weil sie die Palette der Nährstoffe erweitern und die Erreichung langfristiger Ziele ermöglichen. Diese neuen Investments ermöglichen eine effiziente Diversifikation der Renditequellen und Zugang zu Renditeströmen, die nicht auf einer Aktienrisikoprämie als Hauptrenditequelle beruhen.

Carry und Trend
Alpha-Strategien können Renditen erzielen, die aber weniger auf der Markt-Exposure als auf der Expertise der Manager beruhen. Einige nutzen Risikoprämien wie Bewertung, Carry und Trend, andere wiederum besitzen einzigartige Informationen, Erkenntnisse oder Erfahrungen: Sie spüren Renditequellen auf, die andere überhaupt nicht auf dem Radar haben (oder erkennen). Jede Alpha-Chance ist für sich genommen unter Umständen gering, auch werden viele sich nicht auszahlen – aber eine Mischung aus erstklassigen Managern und Strategien kann als eine zuverlässige und differenzierte Mehrwertquelle fungieren.

Realwerte wie Infrastrukturinvestitionen und Immobilien erzielen Renditen mit ihrem Tagesgeschäft. Beispiele hierfür sind Solarparks, die Strom in das Netz einspeisen, Bürogebäude, die Mieteinnahmen erwirtschaften oder Konzessionen mit Kommunen für Betrieb und Wartung von Krankenhäusern. Zum einen sind die zugrunde liegenden Anlagen reale physische Vermögenswerte, zum anderen steigt der Wert der Anlagen insgesamt mit der Inflation, so dass sie auch inflationstechnisch "real" sind.

Private Equity ist eine weitere Renditequelle, die von einer Illiquiditätsprämie profitiert. Risikokapitalinvestitionen dienen zur Finanzierung von Vorgründungs- und Start-up-Phasen von Unternehmen, denn sie stellen das Kapital für deren Wachstum zur Verfügung. Buy-out-Fonds arbeiten dahingegen mit Spin-offs und Management-Buyouts: Sie fördern die Umstrukturierung eines bereits vorhandenen Unternehmens oder Geschäftsbereichs. Spezifische Private Equity-Investitionen sind aber auch aus Bereichen wie Energie und Bergbau nicht wegzudenken, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Investoren können aber auch in ein ganzes Spektrum exotischer Kreditstrategien investieren, anstatt nur in Investment Grade-Unternehmensanleihen. High Yield- und Schwellenländer-Anleihenfonds ermöglichen beispielsweise eine Exposure in unterschiedlichen Emittenten und bieten häufig einen höheren Renditeaufschlag. Prozessfinanzierungen stellen Kapital für gewerbliche Rechtsstreitigkeiten zur Verfügung, Immobilien und Infrastrukturdarlehen sind durch Sachwerte besichert. Versicherungsgebundene Strategien erwirtschaften eine Versicherungsprämie, die dem Investor vollumfänglich zufliesst, wenn kein finanzieller Verlust durch eine versicherte Naturkatastrophe (z.B. einen Hurrikan) entsteht.

So wie eine gute Kombination von Obst und Gemüse ein ausgewogeneres Spektrum an Nährstoffen sichert, kann die Diversifikation auf unterschiedliche Renditequellen dazu beitragen, ein nachhaltigeres Wachstum für das Portfolio zu gewährleisten. Ein Menü, das aus einer Mischung von wirtschaftlich sinnvollen (und bisweilen volatilen) Aktienanlagen, Alpha-Strategien, Realwerten, die Cashflow generieren, Kredit- und Versicherungsstrategien, die Ertragsflüsse erzielen, und bestimmten Private Equity-Investitionen zur Renditeoptimierung besteht, dürfte allerdings den kompletten Nährstoffbedarf decken. Investoren brauchen möglicherweise Hilfe bei der Zubereitung dieses Gerichts. Popeye blieb mit seiner spinatlastigen Ernährung fit, doch für uns ist eine ausgewogenere Strategie gesünder – und ausserdem viel leckerer!

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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