"Die Loyalität will heute verdient werden"

Unter dem Titel "From CRM to CMR", von Customer Relationship Management zu Customer Managed Relationship wurde an der Konferenz Finance 2.0 über die digitale Zukunft des Bankgeschäfts, künstliche Intelligenz und ICOs diskutiert.
26.03.2018 22:33

Zum sechsten Mal fand die Finance 2.0 im Zürcher Schiffbau statt. Zu Beginn stimmten die Teilnehmer darüber ab, was "Banking" für sie bedeutet. Die Mehrheit der Anwesenden sagten "langweilig", "langsam" oder "teuer" – ein klares Zeichen, dass ein Wandel notwendig ist.

Für Jos Dijsselhof, CEO des Finanzdienstleisters SIX sind Kunden heute weitaus anspruchsvoller als früher. Sie seien heute eher bereit, einen Anbieter zu wechseln, wenn sie unzufrieden sind. "Die Loyalität will heute verdient werden", so Dijsselhof. Mit der SIX 20/20 richtet sich SIX daher strategisch neu aus. Teil dieser Ausrichtung sei es, Innovationen und Start-ups zu fördern, die Quellen für neue Geschäftsbereiche aufzeigen können. Daher hat SIX die Abteilung "Innovation in Digital" gegründet und mit einem Fonds von 50 Millionen Schweizer Franken ausgestattet, um in vielversprechende Ventures investieren zu können.

Erweiterte Intelligenz steht vor künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz sei kein Thema für Microsoft, erklärte Martin Moeller, Digital Transformation Principal von Microsoft. Augmented Intelligence – erweiterte Intelligenz, sei das Gebot und die Zukunft bei Microsoft, ganz einfach deshalb, weil menschliche Intelligenz nicht ersetzbar sei und weil Technologie und "Machine Learning" uns unterstützen und unter die Arme greifen sollten. Die Technik entwickle sich sehr rasant und könne zu neuen Geschäftsmodellen führen. "Momentan krabbeln wir noch wie ein Baby", muss Moeller jedoch eingestehen. Applaus heimste Moeller mit der Ankündigung der Microsoft-Cloud ein, die in der Schweiz in einheimischen Rechenzentren ab nächstem Jahr verwaltet werden wird. Die Microsoft-Cloud soll Finanzdienstleistern eine bessere Analyse von Kundendaten ermöglichen.

Für Thomas Ruck, Managing Direktor Accenture Interactive, ging es darum, das Bewusstsein der Teilnehmer der Finance 2.0 in Richtung Benutzererlebnis, Kundeninteraktion und Wertschöpfungskette zu lenken. Vorbild sieht er in den Technologie-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google. Bei den Giganten habe schon immer das Kundeninteresse im Mittelpunkt gestanden und entsprechend haben sie ihre Kundenschnittstellen an den Kunden und nicht an Produkten orientiert. "Da können, oder besser müssen, die Banken noch viel lernen", so Ruck.

Unstimmigkeit bei ICOs
"A bubble or the future of finance" war der Titel des Panels zum Thema "Initial Coin Offerings" (ICOs). "ICOs haben zwar aktuell noch ein Vertrauensproblem", erklärte Yassin Hankir, Gründer und CEO von Savedroid, und erläuterte dies am eigenen Beispiel: Savedroid launchte als erste deutsche Aktiengesellschaft (gegründet 2015) kürzlich den Savedroid Token und verspricht eine Art Sparbuch für Kryptowährungen. Obwohl der Investor mit dem Kauf des Tokens keine Beteiligung an Savedroid erwirbt, sondern lediglich das Recht erhält, eine Dienstleistung des Unternehmens in Anspruch zu nehmen, tauchten beim Launch fünf Fraud-Webseiten auf, die unter falschen Vorzeichen Geld im Rahmen des Savedroid ICO für sich ergaunern wollten.

Ralf Glabischnig, Mitbegründer der Zuger Crypto Valley Association, äusserte sich klar: "Diese Industrie ist verrückt. Hinter den ICOs steht meistens weder ein klares Commitment noch ein fertiges Produkt. Was mit dem Geld passiert ist unklar. Die meisten Personen, die mitmachen, sind sich nicht im Klaren, auf was sie sich einlassen." Hankir sieht in ICOs hingegen eine ernstzunehmende Konkurrenz, die im Gegensatz zu IPOs, die Finanzierung von Start-ups revolutionieren können. Einig war sich das Panel, dass man in Zukunft nicht um mehr Regulierung herumkommt, damit mehr Glaubwürdigkeit und Stabilität im ICO-Umfeld erreicht wird.

Erst kürzlich publizierte die Finma eine ICO-Wegleitung. "Nicht bei allen ICOs ist das Finanzmarktrecht anwendbar", teilte die Finma mit. Sie will also nicht alle ICOs dem Geldwäschereigesetz und Bankengesetz unterstellen. Eine einschlägige Rechtsprechung zum Thema gibt es noch nicht und eine übereinstimmende juristische Lehrmeinung ebenfalls nicht. "Es müssen jeweils die Umstände im Einzelfall berücksichtigt werden", so die Finma.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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