Donald Trump ist neuer US-Präsident: Das Ende von Yellen?

Die USA haben gewählt: Donald Trump ist neuer Präsident der Vereinigten Staaten. Auch der Kongress dürfte in republikanischer Hand bleiben. Dazu erste Einschätzungen.
09.11.2016 17:10

Der Sieg von Donald Trump hat die Märkte sicherlich auf dem falschen Fuss erwischt, wie auch die ersten Marktreaktionen zeigen. Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management, erwartet, dass die Marktvolatilität aufgrund der gestiegenen politischen Unsicherheit zunächst erhalten bleiben dürfte.

Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit seien Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen, so Kreuzkamp weiter. Die Berichterstattung dürfte negativ dominiert bleiben. Würde er nur die Hälfte seiner markigen Versprechungen aus dem Wahlkampf einlösen, dürfte dies bereits für viel Unruhe sorgen.

Allerdings glaubt Kreuzkamp, dass die Anleger auch nicht die Nerven verlieren sollten. Man sollte nicht vergessen, dass es die grosse Konstante in Trumps Wahlkampf war, das Publikum immer wieder zu überraschen. Gut möglich, dass er nach der Wahl aus Marktsicht auch mal positiv überraschen könnte.

Die Hoffnungen beruhen auf dem Pragmatismus, der Adaptionsfähigkeit und der insgesamt geringen politischen Festlegung Trumps. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er die Politveteranen im Kongress ein weitgehend klassisch republikanisch geprägtes Wahlprogramm durchziehen lässt.

Aktien – Börsen reagieren mit Einbruch
Die Momentaufnahme am Morgen an den Finanzmärkten bestätigte die prophezeite Unsicherheit. Da die Märkte mehrheitlich mit einem Sieg von Clinton gerechnet haben, fiel die Reaktion auf Trumps Sieg entsprechend negativ aus. Die Tokioter Börse brach um mehr als -5% ein, nachdem der Yen gegenüber einem schwächelnden US-Dollar zulegte. US-Futures handeln heute Morgen mit einem Abschlag von mehr als -4%, während sichere Anlagen wie Gold um mehr als +3% zulegen konnten.

Rationales Verhalten und kühler Kopf
Richard Dunbar, Investment Strategist bei Aberdeen, rät zu rationalem Verhalten und kühlem Kopf. Die Märkte sind eingeknickt und das wird sich auch fortsetzen. Die meisten Investoren hatten einen Sieg Clintons einkalkuliert und sind jetzt dabei, sich zu neu zu kalibrieren - entlang ziemlich vorhersehbarer Muster. Es gibt eine natürliche Flucht hin zu Qualität, mit Anstiegen bei Assets wie dem Japanischen Yen und Gold. Währenddessen gibt es einen Ausverkauf bei Assets, die eng mit einigen von Trumps politischen Leitlinien wie der Anti-Globalisierung und dem Protektionismus zusammenhängen, mit dem mexikanischen Peso an der Spitze.

Ein grosser Teil dieses Ausverkaufs ist allerdings irrational. Jetzt ist es an der Zeit, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die USA bleiben ein Land, von dem in den vergangenen 50 Jahren praktisch alle wichtigen Technologien hervorgebracht wurden; wo Regeln sakrosankt sind; mit einer relativ vorteilhaften Demografie; und einer sowohl breiten als auch tiefen Kapitalbasis. Nichts davon hat sich als Ergebnis der Ereignisse über Nacht geändert.

Fed: Wohl keine Zinserhöhung im Dezember
Paul Jackson, Managing Director Research von Source, denkt, dass grosse Unsicherheit darüber besteht, wie die Wahl Trumps die Fed Entscheidungsfindung beeinflussen wird. Nicht nur würde die Fed eine Zinserhöhung im Dezember weiter hinauszögern, wenn die Märkte weiterhin aufgeregt sind, es ist zudem möglich, dass Trumps Bemerkungen die Leitzinsen seien künstlich niedrig gehalten worden, um Obama zu helfen, die Aufgabe für das Fed zusätzlich komplizierter machen. Sollen sie Trumps Worten folgen und die Zinsen erhöhen oder fürchten sie seine Reaktion auf eine Zinserhöhung („sehen Sie, sobald ich gewählt bin, erhöhen sie die Zinsen")? Eine Zinserhöhung im Dezember ist wohl momentan eher unwahrscheinlich.

Dieser Meinung ist auch Richard Buxton, Head of UK Equities bei Old Mutual Global Investors. Buxton sieht sogar die Chance, dass die momentane Fed-Chefin Janet Yellen zurücktreten könnte, um die Integrität der US-amerikanischen Notenbank zu schützen.

Politisches Echo auf den Sieg Trumps
Die Reaktionen auf das Wahlergebnis der Politiker fallen unterschiedlich aus. Wie "Le Monde" berichtet, hat die Elysée eher mit einem Sieg Clintons gerechnet. Dies zeigt der bereits am Vortag verfasste Glückwunschbrief an den zukünftigen Präsidenten, welcher sich einzig und allein an die einstige First Lady richtet und jetzt wohl oder übel umgeändert werden muss. Ganz anders verhielt sich dagegen die Kandidatin der französischen Front National, Marine Le Pen, welche Trump bereits am frühen Morgen zum Wahlsieg gratulierte.

"Le Monde" schreibt weiter, dass auch der russische Präsident Wladimir Putin Trumps Sieg begrüssen würde und verkündete, dass er sich einen "konstruktiven Dialog" mit dem neuen Präsidenten erhofft.

Nigel Farage, welcher die Referendumskampagne der UK Indepence Party geführt hat, kommunizierte über Twitter: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine mutige Kampagne geführt."

In Deutschland wurde mit der Wahl des 70-jährigen Populisten zum Nachfolger von Barack Obama für viele ein Alptraum wahr. Gemäss "Die Welt" hätte ihn trotz deutschen Wurzeln kaum jemand gewählt. Merkel hielt sich mit öffentlichen Äusserungen zurück. Klar ist, dass sie Hillary Clinton bevorzugt hätte. Hat Trump ihre Politik doch als totales Desaster und sie selbst als Regierungschefin, welche unkontrolliert Terroristen ins Land lasse, bezeichnet.

Never trust the polls
Die Chancen auf einen Sieg Trumps lagen laut Umfragen bei 15%, was ungefähr genauso wahrscheinlich ist, wie mit zwei Würfeln eine Sechs zu würfeln. Trotzdem ging der Sieg an den Republikaner und sorgte bei so manchen für grosse Überraschung. Das Wetter vorherzusagen ist eine Sache, Wahlergebnisse zu prognostizieren heisst jedoch, Mathematik mit der Sozialwissenschaft zu verknüpfen und genau da setzt die Ungenauigkeit von Umfragen an. Menschen sind keine Planeten, sie können ihre Meinung ändern, sich weigern, diese zu teilen oder sie können einfach lügen – kurz, wir Menschen sind furchtbar unberechenbar (The Guardian).

Wie die Datenjournalistin Mona Chalabi von "The Guardian" schreibt, müsse sie bei ihrer Arbeit immer wieder ernüchtert feststellen, dass die Mathematik bei der Auswertung von politischen Umfragen eine sehr subjektive Stellung einnehme und sich die Verantwortlichen durch ihre hierarchische Positionierung oft das Recht herausnehmen, die Resultate nur ungenau zu überprüfen.

Für die Wählenden stellen solche Umfragen aber eine grosse Erleichterung dar, schreibt "The Guardian". So liessen sich unangenehme Diskussionen über die USA als ein durch ethnische Minderheiten und ökonomische Meinungsverschiedenheiten getrenntes Land vermeiden, denn wie abgestimmt wird, sage ein kurzer Blick auf die aktuellste Statistik. Die Umfragen vermitteln also vor allem eins: Sicherheit. Da die zuständigen Institutionen wieder einmal dem Drang, das menschliche Verhalten vorherzusagen nicht widerstehen konnten, lagen sie mit ihren Zahlen, wie schon beim Brexit, ziemlich falsch.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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