"Eine sorgfältige Titelauswahl bei Hochzinsanleihen zahlt sich aus"

Peter Jeggli, Senior Portfolio Manager, Fisch Asset Management, sieht in einer Kombination aus Top-Down und Bottom-Up Ansätzen die grössten Chancen auf Erfolg.
01.02.2016 09:06

Herr Jeggli, Hochzinsanleihen haben im letzten Jahr eine sehr heterogene Entwicklung hinter sich (Euro HY: + 0.8 Prozent, US HY: - 5.1 Prozent, Global HY: - 2,5 Prozent). Warum sollten Investoren ausgerechnet jetzt schrittweise Opportunitäten in dieser Anlageklasse wahrnehmen?
Die Bewertung ist heute verglichen zum Jahresanfang 2015 bedeutend attraktiver geworden und die Ablaufrendite des BofA Global High Yield Index ist von 6 Prozent auf 9 Prozent angestiegen. Dies signalisiert höhere Ausfallraten für die Zukunft. Doch mit einer global nach Regionen und Sektoren diversifizierten Strategie kann man die gegenüber Staatsanleihen um 7,9 Prozent höhere Risikoentschädigung nutzen. Zusätzlich bieten High-Yield-Anleihen auch einen wertvollen Aktienersatz mit tieferer Volatilität und geringerem Drawdown bei gleichzeitig aktienähnlicher Rendite.

Das makroökonomische Umfeld ist herausfordernd und die Ausfallraten sind in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Ist dies ein ernstzunehmendes Risiko für Anleger?
Die Ausfallraten bewegen sich aktuell mit 2,3 Prozent unter den langfristigen Mittelwerten von 4 Prozent. Die letztjährigen Ausnahmen dazu bilden die Sektoren Energie (5 Prozent) und Grundstoffe (über 10 Prozent). Hier sendet der Markt klare Signale an den Investor. Wir raten Anlegern in fragilen Regionen (Lateinamerika, USA) oder Branchen (Öl und Metalle), keine Experimente in Einzeltiteln zu wagen, sondern in Fondslösungen mit breiter Diversifikation zu investieren. Diversifikation sowie hohe Kompetenz in der Bonitätsanalyse sind wichtiger denn je.

Warum erachten Sie die Kreditanalyse als zentrales Element in der Beurteilung von hochverzinslichen Anleihen?
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, viel Managementkapazität in die Titelanalyse zu stecken. Erfolgreiche Manager zeichnen sich nicht nur durch eine gute Regionen- und Sektorenwahl aus, sondern auch durch das Vermeiden von Ausfällen und grossen Ratingrückstufungen vom Investment-Grade in den Non-Investment-Grade-Bereich.

Top-Down oder Bottom-Up: Welcher Ansatz verspricht die höchsten Renditen?
Es ist die erfolgreiche Kombination beider Ansätze, die den Unterschied macht. Für uns ist ein stringenter und klar definierter Investment-Prozess zentral, der quantitativ messbar ist. Es nützt wenig, wenn man die beste Region (2015: Europa) wählt, dann aber bei der Titel-Analyse auf das insolvent gehende Unternehmen Abengoa setzt. Grundsätzlich analysieren wir fünf Alpha Quellen - drei Top-Down (Credit Exposure, Zins-Exposure und Regionen/Sektoren) sowie zwei Bottom-Up (Kreditanalyse und Relative Value).

Der Fisch Bond Global High Yield Fund wird demnächst zehn Jahre alt und hat seit seiner Lancierung die Benchmark deutlich geschlagen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Wir profitieren vom intensiven Wissenstransfer zwischen unseren Wandelanleihen- und Fixed-Income-Portfolio-Spezialisten. Der tägliche Informationsaustausch, die Beurteilung von Relative-Value-Opportunitäten und Risiken sowie die monatliche Festlegung der taktischen Bandbreiten führen strategieunabhängig zu einheitlichen Positionierungen und robusten Renditen. Unser starker Fokus auf die Kreditanalyse und die Titelüberwachung reduziert zudem die Ausfallrisiken.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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