"EZB möchte sich alle Möglichkeiten offen halten"

Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei AllianzGI erwartet, dass die EZB an der Sitzung vom 13. September erneut mit Zuversicht sagen wird, dass sie ihr Anleihekaufprogramm bis Jahresende beenden wird. Konkrete Äusserungen würden ihn aber überraschen.
12.09.2018 22:33

Franck Dixmier erwartet im Vorfeld der EZB-Sitzung keine Überraschungen. Die jüngsten Konjunkturzahlen aus der Eurozone dürften die Einschätzung der Notenbank stützen, dass das wirtschaftliche Umfeld nach wie vor robust ist und dass die Wachstumsaussichten der Region immer noch stark sind, auch wenn die Region den Wachstumsgipfel 2017 wohl überwunden hat. Der Bank sei daran gelegen, so Dixmier, eine neue, weniger akkommodierende Phase der Geldpolitik von einer soliden wirtschaftlichen Basis aus einzuläuten.

Vorsichtige Haltung wird sich fortsetzen
"Was den möglichen Zeitpunkt einer ersten Leitzinsanhebung betrifft, dürfte die EZB ihre vorsichtige Haltung bestätigen und wiederholen, dass ein derartiger Schritt voraussichtlich nicht vor Sommer 2019 stattfinden wird", meint der Experte. Dies gebe der EZB genügend Spielraum, künftige Wirtschaftsdaten zu berücksichtigen – einschliesslich der Frage, ob der Inflationsverlauf der Eurozone sich dem Ziel der Zentralbank von etwa zwei Prozent annähert.

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos erinnerte diesbezüglich kürzlich in seiner Rede daran, dass der EZB-Rat die Inflation in der Eurozone anhand von drei Kriterien beurteilt: Erstens die Konvergenz in Richtung des Inflationsziels von zwei Prozent, zweitens das Vertrauen in den Inflationsverlauf und drittens die Widerstandsfähigkeit desselben in einer Post-Quantitative-Easing-Umgebung. "Die jüngsten Entwicklungen, einschliesslich einer Gesamtinflation von zwei Prozent und einer Kerninflation von ein Prozent im August, dürften an dieser Einstellung nichts geändert haben", glaubt Dixmier.
 
Definitive Äusserungen werden nicht erwartet
Der Experte denkt, dass es bei der Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung Fragen dazu geben dürfte, wie die Zentralbank den Erlös ihrer fälligen Wertpapiere wieder anlegen will. "Definitive Äusserungen hierzu würden uns jedoch überraschen, da es angesichts der aktuell angespannten geopolitischen Lage im Interesse der EZB liegt, sich alle Optionen offen zu halten."
 
Er wären ebenfalls überrascht, wenn die EZB in ihrer Kommunikation Italien – insbesondere die Risiken für die Finanzstabilität in der Eurozone infolge des Haushaltsstreits zwischen dem Land und der Europäischen Kommission – erwähnen würde. Der Entwurf des italienischen Haushaltsplans wird erst Ende September veröffentlicht werden und es ist schwer vorstellbar, dass die EZB Gerüchte kommentiert, anstatt Fakten abzuwarten.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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