Fairness im Fussball – Foulspiel in der Sportindustrie?

Während Fussball-Grossanlässen wie der Europameisterschaft in Frankreich schnellen die Absatzzahlen der Hersteller dank den neuen Trikots, Fussbällen und den neusten Schuhen von Ronaldo, Ibrahimovic und Co. in die Höhe. Allerdings kommt es immer wieder zu negativen Schlagzeilen aufgrund der Arbeitsbedingungen in den Zulieferer-Fabriken. Damit beschäftigt sich die neuste Nachhaltigkeitsanalyse von Vescore.
10.06.2016 15:40

Ab heute richten sich die Augen der Fussballwelt auf Frankreich, wo für einen Monat der Ball rollt. Doch wo und wie wurde dieser hergestellt? Die zweite Studie der Vescore-Nachhaltigkeitsreihe zeigt die Risiken in der Versorgungskette der Sportartikel- und Textilindustrie auf, die eng mit den verschiedenen Produktionsstrategien und Geschäftsmodellen grosser und bekannter Unternehmen zusammenhängen. Dabei schauen die Experten nicht in die Vergangenheit, sondern identifizieren die guten Praktiken heute und analysieren Lösungsansätze für die Zukunft.

Seit gut dreissig Jahren stehen multinationale Unternehmen der Sportindustrie wegen der Arbeitsbedingungen in den Fabriken ihrer Zulieferer regelmässig im Kreuzfeuer der Kritik. Immer wieder tauchen dabei die Namen bekannter Marken der Sport- und Bekleidungsindustrie auf.

Sicherheitsmängel bei der Infrastruktur, Missachtung der Gewerkschaftsfreiheit und unzureichenden Löhne sind die Hauptprobleme, mit denen die Textilarbeiterinnen und -arbeiter heute kämpfen. Angesichts der in der Textilindustrie gängigen Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer mit unzureichender Kontrolle sehen sich die meisten Akteure des Textilbereichs mit einer Fülle an sozialen Herausforderungen konfrontiert. Gehen sie diese Probleme nicht ernsthaft an, so müssen insbesondere Unternehmen mit einem hohen Markenwert – und damit auch ihre Aktionäre – mit höheren Geschäfts- und Finanzrisiken rechnen.

Anlässlich der heute beginnenden Fussball-Europameisterschaft in Frankreich geht die Nachhaltigkeitsanalyse von Vescore zwei Fragen nach: Welche Unternehmen sind – in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Geschäftsmodell – welchen Risiken ausgesetzt? Und wie effizient sind die von den Unternehmen inzwischen ergriffenen Massnahmen?

Daraus ergaben sich folgende Erkenntnisse:

  • Eine wachsende Zahl von Unternehmen wendet sich von einem bloss auf der Compliance beruhenden Ansatz ab und reduziert die Zahl der bei ihren direkten Zulieferern jährlich durchgeführten internen Sozialaudits. Die Sozialaudits werden vermehrt gemäss einem externen Modus abgewickelt, der auf der Zusammenarbeit verschiedener Marktteilnehmer beruht (Multi-Stakeholder-Initiativen).
  • Die Unternehmen verstehen, dass der Hauptgrund für die sozialen Probleme darin besteht, dass es den Arbeiterinnen und Arbeitern nicht möglich ist, sich zu organisieren und zu verhandeln, um ihre Rechte und ihre Arbeitsbedingungen zu verteidigen. Ausserdem werden Programme umgesetzt, welche die Position der Arbeiterinnen und Arbeiter stärken und ihnen durch Schulung, Sensibilisierung oder Mediation Verantwortung übertragen sollen («empowerment»).
  • Die Kontrolle der Versorgungskette und die Bewertung der sozialen Risiken beschränken sich immer weniger nur auf die direkten Zulieferer, sondern beziehen auch die Vermittler und indirekten Zulieferer mit ein. Die Zusammenarbeit zwischen Marktakteuren und Stakeholdern gewinnt immer mehr an Bedeutung. Diese Zusammenarbeit nimmt die Form von rechtlich bindenden Verträgen an, die mehrere Stakeholder zur Lösung konkreter sozialer Probleme miteinander abschliessen. Zu den vertragsschliessenden Parteien gehören insbesondere auch die Gewerkschaften.
  • Die Zusammenarbeit erfolgt überdies in Form von Initiativen, die verschiedene Marktakteure vereinen und darauf abzielen, den Austausch von Bewertungstools, von guten Praktiken, ja sogar von Informationen über die Lieferanten zu fördern.

 

Hier finden Sie die Nachhaltigkeitsstudie von Vescore als PDF

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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