Goodbye Deflation

Laut den Experten von Oddo Meriten dürfte die neue US-Regierung innenpolitische Themen im Fokus haben und weniger auf einen verstärkten gegen die übrigen Welt allgemein und den Chinesen im Besonderen gerichteten Protektionismus setzen.
19.12.2016 11:05

Zentrales Ereignis im November war sicherlich die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Ein wichtiger Punkt hierbei ist die herrschende Unklarheit über seine konkrete politische Agenda, insbesondere im Hinblick auf die Wirtschaftspolitik. Und zweitens die nicht unerheblichen Unterschiede zwischen dem, was ein Präsidentschaftskandidat im Wahlkampf sagt, und dem, wie er handelt, wenn er erstmal im Amt ist. Grob skizziert erscheinen ausgehend von den Ankündigungen Trumps mindestens drei Szenarien denkbar.

Perfekter Schwiegersohn
Das erste Szenario – aktuell das Basisszenario von Oddo Meriten – ist das des "perfekten Schwiegersohns". Die auf der Nachfrageseite erzielten positiven Effekte gleichen die negativen Auswirkungen der angekündigten Massnahmen auf Angebotsseite aus und das Wachstum in den USA zieht wieder nachhaltig an. Hierzu bedarf es verstärkter produktionswirksamer Investitionen und einer Steigerung der Produktivität, die durchaus nicht auszuschliessen sind, sollte sich das geschaffene Umfeld als besonders "business friendly" erweisen. Zudem Trump bei Amtsantritt eine wirtschaftliche Lage vorfinden wird, die keinesfalls schlecht ist. In diesem Szenario dürfte die neue Regierung innenpolitische Themen im Fokus haben und weniger auf einen verstärkten gegen die übrigen Welt allgemein und den Chinesen im Besonderen gerichteten Protektionismus setzen.

Querkopf
Das zweite Szenario das eines "Querkopfs", das wir als wenig wahrscheinlich betrachten (15%). Es beruht auf der Annahme eines abermals enttäuschenden Wachstums, das hiesse, die sich aktuell vollziehende Erholung hätte nur zwei oder drei Quartale Bestand. Zwar präsentiert sich die Konjunktur aktuell in besserer Verfassung, mit rund 1,5% bleibt das Wachstumspotenzial jedoch schwach. Und die in Sachen Einwanderung gemachten Ankündigungen werden in dieser Hinsicht kaum eine Hilfe sein. Sollten sich die Haushalte also dazu entschliessen, noch mehr zu sparen als jetzt bereits – zum Beispiel weil die Immobilienpreise wieder den Stand von Juli 2006 erreicht haben oder weil dies angesichts der langfristigen Perspektiven oder Rentenaussichten geboten erscheint – könnte dies das Wachstum drastisch dämpfen und jede Aussicht auf wieder anziehende Investitionen zunichtemachten. Weiter ausgebremst werden könnte das Wachstum zudem von einem rückläufigen Aussenhandel durch zunehmend belastete Handelsbeziehungen oder geopolitische Spannungen verstärkt.

Ewige Liebe
Das dritte Szenario – das der "ewigen Liebe"– ist ein weiteres Alternativszenario, das jedoch wahrscheinlicher ist als das zweite Szenario. Es ähnelt dem ersten, geht jedoch von einer stärker als erwartet steigenden Inflation aus. Angesichts des aktuellen Beschäftigungsstands könnten die Gehälter durchaus anziehen (die jüngsten Zahlen zum November sprechen nicht dafür) und würden eine harte Variante protektionistischer Massnahmen seitens Trump zur Folge haben. Eine regere Binnennachfrage könnte die Preise um einige Dutzend Basispunkte steigen lassen. Wachsende Defizite könnten die Dynamik durch steigende nominalen Renditen noch befeuern.

Bleibt noch die Frage, was die Fed tun wird. Kurzfristig, d.h. in der verbleibenden Amtszeit Yellens, die im Februar 2018 endet, erscheint das Risiko "grober Fehler" in geldpolitischem Kurs oder Kommunikation gering. Sollte nicht das erste Szenario eintreten, so wird sich die Fed in ihrer Analyse einfach geirrt haben. Wahrscheinlich ist allerdings, dass der/die nächste Präsident(in) der Zentralbank politisch weniger unabhängig sein wird.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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