Größtes makroökonomisches Experiment der Menschheitsgeschichte

Man öffne die Liquiditätsschleusen der Zentralbanken, flute damit die schwächelnden Märkte und das größte makroökonomische Experiment der Menschheitsgeschichte kann beginnen. Die Folgen: eine nie dagewesene Staatsverschuldung, schwindende Renditen von Staatsanleihen und Anlagenotstand bei Investoren. Ob das gut geht?
11.08.2016 14:51
Guido Barthels, Portfolio Manager bei ETHENEA Independent Investors S.A. und Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG

Die ungewöhnlichen Maßnahmen sind gewöhnlich geworden. Die sogenannte quantitative Lockerung (Quantitative Easing) hat es entsprechend unserer groben Schätzungen geschafft, sage und schreibe 7 600 000 000 000 US-Dollar auf die Bilan­zen der Zentralbanken zu schaufeln. Das sind 7,6 Billionen USD an Wertpapieren, die dem Privatsektor nicht mehr als Investitionen zur Verfügung stehen – mit den entsprechenden, nicht absehbaren negativen Folgen für die Alterssicherungssys­teme dieser Länder. Das ist klassisches Crowding-out, oder auf Deutsch die Verdrängung privater Nachfrage durch staatliche Nachfrage. Nichtstaatliche Investoren werden gezwungen, Investitionsmöglichkeiten außerhalb ihrer Komfortzone zu identifizieren und zu nutzen. Eine erhöhte Volatilität, ausgelöst durch inadäquates Verhalten der Laien-Investoren, ist die Folge für die jeweiligen Marktsegmente. Des Weiteren kommt es zu Bewertungsverzerrungen, auch Blasen genannt, die zu einem zukünftigen Zeitpunkt bei ihrem Zerplatzen oft Kollateralschäden verursachen.

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Entwicklung der Marktrenditen von Staatsanleihen – eigentlich die Domäne vieler Versicherer und Pensionsfonds – als eine vermeintlich risikoarme, langfristige Kapitalanlage. Die Bereitschaft der Zentralbanken, unermüdlich Anleihen auf den Kapital­märkten zu erwerben, hat zu extremen Verzerrungen und Überbewertungen geführt. 100 % der Schweizer Staatsanleihen weisen mittlerweile eine negative Marktrendite auf. Mehr als 80 % der deutschen Staatsanleihen handeln im negativen Bereich. Selbst die Anleihen der Staaten, die vor kurzem noch despektierlich als PIIGS bezeichnet wurden, haben zum Teil bereits Renditen unter null. Bei Spanien und Irland sind es knapp 40 %, und bei Italien 30 %. Wer hätte sich noch vor wenigen Jahren träumen lassen, dass Staaten für ihr Schuldenmachen Geld bekommen? Um das Budgetdefizit zu reduzieren, reicht es also, einfach mehr Schulden aufzuneh­men. Gerade am 1.8.2016 erreichte uns die Nachricht aus dem deutschen Finanzministerium, dass Deutschland in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr statt fast 10 Milliarden Euro nur noch 7 Milliarden Euro an Zinsen für alle bestehenden Kredite aufwenden muss. Das ist ein Rückgang von ganzen 30 %.

Die Idee der Zentralbanker war ja im Grunde ganz gut. Durch diese Käufe und die damit einhergehenden niedrigen Zinsen bekommen die Staaten die Möglichkeit, Strukturreformen und Investitionsprogramme zu finanzieren. Die Multiplika­toreffekte, die wir alle in unseren VWL-Kursen kennenlernen durften, könnten dann ihre Wirkung entfalten und positive Wachstumsimpulse erzeugen. Theoretisch könnten davon auch Kredite zurückgezahlt werden, wenn einem nichts Besseres einfallen sollte, wozu das Geld sonst dienen kann. Die eindeutig schlechteste Möglichkeit, mit dem Geldsegen dank Notenbankpolitik umzugehen, sind Wahlgeschenke. Sie sind das staatliche Pendant zum Urlaub auf Kredit: Es bleiben nette Erinnerungen und sonst keine Gegenwerte zu den neuen Schulden. Der Moral Hazard, also die Versuchung der Politik, nicht das Notwendige zu tun, sondern sich statt­dessen von kurzfristig Wahlerfolgversprechendem leiten zu lassen, ist gigantisch. Und damit wahrscheinlich auch unaus­weichlich. Gefühlt kommt nur ein Bruchteil der möglichen Mittel in Form von staatlichen Investitionsprogrammen zum Einsatz. Der Rest wandert in der einen oder anderen Form als Transfer in die Sozialkassen, und damit in den Konsum.

Das größte makroökonomische Expe­riment der Menschheitsgeschichte scheint nicht den erhofften Erfolg zu haben. Das Wirtschaftswachstum, ein Indikator für den Erfolg aller OECD-Staaten inklusive der BRICS-Staaten, lag laut OECD-Daten in 2015 bei lediglich 2,1 %. Die Prognosen für das laufende Jahr sind mit 1,8 % nicht besser und auch 2017 scheint mit den prognostizierten 2,1 % nicht der Brüller zu werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass einem möglichen Wachs­tumsrückgang nicht mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen gegengesteuert werden kann. Die Verschuldungen der Staaten befinden sich auf nie dagewesenen Niveaus und die Zinssätze reflektieren nicht mehr das Ausfallrisiko des Schuldners, son­dern lediglich die Not der Investoren, Anlagemöglichkeiten zu finden, die noch auf irgendeine Form von positiver Rendite hoffen lassen. Es steht Spitz auf Knopf, ob das überaus strapa­zierte Vertrauen in die Zentralbanken, à la Draghi mit seinem Whatever it takes, noch lange Bestand haben wird.

 

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