Hält die finanzielle Repression noch 20 Jahre an?

Globales Wachstum dürfte auch in Zukunft niedrig und verhalten ausfallen während die politischen Unsicherheiten zunehmen und Zentralbanken die Zinsen weiterhin auf tiefem oder negativem Niveau festhalten. Ansätze zur Überwindung der aktuellen Anlagekrise gibt es allerdings durchaus, wie die Experten von Allianz Global Investors kürzlich festhielten.
30.09.2016 15:45

Mitte September kamen Experten anlässlich des AllianzGI Global Investment Forums in Frankfurt zusammen, um der Wirtschaft den Puls zu fühlen, Investitionstrends zu identifizieren und Investitionsstrategien abzuleiten. Im Vordergrund standen dabei politische und geopolitische Veränderungen, die zunehmende globale finanzielle Repression sowie die sogenannte "Japanifizierung" Europas.

Politische Risiken sind ein globales Phänomen
Der Nachklang des Brexit, Turbulenzen in Italien und Spanien und die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA provozieren Unsicherheiten und Seitwärtsbewegungen in vielen Märkten. Gleichzeitig nimmt die Zahl bewaffneter Konflikte in der Tendenz weiter zu.

Konflikte und Unsicherheiten beflügeln ferner populistische und nationalistisch orientierte Bewegungen etwa in den USA und in Europa, was zu einer Umkehrung der wachstumsfreundlichen Tendenzen der Globalisierung, des freien Handels und deregulierender Politik führen könnte.

Die Ungewissheit über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl bringt zusätzliche Volatilität mit sich und könnte die Finanzmärkte kurzfristig negativ beeinflussen. Welche Sektoren künftig am meisten profitieren ist denn auch vom Ausgang der Wahl abhängig. Bei der Allokation bietet sich deshalb vorerst eine abwartende Position an. Mit Ausnahme von Infrastruktur: Dieser Sektor dürfte unabhängig vom Wahlausgang profitieren, weil beide Kandidaten die Infrastrukturinvestitionen steigern wollen.

Blüht Europa das gleiche Schicksal wie Japan?
Politische Versprechen hinsichtlich Gesundheitsfürsorge und Wohlstand dürften zunächst hinter der Umsetzung signifikanter struktureller Reformen zurück stehen. Diese lassen sowohl in Japan als auch in Europa auf sich warten – zwei Regionen, die mit systemischen, demographischen Herausforderungen konfrontiert sind. Bereits gibt es erste Zeichen, dass Europa das gleiche ökonomische Schicksal mit tiefen Wachstumszahlen, analog zu Japan, bevorstehen könnte. Zwei Punkte sprechen allerdings gegen eine "Japanifizierung" Europas: Einerseits ist schwache Arbeitsproduktivität ein globales und kein rein europäisches Problem. Zudem hat Europa ein stärkeres BIP pro Kopf als Japan, ist zu einem tieferen Grad fremdfinanziert und hat keinen überbewerteten Wohnungsmarkt.

Die EZB und die BoJ gehen mit ihren Massnahmen in eine ähnliche Richtung. Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass sich die Zinspolitik der EZB negativ auf die Einnahmen und die Solvenz von Banken auswirkt, wie dies in Japan bereits der Fall ist.

Investoren müssen sich mit mehr Risiken abfinden
Wie lange halten die QE-Massnahmen der Zentralbanken und die einhergehende Marktverzerrung noch an? Die Anlageexperten von Allianz Global Investors prophezeien ein "lower for longer": Die finanzielle Repression könnte sogar noch weitere 20 Jahre anhalten und das globale Wirtschaftswachstum entsprechend tief ausfallen. Der Gewinn der Investoren wird deshalb verstärkt von der Akzeptanz grösserer Risiken abhängen.

Vor diesem Hintergrund müssen Investoren aktiv und diszipliniert und mit einem steten Auge auf das Realisieren von erzielten Gewinnen im Markt tätig sein. Gewinnpotentiale bieten Aktien und gute Möglichkeiten lassen sich in Obligationen in Schwellenländern, der USA und Asien finden. Auch wird der aktive Fokus auf ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) in Zukunft noch wichtiger, wenn es darum geht, die Performance hoch zu halten. Schliesslich müssen Investoren aber lernen zu verstehen, dass nur über die Akzeptanz kontrollierbarer Risiken ein Profit auf ihren Investitionen möglich ist.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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