Herausforderung beim Factor Investing: ungewollte Faktor-Ausrichtungen

Die Anlage in Faktoren hat in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, doch die praktische Umsetzung bereitet vielen Investoren nach wie vor Schwierigkeiten. Besonders beschäftigt sie die Frage, wie sich unbeabsichtigte Faktor-Ausrichtungen vermeiden lassen. Damit beschäftigen sich die Experten von Robeco.
27.03.2017 22:38

Ein wichtiger Bestandteil des Investmentprozesses besteht darin, die historische Wertentwicklung des Portfolios zu analysieren und die dafür massgeblichen Treiber zu ermitteln. Das gilt nicht nur für Anleger, die einen traditionellen fundamentalen Ansatz zur Länder und Branchenauswahl verfolgen, sondern auch für Investoren, die systematisch in Faktoren allokieren.

Zwar ist diese Art der Analyse für fundamental orientierte Anleger recht einfach. Doch wesentlich schwieriger ist es, das Exposure eines Portfolios in einzelnen Faktoren zu bestimmen und deren Beitrag zur Wertentwicklung zu berechnen. Das gilt besonders für Anleger, die erstmals in Faktoren investieren.

Dies kann weitreichende Konsequenzen haben, da unerkannte und ungewollte Faktor-Ausrichtungen die Wertentwicklung stark beeinträchtigen können. Laut einer Umfrage von FTSE Russell aus dem Jahr 2016 ist die Frage, wie sich unbeabsichtigte Faktor-Ausrichtungen vermeiden lassen, für Investoren bei der Entscheidung über Faktor-Allokationen am zweitwichtigsten.

Vorsicht vor Smart-Beta-Indizes
Die Tatsache, dass es praktisch unmöglich ist, die Prämien für die einzelnen Faktoren zeitgerecht zu vereinnahmen, spricht stark für eine breite Diversifikation. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, da einzelne Faktoren auch miteinander in Konflikt stehen können.

Diese potentiellen Konflikte sind einer der Gründe, weshalb auf üblichen Smart-Beta-Indizes basierende Produkte sich oft als ineffizient erweisen, wenn es um die Vereinnahmung von Faktorprämien geht. Beispielsweise meiden die meisten gängigen Value-Strategien Aktien, die aus einem bestimmten Grund billig sind nicht, zum Beispiel solche von Unternehmen in Finanznot. Das ist ein typischer Fall, in dem der Faktor Value mit dem Faktor Qualität kollidiert. Infolgedessen wird ein Investor bei Verwendung eines solchen üblichen Value-Anlageprodukts am Ende häufig negativ gegenüber dem Faktor Qualität exponiert sein, ohne dies zu bemerken.

Bei Robeco nutzen wir vier Faktoren, die ihr langfristiges Wertentwicklungspotential unter Beweis gestellt haben: Value, Momentum, Niedrige Volatilität und Qualität. Und während die Kombination üblicher Einfaktor-Produkte häufig zu sich widersprechenden Faktor-Exposures führen, die einander ganz oder teilweise neutralisieren, stellen wir sicher, dass alle Strategien von Robeco die Faktoren effizient miteinander kombinieren, um ungewollte Ausrichtungen zu vermeiden.

Wichtig ist auch die Feststellung, dass bestehende Portfolios bereits stark in Faktoren engagiert sind, ohne dass dies dem Anleger bewusst ist. Bei der Entscheidung über eine neue faktororientierte Strategie müssen Investoren daher ihr bisheriges Exposure gegenüber den einzelnen Faktoren genau kennen.

Spezielles Überwachungs-Tool
Um sicherzustellen, dass die Kunden von Robeco genau wissen, gegenüber welchen Faktoren sie exponiert sind und wie diese sich bisher entwickelt haben, haben wir ein innovatives Modell zur Performance-Beitragsanalyse entwickelt, das Factor Exposure Monitor. Dieses übergreifende Tool führt die Wertentwicklung vollständig auf die ausgewählten Faktoren zurück, die in den quantitativen Aktienstrategien von Robeco eingesetzt werden.

Natürlich gibt es am Markt etliche weitere Tools zur quantitativen Faktorbeitragsanalyse, und auch die akademische Literatur dazu ist umfangreich. Robecos hauseigener Ansatz zeichnet sich jedoch durch seine relative Einfachheit und die Tatsache aus, dass die verwendeten Faktordefinitionen sich konsequent durch alle Investmentprozesse hindurchziehen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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