Herausforderung beim Factor Investing: ungewollte Sektor-Ausrichtungen

Faktorbasierte Allokationen haben in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen. Doch wie man sie in der Praxis umsetzt, lässt viele Anleger nach wie vor rätseln. Zwei Fehler gilt es zu vermeiden: ungewollte Faktor-Ausrichtungen und eine übermässige Konzentration auf einen bestimmten Sektor.
10.04.2017 22:38

Faktorbasierte Anlagen haben sich über die letzten zehn Jahre stark verbreitet. Konzepte wie "Faktorprämien" oder "Smart Beta" sind populäre Begriffe geworden und tauchen inzwischen häufig in den etablierten Finanzmedien auf. Bekannte institutionelle Investoren haben eine Allokation in gut dokumentierten Faktoren ebenfalls öffentlich begrüsst. Doch trotz wachsenden Bewusstseins für die möglichen Vorteile fällt es vielen nach wie vor schwer, einen Weg zur praktischen Umsetzung solcher Strategien in ihren Portfolios zu finden.

Zu den Herausforderungen, die von Anlegern am häufigsten genannt werden, gehört die Notwendigkeit eines umfassenden und ausgewogenen Ansatzes beim Engagement in unterschiedlichen Faktoren. Da Faktoren miteinander in Konflikt stehen können und ein effektives Timing praktisch unmöglich ist, müssen Anleger jedes übermässige oder ungewollte Exposure gegenüber einzelnen Faktoren vermeiden.

Dasselbe gilt im Hinblick auf das Exposure gegenüber Regionen, Länder und Wirtschaftsbranchen sowie Einzelaktien. Prozesse zur Portfoliokonstruktion, die sich nur auf die Faktorprämien fokussieren, können erhebliche ungewollte Faktor-Ausrichtungen nach sich ziehen, vor allem auf Branchenebene. In einem kürzlich veröffentlichten White Paper (1) wiesen Forscher des Scientific Beta/EDHEC-Risk Institute nach, dass Portfolios, die auf ein grösseres Faktor-Exposure abzielen, sich tendenziell stark auf eine begrenzte Zahl von Branchen und generell weniger Sektoren konzentrieren.

Zum Beispiel kann eine Strategie, die die Momentum-Prämie vereinnahmen soll, ohne andere Aspekte zu berücksichtigen, schnell zu einer übermässigen Konzentration des Portfolios auf nur wenige Branchen führen, die gerade gefragt sind. Dadurch können branchenspezifische Entwicklungen die Wertentwicklung insgesamt stark beeinträchtigen.

Das Konzentrationsrisiko ist vor allem bei gängigen faktorbasierten Strategien von Bedeutung, speziell bei solchen, die sich auf die Nachbildung beliebter Smart-Beta-Indizes stützen. Viele dieser Strategien verfügen nicht über ausdrückliche Konzentrationsgrenzen. Der S&P 500 Low-Volatility-Index ist ein gutes Beispiel dafür. Er unterliegt keinen Beschränkungen in Bezug auf die Sektorgewichtung, was zu sehr hohen Konzentrationen führen kann. So waren im Dezember 2012 rund 60 % dieses Index in nur zwei Branchen investiert: Versorger und Basiskonsumgüter.

Klassische Diversifikation bleibt wichtig
Anleger nehmen diesen Aspekt sehr ernst. So ergab eine Umfrage von FTSE Russell im Jahr 2016, dass die Vermeidung unbeabsichtigter Sektorschwerpunkte für Anleger der drittwichtigste Aspekt im Hinblick auf Faktorallokation war.

Auch wenn die Optimierung des Exposures gegenüber relevanten Faktoren weiterhin im Mittelpunkt stehen sollte, sollten die Vorteile einer breiten Diversifikation über vielfältige Wertpapiere nicht in Vergessenheit geraten. Die Researchergebnisse von Robeco zeigen, dass sich durch zusätzliche Grenzen für die Branchengewichtungen bei einem zuvor unbeschränkten Portfolio das Konzentrationsrisiko senken lässt, ohne das Ertragspotential wesentlich zu verändern, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ab einem bestimmten Punkt beginnen sich Konzentrationsgrenzen allerdings negativ auf die Wertentwicklung auszuwirken.

Das führt zu einer umgekehrten Beziehung zwischen der Rendite/Risiko-Relation eines Portfolios und Konzentrationsgrenzen im Sinne zulässiger aktiver Gewichtungen von Regionen, Ländern, Branchen, Grössenklassen und Einzelaktien. Demnach gibt es ein optimales Konzentrationsniveau, das Anleger berücksichtigen müssen.

Effiziente Faktorstrategien sollten sich daher nicht lediglich auf die Maximierung des Exposures gegenüber Faktoren fokussieren, sondern sollten auch ungewollte Ausrichtungen auf Regionen- und Branchenebene sowie eine übermässige Konzentration auf einige Einzelaktien oder Teilsegmente des Markts vermeiden.

Festlegung ausdrücklicher Konzentrationsgrenzen
Um eine angemessene Diversifikation sicherzustellen, unterliegen alle quantitativen Strategien von Robeco strikten, aber praktikablen Konzentrationsvorgaben, die zu einer vielfältigen Auswahl an Aktien oder Anleihen führen und zugleich übermässige Sektor- und Ländergewichtungen verhindern.

Bei Robecos Factor-Investing-Lösungen und den Conservative-Equities-Portfolios zum Beispiel werden Positionsgrenzen verwendet, die eine absolute Abweichung der Gewichtungen von Regionen, Ländern und Sektoren gegenüber dem MSCI Index von maximal 10 % erlauben. Im Hinblick auf die Grössenklassen (Large-, Mid- und Small Caps) beträgt die maximal zulässige Abweichung 20 %. Gleichzeitig liegt der maximale Anteil, der in eine Einzelaktie investiert werden darf, bei 2 %.

All diesen Konzentrationsgrenzen liegt eingehendes Research zugrunde. Ihre Einhaltung wird vom Portfoliomanagement-Team und von Robecos Compliance-Abteilung überwacht. Sie sollen das Konzentrationsrisiko reduzieren, unter Beibehaltung des Fokus auf das vorrangige Ziel: das bestmögliche Exposure gegenüber den anvisierten Faktoren zu realisieren.

(1) Lesen Sie hier das Whitepaper des Scientific Beta/EDHEC-Risk Institute.

Diese Publikationsserie behandelt einige der Hauptprobleme, vor denen Investoren bei der Umsetzung von Factor Investing-Strategien stehen. In einer Umfrage von FTSE Russell aus dem Jahr 2016 wurden 11 wesentliche Problemfelder identifiziert.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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