Im Epizentrum stehen die italienischen Banken

Viktor Nossek von WisdomTree erwartet, dass sich die Anlegerstimmung verschlechtern wird und die Ratingagenturen die Bewertung des italienischen Staates herabstufen werden, wenn sich der Druck auf die Banken intensiviert.
05.12.2016 16:25

"Ein harter Tag für die italienische Wirtschaft, überhaupt für Europa im Allgemeinen, da die Stellung Italiens in Europa nun gefährdet ist", sagt Viktor Nossek, Leiter Research von WisdomTree Europe einen Tag nach Italiens Votum gegen Renzis Reform.

Im Epizentrum stehen die italienischen Banken welche das grösste Systemrisiko für die Eurozone darstellen würden. WisdomTree erwartet, dass sich die Anlegerstimmung verschlechtern wird und die Ratingagenturen die Bewertung des italienischen Staates herabstufen werden, wenn sich der Druck auf die Banken intensiviert. Dies hat wiederum einen deutlichen Ausverkauf dieser Schuldverschreibungen zur Folge, was die Bilanz unter noch mehr Druck setzen wird, als es die schlechten Kredite bereits tun.

Mit hoher Arbeitslosigkeit und Reformen des Arbeitsmarktes, die nicht tief genug greifen, wird es Jahre dauern, bis es Italiens Wirtschaft bedeutend besser gehen werde. Italiens nominales BIP-Wachstum muss weit über 2,5 % steigen, um die Anhäufung von neuen Schulden zu verkraften, vorausgesetzt, die staatlichen Einsparungen bleiben gleich – ein Ergebnis, das aufgrund der Abstimmung gegen die Reformen schwierig erscheint.

Auf der Investitionsseite werde das Nein der Abstimmung weiterhin die pessimistische Stimmung für die meisten italienischen Asset-Klassen und den Euro antreiben. Viktor Nossek sagt deshalb: "Die Volatilität wird sich kurzfristig fortsetzen, also sollte man das breite Engagement in Aktien absichern und sich überlegen, sich in sichere Häfen zurückzuziehen – zum Beispiel Gold. Die Spreads der Europäischen Staatsanleihen gegenüber den deutschen Bundesanleihen (BUND) sind anfällig für eine Ausweitung, da ein politisch belastetes Umfeld keinen Spielraum für Budgeteinschränkungen lässt. Längerfristig sollten die Aktien europäischer Exporteure von der Abwertung des Euro profitieren, soweit diese kontrolliert ist und nicht eine völlige Risk-off-Positionierung der Investoren einleitet."

Bei WisdomTree rechnet man mit der Wahrscheinlichkeit einer höheren Volatilität des Euro, die ausländische Investoren, die ein Engagement in Europa suchen, dazu zu drängen wird, ihr Aktienengagement abzusichern, während die Finanzwerte in diesem Zusammenhang als der untergewichtete Sektor angesehen wird.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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