Im Spätzyklus werden Korrelationen wichtiger

Laut Shrenick Shah von JP Morgan verliert in der Spätphase eines Konjunkturzyklus die klassische Diversifikation an Wirkung. Turbulente Phasen werden zudem gewisse Anlageklassen in volatile Minen verwandeln, welche ein Portfolio beeinträchtigen.
06.12.2018 22:36

"Das Jahr 2018 hat Anleger mit erhöhter Volatilität in Atem gehalten", sagt Shrenick Shah, Co-Manager des JP Morgan Investment Funds – Global Macro Opportunities Fund. Dies sei eine normale Begleiterscheinung in der Spätphase des Konjunkturzyklus. "Wichtig ist es, Korrelationen zu beobachten. In einem spätzyklischen Umfeld brauchen Anleger mehr als eine klassische Diversifikation", betont Shah.

Turbulente Marktphasen gefährden Diversifikation
Nachdem die Korrelation über verschiedene Anlageklassen hinweg infolge der Finanzkrise stark angestiegen war, sank diese zwischen 2013 und 2017 wieder, was laut Shah für ein gutes Umfeld für den Aufbau diversifizierter Portfolios sorgte. Und auch wenn es seit Jahresbeginn einige Korrelationssprünge gab, befinde sich das Niveau derzeit noch nahe dem Durchschnitt. "Auch aktuell funktioniert die Diversifizierung in traditionellen Mischportfolios – noch. Die Verhältnisse zwischen Anlageklassen sind jedoch Veränderungen unterworfen und gerade in turbulenten Marktphasen können einige Anlageklassen, die unter normalen Bedingungen für Diversifizierung sorgen, ein höheres Beta aufweisen und in Bezug auf den Aktienmarkt volatiler werden", erläutert Shah. Schwellenländeranleihen seien beispielsweise unter normalen Bedingungen als Anlageklasse gut zur Diversifizierung geeignet. In Stressphasen würden sie jedoch den Effekt volatiler Märkte verstärken.

Shah betont, dass auch im Spätzyklus eine Rezession nicht unmittelbar bevorsteht – diese Phase würde erfahrungsgemäss einige Zeit anhalten und es könne noch zwei bis fünf Jahre dauern, bis Volkswirtschaften in eine Rezession abrutschten. Es gelte jedoch, im Auge zu behalten, wann tatsächlich die Rezession bevorsteht, denn dann würden die Kurse unter Druck geraten. "Gegenwärtig besteht unserer Ansicht nach ein ziemlich geringes Rezessionsrisiko, wir beobachten jedoch stetig potenzielle Faktoren, die eine solche auslösen könnten", sagt der Experte.

Rätselraten um möglichen Auslöser einer neuen Rezession
Laut dem Fondsmanager ist jede Rezession einmalig und Faktoren, die in früheren Zyklen zu einer Rezession führten, würden sich nicht notwendigerweise wiederholen. "Auslöser von zwei der neun Nachkriegsrezessionen war eine geldpolitische Straffung, zwei können auf fiskalpolitische Straffung zurückgeführt werden, zwei auf Ölpreisschocks, zwei auf Finanzkrisen und bei der Rezession von 1990 ist die Ursache nach wie vor ein Rätsel", zählt Shah auf. Es lasse sich nur schwer vorhersagen, was genau die nächste Rezession auslösen wird. Da es in den G4-Staaten im vergangenen Jahr ein erheblich schnelleres Lohnwachstum gab, würden die Zentralbanken ihre abwartende Strategie bei der Normalisierung der Geldpolitik ändern und aktiver werden. Eine geldpolitische Straffung sei nicht zuletzt deswegen notwendig, damit beim nächsten Abschwung wieder Spielraum für eine Lockerung bestehe.

Als weitere Risiken, die die Märkte womöglich noch nicht zur Kenntnis genommen haben, sieht Shah einen Konsumrückgang einhergehend mit durch Handelsspannungen befeuerten Exporthemmnissen in China, mangelnde Beschleunigung der europäischen Wachstumsdaten und steigende Finanzierungskosten für Schwellenmärkte. "Die Auftragseingänge des globalen Einkaufsmanagerindex sind inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem wir die Möglichkeit eines abflauenden Industriezyklus und eines anschliessenden Rückgangs der Aktivität in Betracht ziehen müssen", warnt Shah.

Diversifikation jenseits vom Konjunkturzyklus notwendig
"Ein wesentlicher Antriebsfaktor für den Konjunkturzyklus sind Unternehmensinvestitionen – in Grossbritannien blieben sie seit der Brexit-Abstimmung unverändert. In den USA hingegen führen hohe Unternehmensgewinne, ein starkes Vertrauen und robuste Verbraucherausgaben zu einer Beschleunigung des Wachstums der Unternehmensinvestitionen", erläutert Shah weiter. Auf der kurzfristigen Seite würde er taktische Short-Positionen im Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar halten. Die Verschärfung der Liquiditätssituation aufgrund der Notenbankpolitik in den USA – steigende Leitzinsen und Ende der quantitativen Lockerung – offenbare Schwachstellen in Schwellenmarktländern, die auf günstige US-Dollar zur Finanzierung angewiesen seien.

Auf der langfristigen Seite sieht Shah das Wachstum des elektronischen Zahlungsverkehrs als gutes Beispiel für einen strukturellen Antriebsfaktor. Der adressierbare Markt für Zahlungen umfasse insgesamt 30 Billionen US-Dollar – zurzeit würden jedoch gemäss einem Bericht von Visa nur 43% der Zahlungen elektronisch erfolgen. Beim Anteil der Kartenzahlungen sei laut Shah ein stetiges, langfristiges Wachstum zu erkennen. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt, unabhängig davon, an welchem Punkt des Konjunkturzyklus wir uns befinden. Wir nutzen diesen Antriebsfaktor bei Long-Positionen in Aktien des Portfolios", sagt der Experte abschliessend.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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