Internet-Giganten treten in verschärften Wettbewerb

Bei der Performance der Technologiewerte hatten die ganz grossen Börsenwerte im letzten Jahr die Nase vorn. Die Märkte sind noch immer zum grossen Teil momentumgetrieben. Doch es hat ein Favoritenwechsel stattgefunden. Diesen kommentiert Hyun Ho Sohn, Fondsmanager bei Fidelity.
24.07.2018 22:33

Kommunikationsausrüster, Software-Titel und IT-Dienstleister liegen in diesem Jahr bisher in Führung. Internetwerte sind dagegen zurückgefallen, und Small-Caps laufen inzwischen besser als Large- und Mega-Caps. Bei den Mega-Caps gibt es eine zunehmende Divergenz bei der Performance, meint Hyun Ho Sohn, Fondsmanager des Global Technology Fund von Fidelity. So legen Netflix und Amazon weiter kräftig zu, während Tencent, Alphabet und Facebook schwächer abschneiden. Besonders Facebook leidet unter wachsenden Sorgen über mögliche negative Folgen einer schärferen Regulierung, sagt der Experte. "Das sind fundamental solide Unternehmen, doch nach meiner Überzeugung ist dieser Umstand schon voll in die Bewertungen eingepreist."

Konsequenzen des erhöhten Konkurrenzdruck werden unterschätzt
Auch der Wettbewerb untereinander wird schärfer. Alphabet und Amazon konkurrieren zunehmend um Werbeerlöse und Cloud-Einnahmen, während Facebook mit seiner Marketplace-App im E-Commerce-Bereich expandiert und YouTube (gehört zu Alphabet) im Videobereich Konkurrenz macht. Viele Anleger unterschätzen den Rückgang der Kapitalrenditen dieser Unternehmen, der durch den wachsenden Konkurrenzdruck zu erwarten ist. Immer höheren Investitionen stehen sinkende Renditen auf das eingesetzte Kapital gegenüber. Zudem treibt die zunehmende Regulierung die Compliance-Kosten in die Höhe.

Die Bewertungen im Technologiesektor sind mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 231 immer noch angemessen. Das gilt im langfristigen Vergleich ebenso wie im Verhältnis zu den aktuellen Bewertungen an den weltweiten Aktienmärkten. Darüber hinaus sind die Wachstumsraten in dem Sektor mehr als doppelt so hoch wie das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung. Teurer seien Internet- und Software-Mega-Caps, aber auch IPOs, die von der Liquiditätsschwemme und den anhaltend niedrigen Zinsen (ausgenommen in den USA) profitieren, so Sohn.

Weiterhin hohe IT-Investitionen
Die lockere Geldpolitik hat zudem bei vielen Unternehmen zu einer laschen Kapitaldisziplin geführt. Das Aufkommen des Cloud-Computing ermöglicht es diesen Firmen, Kapazitäten günstig einzukaufen. Von einer strafferen Geldpolitik sollten die Aktien qualitativ hochwertigerer Unternehmen mehr profitieren als andere, meint der Experte. Auf steigende Kapitalkosten dürften die Anleger reagieren, indem sie stärker auf die Cashflows und die Solidität der Bilanzen achten. Dieses Umfeld ist für Wachstums- und Momentumwerte wahrscheinlich weniger günstig. In dem Sektor als Ganzem besteht eine Tendenz zu steigender Qualität. Die Gewinnmargen und Kapitalrenditen sind höher als an den globalen Aktienmärkten insgesamt.

Insgesamt bewegen sich damit die IT-Investitionen weiter auf hohem Niveau. Viele Unternehmen sind bestrebt, ihre Betriebsprozesse umzustellen und die Früchte der Digitalisierung zu ernten. Dadurch erhält der Sektor sowohl in zyklischer als auch in struktureller Hinsicht Auftrieb. Der starke US-Dollar und die Schwäche der Schwellenländer-Währungen in Kombination mit einer Abkühlung der Konjunktur in den Schwellenländern – besonders in China – stelle ein kurzfristiges zyklisches Problem dar, glaubt Sohn. Allerdings habe die Dollar-Aufwertung bereits erste Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne. Auf Sicht von drei Jahren erhält der Sektor jedoch weiterhin Unterstützung durch Faktoren wie die Digitalisierung, Investitionen in Datenzentren, neue Technologien wie Künstliche Intelligenz und autonome Fahrzeuge sowie IT-Investitionen von Unternehmen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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