Investmentausblick des Multi-Asset-Teams von Aberdeen

Die problematische Haushaltslage in den USA ist und bleibt ein Unsicherheitsfaktor für die Erholung der Weltwirtschaft.
24.04.2013 11:21
Mike Turner - Head of Global Strategy & Asset Allocation

 • Das US-Wachstum dürfte dynamisch bleiben, aber die haushaltspolitische Straffung könnte zur Belastung werden.

• Die asiatischen und die Schwellenländermärkte verzeichnen weiterhin ein stabiles und gesundes Wachstum.

• Die Lage in Italien und Zypern zeigt, dass die europäische Krise alles andere als gelöst ist.

Auch wenn alle Welt vom wirtschaftlichen Aufstieg Asiens und der Schwellenländer spricht, von dem auch wir auf lange Sicht voll und ganz überzeugt sind, so sind und bleiben doch die USA das Fieberthermometer für den Zustand der Weltwirtschaft. Somit überrascht es, wie locker die Anleger die haushaltspolitische Straffung durch das „Fiscal Cliff“ und den Sequester augenscheinlich verkraftet haben.

Die Frage lautet, ob sich die ökonomischen Effekte dessen noch auf die Daten niederschlagen werden. Wenn sie bereits in den Daten eingearbeitet sind, hiesse dies, dass die Wirtschaft ein Wachstumshindernis von 1 bis 1,5 Prozentpunkten des BIP problemlos verkraften kann. Allerdings dürften angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit die Effekte der Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen bislang noch nicht voll zum Tragen kommen. Daher gilt unsere Sorge nach wie vor den Negativeffekten, die sich auf den Konsum niederschlagen könnten. In dieser Hinsicht ist Geduld gefragt, denn die Antwort wird eventuell bis zum Sommer auf sich warten lassen. Es deutet einiges darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft vorerst unter ihrem Potentialwachstum entwickeln wird.

Trotz einiger „Ausreisser“ verzeichnen die asiatischen und die Schwellenländermärkte weiterhin ein kräftiges Wachstum. So hat Brasilien mit der beharrlich hohen Inflation zu kämpfen, während in Indien die politische Unsicherheit ein erhebliches Risiko darstellt. Diese Probleme werden jedoch durch die Tatsache in den Schatten gestellt, dass der Marktkonsens für China von einem robusten Wachstum von 7,5%-8% ausgeht. Wir denken, dass die Inflation kein nennenswertes Risiko für die Wirtschaft darstellt, da die Politik in China über hinreichend Spielraum verfügt.

In Europa ist Zypern eher symbolisch als systemisch, da sein BIP gerade einmal 0,2% des Ausstosses der Eurozone darstellt. Aber wenn die Zypern-Krise auf die leichte Schulter genommen wird, könnte sie ansteckend wirken. In Italien hat das politische Patt nach den Wahlen die Nervosität wieder gesteigert. Aber das Hauptproblem ist, dass der harmonisierte Sparkurs die Nachfrage drückt. Auch wenn von der politischen Front Fortschritte zu vermelden sind, so erfolgen diese quälend langsam.

Somit rücken die möglichen Negativfaktoren für die Weltwirtschaft allmählich wieder den Vordergrund. Amerika hat eine schwere Last zu tragen, denn die US-Konsumenten stemmen 16% des weltweiten BIP. Somit ist nachvollziehbar, dass riskante Anlagen eine Pause eingelegt haben, vor allem nach der steilen Aufwärtsentwicklung seit Jahresbeginn. Auch ist den Anlegern mittlerweile klar geworden, dass die Beilegung der Staatsschuldenkrisen in Europa und den USA Jahre in Anspruch nehmen wird, so dass das Wachstum auf absehbare Zeit verhalten bleiben dürfte. Glücklicherweise bieten sich noch immer Anlagechancen. Ausgewählte Unternehmen mit Exposure in Schwellenländern, Obligationen bestimmter asiatischer und lateinamerikanischer Staaten sowie Infrastrukturinvestitionen besitzen allesamt Potential zur Generierung solider Renditen auf lange Sicht. Allerdings dürfte die entgegenkommende Geldpolitik die Assetpreise vorerst weiter stützen.