Italiens Regierung betreibt ein gefährliches Spiel

Der Konfrontationskurs der italienischen Regierung kann zu einer anhaltenden Unsicherheit an den italienischen Kapitalmärkten führen, denkt Andrea Iannelli von Fidelity. Die Ansteckungsgefahr für andere Peripherieländer sei hingegen noch gering.
29.10.2018 22:35

Mit ihrer aggressiven Rhetorik zum Schuldenhaushalt und ihrem Konfrontationskurs zu Europa betreibe die italienische Regierung ein gefährliches Spiel, meint Andrea Iannelli, Anleihenexperte bei Fidelity. Dabei provoziere sie nicht nur auf europäischer Ebene Konflikte, sondern auch am Kapitalmarkt. "Weder die Börsen noch die Europäische Kommission rechnen damit, dass der politische und finanzielle Kurs nachhaltig und die Wachstumsprognose von 1,5% realistisch ist", sagt Iannelli. Nach den jüngsten Turbulenzen am Aktien- und Obligationenmarkt erwarte er im Zuge der Verhandlungen mit der Europäischen Kommission eine weiterhin hohe Volatilität. Kurzfristig stünden vor allem Italiens Banken unter Druck. Längerfristig bestehe das Risiko negativer Auswirkungen für die Realwirtschaft und den Binnenkonsum.

Italienischer Kapitalmarkt noch eine Insel
"Vor allem am Obligationenmarkt haben sich die Prognosen extrem und teils irrational eingetrübt, wobei die Erwartungen bereits in den Kursen eingepreist sind", erklärt Iannelli. Insofern erwarte er keine weiteren Korrekturen infolge der erwarteten Rating-Herabstufung durch S&P. Zudem würden die Märkte noch kein Übergreifen auf andere Euro-Peripherieländer fürchten. So habe sich der Spread zwischen spanischen und italienischen Staatspapieren seit Jahresbeginn erheblich ausgeweitet. Auch italienische Unternehmenspapiere mit Investment-Grade-Rating haben sich relativ immun gezeigt. "Aus der Sicht von Investoren sind also italienische Unternehmen ein sichereres Investment als der italienische Staat", urteilt Iannelli.

Kritischer Zeitpunkt für Bond-Emissionen
Während italienische Staatsobligationen 2010 noch zu 40% von ausländischen Investoren gehalten wurden, ist dieser Wert auf rund 30% gefallen. Kritisch sei, dass die zur Finanzierung des Schuldenhaushalts erforderlichen Bond-Emissionen in eine Phase fallen, in der die EZB ihr Anleihekaufprogramm weiter zurückfährt. Banken seien gemäss Iannelli wegen ihrer hohen Bestände an italienischen Staatsobligationen direkt von steigenden Renditen betroffen. Zwar haben die den Mittelstand finanzierenden Institute ihre Bilanzen in den vergangenen Jahren gestärkt, doch höhere Spreads würden mehr notleidende Kredite, höhere Abschreibungen und potenzielle Verluste bedeuten

Prognosen der Regierung gefährdet
"Da Italiens Wirtschaft durch viele kleinere und mittelgrosse Unternehmen geprägt ist, deren Finanzierung vor allem über Bankkredite erfolgt, wird die gesamte italienische Wirtschaft anfälliger - auch wenn die effektiven Auswirkungen für die Realwirtschaft bislang gering sind", erläutert Iannelli. Letztlich bestünde auch die Gefahr, dass der Binnenkonsum durch schlechtere Finanzierungsbedingungen für die privaten Haushalte beeinträchtigt wird und folglich die Wachstums- und Defizitprognosen der Regierung weiter gefährdet werden. "Die Lage könnte sich erheblich verbessern, wenn die italienische Regierung bei den Budgetverhandlungen etwas mehr Flexibilität zeigen würde", sagt Iannelli abschliessend.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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