Japan allein kann den weltweiten Ausblick nicht aufhellen

Mit der Entscheidung, Negativzinsen einzuführen, hat die Bank of Japan gezeigt, dass Notenbanken jederzeit mit Präventivmassnahmen überraschen können, findet Mikio Kumada von LGT.
03.02.2016 10:10

"Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung. Was tun Sie, Sir?" soll John Maynard Keynes einmal rhetorisch gefragt haben. Für Investoren bleibt dieser Grundsatz universell gültig und wichtig. Mit der Entscheidung, nun doch Negativzinsen einzuführen, hat Bank of Japan-Gouverneur Haruhiko Kuroda Pragmatismus demonstriert. Genau deswegen haben Aktien- und Anleihenmärkte rund um den Globus zunächst auch so eindeutig positiv reagiert. Gleichzeitig überzeugt die Behauptung, dass Japan einen "Währungskrieg" verfolge, nicht: Der Yen hat schliesslich nur einen Teil seiner zuletzt ungewöhnlich hohen Kursgewinne zurückgeben und neigt im mittelfristigen Trend weiterhin zur Stärke (vgl. PDF, Yen-Grafik auf Seite 2).

Qualitative und quantitative Lockerung mit negativem Zins
Was ist konkret geschehen? Am 26. Januar hat Japans Notenbank in einer knappen  Abstimmung (fünf zu vier) zum ersten Mal einen Negativzinssatz eingeführt. Ab dem 16. Februar wird die BOJ auf den neu angesammelten Überschussreserven der japanischen Geschäftsbanken -0.1% berechnen. Existierende Überschussreserven, welche aus dem bisherigen Einnahmen aus dem laufenden quantitativen Lockerungsprogramm (QE) der BOJ stammen, zahlen jedoch weiter 0.1%. Die erforderlichen Mindestreserven bleiben unverzinst. Dieser Schritt ist potentiell inflationär. Da ein Teil der risikolosen Zinserträge zukünftig wegfällt, hätten Banken zukünftig einen Anreiz, ihr Geld verstärkt anderswo anzulegen.

Die tatsächlichen praktischen Auswirkungen dürften sich aber vorerst in Grenzen halten. Ende 2015 betrugen die Reserven der japanischen Banken ¥230.6 Bio. ($1.9 Bio), wobei 96% davon Überschussreserven darstellen. Netto wird die BOJ den Banken also weiterhin auf Sicht Zinsen überweisen, selbst wenn diese die Gesamtheit der zukünftigen QE-Erlöse (¥80 Bio. pro Jahr) passiv auf ihren BOJ-Girokonto liegen lassen. Die Investoren rechnen also offensichtlich damit, dass die BOJ bereit ist, zu gegebener Zeit weitergehende
Massnahmen zu ergreifen.

International gesehen ist die Signalwirkung wichtiger als die Massnahme an sich. Noch Anfang Januar hatte Kuroda nämlich Negativzinsen für Japan abgelehnt. Doch nach drei Wochen globaler Marktturbulenzen wollte die BOJ klarstellen, dass er tatsächlich bereit ist, alles Notwendige zu tun, wann auch immer es erforderlich sein sollte - und zwar ohne sich über den möglichen Verlust an Glaubwürdigkeit Gedanken zu machen. Selbst dann nicht, wenn die BOJ Fehler eingestehen und den Kurs ändern müsste.

Wird die US-Notenbank eine ähnliche Flexibilität demonstrieren?
Zumal die Europäische Zentralbank bereits eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik bereits in Aussicht gestellt hat, stellt der BOJ-Schritt daher die Hoffnung in den Raum, dass auch die Federal Reverse in den USA nicht zögern werde, den Kurs wieder zu wechseln – nachdem sie ein gutes Jahr lang zögerte, bevor sie im Dezember endlich die erste US-Zinserhöhung beschloss. Ohne diese konkrete Hoffnung ergibt eine globale Rallye kaum Sinn. Denn ohne ein baldiges Einschwenken der Fed kann auch Japan nicht als einziger
Markt auf Dauer haussieren, während sich der globale Ausblick weiter eintrübt.

Generell ist der BOJ-Entscheid durchaus willkommen. Und falls er sich tatsächlich als die erste in einer Reihe von positiven Überraschungen
erweisen sollte, könnte es sogar doch noch zu einer Wiederbelegung der alten globalen Aktienhausse kommen. Doch wie in der Vorwoche an dieser Stelle erläutert, haben die Januar-Turbulenzen den Märkten weltweit erhebliche Schäden zugefügt. Vor diesem Hintergrund bleibt daher eine gewisse Vorsicht im Hinblick auf den mittelfristigen Marktausblick weiterhin angemessen.

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Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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