KI: Die nächste Welle von Portfolio-Gewinnern?

Mit technologischen Entwicklungen gibt es Gewinner und Verlierer. Weil es scheint, als würde künstliche Intelligenz (KI) Realität werden, zeigt Newton’s Raj Shant auf, wo die besten Investitionsmöglichkeiten bestehen.
04.11.2016 11:25

Bis anhin wurde Technologie für die Produktivität und Prosperität von Unternehmen als fördernd erachtet. Im nächsten Jahrzehnt könnten die Menschen jedoch vermehrt die Schattenseiten der technologischen Revolution zu spüren bekommen. Denn die nächste Stufe von digitalen Entwicklungen, die transformative Annahme von künstlicher Intelligenz (KI), könnte sich als weitaus störender als bislang bekanntes Hacking und Internet-Kriminalität herausstellen, sagt Raj Shant, Portfolio Manager im Global Equity Team bei Newton Investment Management.

Zurzeit ist die Menschheit zwar nach wie vor weit davon entfernt, diese Art "wissenden" Maschinen wie beispielsweise in den Filmen Blade Runner oder Ex Machina zu produzieren. Doch gab es in den letzten Jahren riesige Fortschritte in der KI-Forschung. Ab einem gewissen Punkt könnte künstliche Intelligenz in Krisenherde überschwappen. So geht das World Economic Forum (WEF) davon aus, dass die Zunahme an Robotern und künstlicher Intelligenz einen Nettoverlust an Arbeitsplätzen von 5.1 Millionen in den nächsten fünf Jahren mit sich bringen wird.

Während Maschinen gewerblichen Mitarbeitern für mehr als ein Jahrhundert die Arbeit entzogen, sind es nun auch – vermeintlich sichere – Arbeitsstellen von Büroangestellten, die in die in die Schusslinie geraten. Diese lauernden Gefahren markiert die Beurteilung des WEF. Der Report von "Future of Jobs" zieht den Schluss, dass viele Unternehmen für den bevorstehenden Wandel nicht adäquat vorbereitet sind.

Eine Welt des Überflusses
Immer schneller und günstiger verfügbare Arbeitskräfte erhöhen den Preis-, Margen- und Rentabilitätsdruck. Denn ist man sich im Laden nicht sicher über den Preis eines Produkts, sucht man Vergleichsmöglichkeiten via Smartphone – und findet es wahrscheinlich günstiger. Durch die starke weltweite Vernetzung sind entstehende Überkapazitäten nicht mehr lokal begrenzt, sondern weltweit spürbar.

Insbesondere Produzenten von leicht standardisierbaren Gütern und Dienstleistungen, wie beispielsweise Rohstoff- und Energiehersteller, werden als Verlierer hervorgehen, da es kaum möglich ist, die Preise aufrechtzuerhalten. Gleiches gilt bei ineffizientem Arbeiten oder veralteter Technologie, weil man in diesem Umfeld von rasant ändernden Businessmodellen zu verwundbar ist.

Im Gegensatz dazu sind Dienstleistungsanbieter die potenziellen Gewinner in der Welt des Überflusses, sofern sie in der Lage sind, die Facetten ihrer Services auszunutzen. Während Rohstoffe günstiger werden, werden Dienstleistungen und Erfahrungen nämlich teurer.

Den Wandel ermöglichen
Unternehmen wie Google’s Mutterkonzern Alphabet oder die Empfehlungsseite Tripadvisor, die dabei helfen, sich im Überfluss der Online-Information zurechtzufinden, werden sich bewähren. Je mehr Informationen verfügbar sind, desto schwieriger ist es, diese in Wissen umzuwandeln. Auf Tripadvisor erhalten Konsumenten eine faire, wahrheitsgetreue Meinung, die ihnen ihre Entscheidung erleichtert.

Ebenso sind Unternehmen, die es anderen Firmen ermöglichen, sich der neuen Welt anzupassen, erfolgsversprechend. Ein Beispiel hierfür ist Accenture. Das Unternehmen unterstützt andere dabei, ihre IT-Struktur anzupassen, ihr Business zu verstehen und es somit besser zu managen. Accenture verfügt über Preisbestimmungsmacht, weil es, wenn Konsumenten nicht zahlen wollen, androhen kann, stattdessen einem anderen Wettbewerber zu helfen.

Jenseits der Technologie
Nichtsdestotrotz sollten Investoren nicht annehmen, dass nur Technologieunternehmen sich der neuen Welt erfolgreich annehmen. Equifax beispielsweise hat seine Wurzeln in einem Lebensmittelgeschäft in Tennessee im Jahre 1898 und ist alles andere als ein schamloser "Silicon-Valley-Start-up-Zerstörer". Für viele Jahre hat es als Kreditbüro und -prüfer für Individuen gewirtschaftet. Mit dem Wechsel des Management-Teams wurde eine modernere Perspektive auf das Businessmodell eingenommen. Neue Formen der Datensammlung und -verbindung mit fortschrittlicher Technologie wurden eingeführt. Jeder Teil des Business wurde einer Transformation unterzogen, obwohl es sich nicht um eine Tech-Aktie handelt.

Man braucht nicht zwingendermassen in der neusten Technologiefirma investiert zu sein, um von technologischem Wandel zu profitieren. Auch wenn Shant Technologiefirmen gut findet, warnt er vor riskanten Investitionen in Start-ups, da viele wohl niemals etwas Wert sein werden. Die besten Investitionsmöglichkeiten findet man in denjenigen Unternehmen, die den technologischen Wandel bemerken, ihn besser als die Konkurrenz verstehen und sich dann die Kraft solcher Veränderungen zeitnah zu Nutze machen. Deshalb sollten sich Investoren bei der Selektion ihrer Aktien die Handlungsfähigkeit der Unternehmen – welche auch ein Indiz für künftiges Wachstum sein könnte – zu Gemüte führen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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