Klimaschutz: Unternehmen strahlen am Investment-Himmel

Es ist ein stabiler Trend: Alles, was dem Klima und der Umwelt zugutekommt, erfreut sich bei Verbrauchern seit Jahren wachsender Beliebtheit. Thomas Sørensen und Henning Padberg, Portfoliomanager bei Nordea AM und verantwortlich für die globale Klima- und Umweltstrategie, räumen mit Mythen zu Klima-Investments auf.
09.11.2017 22:36

Trotz der steigenden Aufmerksamkeit für den Bereich Klima und Umwelt trüben zwei fest verwurzelte Irrtümer den Blick der Investoren. Der erste Trugschluss: Professionelle Anleger verorten klima- und umweltschonende Lösungen – die inzwischen in zahlreichen Facetten zu finden sind – ausschliesslich im Bereich der alternativen Energien. Gerade diese eingeschränkte Sichtweise führt dazu, dass die sehr vielfältig und breit verfügbaren Anlagemöglichkeiten im Trendsektor Klima und Umwelt enorm unterschätzt werden. Dies gilt vor allem für Unternehmen, die durch eine effiziente Ressourcennutzung glänzen.
 
Der zweite Fehlglaube: Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen anbieten, erwirtschaften (noch) keine Renditen für Aktionäre. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Während viele Unternehmen in den vergangenen Jahren keine kontinuierlichen Cashflows liefern konnten, hat sich der Sektor Klima und Umwelt dynamisch entwickelt – und strahlt derzeit dank überzeugender Fundamentaldaten am Investment-Himmel. Die weit verbreitete Wahrnehmung, dass eine Anlage in Klima- und Umweltschutz erst bei der nächsten Produkt-Generation Früchte tragen wird, ist folglich widerlegt. Stattdessen überzeugen diese Lösungen hier und jetzt mit ausgezeichneten Ergebnissen.
 
Nachhaltigkeit macht wettbewerbsfähig
Denn in diesem Sektor hat sich viel getan. Galt vor der Finanzkrise noch die Politik als Zugpferd für den Bereich Klima und Umwelt – Subventionen und Regulierungsvorgaben lauten hier die Stichworte – ist heute Wirtschaftlichkeit die treibende Kraft. Mit anderen Worten: Investieren Konsumenten oder Unternehmen in klimafreundliche Lösungen, treffen sie damit eine gut durchdachte Entscheidung, weil der wirtschaftliche Anreiz schlicht und ergreifend längst gross genug ist. Unternehmen haben verstanden, dass sie in der heutigen Welt nur dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben können, wenn sie auf Nachhaltigkeit Wert legen. Ein weiterer Treiber ist die Gesellschaft als Ganzes, die inzwischen voll und ganz hinter allem steht, was mit Umweltschutz zu tun hat. So bleibt als grosses Manko zu beklagen: Der Einfluss von Klima- und Umweltschutz auf die Cashflows eines Unternehmens wurde bislang nur unzureichend erforscht und wird folglich von den meisten Marktakteuren komplett unterschätzt.
 
Wer dennoch die Attraktivität von Investitionen im Bereich Klima und Umwelt erkennt, kann sich bei Investitionen auf drei Kategorien konzentrieren: Innovationsführer im Sektor alternative Energien, Unternehmen, die Umweltschutz konsequent umsetzen, sowie Unternehmen, die in ihren Produkten eine effiziente Nutzung der Ressourcen anstreben. Ein entsprechendes Portfolio kann zum Beispiel in Unternehmen investieren, die umweltfreundliche und innovative Technologien für die Erzeugung sauberer Energie nutzen. Zwar ist der Anteil an primären Energien aus erneuerbaren Ressourcen weltweit immer noch gering. Jedoch: Emissionsfreie erneuerbare Energien wie Sonnen- und Windkraft sind bereits heute mit Blick auf die Kosten der Stromerzeugung gegenüber fossilen Brennstoffen konkurrenzfähig, und ihre Anpassungsfähigkeit wird weiter steigen. Zudem sprechen Recherchen dafür, dass die Energie, die wir verbrauchen, auf lange Sicht in erster Linie aus Elektrizität gewonnen wird – das Zeitalter von Öl und Kohle neigt sich dem Ende zu.
 
In das Portfolio können auch Unternehmen aufgenommen werden, die ein überzeugendes Angebot an Produkten im Bereich Umwelt- und Naturschutz bieten. Zusätzlichen Rückenwind verleihen diesem Sektor oft gesetzliche Umweltvorgaben sowie Überlegungen mit Blick auf das Risikomanagement. Ein weiterer Treiber sind kontinuierliche Verbesserungen der Produkte und Services. Anleger sollten aber darauf achten, dass in der Zukunft keine Kosten aufgrund negativer externer Effekte oder einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit entstehen können.
 
Ressourceneffizienz schafft Mehrwert 
Ein Grossteil des Engagements sollte in Unternehmen erfolgen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen auf eine kontinuierliche Ressourceneffizienz setzen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Hexcel, der weltweit führende Hersteller von Kohlenstofffasern. Da diese sehr viel leichter und stärker sind als Stahl und Aluminium, bestehen die neuen Flugzeuggenerationen zu etwa 50 Prozent aus dem Material – etwa der Airbus A380 oder der 787 Dreamliner von Boeing. Das Ergebnis: Die Flugzeuge sind um bis zu 20 Prozent treibstoffeffizienter als ältere Modelle. Hexcel trägt folglich zu enormen Einsparungen bei den Fluggesellschaften bei, schafft Mehrwert für deren Anteilseigner und fördert eine kohlenstoffärmere Luftfahrt. So konnte Hexcel seit Beginn des Bullenmarktes 2009 den Kurs der Aktie um nahezu das Zehnfache steigern und damit den breiten Markt im gleichen Zeitraum übertreffen.
 
Dennoch musste der Sektor in diesem Jahr einen Rückschlag verbuchen: Die Vereinigten Staaten von Amerika kündigten unter Präsiden Donald Trump das Pariser Klima-Abkommen, das auf lange Sicht eine positive Entwicklung des Planeten sicherstellen soll. Da jedoch die politische Unterstützung nur ein Pfeiler von vielen ist, der den Bereich Klima und Umwelt stützt, lässt sich dieser Megatrend nicht mehr umkehren – der Umgang mit natürlichen Ressourcen erlebt derzeit eine Revolution, und die Unternehmen stehen dabei an vorderster Front.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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