"Künstliche Intelligenz gibt es nicht"

Die fünfte Schweizer Finance 2.0/Flagship Conference ‘17, der grösste FinTech-Anlass der Schweiz war komplett ausgebucht. Die Hauptthemen waren Künstliche Intelligenz, das "neue" Twint, und eine Diskussion zur Schweizer Investmentlandschaft.
21.03.2017 23:33

"Künstliche Intelligenz gibt es nicht", erklärte der Neurowissenschaftler Pascal Kaufmann, Gründer und CEO USA von Starmind International. Auch der Begriff "Deep Learning" habe definitiv nichts mit Intelligenz zu tun, ergänzt der Experte. Oft verkommt hier reale Wissenschaft (Science) zu Science Fiction. Schon der erste Schachcomputer, der Schachtürke, der 1769 erstmals vorgeführt wurde und die Welt, inklusive Napoleon für 69 Jahre an der Nase herumführte, galt so als Form von künstlicher Intelligenz. Schliesslich wurde aber bekannt, dass sich in der Maschine einfach ein Mensch befand.

Mit Deep Learning (tiefgehendes Lernen) sollen Computer aus Erfahrungen lernen. Dies geschieht aber in der Tat nur anhand sogenannter „hidden layer“ die wie eh und je im Binärsystem Input in Output umrechnen. Im menschlichen Gehirn existieren 86 Milliarden Neuronen, die sich durch Synapsen mit anderen Neuronen hundert- bis tausendmal verknüpfen können. So enstehen schätzungsweise 0.15 Quadrillionen Verknüpfungspunkte, die unsere Intelligenz und Lernfähigkeit ausmachen. 

Twint weitet Angebot aus
„Wir wollen ein ePayment-Ökosystem schaffen, das mehr bietet als digitale Plastikkarten“, sagte Thierry Kneissler, CEO Twint, der damit gleich die neue Version von Twint für April 2017 ankündigte. Insgesamt 32 Issuer sind dabei, darunter die UBS, ZKB, Credit Suisse, Raiffeisen, Postfinance und die Waadtländer Kantonalbank. Die bisherige Version verzeichnet momentan circa 550‘000 Downloads und etwa 250‘000 Transaktionen im Monat. Die grossen Detailhändler, wie Coop oder Migros bieten die Bezahlung per Twint bereits jetzt schon an. Die Direktanbindung an das Bankkonto ermöglicht es, direkte Zahlungen zwischen Peer-to-Peer anzuweisen, an der Kasse zu bezahlen und per Ende Jahr sogar Rechnungen einzuscannen und zu begleichen.

Die e-ID, also eine digitale Identität, könnte vieles vereinfachen, doch die Umsetzung ist nicht einfach. Für Vincent Jansen, Partner Innopay, ist es wichtig, dass es für alle beteiligten Seiten einen Nutzen bietet. Die Niederlande ist hier bereits ein paar Schritte weiter. Dort kann man mit der persönlichen e-ID bereits die elektronische Steuererklärung, e-Voting und e-Government abwickeln. Der Schweizer Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 22. Februar 2017 die Vernehmlassung über anerkannte elektronische Identifizierungseinheiten (E-ID-Gesetz) eröffnet.

Hotspot Schweiz
Bei der Paneldiskussion diskutierten Florian Schweitzer (b-to-v Partners), Cedric Köhler (Creathor Venture), Ralph Mogicato (Swiss ICT Investor Club) und Michael Sidler (Redalpine) diskutierten unter der Leitung von Corinna Egerer die Investment-Perspektiven des Schweizer FinTech Marktes. Der Begriff FinTech ist heute weit gefächert. Sidler sieht interessante Gelegenheiten im InsurTech und RegTech. Für Mogicato sind die Bereiche Robo-Advise und Payment Systeme eher schwierige Investmentthemen, da von den vielen Mitbewerber nur wenige überleben werden. Für Mogicato erachtet B2C als disruptiv und bevorzugt Investments im B2B mit der Meinung, dass man als Investor zumindest etwas von der Materie verstehen sollte. Florian Schweizer hingegen hat bisher nur in B2C investiert und vertritt die Meinung, dass es genau hier Erfolgstories, wie zum Beispiel Raisin gibt. Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Schweiz ein Hotspot für Investments sei, doch auch Berlin und UK zu berücksichtigen seien. Bei Letzterem könnte der Brexit allerdings dafür Sorgen, dass der Wert sinkt. 

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
Verpassen Sie keine News aus der Fondsbranche. Fondstrends.ch liefert Ihnen wöchentlich die Zusammenfassung der Nachrichten und informieren Sie über Sesselwechsel und wichtige Veranstaltungen. Hier abonnieren