"Kunden greifen verstärkt auf ETFs mit Währungsabsicherung zurück"

Raimund Müller, Head of UBS Schweiz & Liechtenstein spricht im Interview mit Fondstrends über das anhaltend starke Wachstum von ETFs im Schweizer Markt.
27.02.2017 22:38

Der Schweizer ETF-Markt ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, mittlerweile machen ETFs etwa 10% des Gesamtmarktes aus. Wie schätzen Sie das weitere Wachstumspotenzial ein?

Auch wir stellen ein anhaltend starkes Wachstum des Schweizer ETF-Marktes fest. Institutionelle und vermehrt auch private Investoren schätzen die Vorzüge der günstigen und handelbaren Indexfonds. UBS ETF ist mit einer breiten Produktpalette, die sich über alle Anlageklassen erstreckt, für verschiedenste Marktszenarien aufgestellt und dürfte unserer Einschätzung nach weiterhin ein starkes Wachstum verzeichnen.

Passive Fonds wurden in der letzten Zeit als Alternative zu ETFs wiederentdeckt. Was halten Sie von diesem Trend?

Wie auch ETFs bieten nicht börsengehandelte Indexfonds breite Diversifikation, hohe Kosteneffizienz und eine hohe Nachbildungsqualität zum Index. Bis vor kurzem waren diese Gefässe jedoch nur institutionellen Investoren vorbehalten. Mit der Öffnung für private Anleger im vergangenen Jahr erreichen Indexfonds jetzt eine höhere Aufmerksamkeit.

UBS bietet vor allem bei Aktien-ETFs eine breite Palette von Produkten an. Welche ETFs sind zurzeit besonders gefragt?

Unsere Kunden schätzen die breite Palette an ETFs. Eine grosse Nachfrage erfahren wir in der Tat auf der Aktienseite, mit Fokus auf Global, USA, Europa und Schweiz. Aufgrund verschiedener globaler Unsicherheitsfaktoren greifen unsere Kunden verstärkt auf ETFs mit Währungsabsicherung zurück. Ebenso wird unsere Produktfamilie an nachhaltigen Anlagen verstärkt nachgefragt. Immer mehr Investoren erkennen, dass ETFs sich ausgezeichnet für sozial verantwortliche Anlagestrategien eignen, weil sie einen transparenten Selektionsprozess im zugrunde liegenden Index mit günstigen Kostenstrukturen verbinden. Investoren haben bereits über 1,2 Milliarden Schweizer Franken in unser nachhaltiges Offering investiert und machen uns damit in Europa zum Marktführer.

In der letzten Zeit hat UBS im Bond-Bereich ausgebaut. Bond-ETFs konnten sich aber bisher in der Schweiz nicht richtig durchsetzen. Woran liegt das?

Wir haben in den letzten zwei Jahren das Angebot an Obligationen-ETFs bei UBS ETF substanziell ausgebaut. Dabei haben wir unser Offering mit Blick auf Unternehmensanleihen, Schwellenländeranleihen, inflationsgeschützten Anleihen oder nachhaltigen Unternehmensanleihen erweitert. Zahlreiche dieser ETFs sind zum einen währungsabgesichert und zum anderen auch in verschiedenen Laufzeitbändern verfügbar. Investoren schätzen dieses Angebot, in welches rund zwei Milliarden Schweizer Franken investiert wurde. Am 21. Februar 2017 haben wir den UBS ETF (LU) Barclays MSCI Euro Area Liquid Corp. Sustainable UCITS ETF an der SIX Swiss Exchange kotiert. Einen weiteren Ausbau im Bond-Segment ziehen wir in Erwägung.

In der Schweiz kotierte ETFs sind besonders beliebt. In Europa belegen sie den Spitzenplatz, was Zuflüsse im Januar angeht. Was macht die Produkte so attraktiv gegenüber den ausländischen Produkten?

Auch wir stellen fest, dass sich die solide Entwicklung, die in der zweiten Jahreshälfte 2016 begonnen hatte, auch in den ersten Wochen des aktuellen Jahres fortgesetzt hat. Starke Zuflüsse verzeichneten wir in der Schweiz besonders bei Aktien-ETFs. Das Interesse der Anleger lag dabei auf globalen, regionalen und Schweiz-fokussierten ETFs. Investoren schätzen die Vorteile von gehandelten Indexfonds, die ihnen eine breite Diversifikation bei niedrigen Kosten erlauben. Um den Schweizer Aktienmarkt effizient abzubilden, setzen Anleger nun auf in der Schweiz domizilierte ETFs.

Die UBS ist nach BlackRock mit 36% Marktanteil der zweitgrösste Anbieter. Wie sehen Sie die Chance, diesen Anteil weiter zu erhöhen?

Wir haben das Angebot an ETFs in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert. Dabei legen wir grossen Wert darauf, auf die Bedürfnisse der Marktteilnehmer einzugehen und Produkte anzubieten, die der Anlagestrategie unserer Kunden optimal entsprechen. Dieser Fokus hat uns erlaubt, schneller als der Markt zu wachsen. In diesem partnerschaftlichen Verhältnis wachsen wir im wahrsten Sinne des Wortes mit unseren Kunden zusammen.

ETFs sind vor allem beliebt, weil sie kostengünstig sind. Gibt es noch weiter Luft nach unten?

Wir richten unser Angebot laufend an der Nachfrage unserer Kunden aus. Das widerspiegelt sich auch im Pricing. Entsprechend haben wir bereits im Jahre 2013 die Preise auf der gesamten Produktpalette gesenkt. Wir beobachten das Geschehen an den Märkten aufmerksam und behalten uns vor, wie auch in den letzten Jahren vereinzelt Preisanpassungen vorzunehmen.

Wie schätzen Sie den Einfluss der geplanten protektionistischen Massnahmen von US-Präsident Trump auf den ETF-Markt ein?

Im Moment liegt der Schwerpunkt der öffentlichen Debatte bei den protektionistischen Massnahmen. An den Märkten haben aber die angekündigten Konjunkturprogramme, die sowohl eine Senkung der Unternehmenssteuern sowie massive Investitionen in Infrastrukturprojekte beinhalten sollen, die US-Aktienmärkte beflügelt. Mit Blick auf solide Konjunkturdaten erscheint die US-Wirtschaft robust und dürfte 2017 weiter wachsen. Bei UBS ETF bieten wir einige Produkte auf US-Indizes an, mit denen Anleger von der Entwicklung jenseits des Atlantiks profitieren können. Das gegenwärtige Marktumfeld wird stark von Entscheidungen der Politik sowie der Notenbanken bestimmt. Anleger sind daher gut beraten, wenn sie damit verbundene Wechselkursrisiken mit währungsabgesicherten ETFs minimieren. Würde die Inflation wie breit diskutiert steigen, könnten für Anleger ETFs auf US-TIPS interessant werden.  

Der Smart-Beta-Trend hat dem Anschein nach etwas nachgelassen. Täuscht der Eindruck?

Das Interesse an Alternative Beta ist bei unseren Kunden ungebremst. Intelligente oder optimierte Indexlösungen sind neben Aktien auch in den Segmenten Obligationen und Rohstoffe nach wie vor ein grosses Thema. Aktienseitig haben letztes Jahr Low Volatility- oder Value-Strategien einen starken Zuspruch gefunden. Im Fixed-Income-Bereich verzeichnen wir beachtliche Flows in ETFs auf Barclays Liquid Corporates-Indizes und bei Commodities standen besonders gehandelte Indexfonds unserer CMCI-Familie im Fokus der Anleger. 

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
Verpassen Sie keine News aus der Fondsbranche. Fondstrends.ch liefert Ihnen wöchentlich die Zusammenfassung der Nachrichten und informieren Sie über Sesselwechsel und wichtige Veranstaltungen. Hier abonnieren