Maschinen ersetzen keine Anlageexperten

Das Forum "Opportunities 2018" der "Finanz und Wirtschaft" war von vorsichtigem Optimismus geprägt. Doch trotz zunehmender Skepsis halten die meisten Anlageexperten weiterhin an Aktien fest, wobei verstärkt auf Value gesetzt wird.
06.11.2017 22:36

Die steigenden Aktienkurse verunsichern die Anleger zusehends. Auch die Experten kommen verstärkt unter Argumentationsnotstand. Leider bieten nicht einmal die neuesten Computeralgorithmen zuverlässige Entscheidungshilfen. Professor Thorsten Hens vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich bestätigte zwar, dass "Machine Learning" den Menschen immer schlägt, aber nur retrospektiv. Rückwirkend kann eine Maschine Algorithmen finden, die in der Vergangenheit zurückliegende Anlageentscheidungen optimieren. Im Stresstest zeigt sich jedoch, dass Machine Learning keine zukunftsorientierte Lösung bietet. Mit anderen Worten ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Vergangenheit wiederholt, gleich null. Die Praxis zeigt, dass nicht Computerprogramme, sondern begabte Investoren wie Jim Rogers, Peter Lynch, Benjamin Franklin bis hin zu Warren Buffet erfolgreich sind. Die Maschine "Deep Blue" hatte zwar einst den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow geschlagen, Aktienmärkte seien jedoch komplexer als Schach.

Value-Anleger in der Minderzahl
Halten wir uns also an die Anlageexperten. Stefan Rehder, Geschäftsführer der Münchner Value Intelligence Advisors, favorisiert zurzeit Value-Investing. Value-Investoren investieren mit einer Sicherheitsmarge, das heisst sie finden Unternehmen, die aktuell unter ihrem inneren Wert notieren, interpretieren die durchschnittlichen Bedingungen für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens und glauben an die Rückkehr des Aktienpreises zum langfristigen Mittel ("Mean Reversal"). Qualität steht für Value-Investoren im Vordergrund und eine Haltedauer von zehn Jahren oder länger stellt keine Ausnahme dar. Grundsätzlich geht es jedoch laut Rehder weniger darum, Gewinne zu optimieren als Verluste zu minimieren. So hält er aktuell rund 40% Cash in seinem Fonds, was kurzfristig schmerze, langfristig aber gerechtfertigt sei. Gemäss Rehder seien weltweit erst rund 5 bis 10% der Anleger value-orientiert, obwohl dieser Anlagestil Momentum-Anlagen langfristig um 5 bis 10% outperforme.

Für Peter Huber von StarCapital setzt globales Value-Investieren eine antizyklische Strategie voraus. Der durchschnittliche Anleger kauft zur falschen Zeit, da dieser  entsprechend seinen Erwartungen handelt. "Die Risikoeinstellung der Anleger ist im Zeitablauf nicht konstant und geprägt durch die Krisen, die der Anleger erlebt hat", so Huber. Er zeigt am Beispiel des State Street Institutional Investor Confidence Index auf, dass sowohl 2007 und 2014 an den Börsen Sorglosigkeit herrschte und in beiden Fällen eine Korrektur an den Aktienmärkten folgte. Aktuell befände sich dieser Index bestenfalls erst im neutralen Bereich.

Bullish auf DAX und Gold
Überbewertungen sieht Huber in den Aktienmärkten kaum. So notiert das deutsche Aktienbarometer DAX unter dem Stand des Jahres 2000, obwohl die Unternehmen 17 Jahre lang Wertzuwachs geschaffen und Gewinne erwirtschaftet haben. "Da kann man doch nicht von Überbewertung sprechen. Es ist extrem aussergewöhnlich, so etwas über eine solch langen Zeitraum zu beobachten", erläutert Huber. Das Prognosemodell von StarCapital erwartet denn auch einen DAX-Stand von circa 27’000 Punkten im Jahr 2028. Momentan steht der Index bei knapp 13'500 Punkten …

Je stärker die Verunsicherung an den Börsen, umso mehr rückt auch Gold in den Fokus der Anleger. Caesar Bryan vom Gabelli Goldfonds rechnet mit steigenden Preisen des Edelmetalls. Dies schon wegen der globalen Verschuldung. Diese beträgt heute 217 Billionen US Dollar und entspricht ungefähr 327% des Weltbruttosozialprodukts. Für diese Konstellation sieht er nur eine Lösung: Schuldenabbau durch Inflation. In diesem Umfeld seien Goldminenaktien wie Randgold, Alamos Gold, AuRico Metals und Victoria Gold geeignete Hedges. Bryan argumentiert für Gold-Aktien, weil sie über Hebel-, Wachstums- und Einkommenspotenzial verfügen. Gold ist seit dem Hoch im September 2011 um 32% gefallen, währendem der bekannteste Goldminen-Index XAU 63% verloren hat. Die Geldmengenpolitik der Notenbanken sieht Bryan als Experiment, dessen Ergebnis noch nicht bekannt ist. Zusammenfassend lässt sich in J.P. Morgans Worten sagen, "Gold is money and nothing else". 

 

 

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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