Mutual Distributed Ledgers: Vertrauen in die Technologie

Der Begriff "Blockchain" wird gegenwärtig sehr inflationär gebraucht. Doch eigentlich beschreibt Mutual Distributed Ledgers die Merkmale der Technologie präziser, sagt Michael Mainelli anlässlich des SFI-Seminars "Mutual Distributed Ledgers (aka Blockchain): Myths, Facts, and Fantasies".
12.06.2017 22:35

Der britische Wissenschaftler Michael Mainelli hat schon 1995 mit Blockchain gearbeitet, als es den Begriff noch gar nicht gab. "Ledger (Kontobücher) sind die Infrastruktur in unserer Wirtschaft seit mehr als 6’000 Jahren. Schon die Sumerer nutzten sie. Stempelsiegel von Beamten und Priestern waren auf Lehmklumpen gepresst und diese Siegel standen für die Authentizität der Transaktion. Heute werden diese Verträge (Transaktionen) als Mutual Distributed Ledgers (gegenseitig verteilbare Ledgers, aka Blockchain) bezeichnet und diese Technologie wird die meisten Finanztransaktionen, die nun mal auf Vertrauen aufbauen, schrittweise verwandeln", so Professor Mainelli anlässlich des SFI-Seminars am 7. Juni in Zürich.

Die Industrie verwendet den Begriff "Blockchain" so inflationär, weil sich dieser besser als Mutual Distributed Ledger (MDL) vermarkten lässt. Laut Mainelli erklärt MDL die wesentlichen Merkmale der Technologie jedoch eindeutiger: Der Ledger, also das Kontobuch, steht für eine permanente Aufzeichnung von Einträgen. Distributed erklärt die Architektur: Der Ledger ist über mehrere Rechner verteilt. Und Mutual schliesslich beschreibt die Besitzverhältnisse: Der Ledger ist Gemeingut.

Smart Contracts gegen Betrug
Die Anwendungsbereiche sind vielseitig. Denn diese sind keineswegs nur auf Finanzdienstleistungen reduziert. Sie umfassen alle Transaktionsbereiche, wo möglicher Betrug oder eine Irreleitung dringendst zu vermeiden ist. Als Beispiele sind hier Informationen der öffentlichen Hand, offizielle Dokumente von Schulen und Universitäten oder Ergebnisse von klinischen Untersuchungen zu nennen. Mit sogenannten Smart Contracts können juristische Verträge durch digitale Codes exekutiert werden.

Laut Mainelli werden MDL zwar nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt, die Art und Weise wie Menschen und Organisationen mit Identitäten, Transaktionen, Schulden und Verträgen umgehen, verändern. Ein weltweit verfügbareres, geprüftes und integres Ledger- oder Journalsystem wird in der Zukunft jedem vertrauenswürdigen Anbieter, insbesondere den Finanzdienstleistern, eine Möglichkeit bieten, transparent in einem offenen System korruptionssicher zu agieren. Der technische Erfolg und der Hype um Bitcoins und deren Basis, der Blockchain, hat auch Zweifler überzeugt, dass verteilte Ledger sicher sind und kommerziell erfolgreich eingesetzt werden können – auch wenn die technische Umsetzung sicher noch vereinfacht werden muss. Mit Blockchain (MDL) wird sich schrittweise die Notwendigkeit einer zentralen, dritten intermediären Partei erübrigen. Das Vertrauen in die Gegenpartei wird in der Zukunft durch das Vertrauen in die Technologie ersetzt. 

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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