Nachlese zur Finanz'18: Reduce to the max

Die grösste Schweizer Finanzmesse hat in der neuen Auflage und am neuen Standort noch gut halb so viele Besucher angezogen wie im Vorjahr. Am zweitägigen Finanzevent trafen sich Anlageprofis und diskutierten über aktuelle und künftige Entwicklungen am Finanzmarkt.
06.02.2018 22:34

Die 20. Jubiläumsauflage der Schweizer Finanzmesse überzeugte durch Übersicht und Ambiente. Das Finanzevent fand neu in der Eventhalle StageOne in Zürich Oerlikon statt und öffnete zum ersten Mal ihre Türen nur für professionelle Anleger. Dies hatte einen Besucherrückgang von 6300 im Vorjahr auf 3300 zur Folge. Die 130 Aussteller waren aber durchaus vom neuen Format angetan. Insbesondere die integrierte Immobilienmesse Immo'18 war gut besucht.

Das Messe-Motto der Finanz’18 lautete "Facing The New Normal". In spannenden Panels und Diskussionsrunden trafen sich Expertinnen und Spezialisten aus verschiedensten Finanzbereichen. Ausserdem führten die Organisatoren erneut eine grosse Befragung durch. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Schweizer Anlageprofis zurzeit weniger pessimistisch sind als auch schon. So rechnet die Mehrheit der professionellen Anlegerinnen und Anleger nicht mit einer Finanzkrise in den nächsten 10 Jahren. Die Befragung ergab weiter, dass die Schweizer Anlageprofis der Meinung sind, dass der Anteil an nachhaltigen Anlagen in helvetischen Portfolios in den nächsten zehn Jahren kontinuierlich steigen wird.

Auswirkungen der globalen Machtverschiebung
In einer Grussansprache erläuterte Bundesrat Ueli Maurer, wie sich die Machtverhältnisse auf der Welt in seiner Sicht verändert haben. Seit der Finanzkrise von 2008 geben in der internationalen Finanzregulierung die Staatengruppe G-20 und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den Takt vor. Bundesrat Ueli Maurer, Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements, sieht darin eine Gefahr für kleine Länder wie die Schweiz. Denn in dieser Situation komme Macht häufig vor Recht. Die Schweiz musste sich anpassen. So wurde das Bankkundengeheimnis für ausländische Kunden abgeschafft und in diesem Jahr werden, im Rahmen des AIA, zum ersten Mal Daten mit den europäischen Ländern ausgetauscht.

Der Aufstieg der G-20 habe auch kulturell eine neue Phase eingeleitet. Vermehrt seien jetzt auch asiatische und südamerikanische Gebräuche in die Finanzwelt eingekehrt. Manche dieser Länder haben ein anderes Verhältnis zu Rechtsfragen als die Europäer und Amerikaner. "Es ist nicht nur eine wirtschaftliche und kulturelle, sondern auch eine sicherheitspolitische Machtverschiebung, die stattfindet", so Maurer weiter. In Ländern wie Indien und China werde aufgerüstet, um den wirtschaftlichen Aufschwung aufrechtzuerhalten. Seit einiger Zeit sei zudem weltweit ein Kampf um Steuersubstrat zu beobachten, zu dem nun absehbar auch noch ein durch die USA angeführter Steuersenkungswettbewerb komme. Die Schweiz müsse in dieser Konstellation klare Stellung beziehen. Für die Entwicklung des Schweizer Finanzmarktes sieht Maurer die Technologie 4.0 als Herausforderung. Seiner Meinung nach müsse sich die Schweiz, als Hochkostenland, auf die Entwicklung im Rahmen der Digitalisierung konzentrieren.

Staatssekretärin Gabriele Ineichen-Fleisch vertrat in der nachfolgenden Diskussionsrunde die Auffassung, dass die protektionistischen Entwicklungen, vor allem in den USA, Rhetorik seien. Trump habe zu verstehen gegeben, dass "USA First" nicht bedeute, dass das Land im Alleingang funktionieren würde. Bisher habe sich in den Handelsbeziehungen nichts verändert, aber es gelte zu beobachten, wie sich die Nafta-Verhandlungen entwickeln. 38% des Welthandels werden heute in Asien produziert, erklärte Walter Gubert stellvertretender Vorsitzender bei JP Morgan Chase & Co. Gubert sieht insbesondere in China mögliche Spannungsfelder, die auf unterschiedliche Kulturen zurückzuführen seien. Der wirtschaftliche Aufschwung in den Schwellenländern werde zwar die Armut in diesen Ländern reduzieren, aber es dürfe nicht vergessen werden, dass sich gleichzeitig die Schere zwischen Arm und Reich in den Industrienationen vergrössere, fügte Frau Ineichen-Fleisch hinzu.

Fintech als Gefahr und Chance zugleich
"Banking wird nicht aussterben, aber eine Grosszahl der Banken wird aussterben", glaubt Michael Stemmle, Chef des Fintech-Unternehmens Additiv. Dies sei auf die Konsolidierung der Bankenwelt zurückzuführen. Die Wertschöpfungskette der Banken unterliegt einem Wandel, digitale Geschäftsmodelle und Dienstleistungen treiben den Markt voran. "Fintech-Unternehmen sind nicht nur bedrohlich, sondern entwickeln sich auch zu möglichen Partnern der Banken." Andreas Kubli, Head Multichannel Management und Digitization bei der UBS, sieht im Fintech-Bereich eine "Win-Win-Win"-Situation für Banken. Fintech erlaube es, besser auf Kundenbedürfnisse einzugehen. "Es wird in Zukunft definitiv nicht mehr so produziert (Produkte) werden wie heute, weil es effizientere Methoden geben wird. Vieles wird in der Zukunft in "Echtzeit" ablaufen – und das führt zu grossen Veränderungen", hält Stemmle fest. 

Nachhaltiges Investieren entkommt dem "Nischendasein"
Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es sie und sie haben sich vom Nischendasein in die richtige Richtung entwickelt. Die meisten grösseren Asset Manager bieten in der Zwischenzeit Sustainable-Investment-Produkte an, erläuterte Kelly Hess, Senior Project Manager bei Swiss Sustainable Finance. Seema Suchak, ESG-Analystin bei Schroders, sieht einen klaren Trend bei den Sustainable Investments. Jenseits von Tabak, Alkohol und Umweltverschmutzung werden bewusst Unternehmen gewählt, deren Produkte und Dienstleistungen die Welt verbessern. Gemäss Sarah Norris, Portfoliomanagerin bei Aberdeen Standard Investments, sei "impact investing" eine bewusste Entscheidung der Anleger mit ihrer Investition Gutes für Umwelt und Gesellschaft zu tun. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass "impact washing" betrieben werde. Deswegen sei es wichtig, bessere Daten einzufordern, um sicherzustellen, dass mit den Geldern tatsächlich echte und positive Veränderungen vorgenommen werden.

Die Auswahl dieser Unternehmen ist jedoch schwierig. Daniel Wild, Head of Sustainability Investing Research und Development bei RobecoSAM, erläuterte, dass eine Unternehmensanalyse unvollständig sei, wenn finanziell relevante Aspekte aus den Bereichen ESG (Environmental, Social, Governance) ignoriert würden. Seit 1999 analysiert und bewertet RobecoSAM darum systematisch die finanziell relevanten ESG-Aspekte kotierter Firmen. Das geschieht im Rahmen des jährlich durchgeführten "Corporate Sustainability Assessments". Kotierte Firmen aus der ganzen Welt werden eingeladen, daran teilzunehmen, und die Teilnehmerrate steigt ständig. Wer nicht teilnehmen will, wird aufgrund öffentlich zugänglicher Informationen analysiert und bewertet. Über die Jahre entstand so eine der weltweit umfassendsten Datenbanken für finanziell relevante Nachhaltigkeitsinformationen zu kotierten Unternehmen. "Mittlerweile erhebt RobecoSAM jährlich rund 600 (ESG-) Datenpunkte pro Firma und integriert diese Informationen systematisch in die Anlageentscheide seiner Anlagelösungen, oder verwendet die Daten zur Konstruktion von Indices, zum Beispiel die des Dow Jones Sustainability Indices", so Wild weiter. Weltweite Standards für die Beurteilung von Unternehmen in Hinblick auf Nachhaltigkeit wird es wahrscheinlich in der nahen Zukunft nicht geben, aber aufzuhalten ist der Trend zum nachhaltigen Investieren nicht.

Vermögensverwalter – quo vadis?
Das Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft war in der Vergangenheit durch Off-shore Banking und Remunerationsmodelle geprägt, die nicht mehr als nachhaltig anzusehen sind. Für Werner Rutsch, Leiter institutionelles Geschäft bei AXA Investment Managers Schweiz, fehle dem Grossteil der Vermögensverwalter der Fokus – auch in der Definition ihres USP (Unique Selling Proposition). Für grössere unabhängige Vermögensverwalter sieht er einen positiven Markt im Segment der HNW (high-net-worth) und UHNW (Ultra high-net-worth), denn jene suchen seiner Meinung nach eine neutrale und unabhängige Verwaltung der Vermögen. Während die institutionellen Kunden, wie zum Beispiel Pensionskassen, ihr Vermögen lieber von einem grossen, internationalen Anbieter verwalten lassen. Das gibt ihnen grössere Sicherheit und erforderliche Prozesse sind professioneller.

Natürlich gebe es die verschärften Regeln im Cross-Border Geschäft, erhöhte KYC Anforderungen und Tax-Compliance werde gefordert. "Unabhängige Vermögensverwalter sind flexibel und passen sich an", meint Ralph Frey vom Verband Schweizerischer Vermögensverwalter. "Wenn man im heutigen Umfeld Vermögensverwaltung betreiben will, dann muss man und hat man sich an gewisse Regeln zu halten. Dies gilt es positiv ins Geschäftsmodell einzubauen." Die Daseinsberechtigung für die Vermögensverwalter liegt in der Unabhängigkeit, den Kunden ganzheitlich und frei von Interessenskonflikten betreuen zu können. Für die Vermögensverwalter gilt – frei nach Darwin – dass nicht die Stärksten und die Intelligentesten überleben, sondern jene, die sich am ehesten erfolgreich dem Wandel anpassen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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