"Nahende US-Zinswende kommt zu spät"

Ariel Bezal, Manager des Jupiter Dynamic Bond Fonds glaubt, dass die Zinsen noch für lange Zeit auf einem niedrigen Niveau verharren werden.
19.12.2015 11:19

Marktbeobachter beschwören schon seit Längerem das Ende der jahrzehntelangen Anleihehausse. Als Beleg für ihre These führen sie die anziehende wirtschaftliche Dynamik in den Industrieländern, den anziehenden US-Arbeitsmarkt und die lang erwartete Normalisierung einer Zinspolitik an, die über viele Jahre außerordentlich expansiv ausgerichtet war. Andere Behauptungen gehen dahin, dass der Anleihemarkt schlichtweg in eine Blase übergegangen ist, die – wie alle Blasen – irgendwann platzen muss.

Ariel Bezal glaubt nicht an den Beginn einer grossen Normalisierung, sondern schätzt die Lage vielmehr so ein, dass die Zinsen noch für lange Zeit auf einem niedrigen Niveau verharren werden. In einem Umfeld, in dem sich die hohe Verschuldung und alternde Bevölkerung vieler Industrieländer weiter hemmend auf das Wirtschaftswachstum auswirken, dürften die internationalen Notenbanken nur begrenzt in der Lage sein, die Zinsen zu erhöhen. Die Entstehung neuer, disruptiver Technologien stellt einen weiteren Bremsfaktor für die globale Inflation dar. Bezalel erwartet in diesem Zusammenhang, dass die Zügel der globalen Geldpolitik allenfalls schrittweise angezogen und sich demzufolge Anleihen mit höherer Duration weiter gut entwickeln werden.

Er befürchtet jedoch, dass eine US-Zinswende zu diesem Zeitpunkt ein Fehler sein könnte. Die Entscheidung der Fed, den Dezember als möglichen Termin ins Spiel zu bringen, legt den Schluss nahe, dass die Verantwortlichen jetzt zu einer Zinswende bereit sind. In gewisser Hinsicht wirkt dies so, als ob die Fed etwas wiedergutmachen wolle – nämlich ihr Versäumnis, mit der geldpolitischen Normalisierung nicht schon früher begonnen zu haben, als die Ungleichgewichte im Weltfinanzsystem noch nicht so ausgeprägt waren. Diese Chance ist jedoch vertan worden. Sollte die Fed nun am Mittwoch die Zinsen erhöhen, könnte sie diese Entscheidung noch bereuen. Zumal der schwächere Welthandel mittlerweile im US-Fertigungssektor seine Spuren zu hinterlassen scheint. Nach Ansicht von Bezalel ist der Aufschwung in den USA auf einem wackeligen Fundament gebaut. Demgegenüber sollten in solch wirtschaftlich schwierigen Zeiten jene Staaten, die solide Finanzen und die Kontrolle über ihre Notenpresse haben, eine wirksame Absicherung gegen weitere Deflationsschocks bieten.

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