Ökonomische und politische Ereignisse lösen Schwankungen aus

Notenbankentscheidungen und die Veröffentlichung makroökonomischer Daten verstärkten im September die Schwankungen an den Finanzmärkten: Anthony Lawler, Fondsmanager bei GAM in London, analysiert in seinem monatlichen Kommentar zu Absolut-Return-Strategien die aktuelle Marktlage.
13.10.2016 14:00

"Das gesamtwirtschaftliche Umfeld war nicht besonders freundlich, aber auch nicht wirklich schlecht", kommentiert der Experte. "Risikoreiche Anlageformen erhielten im September und auch im dritten Quartal weiter durchaus Unterstützung. Die bedeutendsten Bewegungen gab es im Rohstoffsektor. Gerüchte über eine Verständigung des Erdölkartells OPEC auf niedrigere Ölfördermengen gaben diesen Titeln Auftrieb. Die Anleihe- und Aktienmärkte beendeten den Monat ungefähr da, wo sie gestartet waren, nachdem es in der Monatsmitte zu erheblichen Bewegungen gekommen war. Die Zinsen waren kräftig gestiegen, dann aber gegen Ende des Monats wieder zurückgefallen."

Hedgefonds setzen Serie positiver Monatsergebnisse fort
Die Serie positiver Monatsergebnisse der Hedgefonds setzte sich im September fort. Der HFRX Global Hedge Fund Index stieg um 0,6 Prozent und baute damit sein Plus für das dritte Quartal auf 2,2 Prozent aus. Unter den verschiedenen Strategien hatten Aktien im September die Nase vorn. Der HFRX Equity Hedge Index verzeichnete ein Plus von 1,5 Prozent – durch die günstigen Bedingungen an den Aktienmärkten und die begrenzte Volatilität boten sich gute Möglichkeiten, die von den Fonds genutzt wurden. Bei den übrigen Strategien waren die Ergebnisse etwas verhaltener. Die mit Abstand beste Performance bot der HFRX Event Driven Index, der den seit Jahresbeginn erzielten Zuwachs auf 7,2 Prozent ausbauen konnte. 

Bei den Makro-Strategien gab der HFRX Macro/CTA Index auf US-Dollarbasis im Berichtsmonat um 0,1 Prozent und im dritten Quartal um 0,8 Prozent nach. "Der September zeigte sich als Mikrokosmos des dritten Quartals, gekennzeichnet von einer etwas richtungslosen Volatilität, die zu gedämpften Ergebnissen führte – Discretionary- und Systematic-Strategien neutralisierten sich gegenseitig", analysiert Lawler. Die Discretionary-Fonds hätten angesichts der vielen Notenbanktermine im September vor grösseren direktionalen Risiken zurückgescheut. Stattdessen hätten sie sich darauf konzentriert, mit stärker am Relative Value orientierten Strategien kleinere Zuwächse zu generieren. "Allerdings erwiesen sich eher richtungsbezogene Positionen alles in allem als vorteilhaft", so Lawler. "Dabei leisteten insbesondere Allokationen in Schwellenländern positive Beiträge."

Notenbank-Mitteilungen führten zu Richtungswechseln an den Märkten
Für die Trend-Strategien sei der September dagegen ein schwieriger Monat gewesen, da eine Reihe von Trends, auf die viele Fonds gesetzt hätten, als Reaktion auf Mitteilungen von Notenbanken die Richtung gewechselt hätten, so Lawler weiter. Aktien, Edelmetalle und Anleihen verbuchten am Monatsanfang zunächst Zuwächse, doch in der Monatsmitte drehte der Trend. "Grund dafür war Enttäuschung über die EZB", erläutert der Experte. "Später ging es erneut aufwärts, nachdem die US-Notenbank die Zinsen unverändert gelassen hatte. Daraus resultieren Zuwächse bei Long-Positionen in Anleihen und Aktienindizes, während Fonds, deren Positionierung angepasst worden war, das Nachsehen hatten. Kurzum: Massnahmen und Ankündigungen von Notenbanken spielten im September eine ganz erhebliche Rolle."

Die Equity-Hedge-Strategien konnten im Berichtsmonat erneut Zuwächse verbuchen und knüpften an ihre solide Performance seit Jahresbeginn an. Im Event-Driven-Segment ging es im September zwar vergleichsweise ruhig zu, doch das Quartal endete für die Strategie trotzdem mit sehr gutem Ergebnis. Lawler resümiert: "Die Outperformance der Event-Driven-Strategien dauerte an. Investments in ausfallgefährdeten Anleihen und Special-Situation-Aktien waren insgesamt lohnend."

Wer Liquidität wahrt, kann Gelegenheiten nutzen
Die Höhe der Risiken und der Grad der Überzeugung der Fondsmanager von ihren Positionen seien im Hedgefonds-Universum derzeit breit gestreut. "Bei Aktien fassen die Fondsmanager in einzelnen Bereichen zunehmend Vertrauen in ihre Positionen, und die Bereitschaft zum Ausbau des Engagements nimmt zu", erklärt Lawler. Anders sei das Bild bei den Makro-Fonds. Sie zögen es weiter vor, nur geringe Risiken einzugehen und von Mikro-Verwerfungen zu profitieren. 

Für die nahe Zukunft prognostiziert der Fondsmanager eine Seitwärtsbewegung: "Die Märkte werden in nächster Zeit vermutlich auf der Stelle treten, wobei makroökonomische und politische Ereignisse zeitweise stärkere Schwankungen auslösen könnten. Angesichts der relativ hohen Bewertungen wird GAM tendenziell weiter auf Strategien setzen, die in ihren Risiken investiert bleiben können, wie etwa Systematic-Fonds." Wichtig sei aber auch die Wahrung von Liquidität, um Gelegenheiten nutzen zu können, sobald sich diese in einzelnen Bereichen eröffneten.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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