Partners Group prangert Governance Overkill an

Privatunternehmen entwickeln sich dynamischer als kotierte Gesellschaften, da sie unternehmerischer agieren können und weniger durch 'Corporate Correctness' gebremst werden, schreibt Partners Group in einem White Paper und prognostiziert gleichzeitig das Ende der Ära, in der Investitionen am Privatmarkt günstiger zu haben sind als Anlagen am öffentlichen Markt.
17.05.2018 22:34

Das White Paper der Partners Group „The rise of ‘Governance Correctness’: How public markets have lost entrepreneurial ground to private equity“ vertritt die Ansicht, dass ein exzessiver Fokus auf Corporate Governance-Praktiken den unternehmerischen Handlungsspielraum von öffentlichen Unternehmen einengt. Corporate Governance gehe heute in vielen Ländern so weit über ihre ursprüngliche Funktion des Aktionärsschutzes hinaus, dass eine langfristige Wertschöpfung für alle Anspruchsgruppen erheblich eingeschränkt wird.

Das White Paper beschreibt das Auseinandergehen der Governance-Charakteristiken von öffentlichen im Vergleich zu privaten Unternehmen. Es beleuchtet, welchem externen Druck eine börsennotierte Aktiengesellschaft durch spezifische Regulierungen, Aktionärsvertreter, kurzfristige Anlegerinteressen sowie Governance- und sogenannte Best-Practice-Regeln ausgesetzt ist. Privatunternehmen verfolgen dagegen einen generell flexibleren und stark unternehmerisch geprägten Governance-Stil. Die von Partners Group vertretene Perspektive basiert auf der speziellen Doppelstellung als Manager von Privatmarktanlagen und gleichzeitig erfolgreiche börsennotierte Aktiengesellschaft. 

Steffen Meister, Präsident des Verwaltungsrats von Partners Group und Mitverfasser des White Papers, erklärt: „An den öffentlichen Märkten zeichnet sich ein besorgniserregender Trend ab. Das Bestreben vermeintlichen Anforderungen wie Corporate Governance-Regeln und branchenspezifischen ‘Best Practices’ gerecht zu werden, scheint für viele Unternehmen die Notwendigkeit der Etablierung und Umsetzung wertsteigernder Massnahmen zu überschatten. Dieses Phänomen bezeichnen wir in unserer Studie als ‘Governance Correctness’.“

Meister fügt hinzu: „Gleichzeitig hat sich die Private Equity-Branche stark weiterentwickelt, indem sie sich vom Financial Engineering distanziert und sich auf die aktive Wertschöpfung als primären Wachstumstreiber für Portfoliounternehmen konzentriert. Diese Wertschöpfung wiederum stellt für Investoren auch den grössten Renditetreiber dar. Dabei sind es die angewandten Corporate Governance-Praktiken, welche zugrundeliegend ein Unternehmertum in seiner reinsten Form ermöglichen.“

Das White Paper prognostiziert auch das Ende der Ära, in der Investitionen am Privatmarkt günstiger zu haben sind als Anlagen am öffentlichen Markt. So sind die aktuell ähnlichen Bewertungsniveaus als Signal für eine strukturelle und nicht nur zyklische Marktverschiebung zu deuten. Vor diesem Hintergrund ist Partners Group davon überzeugt, dass Governance-Rahmenbedingungen, welche unternehmerisches Handeln fördern und die aktive Wertschöpfung von Privatmarktmanagern ermöglichen, zum wichtigsten Renditetreiber für die Branche werden.

Ein Grund dafür, dass es in den USA und Grossbritannien seit zwanzig Jahren immer weniger kotierte Aktiengesellschaften gibt, könnten laut dem White Paper genau diese einschränkenden Corporate Governance-Praktiken sein. Die Studie schliesst mit dem Ausblick, dass die Nachfrage von langfristig orientierten Investoren sowie auch Managementteams privater Unternehmen ein Treiber dafür sein wird, dass künftig längerfristig orientierte Private Equity-Strategien verstärkt im Markt Einzug halten werden.

Das White Paper finden Sie zum Download hier.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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