Schwellenländer-Unternehmensanleihen werden "reifer"

Das allgemeine Umfeld für Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern hat sich zuletzt deutlich verbessert – und zwar trotz der schwierigen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen der letzten vier Jahre, sagt Colm McDonagh, Leiter Schwellenländeranleihen bei Insight Investment (BNY Mellon IM).
13.04.2017 22:37

Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern gelten traditionell als das kleinere und weniger liquide Pendant zu Schwellenländer-Staatsanleihen. Ihre Attraktivität reicht jedoch nicht aus, um mehr als eine lediglich taktische Anlageoption zu sein. Deshalb mag es viele Marktteilnehmer verwundern, dass sich dieses Segment mittlerweile global zu einer bedeutsamen festverzinslichen Anlageklasse entwickelt hat. Im Hinblick auf die im Umlauf befindlichen Papiere übertreffen die sogenannten Emerging Markets Corporate Bonds inzwischen sogar US-Hochzins-Unternehmensanleihen und europäische Unternehmenspapiere mit Investment-Grade-Status. Die Folge dieses Wachstums: eine strukturelle Verschiebung der Kreditvergabe auf Bilanzebene von Banken hin zu Vermögensverwaltern. Dies führt dazu, dass Schwellenländer-Unternehmensanleihen in Zukunft wohl grösseren Einfluss auf die globalen Credit-Indizes haben werden. Darüber hinaus sollten diese Papiere für den globalen Anleihe-Markt eine immer grössere Rolle spielen. Mehr als 60 Prozent aller Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern sind derzeit mit Investment-Grade-Status eingestuft, obwohl die Renditen dieser Papiere wesentlich höher sind als die ihrer Pendants aus den USA und aus Europa.

Langfristige Anlagechance
Trotzdem, und vielleicht auch wegen ihres historischen Fokus, haben sich viele Anleger mit Schwellenländer-Unternehmensanleihen bisher noch nicht wirklich angefreundet und sind in dieser Anlageklasse nach wie vor strukturell untergewichtet. Nach Meinung von Colm McDonagh stellt die zunehmende Verbreitung von Schwellenländer-Unternehmensanleihen jedoch eine langfristige Anlagechance dar – und zwar entweder als eigenständiges Investment oder aber im Rahmen eines globalen Anleihe-Investmentansatzes.

Es ist bekannt, dass die Anleihemärkte momentan vor grossen Herausforderungen stehen. Dies gilt im kommenden Zyklus insbesondere für die etablierten Märkte. Nach McDonaghs Auffassung bietet ein aktives Management von Schwellenländer-Unternehmensanleihen aber eine interessante Alternative, weil diese Anlageklasse immer „reifer“ wird. Trotzdem werden viele Papiere von Analysten immer noch vernachlässigt und sind deshalb in den Portfolios von Mainstream-Investoren nach wie vor unterrepräsentiert. Die Folge sind häufig Fehlbewertungen gegenüber den etablierten Märkten, wodurch sich Anlagechancen eröffnen. Zudem hat sich der Anteil, den Anleihen an der gesamten Unternehmensfinanzierung ausmachen, seit der globalen Finanzkrise in den Schwellenländern fast verdoppelt. Denn die Banken sind bestrebt, Verbindlichkeiten abzubauen und ihre Kreditportfolios zu verkleinern.

Beträchtliche Fortschritte
Von den Medien grösstenteils unbeachtet, haben die Schwellenländer bei der Bewältigung der konjunkturellen Herausforderungen inzwischen beträchtliche Fortschritte gemacht. Vor diesem Hintergrund bieten sowohl Schwellenländer-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Status als auch deren hoch rentierliche Pendants Anlegern zurzeit höhere Erträge für das eingegangene Kreditrisiko als die etablierten Märkte. Hier sind die Renditen nach wie vor niedrig. Darüber hinaus weisen Unternehmen aus den Schwellenländern insgesamt solide Fundamentaldaten auf und profitieren von einem sehr guten technischen Umfeld sowie sich verbessernden konjunkturellen Rahmenbedingungen. Ausserdem sind die meisten Schwellenländer-Unternehmensanleihen in Hartwährungen denominiert, so dass das Währungsrisiko für Anleger wegfällt.

Ausblick in die Zukunft
Natürlich stellt sich die Frage, wie sich diese Anlageklasse entwickeln wird, wenn sich die Lage an den etablierten Anleihemärkten wieder normalisiert. Darauf gibt es leider keine eindeutige Antwort, denn es hängt davon ab, aus welchem Grund die Zinsen nach oben klettern. Auch das Bewertungsniveau von Emittenten aus den Schwellenländern zum Zeitpunkt des Zinsanstiegs spielt eine grosse Rolle. In der Vergangenheit waren höhere US-Zinsen für Schwellenländer-Unternehmensanleihen nicht zwangsläufig schlecht, solange dieser Aufwärtstrend bei den Zinsen auch mit einem kräftigeren US-Wirtschaftswachstum einherging. Dies scheint auch diesmal der Fall zu sein. Ein günstigeres Wachstumsumfeld führt nämlich in der Regel dazu, dass die Zinsdifferenzen von Hochzins-Anlagen schrumpfen.

Nichtsdestotrotz ist man bei Insight Investment aus taktischer Perspektive inzwischen wieder etwas vorsichtiger gestimmt als zu Beginn des Jahres 2017. Sobald man die Aussichten auf politische Erfolge oder Misserfolge in den Industriestaaten sowie die Nachhaltigkeit der aktuellen Wachstumsraten eindeutiger abschätzen kann, hält man jedoch nach Möglichkeiten Ausschau das Risiko wieder zu erhöhen. Parallel dazu beurteilt Insight das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern ebenso positiv wie die dortigen Reformbestrebungen. Deshalb geht die Entwicklung in diesen Volkswirtschaften insgesamt in die richtige Richtung finden die Experten.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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