Sell-off an den Börsen: "Zu früh, um völlig in die Defensive zu gehen"

Nach den starken Verlusten an den amerikanischen und asiatischen Aktienmärkten sind auch die europäischen Finanzmärkte in den Abwärtssog geraten. John Stopford, Portfoliomanager beim Investec Global Multi-Asset Income Fund, kommentiert den Sell-off, der weltweit die Börsen ergriffen hat.
11.10.2018 22:34

John Stopford, Portfoliomanager beim Investec Global Multi-Asset Income Fund, geht davon aus, dass es sich beim Sell-Off vorerst um eine Korrektur handelt. Dies als Reaktion auf eskalierende Handelsspannungen und auf das Ende der geldpolitischen Unterstützung. "Unsere Annahme wird zum Teil durch die enttäuschende Performance führender Sektoren wie der Technologie und durch das relativ verhaltene Abschneiden der Schwellenländer gestützt", so Stopford. All dies deute eher auf Positionsbereinigungen als auf Panik hin.

Die meisten Korrekturen brauchen Zeit
Allerdings brauchten die meisten Korrekturen Zeit, um Boden zu finden, und diese wäre sehr milde, wenn sie bereits vorbei wäre. Laut dem Investec-Portfoliomanager deuten die Umstände auf eine weitere Aktienschwäche in den nächsten Wochen und dann auf eine gewisse Konsolidierung hin, bevor der Bullenmarkt wieder seinen Gang aufnehmen kann. Auch saisonale Faktoren lassen tendenziell eine momentane Schwäche und eine Erholung gegen das Jahresende vermuten. Für eine weitere Schwäche sprechen zudem die geringe Wahrscheinlichkeit, dass Trump den Druck auf China in nächster Zeit kaum mildern dürfte und dass die Fed kaum von ihrer Straffungspolitik abrücken wird, sofern sich die Dinge nicht zum Schlechteren wenden. Letzterer Punkt dürfte allerdings den Spielraum für steigende Anleiherenditen stark einschränken, wenn die Aktien weiter fallen.

Beginn einer Baisse?
Wie John Stopford weiter ausführt, besteht auch das Risiko, dass dies tatsächlich der Beginn einer Baisse ist. Aber die meisten historischen Auslöser wie eine drohende Rezession, inverse Zinskurven, Gewinnrevisionen nach unten etc. sind noch nicht in Sicht. Selbst Bewertung und Stimmung an den Börsen sind nicht übertrieben. Ein neuer Faktor ist die sinkende Unterstützung der Zentralbanken, da sich QE (Quantitative Easing) in Richtung QT (Tightening) bewegt. Der Bullenmarkt ist aber im historischen Vergleich sehr reif. "Insgesamt sind wir spät im Zyklus und das Verhältnis von Risiko zu Rendite hat sich seit einiger Zeit verschlechtert, so dass schrittweise eine vorsichtigere Haltung Sinn macht", sagt Stopford. Doch erscheine es noch zu früh, um völlig in die Defensive zu gehen.

In den Multi-Asset-Portfolios erhöht Investec seit einiger Zeit das defensive Engagement zu Lasten wachstumsorientierter Vermögenswerte und ist so defensiv positioniert wie in den letzten 5 bis 10 Jahren nicht mehr. "Wenn wir jedoch glauben würden, dass dies tatsächlich der Beginn einer neuen Baisse ist, würden wir noch defensiver agieren", stellt Stopford klar. Das blosse Hinzufügen von Staatsanleihen dürfte jedoch im aktuellen Umfeld kein effektiver defensiver Ansatz sein, da die Zentralbanken die Unterstützung für den Anleihekauf aufgeben. Anstatt auf Staatsanleihen zu setzen, können direktere Absicherungen wie Aktienfutures und -optionen oder Engagements in günstigen defensiven Positionen wie dem japanischen Yen dazu beitragen, Portfolios besser vor Marktschwankungen zu schützen.

Anlagen aufgrund ihrer Anlagecharakteristiken selektieren
Das Risiko einer gleichgerichteten Entwicklung der Anleihen- und Aktienrenditen dürfte vor allem diejenigen Anleger beunruhigen, welche Anleihen halten, nur um mögliche Verluste bei Aktien auszugleichen. Stapford ist der Meinung, dass Anlagen nicht aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Anlageklasse selektiert werden sollten, sondern aufgrund ihrer Anlagecharakteristiken. So stuft Investec die Risiken von Unternehmensschulden mit tieferem Rating ähnlich ein wie Aktienrisiken.

Darüber hinaus erfordern die letzten Phasen eines Bullenmarktes zunehmend einen selektiveren Ansatz bei der Portfoliokonstruktion, da die Märkte immer sensitiver werden. "In diesem schwierigen Umfeld ist ein Bottom-Up-Ansatz besonders vorteilhaft, indem Portfolios nicht standardisiert aufgebaut werden, sondern mit Wertpapieren, welche attraktive Rendite- und Risikomerkmale aufweisen", sagt Stopford.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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